Profilbild von hasirasi2

hasirasi2

Lesejury Star
offline

hasirasi2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hasirasi2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2025

Geld macht einsam

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
0

„Mal sehen wie gut Sie darin sind, Geheimnisse aufzudecken. Sie sind immerhin Frances‘ Erbin. Vielleicht kommen sie ein paar Mördern auf die Spur.“ (S. 23)
Seit den Ermittlungen zum Tod ihrer Großtante ...

„Mal sehen wie gut Sie darin sind, Geheimnisse aufzudecken. Sie sind immerhin Frances‘ Erbin. Vielleicht kommen sie ein paar Mördern auf die Spur.“ (S. 23)
Seit den Ermittlungen zum Tod ihrer Großtante Frances will Annie die Wahrsagerin kennenlernen, deren Prophezeiung Frances‘ Leben geprägt hatte. Eines Morgens steht sie ihr plötzlich gegenüber, Peony will auch ihr die Zukunft voraussagen. Annie hat kein Interesse, doch Peony lässt nicht locker. Dann soll sich Annie wenigstens mit dem Tod von Olivia Gravesdown befassen, die vor fast 60 Jahren zusammen mit ihrem Mann, dem Erben des Gravesdown-Vermögens, und dessen Vater bei einem Autounfall umgekommen ist. Frances war nämlich der Meinung, dass Olivia ermordet wurde. Und auch Peony würde gern wissen, was damals wirklich passiert ist. „Schauen sie unter U wie Untreue und vielleicht noch unter B wie Betrug nach. Ich bin wirklich gespannt, ob Frances über die ganze Sache Bescheid wusste.“ (S. 21) Doch noch bevor Annie im Mörderarchiv nach den Akten schauen kann, findet sie Peony erstochen mit einem antiken Dolch der Gravesdowns bei sich in der Orangerie. Kein Wunder, dass sich der neue Chief Inspektor sofort auf sie als Täterin konzentriert, zumal es nicht bei einem Mord bleibt und alles auf Annie als Täterin hindeutet ...

Wie schon im ersten Band verbindet Kristen Perrin hier einen alten und einen aktuellen Fall. Schnell wird klar, dass Annie erst das Geheimnis um Olivias Tod und den ihrer Mitfahrer lösen muss, um Peonys Mörder auf die Spur zu kommen. Helfen könnten ihr dabei Frances‘ Akten, doch die wichtigsten fehlen! Wer konnte sie wann und wie aus dem Mörderarchiv entwenden? Und wie kamen Peony und ihr Mörder in Annies Haus? Sobald eine Frage gelöst scheint, kommen neue Varianten und Verdächtige ins Spiel.

Und über allem schwebt die Frage, ob sich Annie langsam zum Spiegelbild ihrer Tante entwickelt, einer einsamen Millionären in einem alten Herrenhaus, die von niemandem im Ort gemocht wird und selbst keinem traut. „… ich habe das Gefühl, dass mein Leben hier auf Gravesdown Hall quasi eine Blaupause des Lebens ist, das Tante Frances geführt hat. Dieses Haus mit all den Akten im Zentrum ist eine Zielscheibe für Verbrecher. (S. 218)

Auch der zweite Band der Reihe ist wieder sehr spannend, da die Fälle der Gegenwart und Vergangenheit diesmal extrem ineinander verschachtelt sind. Dazu kommen die vielen Beteiligten (ich musste ganz schön aufpassen, dass ich den Überblick nicht verliere) und ein grausamer Hintergrund für die Morde. Ich bin gespannt, ob Annie im nächsten Teil vielleicht doch noch erfährt, was Peony ihr vorhersagen wollte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2025

Das Lip Girl

Not your Darling
0

„… Männer scheinen gern mal Pechsträhnen zu haben, wenn du in der Nähe bist.“ (S. 338)
Margaret arbeitet in der Nähe von Liverpool in der Kosmetikabteilung von Woolworth und träumt davon, Maskenbildnerin ...

