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Veröffentlicht am 13.02.2025

Hexe oder Heilige?

Das Pestmädchen
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„Ihr Platz war am Fuß der Gesellschaft, und bereits die Hoffnung, irgendwann ein besseres Leben zu führen, erschien gotteslästerlich.“ (S. 101)
Augsburg 1462: Lina ist 16 und ein Findelkind, lebt und arbeitet ...

„Ihr Platz war am Fuß der Gesellschaft, und bereits die Hoffnung, irgendwann ein besseres Leben zu führen, erschien gotteslästerlich.“ (S. 101)
Augsburg 1462: Lina ist 16 und ein Findelkind, lebt und arbeitet seit fast 10 Jahren im Heilig-Geist-Spital. Obwohl ihr Alltag von harter Arbeit, strengem Gehorsam und Gottgefälligkeit geprägt ist, ist sie dafür dankbar, denn andere Findelkinder landen in Frauenhäusern oder als Bettler auf der Straße. Trotzdem träumt sie manchmal von einem besseren Leben. Ihr gefällt Ulrich, der Wundarzt, der sich auch in sie verguckt zu haben scheint.
Als die Pest ausbricht, kämpft Lina mehrere Wochen mit dem Tod. Sie überlebt, während alle anderen Erkrankten sterben. Die Meisterin des Spitals sagt, das sei die Belohnung Gottes für Linas reine Seele, eine andere Magd schiebt es auf den Teufel und verbreitet das Gerücht. Dann wird ein reicher junger Mann getötet und Lina dabei schwer verletzt. Da sonst niemand in der Nähe war, wird sie des Mordes angeklagt – kann Ulrich sie retten und ihre Unschuld beweisen?

Lina ist eine sehr spannende Figur. Sie stammt zwar aus dem Findelhaus und gilt damit als unehrlich, scheint aber einen reichen Fürsprecher zu haben, der hier am Rand auftaucht – vielleicht doch ein Verwandter?! Sie steht in der Hierarchie des Spitals ganz unten, eine ewige Dienerin, die die schmutzigsten und gefährlichsten Arbeiten übernehmen muss. Gerade weil sie so genügsam und gottesfürchtig ist, ist sie einer anderen Magd mit ehrlicher Abstammung ein Dorn im Auge.
Ulrich steht als Wundarzt nur eine Stufe über den Badern, die z.B. Zähne zogen oder Gelenke wieder einrenkten. Doch durch viel Fleiß, seinen guten Ruf und die Pest verdient er sehr gut und könnte es sich leisten, Lina trotz der Standesunterschiede zu heiraten.

„Das Pestmädchen“ ist der Auftakt einer neuen Trilogie von Silvia Stolzenburg und entführt ins mittelalterliche Augsburg. Sehr bildlich beschreibt sie die Stadt und gibt Einblicke in den Alltag im Spital, erklärt Behandlungsmöglichkeiten, Arzneimittel und die Unterschiede zwischen Bader, Stadtarzt, Wundarzt und Henker, die jeweils nur bestimmte Gebrechen mit festgelegten Methoden behandeln durften. Besonders die Heilmittel, die der Henker herstellt und verkauft, haben mir Gänsehaut beschert.
Das Buch ist eine Mischung aus historischem Roman und Krimi, wobei ich denke, dass der nächste Teil noch spannender wird, da sich Linas Situation am Ende des Buches noch einmal dramatisch ändert. Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihr und Ulrich weitergeht.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Das große Schweigen

Die Schwestern von Krakau
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Paris 2017: Nach dem Tod ihres Vaters Simon entdeckt Édith, dass er deutsch-polnisch-jüdische Eltern hatte, in den Wirren des 2.WK aber in der französische Familie Mercier gelandet und aufgewachsen ist. ...

