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Veröffentlicht am 10.12.2024

Der ganz normale Wahnsinn?

Zwischen Ende und Anfang
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Lila, Autorin von Beziehungsratgebern, führt ein scheinbar perfektes Leben mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Doch ausgerechnet zum Erscheinen ihres neuen Buches, wie man die Liebe in einer langen Ehe frisch ...

Lila, Autorin von Beziehungsratgebern, führt ein scheinbar perfektes Leben mit ihrem Mann und zwei Töchtern. Doch ausgerechnet zum Erscheinen ihres neuen Buches, wie man die Liebe in einer langen Ehe frisch hält, verlässt er sie wegen einer Anderen, die er auch gleich noch schwängert. Kurz darauf stirbt Lilas Mutter und ihr Stiefvater Bill zieht bei ihr ein. Celie, ihre ältere Tochter ist mitten in der Pubertät und schmeißt lieber Türen statt zu reden, und das Nesthäkchen Violett hat Angst, noch jemanden zu verlieren. Lila ist am Ende, als auch noch ihr leiblicher Vater Gene auftaucht. Er hat die Familie verlassen, als sie 4 war, um in Amerika Karriere als Schauspieler zu machen. Jetzt ist sein Ruhm verblasst und er braucht dringend einen Platz zum Schlafen. Da kollidieren nicht nur verschiedene Lebensweisen und Altersstufen, sondern konkurrierenden auch zwei alte Männer, die sich überhaupt nicht ausstehen können, um die Liebe einer verstorbenen Frau. Und als wäre das alles nicht schon chaotisch genug, lernt Lila zwei Männer kennen, die ernsthaft an ihr interessiert zu sein scheinen …

Jojo Moyes neuer Roman „Zwischen Ende und Anfang“ hat es mir mit seiner depressiven Grundstimmung zu Beginn nicht leicht gemacht. Lila kommt nicht darüber hinweg, dass ihr Mann sie verlassen hat und ihre Mutter gestorben ist. Ihre Agentin hängt ihr wegen einem neuen Buch im Nacken, in ihrem alten Haus ist immer etwas kaputt, und ihr Hund ist verhaltensgestört. Sie fühlt sich von ihrem Leben, den Kindern und Bill überfordert, weiß aber, dass er das Familienleben aufrecht hält. Er kocht (leider viel zu gesund) für alle und begleitet Violett zur Schule, damit sich Lila nicht den gehässigen Sprüchen der anderen Mütter stellen muss. Bill war früher beim Militär, ist für Ordnung, Sauberkeit und feste Regeln. Und dann kommt da Gene, den sie seit 40 Jahren nicht gesehen haben, pleite, unbeschwert und mit dieser „Ich-bin-ein-Star-Attitüde“, die sie und Bill in den Wahnsinn treibt. Aber er hat einen guten Draht zu seinen Enkelinnen, holt sie aus ihren Schneckenhäusern und erlaubt, was Lila und Bill verbieten. Langsam wird alles besser, bis sie ein lang gehütetes Geheimnis ihrer Mutter entdecken, was wieder alles ändert.

Das Buch ist keine leichte Lektüre für zwischendurch, obwohl es sich sehr flüssig liest. Man fühlt Lilas Einsamkeit und Mutlosigkeit, aber Jojo Moyes schafft es mit leisem Humor, die Hoffnung wieder in deren Leben einziehen zu lassen. Lila muss erst mit ihrem alten Leben abschließen und ihr Selbstbewusstsein wiedererlangen, bevor etwas Neues beginnen kann. Und irgendwann versteht sie, dass es verschiedene Arten von Familien gibt und man sich am Ende auf diejenigen verlassen kann, von denen man es am wenigsten erwartet. „Es ist keine traditionelle Familie. Aber das heißt nicht, dass es keine Familie ist.“ (S. 313)

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Von Küste zu Küste

Zwei in einem Leben
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„Ich habe zu Hause eine von diesen Memory-Foam-Matratzen, und nicht mal bei der hinterlasse ich einen Eindruck.“
Marnie hatte sich ihr Leben anders vorgestellt, mit Partner und Kindern. Jetzt ist sie ...

