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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.12.2024

Sehr schön

Wieso? Weshalb? Warum? Meine Vorlesegeschichten, Band 2 - Was passiert in Wald und Wiese?
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Das Buch empfehle ich im Sommer zu lesen, so dass gleich die Lust entfacht wird, in die Natur zu gehen und selbst zu entdecken.

Es gibt 15 Geschichten um 5 Familien innerhalb des Dorfes Brummelsby. Die ...

Das Buch empfehle ich im Sommer zu lesen, so dass gleich die Lust entfacht wird, in die Natur zu gehen und selbst zu entdecken.

Es gibt 15 Geschichten um 5 Familien innerhalb des Dorfes Brummelsby. Die verschiedenen Familien sind divers gestaltet und werden zu Beginn vorgestellt. Hier blätterten wir immer wieder zurück, so dass sich meine Kinder gut orientieren konnten. Die Bilder sind farbenfroh und freundlich gestaltet und es macht Spaß, die einzelnen Geschichten, mit den immer wiederkehrenden, sympathischen Figuren zu entdecken.

In jeder der alltagsnahen Geschichten stehen Erscheinungen aus der Tier- und Pflanzenwelt sowie Wetterphänomene im Fokus. Man entdeckt Kreuzottern, Käuzchen, Bienen, Wespen, Ohrwürmer, Hagel, das Moor, den Strand, Magnolienbäume, Winterschlaf und Winterruhe und vieles anderes. Manche Dinge regen wirklich an, sie nachzumachen, wie selbstgemachtes Wassereis, Himbeermarmelade, Stockbrot, ein Insektenhotel oder auch mal im Garten unter freiem Himmel zu übernachten.

Die Geschichten sind sehr ruhig erzählt, so dass sie sich gut zum Herunterkommen oder auch vor dem Einschlafen geeignet sind. Meine Kinder sind 6 Jahre alt. Ich hatte erst die Befürchtung, dass es für sie zu langweilig sein würde, dem war aber nicht so. Sie waren interessiert und stellten auch Fragen.
Es herrscht allseits eine sehr harmonische Athmospähre, es gibt keine Konflikte, die Kinder haben immer gute Laune und es gelingt alles problemlos. (Das nervte mich manchmal etwas.)
Insgesamt finden meine Kinder und ich das Buch jedoch sehr gut gelungen. Die Altersempfehlung würde ich zwischen 5 und 7 Jahren ansiedeln.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.12.2024

Einblick in die aktuelle Politik und Lebenswirklichkeit Russlands

Pop-up-Propaganda
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Sehr erschütternd. Die Autorin, eine russische Journalistin, hat hier eine Menge detaillierter Informationen zusammengetragen, die aufzeigen, wie Russland zu einem totalitären Regime geworden ist. Sie ...

Sehr erschütternd. Die Autorin, eine russische Journalistin, hat hier eine Menge detaillierter Informationen zusammengetragen, die aufzeigen, wie Russland zu einem totalitären Regime geworden ist. Sie stellt Hintergründe und den Verlauf besonders seit der 90er Jahre dar und hat insbesondere die Politik Putins und dessen Propaganda sowie den Ukrainekrieg im Blick.

Sie zeigt die Nutzung der Sprache mit dem Ziel die Wirklichkeit zu verdrehen, wie massive Propaganda Einzug in die Bildungseinrichtungen, auch Grundschulen gehalten hat. Sie zeigt, wie Medien zensiert und gleichgeschaltet werden, wie gezielte Falschinformationen in einem erheblichen und wirklich erschütternden Ausmaß gestreut werden, so dass Hass, Verstörung und Angst generiert und Feindesbilder (USA, Europa, Ukraine, Feministinnen, Demokratinnen, LGBTIQ) geschaffen werden. Sie zeigt, wie die Hassrede und gewaltvolles Reden in Breite normalisiert wurden, wie Verschwörungstheorien, Okkultismus und Pseudowissenschaften gezielt staatlich gefördert werden. Sie zeigt die Praxis und Folgen, wenn man als "ausländischer Agent" geführt wird. Jegliche Andersdenkende werden mit hohen Geld- und Haftstrafen belegt und deren Familien mitschikaniert. Viele sind emigriert, die Opposition ist jedoch zerstritten.

