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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2025

Spannende, ziemlich blutige Liebesgeschichte um eine Hexe und einen Hexenjäger

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Manche Frauen sind genetisch bedingt Hexen, dies zeigt sich bei der ersten Menstruation. Fortan können sie mit eigenem oder (freiwillig oder mit Gewalt genommenem) fremden Blut Zaubersprüche wirken. Die ...

Manche Frauen sind genetisch bedingt Hexen, dies zeigt sich bei der ersten Menstruation. Fortan können sie mit eigenem oder (freiwillig oder mit Gewalt genommenem) fremden Blut Zaubersprüche wirken. Die Herrschaft der Hexen wurde von einer Revolution gestürzt. Seitdem leben Hexen im Untergrund und werden von Hexenjägern gejagt. Die Hexe Rune bemüht sich andere Hexen zu schützen und gerät dabei ins Visier des Hexenjägers Gideon. Und wie das in solchen Büchern so ist, man sollte sich hassen, aber irgendwie ist da doch diese erotische Spannung...

Die Handlung ist spannend und man snackt die Geschichte schnell weg. Die Liebesgeschichte ist wichtiger als das logische Worldbuilding. Das fand ich ein bisschen schade. Teilweise musste ich ob der Konstruiertheit des Liebesdramas auch ein bisschen schmunzeln. Zum Beispiel muss Gideon immer wieder Pläne schmieden, um Rune nackt sehen zu können und ihren Körper auf Narben untersuchen zu können. Dann klappt der Plan nicht, weil der Körper irgendwie verdeckt war oder das Licht zu schlecht und dann muss er wieder eine Gelegenheit finden. Es dient also eher der Schaffung von Szenen mit erotischer Spannung, als der Logik.
Aber sei’s drum. Die Wortgefechte zwischen den Protagonist*innen haben mir sehr gut gefallen. Es war für meinen Geschmack etwas arg brutal und blutig. Hexen müssen Blut benutzen, um Zauber zu wirken und insofern werden sie bei der Hinrichtung ausgeblutet. Da wird schon immer etwas sensationslüstern draufgehalten.
Runtergebrochen auf das Wesentliche wird ein Mann von einer Hexe hm…, extrem schlecht behandelt (will nicht spoilern) und bemüht sich fortan Hexen aufzuspüren und töten zu lassen. Er ist nicht besonders begeistert davon, wenn die Hexen misshandelt werden, aber nichtsdestotrotz sorgt er dafür, dass Hexen ohne Prozess gefangen und getötet werden, weil sie eben genetisch bedingt Hexen sind und nicht, weil ihnen etwas nachgewiesen werden kann. Manchmal werden Hexen wochenlang ins Gefängnis gesperrt, manchmal direkt hingerichtet, je nachdem ob man gerade eine Party um eine blutige Showeinlage ergänzen will (?!) oder es der Autorin gerade in den Plot passt. Und in diesem Band geht es viel darum, dafür Gründe und Verständnis zu finden. Joa, teilweise gelingt das, aber so einen komischen Nachgeschmack hat es schon.
Da bin ich gespannt, wie das im zweiten Band aufgelöst wird. Das könnte auch in die Richtung „es ist nicht alles schwarz-weiß“ gehen, was wiederum spannend wäre. Einige Twists sind noch nicht so gut erklärt, dass sie mich umhauen würden und ich möchte gern mehr über die von der Macht wirklich korrumpierten Hexen erfahren. Dass die einfach abgrundtief böse sind, ist mir zu wenig. In der Bewertung bin ich ein bisschen gespalten. Ich empfehle vor allem das Hörbuch, da haben mir die Sprecherin und der Sprecher sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Erwartung etwas enttäuscht

Super-GAU
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Am 11.03.2011 wird Japan von einem schweren Erdbeben erschüttert. Das Erdbeben löst eine Tsunamiwelle aus, die zahlreiche Menschen das Leben kostet.
Auch das Atomkraftwerk Fukushima wird beschädigt. Währenddessen ...

Am 11.03.2011 wird Japan von einem schweren Erdbeben erschüttert. Das Erdbeben löst eine Tsunamiwelle aus, die zahlreiche Menschen das Leben kostet.
Auch das Atomkraftwerk Fukushima wird beschädigt. Währenddessen geht in Berlin das Leben seinen normalen Gang.