Paris 2017: Nach dem Tod ihres Vaters Simon entdeckt Édith, dass er deutsch-polnisch-jüdische Eltern hatte, in den Wirren des 2.WK aber in der französische Familie Mercier gelandet und aufgewachsen ist. Édiths Tante Adi, Simons (Zieh?-)Schwester ist älter als er und behauptet, er wäre nicht adoptiert, sondern ihr richtiger Bruder. Doch in Simons Unterlagen findet Édith die Namen seiner leiblichen Eltern, Samuel Altmann und Helene Wagner, und den Hinweis auf Verwandte in Fellbach. Dort leben Dora und Tatjana, die Tochter und die Enkelin von Helenes schon verstorbener Schwester Lilo. Sie wussten, dass Helene ein Kind hatte, das aber angeblich mit ihr zusammen mit 4 Jahren gestorben ist. Dora geht das alles zu nah, sie kann sich (noch) nicht damit befassen. Aber Édith und Tatjana forschen in Paris und Krakau, wo die Familie Wagner damals gelebt hat, nach. Dabei stoßen sie auf die „Apotheke unter dem Adler“, in der Lilo gearbeitet hat, die aber auch eine Anlaufaufstelle für Verfolgte und Widerständler war.

Bettina Storks verbindet die Geschichte des polnische Widerstandes mit der einer deutschen Familie, die schon mehrere Generationen vor dem 2. WK in Krakau lebte und plötzlich von einer Minderheit zur Besatzungsmacht wird, sowie deren Nachfahren Jahrzehnte später, die so gut wie nichts aus dieser Zeit wissen. „Für mich war Krakau immer eine Stadt, die wir unter einer Nebelglocke liegt. Fremd, undurchdringbar, geheimnisvoll. Auf diese Weise habe ich das Schweigen meiner Großmutter mitgetragen.“ (S. 113)
Dabei wird die Handlung überwiegend aus Lilos Sicht ab 1941 und Tatjanas und Édiths heutigem Blickwinkel erzählt. Die historischen Rückblicke stützen sich auf das Tagebuch der Widerstandskämpferin Gusta Draenger und die Memoiren des Krakauer Apothekers Thadeusz Pankiewicz, die wichtige Rollen im Buch spielen.

Mich haben vor allem Gustas und Lilos Geschichten gefesselt. Gusta wird zusammen mit ihrem Mann zu einer Leitfigur des jüdischen Widerstandes, schreibt nach ihrer Verhaftung heimlich ihre Erlebnisse auf und kann sie vor den Nazis verstecken.
Lilo ist schon 30 aber noch ledig, lebt bei ihren Eltern und arbeitet in Pankiewicz‘ Apotheke. Lilo und ihre Schwester Helene wurden streng katholisch erzogen. Helene ist aber schon vor Jahren aus der Familie ausgebrochen und nach Paris gegangen. Seitdem ist sie zu Hause einerseits eine Persona non grata, wird Lilo wegen ihrer Schönheit und Intelligenz andererseits aber immer als Vorbild hingestellt. „Je länger Helene fort war, desto stärker schien deren Aura in der Villa zu strahlen, und Lilo blieb nur der Schatten.“ (S. 282) Dass sie weiter in der Apotheke des Ghettos arbeitet, stört ihre Eltern besonders, auch, weil es gefährlich ist. Als sie entdeckt, welche Rolle Thadeusz im Widerstand spielt, muss sie sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen will. „Haltung und Handeln sind oft zwei verschiedene Dinge. Besonders in diesen Zeiten, wo alles verdreht ist.“ (S. 202) Sie ist zwischen der Pflicht gegenüber ihren Eltern und dem von der Kirche gepredigten Mitgefühl und Nächstenliebe hin- und hergerissen. Und nur das polnische Hausmädchen Zofia scheint zu sehen, was sie alles leistet.

