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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2024

zu viele ungeklärte Situationen

Die Villa im Moor
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Die Idee der Geschichte finde ich spannend, die Umsetzung allerdings ist nicht ganz gelungen. Der Schreibstil und die Untermauerung mit den wirren Tonaufzeichnungen passt sehr gut zum Thema und lässt sich ...

Die Idee der Geschichte finde ich spannend, die Umsetzung allerdings ist nicht ganz gelungen. Der Schreibstil und die Untermauerung mit den wirren Tonaufzeichnungen passt sehr gut zum Thema und lässt sich auch schnell und unkompliziert lesen. Das Unterbewusstsein und Sinnestäuschungen sind Themen, die man gut für solche Psychogeschichten nutzen kann, allerdings finde ich es hier nicht immer glaubwürdig umgesetzt und oft war mir auch der Zusammenhang zu wenig deutlich oder gar unklar. Ellen ist eine interessante Person, bei ihr weiß man als Leser*in nie, was man von ihren Erinnerungen und Aufzeichnungen halten soll, auch sie selbst hat durch ihre Aufzeichnungen keine Sicherheit gewonnen. Verwirrend war sie aber schon vor dieser Zeit in der Villa im Moor, sodass Ellen nicht nur zwei, sondern noch mehr Persönlichkeiten angenommen hat. Das Ende war für mich nicht zufriedenstellend, es werden einige Situationen nicht aufgelöst und es bleiben viele Unklarheiten offen.

Veröffentlicht am 30.10.2024

mit Flair und Gemütlichkeit

Der blaue Salamander
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Der Capri-Krimi beginnt gemütlich und dennoch temperamentvoll und bietet vor allem das Flair der Region mit den Schrullen und Eigenheiten der dort lebenden Personen. Der Mordfall geschieht schon zu Beginn ...

Der Capri-Krimi beginnt gemütlich und dennoch temperamentvoll und bietet vor allem das Flair der Region mit den Schrullen und Eigenheiten der dort lebenden Personen. Der Mordfall geschieht schon zu Beginn und die Ermittlungen ziehen sich dahin. Rizzi hat interessante Ermittlungsansätze, aber insgesamt geht es mir zu langsam bis endlich Licht ins Geschehen kommt. Es werden alle möglichen Geschichten ausgegraben und Gerüchte und Vermutungen angesprochen, gleichzeitig spielt auch das Privatleben der Beteiligten eine große Rolle. Insgesamt ist er zwar lokal und interessant geschrieben, aber für mich etwas zu wenig Krimiflair und zu langsam. Das Cover finde ich hingegen sehr gelungen!

Veröffentlicht am 17.10.2024

Potenzial verschenkt - mehr Perspektiven wären spannend gewesen

Vor der Stille
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Der Kriminalroman hat mich zu Beginn aufgrund des harmonischen, idyllischen Covers in angenehmer Farbgestaltung angesprochen. Die beiden vorigen Teile habe ich nicht gelesen, ich bin direkt mit dem dritten ...

Der Kriminalroman hat mich zu Beginn aufgrund des harmonischen, idyllischen Covers in angenehmer Farbgestaltung angesprochen. Die beiden vorigen Teile habe ich nicht gelesen, ich bin direkt mit dem dritten Teil eingestiegen. Dies war inhaltlich kein Problem, da der Fall in sich abgeschlossen ist, in Bezug auf die Beziehung zwischen Jan und Hanna war es zu Beginn allerdings schwierig auszuloten, warum sie sich in gewissen Situationen für mich ungewöhnlich verhalten. Die Vermischung der Arbeits-Freundschafts-Liebesbeziehung und das ständige hin und her hat mir generell nicht gefallen und am Ende war es mir dann auch zu plötzlich und direkt, sodass es mit den vorangegangenen Aussagen nicht ganz stimmig war.
Die Kapitel werden abwechselnd aus Sicht von Jan und Hanna erzählt, was ich abwechslungsreich und spannend finde. Mir hätten noch weitere Perspektiven, beispielswiese von anderen Ermittlerinnen oder auch Rückblenden von Lisa als Ergänzung gut gefallen. Die Tagebucheinträge ziemlich am Schluss finde ich spannend, ansonsten waren die anderen Perspektiven eher wenig vertreten. Die beruflichen Herangehensweisen sowie die illegalen Tracker-Aktivitäten von Hanna haben zwar immer schnell zu einem kurzweiligen Erfolg geführt, haben mir aber aus ethischen Gründen gar nicht gefallen. Generell hatte ich mir von den Expertinnen mehr erwartet. Jan ist uns ein ausführliches Täterprofil bis zum Schluss schuldig geblieben bzw. hat einmal kurz und so vage formuliert, das hätte jede/r hinbekommen. Die Integration ins Team hat absolut nicht funktioniert, es war auch kein Bemühen zu erkennen, von beiden Seiten nicht. Dies finde ich unprofessionell und passt auch nicht zu Jans Berufsbild.
Die Auflösung am Ende war nicht mehr ganz so überraschend, es hat sich schon angebahnt und dann auch keine Wendungen oder bösen Überraschungen mehr gegeben. Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen, es hätte allerdings noch das Potenzial dazu gehabt, spannender zu sein, indem man weitere Sichtweisen einbezogen hätte.