Der Zeichenstil gefällt mir gut. Die Charaktere werden gut charakterisiert, beeindruckende Großformate und Traumszenen.
Mit der Handlung habe ich ein wenig gehadert. Von Japan erfährt man sehr wenig. Stattdessen geht es um mehrere Berliner:innen und deren Alltag. Vor allem persönlich betroffene Menschen sind sehr berührt von dem Unglück. Und das war’s auch schon im Großen und Ganzen.
Das ist an sich nicht schlecht, passt nur nicht so ganz zur Erwartung, die geweckt wird. Für mich war es eine etwas merkwürdige Fokussetzung, denn man betrachtet das schreckliche Unglück aus Japan merkwürdig distanziert. Wir sehen vor allem (gezeichnete) Fernsehbilder und das Ausmaß der Katastrophe nicht nur für Einzelpersonen, sondern die (japanische) Gesellschaft kommt gar nicht so sehr raus und auch nicht, was konkret ein Unglück in einem Kernkraftwerk so bedrohlich macht.
Es gibt zwar eine Verbindung zwischen Berlin und Sendai/Japan, aber diese war mir ein wenig zu schwach. Ich hatte noch mehr kleinere Verweise auf die Verflochtenheit einer globalisierten Welt gehofft oder auch eine Gegenüberstellung davon, wie sich das Leben der Menschen gestaltet. So war mir das etwas zu wenig.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Zerrissen

Russische Spezialitäten
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Dmitrij Kapitelman wurde in Kyjiw geboren und kommt mit seinen Eltern als Kontingentflüchtling nach Leipzig. Dort eröffnen seine Eltern ein Geschäft namens магазин mit allerlei russischen/osteuropäischen/sowjetischen ...

Dmitrij Kapitelman wurde in Kyjiw geboren und kommt mit seinen Eltern als Kontingentflüchtling nach Leipzig. Dort eröffnen seine Eltern ein Geschäft namens магазин mit allerlei russischen/osteuropäischen/sowjetischen Spezialitäten, Souvenirs und Krimskrams. Die Kundschaft besteht hauptsächlich aus Nashi (aus der ehemaligen Sowjetunion Eingewanderte), Nostalgikern und allerlei skurrilen Gestalten. Als Russland in die Ukraine einmarschiert, kommt es auch in Dimas Familie und Freundeskreis zu Konflikten. Seine Mutter schaut den ganzen Tag russisches Fernsehen, glaubt die absurdesten Behauptungen und ist fest davon überzeugt, dass die Ukraine an dem Konflikt schuld ist, während Dima sich der ukrainischen Seite zugehörig fühlt. Schließlich beschließt Dima, selbst in die Ukraine zu reisen und seine dort lebenden Freunde zu treffen.
Das Buch ist sehr aktuell und meiner Meinung nach wichtig zu lesen, aber der Autor macht es einem nicht leicht. Es ist sehr deutlich in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil ist voller skurriler Anekdoten, die manchmal ins Absurde kippen, über die Kundschaft des Ladens, die Familiengeschichte und den Streit mit der Mutter. Es gibt viele Wortspiele, die nicht alle zünden, wenn man nicht viel über die russische/ukrainische/sowjetische Kultur weiß. Der zweite Teil ist ein viel ernsterer Reisebericht. Tiefgreifende Erkenntnisse über den Krieg oder die Situation in der Ukraine konnte ich nicht gewinnen. Dima ist nur kurz dort, hat eher zufällige Begegnungen und gewinnt nur einen oberflächlichen Eindruck. Was er aber eindrücklich beschreibt, ist die Zerrissenheit der Gemeinschaft. Er selbst spricht kein Ukrainisch, sondern nur Russisch, liebt die russische Sprache und ist entsetzt, wie sie zum Politikum wird. Er zeigt, wie sich auch die im Ausland lebenden Ukrainer/Russen auf verschiedene Seiten schlagen (müssen?) und wie die Propaganda tiefe Wunden schlägt.
Insofern ein wichtiger Roman, vor allem wenn man sich schon mit dem Krieg beschäftigt hat. Man merkt ihm jedoch an, dass der Autor selbst zerrissen ist und keinen rechten Umgang mit dem Geschehen hat. Das macht es anstrengender zu lesen, macht aber noch einmal deutlich wie schwierig und verfahren die Situation der Menschen ist.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Wunderschön gestaltet, Geschichte aber nicht so mein Fall

Verborgene Fabelwesen der Meere
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Immer mehr Meereswesen greifen Menschen an. Eine Gruppe versucht rauszufinden warum und hat dabei unterschiedliche Lösungsansätze. Während Vertreter des Militärs kämpfen wollen, um die Menschheit zu schützen, ...