Während mir die Erzählstränge der Vergangenheit gut gefielen, hatte ich mit denen in der Gegenwart so meine Probleme. Édith und Tatjana sind um die 50, gestandene Frauen, leben aber unbewusst mit den Erlebnissen, Erfahrungen und vor allem dem Schweigen ihre Vorfahren. Sie kreisen viel um sich selbst, alles wird bis ins Detail analysiert. Tatjana lernt in Krakau den Historiker Adam kennen, der Pankiewicz‘ Nachlass verwaltet und in meinen Augen ein sehr voreingenommener und unsympathischer Charakter ist. Obwohl sie das ähnlich empfindet, wehrt sie sich kaum, sondern gibt ihm in allem Recht.

Bettina Storks „Die Schwestern von Krakau“ ist ein bewegendes Buch #gegendasvergessen, ein Zeitzeugnis des jüdischen Widerstandes gegenüber dem „normalen“ Leben in Krakau, beruhend auf wahren Begebenheiten. Lilo, Gusa, Pankiewicz und ihre Weggefährten haben mir imponiert.
Aber leider haben mich der häufige Wechsel der insgesamt 4 Erzählstimmen und die verschiedenen Zeitstränge etwas gestört, da der Lesefluss dann immer unterbrochen wurde. Es hätte mir gereicht, wenn die Handlung auf die Vergangenheit beschränkt worden wäre.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Geld macht einsam

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
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„Mal sehen wie gut Sie darin sind, Geheimnisse aufzudecken. Sie sind immerhin Frances‘ Erbin. Vielleicht kommen sie ein paar Mördern auf die Spur.“ (S. 23)
Seit den Ermittlungen zum Tod ihrer Großtante ...

„Mal sehen wie gut Sie darin sind, Geheimnisse aufzudecken. Sie sind immerhin Frances‘ Erbin. Vielleicht kommen sie ein paar Mördern auf die Spur.“ (S. 23)
Seit den Ermittlungen zum Tod ihrer Großtante Frances will Annie die Wahrsagerin kennenlernen, deren Prophezeiung Frances‘ Leben geprägt hatte. Eines Morgens steht sie ihr plötzlich gegenüber, Peony will auch ihr die Zukunft voraussagen. Annie hat kein Interesse, doch Peony lässt nicht locker. Dann soll sich Annie wenigstens mit dem Tod von Olivia Gravesdown befassen, die vor fast 60 Jahren zusammen mit ihrem Mann, dem Erben des Gravesdown-Vermögens, und dessen Vater bei einem Autounfall umgekommen ist. Frances war nämlich der Meinung, dass Olivia ermordet wurde. Und auch Peony würde gern wissen, was damals wirklich passiert ist. „Schauen sie unter U wie Untreue und vielleicht noch unter B wie Betrug nach. Ich bin wirklich gespannt, ob Frances über die ganze Sache Bescheid wusste.“ (S. 21) Doch noch bevor Annie im Mörderarchiv nach den Akten schauen kann, findet sie Peony erstochen mit einem antiken Dolch der Gravesdowns bei sich in der Orangerie. Kein Wunder, dass sich der neue Chief Inspektor sofort auf sie als Täterin konzentriert, zumal es nicht bei einem Mord bleibt und alles auf Annie als Täterin hindeutet ...

Wie schon im ersten Band verbindet Kristen Perrin hier einen alten und einen aktuellen Fall. Schnell wird klar, dass Annie erst das Geheimnis um Olivias Tod und den ihrer Mitfahrer lösen muss, um Peonys Mörder auf die Spur zu kommen. Helfen könnten ihr dabei Frances‘ Akten, doch die wichtigsten fehlen! Wer konnte sie wann und wie aus dem Mörderarchiv entwenden? Und wie kamen Peony und ihr Mörder in Annies Haus? Sobald eine Frage gelöst scheint, kommen neue Varianten und Verdächtige ins Spiel.

