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Veröffentlicht am 04.01.2024

Tiéns Reise zwischen Realität und Märchen: Ein bewegender Einblick in Identität und kulturelle Verflechtungen

Der Magische Fisch
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Im Mittelpunkt steht Tién, ein in den USA geborener Junge vietnamesischer Herkunft. Seine Verbindung zu seiner Mutter, die aus Vietnam geflohen ist, wird vor allem durch das Vorlesen von Märchenbüchern ...

Im Mittelpunkt steht Tién, ein in den USA geborener Junge vietnamesischer Herkunft. Seine Verbindung zu seiner Mutter, die aus Vietnam geflohen ist, wird vor allem durch das Vorlesen von Märchenbüchern aus der Bibliothek genährt. Diese gemeinsamen Momente stellen nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine emotionale Brücke dar, zumal Tién hofft, durch die Märchen seine Homosexualität thematisieren zu können.

Die Graphic Novel zeichnet sich durch ihre einzigartige Struktur aus, in der verschiedene Zeitebenen - Gegenwart, Vergangenheit und Märchen - durch Farbwechsel voneinander abgegrenzt werden. Diese visuelle Differenzierung hilft dem Leser, sich in den komplexen Erzählsträngen zurechtzufinden und verstärkt die Verbindung zwischen Tiéns Leben und den Märchen.

Ein weiteres Highlight ist der Zeichenstil. Er ist märchenhaft und detailreich, so dass man sich stundenlang in den Bildern verlieren kann. Die Illustrationen tragen wesentlich dazu bei, die tiefgründigen Themen wie kulturelle Identität, Familienzusammenhalt, Umgang mit Verlust und Freundschaft zu vermitteln.

Wer dieses Buch liest, erlebt eine wahre Achterbahn der Gefühle. Es ist nicht nur unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken an. Die Geschichten und Themen bleiben noch lange nach der Lektüre präsent.

Besonders hervorzuheben ist die sensible und vielschichtige Darstellung von Tiéns Homosexualität. Sein Umgang damit und die Reaktionen seiner Umwelt, einschließlich der Schule und seiner Familie, werden eindringlich dargestellt. Die Beziehung zwischen Tién und seiner Mutter, die von der Herausforderung geprägt ist, eine gemeinsame Sprache zu finden, ist tief bewegend.

"Der magische Fisch" ist eine beeindruckende Graphic Novel, die aufgrund ihrer Tiefe und Vielschichtigkeit besonders für Jugendliche ab ca. 14 Jahren und Erwachsene geeignet ist. Sie regt zum Nachdenken an und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Wer Geschichten mag, die Realität und Märchen miteinander verweben und sich für die Themen Identität und kulturelle Zugehörigkeit interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 04.01.2024

Eine magische, herzerwärmende Weihnachtsgeschichte

Frohbold und Schneesine
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Als ich (und meine Söhne) das Buch "Frohbold und Schneesine" aufschlug, erwartete ich eine klassische Weihnachtsgeschichte. Doch schon nach den ersten Seiten wurde klar, dass dieses Buch viel mehr zu bieten ...

Als ich (und meine Söhne) das Buch "Frohbold und Schneesine" aufschlug, erwartete ich eine klassische Weihnachtsgeschichte. Doch schon nach den ersten Seiten wurde klar, dass dieses Buch viel mehr zu bieten hat. Es entführt in eine Welt, in der die Weihnachtszeit durch die Augen eines Kindes in einer Patchworkfamilie erlebt wird und magische Wesen eine entscheidende Rolle spielen.

Im Mittelpunkt steht Lolika, die mit ihrem Vater die Weihnachtszeit immer auf eine ganz besondere, traditionelle Weise feiert. Ihr geordnetes Leben gerät aus den Fugen, als Papas neue Freundin Paula und ihr Sohn Freddi plötzlich bei ihnen einziehen. Während Lolika versucht, mit den neuen Familienmitgliedern und deren anderen Weihnachtstraditionen zurechtzukommen, treten Frohbold, ein Lamettaling, und Schneesine, ein Weihnachtsengel, in ihr Leben. Diese Weihnachtswesen verkörpern die unterschiedlichen Vorstellungen von Weihnachten und sorgen für chaotische, aber auch heitere Momente.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Lolika erzählt, was eine tiefgehende emotionale Verbindung schafft. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter. Besonders Lolikas innere Konflikte und ihre Entwicklung sind authentisch und nachvollziehbar. Die magischen Wesen bringen eine humorvolle und fantastische Komponente in die Geschichte, die nicht nur Kinder begeistern dürfte. Der Schreibstil ist flüssig und anpassungsfähig, mal ernst, mal leicht und humorvoll, was das Lesen zu einem Vergnügen macht.