Immer mehr Meereswesen greifen Menschen an. Eine Gruppe versucht rauszufinden warum und hat dabei unterschiedliche Lösungsansätze. Während Vertreter des Militärs kämpfen wollen, um die Menschheit zu schützen, strebt der Erzähler eher danach eine friedliche Lösung mit den Fabelwesen zu finden, die sich durch den Menschen bedroht fühlen.

Es handelt sich um einen Expeditionsbericht in Tagebuchform, der in einer alternativen Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts spielt. Es ist liebevoll gestaltet und hat jede Menge Zeichnungen und Gestaltungselemente wie Zeitungsausschnitte, Fotos, Karten, Lexikoneinträge und unterschiedliche Schriftarten. Das ist wirklich toll anzusehen, hat mich aber auch immer wieder aus der Geschichte gerissen. Es war mir schon etwas zu viel und ich habe gemerkt, wie es mich von der Handlung abgelenkt hat.

Es fiel mir auch schwer mit den handelnden Personen mitzufühlen und mir ihre Eigenarten zu merken, besonders bei den Nebenfiguren. Das mag auch daran liegen, dass es sich um den zweiten Band der Reihe handelt, aber es ist auf jeden Fall merkbar, dass der Fokus nicht auf den konkreten Personen liegt, sondern auf der Beschreibung verschiedener Fabelwesen.

So ganz mein Fall war dieses Buch also nicht, ich empfehle es trotzdem all jenen weiter, die sich für Fabelwesen der Meere interessieren und liebevoll illustrierte und opulent gestaltete Bücher in ihrer Sammlung lieben.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

Prasgmatische Liebesgeschichte

Zwei in einem Leben
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David Nicholls, der Experte für komplizierte und schmerzhaft realistische Liebesgeschichten widmet sich in diesem Buch zwei einsamen Singles, die sich bei einer Wanderung näher kommen. Beide haben schwierige ...

David Nicholls, der Experte für komplizierte und schmerzhaft realistische Liebesgeschichten widmet sich in diesem Buch zwei einsamen Singles, die sich bei einer Wanderung näher kommen. Beide haben schwierige Trennungen hinter sich und sehnen sich nach Nähe.

Es wird abwechselnd aus der Sichtweise von Marnie und Michael erzählt und dadurch werden Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.

Die 38-jährige Marnie ist Lektorin, hat im Laufe der Zeit den Anschluss an ihren Freundeskreis verloren und die Arbeit im Homeoffice lässt sie vereinsamen. Michael ist etwas älter, ein etwas ungeschickter Erdkundelehrer und kämpft mit tiefen Ängsten. Am wohlsten fühlt er sich in der Natur, auf langen Wanderungen. Als beide in einer Wandergruppe zusammentreffen, scheinen sie zunächst nicht zusammen zu passen, lernen sich jedoch im Laufe der Zeit schätzen.

Keine wirklich neue Idee, aber gut umgesetzt. Nicholls schafft glaubhafte Charaktere und hat eine gute Beobachtungsgabe für Spleens. Und sicherlich können sich viele Menschen in der Beschreibung wiederfinden, wie die Nachwirkungen der Corona-Lockdowns und Homeoffice zu Einsamkeit führen kann. Viel Romantik kommt nicht auf, es ist eher eine pragmatische Betrachtung von Beziehungen.

Was mich etwas gestört hat war, dass fast alles über Dialoge passiert. Das macht es etwas eintönig. Es liest sich aber dadurch auch flott weg.

Insgesamt eine teilweise schmerzhaft realistische Liebesgeschichte, die Pragmatismus vor Romantik den Vorzug gibt.

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