Und über allem schwebt die Frage, ob sich Annie langsam zum Spiegelbild ihrer Tante entwickelt, einer einsamen Millionären in einem alten Herrenhaus, die von niemandem im Ort gemocht wird und selbst keinem traut. „… ich habe das Gefühl, dass mein Leben hier auf Gravesdown Hall quasi eine Blaupause des Lebens ist, das Tante Frances geführt hat. Dieses Haus mit all den Akten im Zentrum ist eine Zielscheibe für Verbrecher. (S. 218)

Auch der zweite Band der Reihe ist wieder sehr spannend, da die Fälle der Gegenwart und Vergangenheit diesmal extrem ineinander verschachtelt sind. Dazu kommen die vielen Beteiligten (ich musste ganz schön aufpassen, dass ich den Überblick nicht verliere) und ein grausamer Hintergrund für die Morde. Ich bin gespannt, ob Annie im nächsten Teil vielleicht doch noch erfährt, was Peony ihr vorhersagen wollte.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

Das Lip Girl

Not your Darling
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„… Männer scheinen gern mal Pechsträhnen zu haben, wenn du in der Nähe bist.“ (S. 338)
Margaret arbeitet in der Nähe von Liverpool in der Kosmetikabteilung von Woolworth und träumt davon, Maskenbildnerin ...

„… Männer scheinen gern mal Pechsträhnen zu haben, wenn du in der Nähe bist.“ (S. 338)
Margaret arbeitet in der Nähe von Liverpool in der Kosmetikabteilung von Woolworth und träumt davon, Maskenbildnerin in Hollywood zu werden. Als sie einen amerikanischen Schieber kennenlernt, der Probleme mit dem Zoll hat, erkennt sie ihre Chance und reist als seine Frau Loretta mit ihm nach Amerika. Sie zwingt ihn noch, sie nach Hollywood zu bringen, bevor sie ihm sein Geld klaut und ein neues Leben beginnt. Sie lernt einen sehr schönen mittellosen jungen Schauspieler kennen, den sie heiratet, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Ihre Ehe ist ein Desaster, aber sie schafft es tatsächlich, einen Job bei DEM Maskenbildner Hollywoods zu ergattern. Unter ihrem neuen Namen Loretta Darling fängt sie ganz unten an und arbeitet sich hoch, ist bald als das „Lip Girl“ bekannt, weil sie ein Faible für Lippenstifte hat. Doch wie schon in England, begegnen ihr auch in Hollywood jeden Tag übergriffige Männer, die sich an den jungen Frauen, egal ob Angestellte oder Schauspielerinnen, schadlos halten. Aber sie hat sich geschworen, das nicht mehr hinzunehmen …

Katherine Blake hat mich mit „Not your Darling“ überrascht und schockiert. Auf der einen Seite zeigt sie das Glamourleben Hollywoods, die Stars und Sternchen und wie man mit den richtigen Beziehungen in die Club, auf wichtige Partys oder einen Job bekommt.
Loretta ist gewitzt, schlau und zielstrebig. Sie ergreift jede Chance und nutzt alle ihr zur Verfügung stehenden Tricks. Aber sie ist nicht bereit, wirklich alles für ihren Traum zu tun und wehrt bzw. rächt sich auf sehr subtile Weise gegen Belästigungen. Sei es durch ein Schlafpulver im Drink, eine allergieauslösende Pflanze in der Kosmetik oder noch Schlimmeres – sie zahlt es den Peinigern heim.
Denn Katherine Blake zeigt auch die Drogenpartys der Filmschaffenden, wie die jungen Frauen ausgebeutet, sexuell belästigt und vergewaltigt werden und ihnen dann auch noch eingeredet wird, dass sie selbst schuld daran wären. Wenn eine der Schauspielerinnen schwanger wird, zahlt das Studio wenigstens die Abtreibung, die anderen Mädchen müssen allein klarkommen. Hier hätte ich mir eine Triggerwarnung gewünscht. Außerdem hätte gern etwas genauer gewusst, was früher bei Loretta zu Hause passiert ist, da diese Parts etwas schwammig formuliert sind –auf jeden Fall war es kein schönes Leben. Und auch wenn mir die sexuelle Gewalt gegen Frauen zu oft und deutlich formuliert wurde, macht es doch klar, warum Margaret zu Loretta werden musste.