"Frohbold und Schneesine" ist ein warmherziges und fantasievolles Buch, das die Weihnachtszeit in einem neuen Licht erscheinen lässt. Die Geschichte ist eine liebevolle Erinnerung daran, dass Weihnachten viele Gesichter hat und das Wichtigste die Liebe und das Zusammensein mit den Menschen ist, die einem am Herzen liegen. Eine empfehlenswerte Lektüre, die gerade in der Vorweihnachtszeit Kinderaugen zum Leuchten bringen wird. Ein Buch, das zeigt, dass das wahre Weihnachtswunder in der Fähigkeit liegt, unser Herz für andere zu öffnen.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Alt genug für unbequeme Wahrheiten – und für mehr Gelassenheit

Alt genug
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„Alt genug“ ist das erste Buch, das ich von Ildikó von Kürthy gelesen habe – und es hat mich überrascht. Ich hatte mit einem klassischen Roman gerechnet, bekam stattdessen aber etwas viel Persönlicheres: ...

„Alt genug“ ist das erste Buch, das ich von Ildikó von Kürthy gelesen habe – und es hat mich überrascht. Ich hatte mit einem klassischen Roman gerechnet, bekam stattdessen aber etwas viel Persönlicheres: eine Mischung aus Memoir, Gedankensammlung und sehr ehrlicher Selbstreflexion über das Älterwerden.

Eine klassische Handlung gibt es kaum. Das Buch wird lose von einer Situation zusammengehalten: Die Autorin macht sich auf den Weg zu einer Geburtstagsparty. Während sie sich vorbereitet, unterwegs ist und später wieder nach Hause kommt, schweifen ihre Gedanken immer wieder ab. Sie denkt über ihr Leben nach, über Freundschaften, über Ängste, über körperliche Veränderungen und darüber, was es eigentlich bedeutet, älter zu werden. Dadurch wirkt das Buch fast wie ein langes, offenes Gespräch.

Besonders beeindruckt hat mich die Offenheit, mit der von Kürthy über sich selbst schreibt. Sie spricht über Angststörungen, über Selbstzweifel, über gesellschaftliche Erwartungen an Frauen und darüber, wie befreiend es sein kann, irgendwann nicht mehr allem entsprechen zu wollen. Viele Beobachtungen sind selbstironisch und humorvoll, andere wiederum nachdenklich und manchmal auch melancholisch. Gerade diese Mischung macht das Buch sehr nahbar.

Der Ton ist warm, ehrlich und oft überraschend direkt. Immer wieder beschreibt die Autorin Situationen aus ihrem Leben – etwa Begegnungen mit Freundinnen, berufliche Erfahrungen oder Reisen – und nutzt diese als Ausgangspunkt für größere Gedanken über das Leben in der zweiten Hälfte. Dabei geht es viel um Freundschaft, um Verlust, um Abschiede und um die Erkenntnis, dass mit zunehmendem Alter nicht nur Einschränkungen kommen, sondern auch eine neue Form von Freiheit.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass „Alt genug“ kein klassischer Ratgeber ist. Die Autorin erklärt nicht, wie man leben sollte. Stattdessen teilt sie ihre eigenen Erfahrungen – manchmal klug, manchmal widersprüchlich, aber immer ehrlich. Man merkt beim Lesen, dass hier jemand versucht, sich selbst besser zu verstehen und dabei die Leserinnen und Leser an diesem Prozess teilhaben lässt.

Der Stil liest sich sehr flüssig und oft auch sehr humorvoll. Gleichzeitig gibt es einige Passagen, in denen Gedanken etwas ausführlicher ausgebreitet werden, als nötig wäre. Manchmal drehen sich die Überlegungen ein wenig im Kreis. Das stört den Lesefluss gelegentlich, nimmt dem Buch aber nicht seine Stärke.

Fazit:
„Alt genug“ ist ein persönliches, kluges und oft sehr unterhaltsames Buch über das Älterwerden und das Ankommen bei sich selbst. Es verbindet Humor, Selbstironie und ehrliche Selbstbeobachtung auf eine Weise, die beim Lesen immer wieder zum Nachdenken anregt. Für mich war es ein überraschend intensiver erster Kontakt mit der Autorin – und ein Buch, das noch eine Weile nachwirkt.

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Veröffentlicht am 01.11.2024

Abenteuer im Tal der Creeper: Ein Minecraft-Comic für die ganze Familie

Creeper – bis es knallt! Für Fans von Minecraft
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Wir haben das Buch Minecraft Creeper – Bis es knallt! mit meinem siebenjährigen Sohn gelesen, und es war ein voller Erfolg. Als begeisterter Minecraft-Fan war er sofort begeistert von den bekannten Figuren ...