„… Männer scheinen gern mal Pechsträhnen zu haben, wenn du in der Nähe bist.“ (S. 338)
Margaret arbeitet in der Nähe von Liverpool in der Kosmetikabteilung von Woolworth und träumt davon, Maskenbildnerin in Hollywood zu werden. Als sie einen amerikanischen Schieber kennenlernt, der Probleme mit dem Zoll hat, erkennt sie ihre Chance und reist als seine Frau Loretta mit ihm nach Amerika. Sie zwingt ihn noch, sie nach Hollywood zu bringen, bevor sie ihm sein Geld klaut und ein neues Leben beginnt. Sie lernt einen sehr schönen mittellosen jungen Schauspieler kennen, den sie heiratet, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Ihre Ehe ist ein Desaster, aber sie schafft es tatsächlich, einen Job bei DEM Maskenbildner Hollywoods zu ergattern. Unter ihrem neuen Namen Loretta Darling fängt sie ganz unten an und arbeitet sich hoch, ist bald als das „Lip Girl“ bekannt, weil sie ein Faible für Lippenstifte hat. Doch wie schon in England, begegnen ihr auch in Hollywood jeden Tag übergriffige Männer, die sich an den jungen Frauen, egal ob Angestellte oder Schauspielerinnen, schadlos halten. Aber sie hat sich geschworen, das nicht mehr hinzunehmen …

Katherine Blake hat mich mit „Not your Darling“ überrascht und schockiert. Auf der einen Seite zeigt sie das Glamourleben Hollywoods, die Stars und Sternchen und wie man mit den richtigen Beziehungen in die Club, auf wichtige Partys oder einen Job bekommt.
Loretta ist gewitzt, schlau und zielstrebig. Sie ergreift jede Chance und nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden Tricks. Aber sie ist nicht bereit, wirklich alles für ihren Traum zu tun und wehrt bzw. rächt sich auf sehr subtile Weise gegen Belästigungen. Sei es durch ein Schlafpulver im Drink, eine allergieauslösende Pflanze in der Kosmetik oder noch Schlimmeres – sie zahlt es den Peinigern heim.
Denn Katherine Blake zeigt auch die Drogenpartys der Filmschaffenden, wie die jungen Frauen ausgebeutet, sexuell belästigt und vergewaltigt werden und ihnen dann auch noch eingeredet wird, dass sie selbst schuld daran wären. Wenn eine der Schauspielerinnen schwanger wird, zahlt das Studio wenigstens die Abtreibung, die anderen Mädchen müssen allein klarkommen. Hier hätte ich mir eine Triggerwarnung gewünscht. Außerdem hätte gern etwas genauer gewusst, was früher bei Loretta zu Hause passiert ist, da diese Parts etwas schwammig formuliert sind –auf jeden Fall war es kein schönes Leben. Und auch wenn mir die sexuelle Gewalt gegen Frauen zu oft und deutlich formuliert wurde, macht es doch klar, warum Margaret zu Loretta werden musste.

Mein Fazit: Der spannende und atmosphärische Roman zeigt, wie sich eine Frau in den 50ern in Hollywood neu erfindet und subtil gegen übergriffige Männer wehrt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.12.2024

Der ganz normale Wahnsinn?

Zwischen Ende und Anfang
0

Lila, Autorin von Beziehungsratgebern, führt ein scheinbar perfektes Leben mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Doch ausgerechnet zum Erscheinen ihres neuen Buches, wie man die Liebe in einer langen Ehe frisch ...

Lila, Autorin von Beziehungsratgebern, führt ein scheinbar perfektes Leben mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Doch ausgerechnet zum Erscheinen ihres neuen Buches, wie man die Liebe in einer langen Ehe frisch hält, verlässt er sie wegen einer Anderen, die er auch gleich noch schwängert. Kurz darauf stirbt Lilas Mutter und ihr Stiefvater Bill zieht bei ihr ein. Celie, ihre ältere Tochter ist mitten in der Pubertät und schmeißt lieber Türen statt zu reden, und das Nesthäkchen Violett hat Angst, noch jemanden zu verlieren. Lila ist am Ende, als auch noch ihr leiblicher Vater Gene auftaucht. Er hat die Familie verlassen, als sie 4 war, um in Amerika Karriere als Schauspieler zu machen. Jetzt ist sein Ruhm verblasst und er braucht dringend einen Platz zum Schlafen. Da kollidieren nicht nur verschiedene Lebensweisen und Altersstufen, sondern konkurrierenden auch zwei alte Männer, die sich überhaupt nicht ausstehen können, um die Liebe einer verstorbenen Frau. Und als wäre das alles nicht schon chaotisch genug, lernt Lila zwei Männer kennen, die ernsthaft an ihr interessiert zu sein scheinen …