„Ich habe zu Hause eine von diesen Memory-Foam-Matratzen, und nicht mal bei der hinterlasse ich einen Eindruck.“
Marnie hatte sich ihr Leben anders vorgestellt, mit Partner und Kindern. Jetzt ist sie 38, geschieden und redet mit den Gegenständen in ihrer Wohnung. Sie ist eine gefragte freiberufliche Lektorin und Korrektorin und hat seit 3 Jahren keinen Urlaub gemacht. Zum einen verdient sie nicht besonders viel, zum anderen schämt sie sich, dass sie einsam ist. Durch Corona waren ihre sozialen Kontakte eingeschlafen und sie hat sie danach nie wiederbelebt.

„Wenn man einmal quer durchs Land wandert, soll man mit den Zehen ins Wasser tauchen, sich einen Stein suchen und ihn zur anderen Küste mitnehmen.“
Michael ist Erdkundelehrer und seit 9 Monaten getrennt. Er vermisst seine Frau und geht darum bis zur totalen Erschöpfung wandern. Seine Kollegin und Freundin Cleo will ihn aufheitern und schlägt eine Gruppenwanderung vor, er bestimmt die Strecke, sie organisiert die Unterkünfte und Freunde, die mitgehen. Ihm schwebt schon länger die Strecke von der Ost- zur Westküste Großbritanniens vor, 190 Meilen in 10 Tagen. Also plant er eine Tour mit der Gruppe durch den Lake District und will danach den Rest allein gehen. Schon im Zug fällt ihm Marnie auf, da weiß er noch nicht, dass sie Cleos beste Freundin und Teil der Gruppe ist. Bei der Wanderung kommen sie sich näher und es knistert, aber sie schleppen eben auch viele Altlasten mit sich rum.

„Zwei in einem Leben“ von David Nicholls ist ein sehr ruhiges (Hör)Buch. Genauso gemächlich, wie man bei einer Wanderung läuft, geht auch die Handlung voran. Geplant war die gemeinsame Tour eigentlich für 3 Tage, aber dann wird das Wetter schlechter und die anderen brechen ab. Marnie läuft allein mit Michael weiter. Sie entdecken, dass sie gut miteinander laufen, reden und auch schweigen können, und so überlegen sie jeden Abend erneut, dass Marnie auch noch den nächsten Tag mitgeht. Die Anstrengungen und Erlebnisse während des Laufens, aber auch ihre ähnlichen Biographien scheinen sie zusammenzuschweißen. Beide könnten sich ein Wiedersehen und vielleicht auch mehr vorstellen, wissen aber nicht so richtig, wie sie das ansprechen sollen, ohne den anderen zu überrumpeln. Und irgendwie hängt Michael ja auch noch an seiner Frau …

Die Stimmen von Tessa Mittelstaedt und Timo Weisschnur passen perfekt zu Marnie und Michael, die immer abwechselnd zu Wort kommen, dadurch kommt es an einigen Stellen zwar zu Wiederholungen, aber man erfährt auch die jeweils andere Sicht auf das gleiche Geschehen. Ich fand das Hörbuch ziemlich meditativ, wie eine Wanderung eben auch.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Auf Messers Schneide

Mit scharfer Klinge
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Als Paul von seinem alten Freund Christian gebeten wird, ihm bei einem Kochkurs zu helfen, weil der sich einen Arm gebrochen hat, kann er schlecht nein sagen. Christian ist ein berühmter Sternekoch und ...

Als Paul von seinem alten Freund Christian gebeten wird, ihm bei einem Kochkurs zu helfen, weil der sich einen Arm gebrochen hat, kann er schlecht nein sagen. Christian ist ein berühmter Sternekoch und sie kennen sie sich schon ewig. Außerdem kann er den zusätzlichen Verdienst nach dem Tod seines Lebenspartners vor einigen Monaten gut brauchen.
Doch der Kurs entwickelt sich anders als erwartet. Die exklusive Chester Square Cookery School im wohlhabenden Stadtteil Belgravia bringt ihren Schülern sehr klassische (veraltete) Techniken und Rezepte bei, bei denen sich in Paul alles sträubt. Aber die Besitzerin Mrs Hoyt hat das schon immer so gehandhabt und so lange das Honorar stimmt … dumm nur, dass weder Christian noch Mrs Hoyt mit ihm über Geld reden (wollen), Christian am ersten Unterrichtstag erst nachmittags für ein paar Minuten auftaucht, um unter seinen Fans Hofzuhalten, und am nächsten Morgen ermordet aufgefunden wird. Leider verdächtigt die Polizei ausgerechnet Paul, also stellt der eigene Ermittlungen an und findet heraus, dass jeder der acht Kurteilnehmer sowie Mrs Hoyt ein Motiv gehabt hätten. Und dann passieren weitere Unfälle …

Orlando Murrins „Mit scharfer Klinge“ ist eine Kombination aus einem klassischen, kulinarischen Whodunit und einem Kammerspiel, den ich den Fans von Jessa Maxwells „Wer den Löffel abgibt“ ans Herz legen möchte.
Der Handlungsort ist bis auf wenige Ausnahmen die Kochschule. Alles spielt sich auf engstem Raum ab, das alte Anwesen wurde ewig nicht saniert, hat versteckte Treppen und Tapetentüren und einen uralten, quietschenden Speiseaufzug. An einigen Stellen kann man sich also durchaus ein bisschen gruseln, wenn man mag.