Mein Fazit: Der spannende und atmosphärische Roman zeigt, wie sich eine Frau in den 50ern in Hollywood neu erfindet und subtil gegen übergriffige Männer wehrt.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Der ganz normale Wahnsinn?

Zwischen Ende und Anfang
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Lila, Autorin von Beziehungsratgebern, führt ein scheinbar perfektes Leben mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Doch ausgerechnet zum Erscheinen ihres neuen Buches, wie man die Liebe in einer langen Ehe frisch ...

Lila, Autorin von Beziehungsratgebern, führt ein scheinbar perfektes Leben mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Doch ausgerechnet zum Erscheinen ihres neuen Buches, wie man die Liebe in einer langen Ehe frisch hält, verlässt er sie wegen einer Anderen, die er auch gleich noch schwängert. Kurz darauf stirbt Lilas Mutter und ihr Stiefvater Bill zieht bei ihr ein. Celie, ihre ältere Tochter ist mitten in der Pubertät und schmeißt lieber Türen statt zu reden, und das Nesthäkchen Violett hat Angst, noch jemanden zu verlieren. Lila ist am Ende, als auch noch ihr leiblicher Vater Gene auftaucht. Er hat die Familie verlassen, als sie 4 war, um in Amerika Karriere als Schauspieler zu machen. Jetzt ist sein Ruhm verblasst und er braucht dringend einen Platz zum Schlafen. Da kollidieren nicht nur verschiedene Lebensweisen und Altersstufen, sondern konkurrierenden auch zwei alte Männer, die sich überhaupt nicht ausstehen können, um die Liebe einer verstorbenen Frau. Und als wäre das alles nicht schon chaotisch genug, lernt Lila zwei Männer kennen, die ernsthaft an ihr interessiert zu sein scheinen …

Jojo Moyes neuer Roman „Zwischen Ende und Anfang“ hat es mir mit seiner depressiven Grundstimmung zu Beginn nicht leicht gemacht. Lila kommt nicht darüber hinweg, dass ihr Mann sie verlassen hat und ihre Mutter gestorben ist. Ihre Agentin hängt ihr wegen einem neuen Buch im Nacken, in ihrem alten Haus ist immer etwas kaputt, und ihr Hund ist verhaltensgestört. Sie fühlt sich von ihrem Leben, den Kindern und Bill überfordert, weiß aber, dass er das Familienleben aufrecht hält. Er kocht (leider viel zu gesund) für alle und begleitet Violett zur Schule, damit sich Lila nicht den gehässigen Sprüchen der anderen Mütter stellen muss. Bill war früher beim Militär, ist für Ordnung, Sauberkeit und feste Regeln. Und dann kommt da Gene, den sie seit 40 Jahren nicht gesehen haben, pleite, unbeschwert und mit dieser „Ich-bin-ein-Star-Attitüde“, die sie und Bill in den Wahnsinn treibt. Aber er hat einen guten Draht zu seinen Enkelinnen, holt sie aus ihren Schneckenhäusern und erlaubt, was Lila und Bill verbieten. Langsam wird alles besser, bis sie ein lang gehütetes Geheimnis ihrer Mutter entdecken, was wieder alles ändert.

Das Buch ist keine leichte Lektüre für zwischendurch, obwohl es sich sehr flüssig liest. Man fühlt Lilas Einsamkeit und Mutlosigkeit, aber Jojo Moyes schafft es mit leisem Humor, die Hoffnung wieder in deren Leben einziehen zu lassen. Lila muss erst mit ihrem alten Leben abschließen und ihr Selbstbewusstsein wiedererlangen, bevor etwas Neues beginnen kann. Und irgendwann versteht sie, dass es verschiedene Arten von Familien gibt und man sich am Ende auf diejenigen verlassen kann, von denen man es am wenigsten erwartet. „Es ist keine traditionelle Familie. Aber das heißt nicht, dass es keine Familie ist.“ (S. 313)

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