Jojo Moyes neuer Roman „Zwischen Ende und Anfang“ hat es mir mit seiner depressiven Grundstimmung zu Beginn nicht leicht gemacht. Lila kommt nicht darüber hinweg, dass ihr Mann sie verlassen hat und ihre Mutter gestorben ist. Ihre Agentin hängt ihr wegen einem neuen Buch im Nacken, in ihrem alten Haus ist immer etwas kaputt, und ihr Hund ist verhaltensgestört. Sie fühlt sich von ihrem Leben, den Kindern und Bill überfordert, weiß aber, dass er das Familienleben aufrecht hält. Er kocht (leider viel zu gesund) für alle und begleitet Violett zur Schule, damit sich Lila nicht den gehässigen Sprüchen der anderen Mütter stellen muss. Bill war früher beim Militär, ist für Ordnung, Sauberkeit und feste Regeln. Und dann kommt da Gene, den sie seit 40 Jahren nicht gesehen haben, pleite, unbeschwert und mit dieser „Ich-bin-ein-Star-Attitüde“, die sie und Bill in den Wahnsinn treibt. Aber er hat einen guten Draht zu seinen Enkelinnen, holt sie aus ihren Schneckenhäusern und erlaubt, was Lila und Bill verbieten. Langsam wird alles besser, bis sie ein lang gehütetes Geheimnis ihrer Mutter entdecken, was wieder alles ändert.

Das Buch ist keine leichte Lektüre für zwischendurch, obwohl es sich sehr flüssig liest. Man fühlt Lilas Einsamkeit und Mutlosigkeit, aber Jojo Moyes schafft es mit leisem Humor, die Hoffnung wieder in deren Leben einziehen zu lassen. Lila muss erst mit ihrem alten Leben abschließen und ihr Selbstbewusstsein wiedererlangen, bevor etwas Neues beginnen kann. Und irgendwann versteht sie, dass es verschiedene Arten von Familien gibt und man sich am Ende auf diejenigen verlassen kann, von denen man es am wenigsten erwartet. „Es ist keine traditionelle Familie. Aber das heißt nicht, dass es keine Familie ist.“ (S. 313)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2024

Von Küste zu Küste

Zwei in einem Leben
0

„Ich habe zu Hause eine von diesen Memory-Foam-Matratzen, und nicht mal bei der hinterlasse ich einen Eindruck.“
Marnie hatte sich ihr Leben anders vorgestellt, mit Partner und Kindern. Jetzt ist sie ...

„Ich habe zu Hause eine von diesen Memory-Foam-Matratzen, und nicht mal bei der hinterlasse ich einen Eindruck.“
Marnie hatte sich ihr Leben anders vorgestellt, mit Partner und Kindern. Jetzt ist sie 38, geschieden und redet mit den Gegenständen in ihrer Wohnung. Sie ist eine gefragte freiberufliche Lektorin und Korrektorin und hat seit 3 Jahren keinen Urlaub gemacht. Zum einen verdient sie nicht besonders viel, zum anderen schämt sie sich, dass sie einsam ist. Durch Corona waren ihre sozialen Kontakte eingeschlafen und sie hat sie danach nie wiederbelebt.

„Wenn man einmal quer durchs Land wandert, soll man mit den Zehen ins Wasser tauchen, sich einen Stein suchen und ihn zur anderen Küste mitnehmen.“
Michael ist Erdkundelehrer und seit 9 Monaten getrennt. Er vermisst seine Frau und geht darum bis zur totalen Erschöpfung wandern. Seine Kollegin und Freundin Cleo will ihn aufheitern und schlägt eine Gruppenwanderung vor, er bestimmt die Strecke, sie organisiert die Unterkünfte und Freunde, die mitgehen. Ihm schwebt schon länger die Strecke von der Ost- zur Westküste Großbritanniens vor, 190 Meilen in 10 Tagen. Also plant er eine Tour mit der Gruppe durch den Lake District und will danach den Rest allein gehen. Schon im Zug fällt ihm Marnie auf, da weiß er noch nicht, dass sie Cleos beste Freundin und Teil der Gruppe ist. Bei der Wanderung kommen sie sich näher und es knistert, aber sie schleppen eben auch viele Altlasten mit sich rum.