Paul hatte gedacht, Christian gut zu kennen, doch bei seinen Nachforschungen kommt er einigen Geheimnissen auf die Spur. Dabei muss er sich mit der Polizei, der kontrollsüchtigen Chefin der Kochschule, einer Küchenhilfe, die nicht kochen kann, und den auf Christian fixierten Kursteilnehmern rumärgern.

Orlando Murrin hat mich gut unterhalten. Ich mag den trockenen, britischen Humor und den kulinarischen Aspekt. Wer will, kann die im Buch gedruckten Rezepte sogar nachkochen.
Die Spannung hat sich kontinuierlich gesteigert. Zu den Problemen innerhalb der Kochschule kommen noch ein Stalker, der Paul das Leben schwer macht, und seine zurückhaltende Art, die ihn zu selten für sich selbst einstehen lässt. Am Ende überschlägt sich dann alles und mündet in einen rasanten Showdown. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Kuisls Erbe

Die Henkerstochter und das Vermächtnis des Henkers (Die Henkerstochter-Saga 10)
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Die Türken belagern Wien, und obwohl Schongau knapp 500 km entfernt liegt, sind auch die Kusils bzw. Fronwiesers davon betroffen, denn Kurfürst Max Emanuel hat Simon und dessen ältesten Sohn Peter, der ...

Die Türken belagern Wien, und obwohl Schongau knapp 500 km entfernt liegt, sind auch die Kusils bzw. Fronwiesers davon betroffen, denn Kurfürst Max Emanuel hat Simon und dessen ältesten Sohn Peter, der Medizin studiert, zu Feldärzten bestimmt. Magdalena begleitet die beiden, weil sie seit 2 Jahren nichts von ihrem jüngeren Sohn Paul gehört hat und seit einiger Zeit träumt, dass er in den Kampf verwickelt und schwer verletzt oder sogar tot ist. Sie hofft, ihn auf dem Schlachtfeld zu finden. Soweit kommen sie allerdings gar nicht, da Kaiser Leopold der I. Simon in Passau zu seinem Leibarzt macht und Magdalena dessen hochschwangere Gattin als Hebamme betreuen muss.
Ihre Tochter Sophia wähnt Magdalena bei ihrem Vater in Sicherheit, dem ehemaligen Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl. Den allerdings erreicht der Ruf seines alten Freundes Nepomuk aus Passau. Er hat neue Hinweise auf einen Schatz entdeckt, den sie vor 50 Jahren schon mal gesucht haben. Also macht sich Kuisl auf seine letzte große Reise. Er hofft, dass er seiner Familie mit dem Schatz das Bürgerrecht erkaufen kann und sie keine Henker mehr sein müssen. Doch als er in Passau ankommt, ist Nepomuk tot und er und 4 Freunde, die den gleichen Brief bekommen haben, schweben in Lebensgefahr. Einer von ihnen will anscheinend nicht teilen.
In Passau trifft die Familie aufeinander und muss wieder alles geben, um den Mord an Nepomuk aufzuklären und weitere zu verhindern, doch der Mörder scheint ihnen immer 3 Schritte voraus zu sein. Erst als sie sich alle auf ihre Fähigkeiten und Kenntnisse besinnen, kommen sie ihm auf die Spur.

Leider ist das der (vorerst) letzte Teil der Henkerstochter-Saga, aber Jakob Kuisl hat inzwischen auch wirklich ein stolzes Alter erreicht und sich von seinem Schlaganfall vor zwei Jahren nie ganz erholt. Und vielleicht kommt er ja doch irgendwann wieder. Außerdem habe ich das Gefühl, dass er in seiner Enkelin Sophia eine würdige Nachfolgerin hätte. Sie lernt von ihrer Mutter alles über Heilkräuter etc. und hat von ihrem Großvater die Intelligenz und das um die Ecke denken gelernt. Zudem ist sie eine sehr gute Zuhörerin und Beobachterin und bleibt dabei selbst meist unauffällig im Hintergrund. Und sie liebt ihre Freiheit, lässt sich von ihrer körperlichen Behinderung nicht einschränken.