Die Autorin beschreibt die Praxis der Gerichtsbarkeit, in denen Willkür herrscht sowie die Praxis der Polizistinnen, die ihr Plansoll erfüllen müssen. Die Unterstützung durch die russisch orthodoxe Kirche wird deutlich, auch wie dort Reden für den Frieden und die Wahheit unterdrückt werden. Sie berichtet von den manipulierten Wahlen und zeigt den Konflikt zwischen dem Anspruch eines russischen Imperiums versus des Unabhängigkeitswillens der Teilrepubliken.

Die Autorin gibt zudem einen kleinen Ausblick, wie Veränderungen möglich wären. Hier findet man jedoch keine neuen Ansätze, keine neuen Ideen, als diejenigen, die seit Jahrzehnten benannt werden (Sanktionen, Einigkeit der Opposition). Sie sagt und begründet, dass von innen heraus momentan kaum demokratische Veränderungen möglich sind.

Das Werk habe ich in Abschnitten gelesen. Es ist gut lesbar. Hilfreich sind Kenntnisse über die russische Historie, unbedingt notwendig sind sie jedoch nicht. Die Fülle des Materials hat mich überzeugt. In der Gänze war ich sehr bewegt, gar erschüttert und sogar etwas beängstigt. Ich wußte einiges, aber nicht alles und vor allem nicht, welch enormes Ausmaß das alles hat. Daher konnte ich nun endlich verstehen, warum viele Russ
innen den Krieg gegen die Ukraine bejahen.
Fazit: Ein bewegender und erhellender Einblick in die aktuelle Politik und Lebenswirklichkeit in Russland.

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Veröffentlicht am 02.11.2024

Sehr informativ, spannend und inspirierend

Steine und Gebeine
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Ein Sachbuch für Kinder über die Entstehung und Entwicklung der Erde. Es werden die erdgeschichtlichen Epochen, mit ihren jeweiligen Besonderheiten, bezogen auf die Tier- und Pflanzenwelt dargestellt. ...

Ein Sachbuch für Kinder über die Entstehung und Entwicklung der Erde. Es werden die erdgeschichtlichen Epochen, mit ihren jeweiligen Besonderheiten, bezogen auf die Tier- und Pflanzenwelt dargestellt. Einzelne Tiere werden dabei ein wenig tiefer vorgestellt, wie z.B. Dinosaurier, Terrorvögel, der Maiasaura, der Archeopteryx, Morganucodon, der Lystrosaurus, die Triloviten. Zudem wird die Entwicklung der Wale sowie die Evolution des Menschen dargestellt.

Da durch Fossilien Erkenntnisse über die Erdgeschichte gewonnen werden, wird zudem erklärt, was Fossilien sind,wie sie entstehen, wo und wie sie gefunden werden. Man erfährt, warum Fossilienfunde von Landtieren eher selten sind und es sehr viel mehr Funde aus den Meeren gibt.
Man erfährt über verschiedene Gesteinsschichten und auch über dier Entwicklung und Veränderung der Kontinente.
Abschließend wird auf den Beruf des Paläontologen eingegangen und ein Glossar beigefügt.

Auf die manchmal schwierigen lateinischen Bezeichnungen der Erdepochen und Tiere muss man sich einstellen. Die Dinge werden aber farbenfroh und übersichtlich dargestellt, so dass man den Erläuterungen gut folgen kann. Es ist schon auch ziemlich beeindruckend, wie die Erde sich über Milliarden von Jahren verändert hat, und auch beeindruckend, wie die Autoren es geschafft haben, dies komprimiert und doch mit spannenden Details übersichtlich aufzuzeigen.

Meine Kinder, knapp 7 Jahre, sahen sich mit mir das Buch gemeinsam an. Sie waren sehr interessiert und entwickelten sehr viele Fragen. Sie fanden die dargestellten Fakten und Zusammenhänge sehr spannend. Es inspirierte uns, so dass Neugier geweckt wurde, einzelne Dinge nochmal tiefer zu beleuchten. Meine Kinder waren wirklich sehr begeistert. Bei mir weckte es auch Interesse an anderen Büchern des Verlags aus dieser Reihe!

Ein sehr empfehlenswertes Übersichtswerk für Kinder!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 11.09.2020

Patriarchalische Strukturen + destruktive Männlichkeitsbilder erkennen und verändern

Sei kein Mann
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Ich wollte nur kurz hineinschauen und habe mich so festgelesen, dass ich das vorliegende Buch fast in einem Rutsch las.

Der Schriftsteller und ehemalige Sozialpädagoge stellt unser allgegenwärtiges patriarchalisches ...

Ich wollte nur kurz hineinschauen und habe mich so festgelesen, dass ich das vorliegende Buch fast in einem Rutsch las.