Wir haben das Buch Minecraft Creeper – Bis es knallt! mit meinem siebenjährigen Sohn gelesen, und es war ein voller Erfolg. Als begeisterter Minecraft-Fan war er sofort begeistert von den bekannten Figuren Stefan, Anna und natürlich Zombie Brokkoli. Die Geschichte hat ihn nicht nur gefesselt, sondern auch zum Lachen gebracht. Besonders mochte er die actionreiche Suche nach Schwarzpulver, die humorvollen Dialoge und die farbenfrohen, lebendigen Illustrationen.

Mir hat gefallen, wie der Comic die Themen Freundschaft, Mut und Teamwork aufgreift, ohne belehrend zu sein. Die Geschichte ist spannend, und auch für jemanden, der Minecraft selbst nicht spielt, gut nachvollziehbar. Am Ende gibt es sogar ein kleines “Minecraft-Wörterbuch”, was für Einsteiger super ist. So konnte auch ich als Mama besser verstehen, warum mein Sohn beim Sammeln von Schwarzpulver und im Tal der Creeper so mitfieberte.

Die Illustrationen sind wirklich schön gestaltet und fangen die Atmosphäre des Minecraft-Universums detailreich ein. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, und mein Sohn fand es toll, dass die bekannten Charaktere aus der “Lesen Lernen”-Reihe wieder auftauchten.

Insgesamt ein gelungener Comic für alle jungen Minecraft-Fans – und auch für die Eltern, die einen kleinen Einblick in die bunte Minecraft-Welt ihrer Kinder bekommen möchten. Wir hatten viel Spaß damit und können das Buch nur weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 11.06.2024

Eine Reise durch das Leben und die Liebe

Man sieht sich
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"Man sieht sich" von Julia Karnick hat mich von Anfang an gefesselt, nicht nur durch das auffällige rot-weiße Cover, sondern auch durch die tiefgründige Geschichte von Frie und Robert. Der Roman begleitet ...

"Man sieht sich" von Julia Karnick hat mich von Anfang an gefesselt, nicht nur durch das auffällige rot-weiße Cover, sondern auch durch die tiefgründige Geschichte von Frie und Robert. Der Roman begleitet die beiden Protagonistinnen über mehrere Jahrzehnte, beginnend im Jahr 1988, als sie sich als Jugendliche in der Schule kennenlernen, bis zu ihrem Wiedersehen im Jahr 2022. Diese strukturierte Erzählweise ermöglicht es, die Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehung auf sehr intime und authentische Weise mitzuerleben.
Die wechselnden Perspektiven und Zeitebenen geben einen tiefen Einblick in die emotionalen Höhen und Tiefen, die Frie und Robert durchleben. Ihre Geschichte ist geprägt von verpassten Chancen, neuer Hoffnung, Freundschaft und der Frage, ob ihre Liebe jemals wirklich eine Chance haben wird. Diese Themen sind universell und berühren daher.
Julia Karnick gelingt es meisterhaft, die verschiedenen Lebensphasen der Protagonist
innen zu schildern und dabei Sprache und Stil der jeweiligen Zeit und Situation anzupassen. Dadurch erhält der Roman eine zusätzliche Ebene der Authentizität und Tiefe. Besonders beeindruckt hat mich, wie es ihr gelungen ist, die Emotionen und inneren Konflikte der Figuren so lebendig darzustellen, dass man als Leser wirklich mit ihnen mitfühlt.
Obwohl der Roman einige Längen aufweist, die den Lesefluss an manchen Stellen etwas ins Stocken geraten lassen, überwiegt insgesamt das positive Leseerlebnis. Die Erzählweise und die tiefgründige Charakterentwicklung machen diese Momente mehr als wett. Die sorgfältig ausgewählten Zitate und musikalischen Anspielungen fügen der Geschichte eine zusätzliche emotionale Dimension hinzu und tragen zu einem ganzheitlichen Leseerlebnis bei.
"Man sieht sich" ist mehr als eine Liebesgeschichte. Es ist eine Reflexion über das Leben, die Entscheidungen, die wir treffen, und die Wege, die wir gehen. Es geht um die Suche nach sich selbst und um die Erkenntnis, dass manche Verbindungen im Leben unausweichlich sind, egal wie oft man sich aus den Augen verliert.
Fazit: Ein wunderbarer, emotional tiefgründiger Roman, der das wahre Leben in all seinen Facetten widerspiegelt. Fünf von fünf Sternen.

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