Ihre Eltern und der Henker haben es da deutlich schwerer. Simon muss sich um die Zipperlein der höfischen Gesellschaft kümmern. Aufgrund der Hygienebedingungen gehen die Ruhr und andere Erkrankungen um. Magdalena muss der schwangeren Kaiserin die Zeit und Angst vor der Geburt vertreiben, weil die sich schrecklich langweilt und ihre Gelüste nach Pampelmusen im Heerlager nicht gestillt werden können.
Peter war bisher ein eifriger Student und Einzelgänger, jetzt hat er zum ersten Mal einen Freund, der es ehrlich mit ihm meint und ihm die Freuden des Lebens schmackhaft macht, darüber vergisst er seine Familie und die Ermittlungen leider manchmal.
Jakob Kuisl holen die Schrecken des dreißigjährigen Krieges und seine Verfehlungen wieder ein. Er kämpft mit illegalen Substanzen gegen seine Albträume und trifft eine alte Liebe wieder. Außerdem setzt er alles daran, den Mörder zu stoppen und den Schatz zu finden.

„Die Henkerstochter und das Vermächtnis des Henkers“ ist ein gelungener Abschluss der Reihe, auch wenn ich als Fan der ersten Stunde natürlich hoffe, wieder von dem einen oder anderen Familienmitglied zu lesen.

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Veröffentlicht am 09.10.2024

Die dunkle Seite des Weins

Wilder Wein
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„Wer hat Charlotte Malroix so gehasst, dass er sie tot sehen wollte?“ „Ganz einfach. Alle.“ (S. 174)
Der neueste Fall führt Luc Verlaine und seinen Kollegen Yacine nach Sauternes, wo der berühmteste Süßwein ...

„Wer hat Charlotte Malroix so gehasst, dass er sie tot sehen wollte?“ „Ganz einfach. Alle.“ (S. 174)
Der neueste Fall führt Luc Verlaine und seinen Kollegen Yacine nach Sauternes, wo der berühmteste Süßwein der Welt angebaut wird. Die junge Winzerin Charlotte wurde tot im Gärkeller gefunden, gestorben durch die beim Gären des Weins entstehenden Gase. Alles sieht nach einem Unfall aus, jedes Jahr verunglücken Winzer auf diese Weise, aber trotzdem ist Luc überzeugt, dass es Mord war. Motive und Verdächtige gibt es genug, Charlotte war eine Öko-Terroristin, die alle Winzer des Garonne-Tal überzeugen wollte, nur noch nachhaltig und biologisch anzubauen.

Bei ihren Befragungen stoßen die Ermittler auf eine Mauer des Schweigens. In den Polizeiakten und Archiven der Zeitungen entdecken Luc und seine Kollegen aber unzählige Artikel über Charlotte, außerdem Anzeigen und Eingaben bei diversen Behörden, die oft zu Polizeieinsätzen geführt haben. Und obwohl alle Verdächtige zugeben, dass Charlotte ihnen das Leben schwer gemacht hat, leugnen sie den Mord. Selbst der zuständige Polizist vor Ort, Vincent Balladier, versucht ihre Untersuchungen mit dem Hinweis, dass das doch nur ein Unfall war, zu boykottieren.

Auf dem Cover steht zwar, dass das Luc Verlains gefährlichster Fall ist, aber für mich war es sein gemütlichster. Anouk und Aurélie sind nicht da und Luc hat Zeit zu reflektieren, wie sehr sich sein Leben durch die Vaterschaft verändert hat. Und auch die Ermittlungen verlaufen recht entspannt, da die Bewohner von Sauternes nicht an eine Mord glauben (wollen) und es auch nicht so aussieht, als würde der Täter wieder zuschlagen.

Dafür sind die Hintergründe zum Fall sehr interessant. Charlotte war überzeugt, dass die Pestizide und anderen verwendeten Mittel für die überdurchschnittlich häufigen Krebserkrankungen der Bewohner der Gegend verantwortlich waren, leider hat ihr das kaum jemand geglaubt.
Zudem vermittelt Alexander Oetker viel Wissenswertes über den Anbau und die Produktion des Süßwein, und auch die Kulinarik und das Savoir-vivre kommen nicht zu kurz.

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