Veröffentlicht am 14.10.2024

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

Ex-Wife
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Der Roman ist einerseits schon über 100 Jahre alt, aber auf der anderen Seite sind die Themen auch heute noch von Bedeutung. Ich hatte zu Beginn leichte Schwierigkeiten mit dem Schreibstil klarzukommen. ...

Der Roman ist einerseits schon über 100 Jahre alt, aber auf der anderen Seite sind die Themen auch heute noch von Bedeutung. Ich hatte zu Beginn leichte Schwierigkeiten mit dem Schreibstil klarzukommen. Dieser ist neutral, beschreibend und wirkt zwischenzeitlich unnahbar und emotionslos. Patricia als Charakterin konnte mich ebenfalls nicht fesseln. Sie steht kurz vor der Scheidung, macht dramatische Erlebnisse durch, wie den Tod ihres ersten Kindes kurz nach der Geburt oder eine Abtreibung und berichtet davon nebensächlich und trocken, als ob es alltägliche Belanglosigkeiten wären. Sie schafft es nicht, mich als Leserin näher an sich heranzulassen, Patricia bleibt für mich bis zum Schluss unnahbar und distanziert. Patricia ist eine junge, hübsche Frau, die ihr eigenes Geld verdient, während ihrer Trennungszeit mit ihrer Freundin Lucia zusammenlebt und das Nachtleben aktiv auslebt, aber dennoch trauert sie ihrem Mann nach. Die Ausgehszenen mit unterschiedlichen Personen wiederholen sich für meinen Geschmack zu häufig und nehmen viel Raum ein, sodass es zwischenzeitlich monoton wird. Patricia schwankt zwischen Hoffnung und Hingabe und kehrt immer wieder an den gleichen Punkt zurück. Sie könnte sich selbst und ihre Fähigkeiten viel mehr schätzen und respektieren, dann würde sie auch von anderen anders wahrgenommen werden, nicht nur als die ewige „Ex von“. Das Selbstbild bestimmt auch die Fremdwahrnehmung. Die Auseinandersetzung mit sich selbst und die Gedankenwelt von Patricia haben mir gut gefallen.

Veröffentlicht am 14.10.2024

unterschätze nicht die Macht der Frauen

Feuerjagd
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Mir gefällt die ruhige, entspannte Erzählweise der Autorin, die sehr gut zum irischen Landleben passt. Was mir weniger gut gefallen hat, sind die ausschweifenden Dorfgeschichten, diese hätten kürzer gehalten ...

Mir gefällt die ruhige, entspannte Erzählweise der Autorin, die sehr gut zum irischen Landleben passt. Was mir weniger gut gefallen hat, sind die ausschweifenden Dorfgeschichten, diese hätten kürzer gehalten werden können. Zudem werden die Dorfbewohner als naiv dargestellt und die Frauen und Mädchen werden gar nicht erst ernst genommen. Diese veraltete Denkweise gefällt mir nicht und die Tratschgeschichten, wer mal was mit wem vor fünfzig Jahren hatte, waren nicht relevant.
Als Johnny mit einem Unbekannten ins Dorf zurückkehrt und alle mit seinen Goldgräbergeschichten lockt, kommt wieder Schwung in die Geschichte und man erkennt, dass es innerhalb der Dorfgemeinschaft zu brodeln beginnt. Man hat das Gefühl, endlich passiert mal etwas Außergewöhnliches in dem abgeschiedenen Dorf, auch wenn die Geschichte rund um das Gold nicht glaubwürdig dargestellt war, sondern eher schleppend in Fahrt kam.
Das traditionelle Pub und das einfache Ortsleben gefallen mir, auch wenn Cal es als Zugezogener nicht einfach hat, Anschluss zu finden.
Trey hat endlich ein wenig Halt gefunden, indem sie sich an den Werten von Cal und Lena orientiert und Verantwortung für ihren Hund übernimmt. Durch die ganze Unruhe durch das Auftauchen ihres Vaters kommt auch Trey wieder komplett aus dem Takt und handelt unüberlegt. Der Tod ihres älteren Bruders beschäftigt sie nach wie vor schwer und sie will endlich jemanden dafür zur Verantwortung ziehen. Doch hier mauert die Dorfgemeinschaft und niemand gibt preis, was er oder sie weiß oder vermutet. Man tut fast so, als wäre Treys Bruder noch am Leben und nur kurz im Ausland, was ich eigenartig finde. Wenn es hart auf hart kommt, halten die Einheimischen zusammen, vor allem Fremden gegenüber.
Was sich am Ende aber als spannende Message herausstellt, man sollte die Intelligenz und die Macht der Frauen nicht überschätzen.