Der Schriftsteller und ehemalige Sozialpädagoge stellt unser allgegenwärtiges patriarchalisches System dar, untersucht das Konstrukt „Männlichkeit“ und zeigt Auswege aus diesen destruktiven Strukturen auf gesellschaftlicher sowie auf individueller Ebene.

Er beginnt mit einer kritischen Bestandsaufnahme, in der er sehr faktenreich das Patriarchat darstellt, wobei es für bereits sensibilisierte Leser*innen vielleicht nicht viel Neues gibt. (Die nebenbei gegebenen Einblicke in die kongolesische Kultur sowie die persönlichen Erfahrungen des Autors in England fand ich sehr spannend.) Er erklärt die Strukturen und Dynamiken und zeigt, wie die Rechte der Männer gegenüber den Rechten der Frauen geschützt und priorisiert werden. Er geht auf die me- too Debatte ein, „Privilegiert zu sein bedeutet, nicht verurteilt zu werden!“ Zudem thematisiert er Diskriminierungen, aufgrund von Hautfarbe und Sexualität. (Super spannend empfand ich die kurzen, etwas später folgenden Ausführungen über Geschlechterfluidität in vorkolonialer Zeit!)

Darauf aufbauend untersucht er die bestehenden Männlichkeitskonstrukte. Er beschreibt, wie gesellschaftlich gesehen „ein echter Mann“ sein soll. Als ein wesentliches Merkmal benennt er das Unterdrücken von Gefühlen, das Nichtzeigen dürfen. Den Männern werde beigebracht, eine Maske zu tragen, welche „die wahren Gefühle und Probleme verdeckt“. So lautet auch der englische Originaltitel „Mask off“, den ich insgesamt etwas passender finde. Dass Gefühle kaum mehr gezeigt oder besprochen werden sollen, habe für viele Männer katastrophale Folgen, es kommt zu Entfremdung und Depression.
Einen weiteren sehr kritischen Hauptpunkt sieht er darin, dass Gewalt als ein oft priorisierter Weg gesehen wird, Konflikte zu lösen. Er fragt sich: „Wie kann es sein, dass wir als Gesellschaft männliche Gewalt eher akzeptieren als männliche Liebe?“
Deutlich zeigt er die Toxizität dieser Männlichkeitskonstrukte, die nicht nur für Frauen zerstörerisch sei, sondern auch in großem Maße für Männer, denn: „Nur ein kleiner elitärer Kreis, die Oberschicht der Männer, profitiert wirklich vom Patriarchat.“

Der Autor diskutiert nun, wie auf gesellschaftlicher Ebene ein Wandel zur wirklichen Geschlechtergleichheit gelingen kann. Er verweist auf die Wirkmächtigkeit von sozialen Medien, die Wirkkraft von Vorbildern wie Musikern und Sportlern. Er fordert einen anderen Umgang mit psychischen Erkrankungen, fordert die Thematik der Einvernehmlichkeit unbedingt in den Sexualkundeunterricht mitaufzunehmen und vieles mehr. Zudem erklärt er Feminismus und äußert sich zur Frage, ob auch Männer Feministen sein können.

Schlussendlich zeigt er ganz praxisnah in zehn Handlungsanweisungen, was Jungen bzw. heranwachsende Männer für sich und andere tun können, um sich aus den toxischen und destruktiven Männlichkeitskonstrukten befreien zu können. Ein sehr großartiges und überzeugendes Ende, welches mich aufgrund seiner Konkretheit sehr positiv überrascht hat!

Dieses humanistische Essay liest sich unterhaltsam, humorvoll und nachvollziehbar. Es zeugt von klaren Gedanken, einer feinen Beobachtungsgabe und viel Empathie. Die Sprache ist einfach, klar und manchmal recht locker,dabei aber stets seriös gehalten. Das Einbringen von Statistiken, kurzen Interviewausschnitten sowie ein Quellenverzeichnis runden das Ganze ab.

Hauptansprechpartner sind vor allem heranwachsende Männer und Frauen. Ihnen kann das Werk eine wesentliche Hilfe sein, sich selbst und bestehende Strukturen besser zu verstehen, Problemlösungen zu entdecken und eine bewusste Haltung zu entwickeln. Meinen Kindern werde ich dieses Werk auf jeden Fall in die Hand drücken!
Davon abgesehen ist das Werk für alle anderen ebenso geeignet und sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 17.08.2020

Sehr intensiv und berührend

Was Nina wusste
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Der Klappentext fasst den Roman sehr gut zusammen. Grossman erzählt die Geschichte einer über Generationen traumatisierten Familie, die, wie man im Nachwort erfährt, auf wahren Begebenheiten beruht.

Drei ...

Der Klappentext fasst den Roman sehr gut zusammen. Grossman erzählt die Geschichte einer über Generationen traumatisierten Familie, die, wie man im Nachwort erfährt, auf wahren Begebenheiten beruht.

Drei Frauen und ein Mann: Vera, 90 Jahre, ihre Tochter Nina, um die 60 Jahre sowie Gili, 39 Jahre und Gilis Vater Rafael fahren gemeinsam nach Kroatien auf die Insel Goli Otok. Hier musste Vera fast 3 Jahre lang in einem jugoslawischen Straf- und Umerziehungslager Titos verbringen. Ihr Mann Milos hatte sich noch in Haft erhängt. In dieser Zeit verblieb ihre gemeinsame Tochter, die damals 6 jährige Nina ohne ihre Eltern. Obwohl dies nun alles schon sehr lange her ist, wird die „Familie bereits über drei Generationen vergiftet“, geprägt und traumatisiert von der Diktatur und dem Krieg. Was damals genau geschah und welche Spuren dies hinterließ, davon erzählt dieser Roman. Handlungsorte sind schwerpunktmäßig Jugoslawien vor, während und nach dem 2. Weltkrieg, insbesondere das Umerziehungslager Goli Otok sowie ein Kibbuz in Israel.

Die Geschichte nahm mich sehr gefangen, entwickelte einen starken Lesesog und schuf ein beeindruckend intensives Leseerlebnis, aufwühlend, berührend und ins Innerste gehend. Schon auf den ersten Seiten kamen mir die Tränen. Angesichts des beschriebenen Leids wurde ich zu tiefem Mitgefühl angeregt, jedoch nie herunter gezogen. Es las sich zwar traurig und schmerzhaft, aber auch ein wenig schräg und humoristisch, so dass ich oft schmunzeln und auch lachen musste. Zudem beeindruckten mich diese starken Figuren sehr.

Die seelisch sehr tief gezeichneten Figuren kamen mir sehr nahe, als Leserin war ich sehr dicht an ihnen dran, obwohl man alles aus Gilis Perspektive erfährt. In den Zeiten wird immer wieder gewechselt, manchmal muss man auch sehr genau aufpassen, um zu bemerken, wessen Innenleben gerade eingefangen wird.

Rafael und Gili sind Filmemacher, daher lag es nahe, dass sie alles von ihrer Fahrt nach Goli Otok aufzeichnen, insbesondere die Gespräche miteinander. Gili fungiert zusätzlich noch als „Scriptgirl“, so dass man auch als Leser
in klare filmische Sequenzen vor Augen hat.

Bei Vera, der außergewöhnlich charismatischen, starken, tätigen und sehr hilfsbereiten Frau laufen alle Fäden zusammen. Sie wurde in einer ungarisch-jüdischen Familie geboren und heiratete den Serben Milos. Eine damals sehr ungewöhnliche, nicht allseits akzeptierte Verbindung, aber die Liebe zwischen den beiden schien ungewöhnlich stark.

Ihre Tochter Nina ist hingegen kaum greifbar, unnahbar, stets auf der Flucht, „sie ist da und zugleich abwesend“, „sowohl das verirrte als auch das schwarze Schaf“ der Familie.

Gili, die Erzählerin, steht kurz vor der Trennung, da sich ihr Lebensgefährte ein Kind wünscht. In Bezug auf ihre Mutter ist Gili sehr verbittert, wütend und böse, weil sie so früh von ihr verlassen wurde. Im Verlauf der Reise erfährt und sieht sie jedoch sehr viel und langsam verändert sich ihre Perspektive.

Die Geschichte dieser „verkappten“ Familie mit ihren starken Persönlichkeiten wird hier äußerst eindrücklich und psychologisch tief erzählt. Dabei wird die Geschichte der Juden gestreift, die Geschichte des Balkans, Krieg, Faschismus und Kommunismus. Es geht um Verlust, Verrat, Verlassenwerden, Mutterschaft, Liebe zum Kind, Liebe zum Mann und zur Frau. Und vor allem geht es um die Entstehung von Traumata, deren Langzeitfolgen, die Weitergabe an die folgenden Generationen sowie die versuchte Heilung.

Eines meiner Lesehighlights des Jahres!