„Zwei in einem Leben“ von David Nicholls ist ein sehr ruhiges (Hör)Buch. Genauso gemächlich, wie man bei einer Wanderung läuft, geht auch die Handlung voran. Geplant war die gemeinsame Tour eigentlich für 3 Tage, aber dann wird das Wetter schlechter und die anderen brechen ab. Marnie läuft allein mit Michael weiter. Sie entdecken, dass sie gut miteinander laufen, reden und auch schweigen können, und so überlegen sie jeden Abend erneut, dass Marnie auch noch den nächsten Tag mitgeht. Die Anstrengungen und Erlebnisse während des Laufens, aber auch ihre ähnlichen Biographien scheinen sie zusammenzuschweißen. Beide könnten sich ein Wiedersehen und vielleicht auch mehr vorstellen, wissen aber nicht so richtig, wie sie das ansprechen sollen, ohne den anderen zu überrumpeln. Und irgendwie hängt Michael ja auch noch an seiner Frau …

Die Stimmen von Tessa Mittelstaedt und Timo Weisschnur passen perfekt zu Marnie und Michael, die immer abwechselnd zu Wort kommen, dadurch kommt es an einigen Stellen zwar zu Wiederholungen, aber man erfährt auch die jeweils andere Sicht auf das gleiche Geschehen. Ich fand das Hörbuch ziemlich meditativ, wie eine Wanderung eben auch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2024

Auf Messers Schneide

Mit scharfer Klinge
0

Als Paul von seinem alten Freund Christian gebeten wird, ihm bei einem Kochkurs zu helfen, weil der sich einen Arm gebrochen hat, kann er schlecht nein sagen. Christian ist ein berühmter Sternekoch und ...

Als Paul von seinem alten Freund Christian gebeten wird, ihm bei einem Kochkurs zu helfen, weil der sich einen Arm gebrochen hat, kann er schlecht nein sagen. Christian ist ein berühmter Sternekoch und sie kennen sie sich schon ewig. Außerdem kann er den zusätzlichen Verdienst nach dem Tod seines Lebenspartners vor einigen Monaten gut brauchen.
Doch der Kurs entwickelt sich anders als erwartet. Die exklusive Chester Square Cookery School im wohlhabenden Stadtteil Belgravia bringt ihren Schülern sehr klassische (veraltete) Techniken und Rezepte bei, bei denen sich in Paul alles sträubt. Aber die Besitzerin Mrs Hoyt hat das schon immer so gehandhabt und so lange das Honorar stimmt … dumm nur, dass weder Christian noch Mrs Hoyt mit ihm über Geld reden (wollen), Christian am ersten Unterrichtstag erst nachmittags für ein paar Minuten auftaucht, um unter seinen Fans Hofzuhalten, und am nächsten Morgen ermordet aufgefunden wird. Leider verdächtigt die Polizei ausgerechnet Paul, also stellt der eigene Ermittlungen an und findet heraus, dass jeder der acht Kurteilnehmer sowie Mrs Hoyt ein Motiv gehabt hätten. Und dann passieren weitere Unfälle …

Orlando Murrins „Mit scharfer Klinge“ ist eine Kombination aus einem klassischen, kulinarischen Whodunit und einem Kammerspiel, den ich den Fans von Jessa Maxwells „Wer den Löffel abgibt“ ans Herz legen möchte.
Der Handlungsort ist bis auf wenige Ausnahmen die Kochschule. Alles spielt sich auf engstem Raum ab, das alte Anwesen wurde ewig nicht saniert, hat versteckte Treppen und Tapetentüren und einen uralten, quietschenden Speiseaufzug. An einigen Stellen kann man sich also durchaus ein bisschen gruseln, wenn man mag.

Paul hatte gedacht, Christian gut zu kennen, doch bei seinen Nachforschungen kommt er einigen Geheimnissen auf die Spur. Dabei muss er sich mit der Polizei, der kontrollsüchtigen Chefin der Kochschule, einer Küchenhilfe, die nicht kochen kann, und den auf Christian fixierten Kursteilnehmern rumärgern.

Orlando Murrin hat mich gut unterhalten. Ich mag den trockenen, britischen Humor und den kulinarischen Aspekt. Wer will, kann die im Buch gedruckten Rezepte sogar nachkochen.
Die Spannung hat sich kontinuierlich gesteigert. Zu den Problemen innerhalb der Kochschule kommen noch ein Stalker, der Paul das Leben schwer macht, und seine zurückhaltende Art, die ihn zu selten für sich selbst einstehen lässt. Am Ende überschlägt sich dann alles und mündet in einen rasanten Showdown. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere