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Veröffentlicht am 28.01.2025

Autobiografische Lebensgeschichte

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis ...

Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis zur eigenen Mutter. Interessant zu lesen ist zum einen der jeweilige zeitgeschichtliche Hintergrund, vor dem die Frauen gelebt haben/leben. Das ist bei Urgroßmutter und Großmutter im Wesentlichen die Zeit des Nationalsozialismus. Beide Frauen hatten familiäre bzw. persönliche Berührungen zu Juden, so dass die diesbezüglichen Probleme eine Rolle spielen, außerdem auch Gewalt und Schweigen, wie sie typisch für die früheren Generationen sind. Zum anderen berührt es zu lesen, dass den Frauen ein ganz ähnliches Schicksal zu eigen ist. Sie gebaren ein schon im Babyalter verstorbenes erstes Kind und erst Jahre später ein zweites. Die biologische Vaterschaft wirft dabei Rätsel auf. Das gibt Anlass zu der Frage, ob Schicksal etwas Vorherbestimmtes ist. Die Mutter der Autorin jedenfalls widersetzt sich dem und führt ein unangepasstes Leben. Vor allem aber gibt sie ihrer Tochter lange Zeit keine Antworten auf Fragen zu der familiären Vergangenheit. Manche Themen werden in der Familie einfach nicht berührt, was tatsächlich gar nicht so untypisch ist. Das soll vor den Geistern der Vergangenheit schützen, womit die Verbindung zum Buchtitel hergestellt ist. So interessant die Familiengeschichte auch ist, muss doch gesagt werden, dass für den Leser Vieles offen bleibt und sie sich nicht leicht lesen lässt, da die Autorin immer wieder in Bildern spricht, z.B. auf Schwarze Löcher zu sprechen kommt und sie sich der Sprache in besonderer Form bedient.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Kammerspiel

Drei Wochen im August
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Der Roman wird im Bucheinband als „Kammerspiel“ bezeichnet, ein Begriff, der die Geschichte tatsächlich treffend beschreibt. Denn er umschreibt eine Handlung, die nur an einem klar abgegrenzten Schauplatz ...

Der Roman wird im Bucheinband als „Kammerspiel“ bezeichnet, ein Begriff, der die Geschichte tatsächlich treffend beschreibt. Denn er umschreibt eine Handlung, die nur an einem klar abgegrenzten Schauplatz spielt und sich auf wenige Figuren konzentriert, wodurch die Aufmerksamkeit auf die inneren Konflikte der Figuren gelenkt wird. Bei den paar Romanfiguren handelt es sich um die beiden – abwechselnden – Erzählerinnen Elena und ihr Kindermädchen Eve, Elenas zwei Kinder, eine Freundin des einen, der Hausmeister und ein späterer Überraschungsgast mit jugendlicher Begleitung, die drei Sommerwochen in einem Ferienhaus an der französischen Atlantikküste verbringen. Atmosphärisch ist alles sehr düster und gerade deshalb gelungen dargestellt. Alles wirkt irgendwie bedrohlich. Die Personen sind alle irgendwie gestört, ohne dass konkrete Antworten auf die sich dem Leser stellenden Fragen gegeben werden. Ihre Beziehungen zueinander passen nicht und sind von Problemen überlagert. Im Vordergrund steht dabei vor allem das Verhältnis der beiden Erzählerinnen, die sich als Konkurrentinnen um die Gunst der Kinder dargestellt werden.
Der Roman ist etwas für Leser mit Interesse an ungewöhnlicher Literatur.

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Autobiografischer Roman

Vaterländer
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In den vergangenen Jahren ist es scheinbar in Schauspielerkreisen à la mode, autobiografische Romane zu schreiben. Hier reiht sich auch der vorliegende ein. Der Autor ist ein bekannter deutscher Theater- ...

In den vergangenen Jahren ist es scheinbar in Schauspielerkreisen à la mode, autobiografische Romane zu schreiben. Hier reiht sich auch der vorliegende ein. Der Autor ist ein bekannter deutscher Theater- und Filmschauspieler. Er spielte z.B. in der Ku’Damm-Serie, Babylon Berlin, Deutsches Haus. In diesem Roman erzählt er aus seiner eigenen Kindheit und lässt seinen Großvater mütterlicherseits und seinen Vater als eigene Erzähler zu Wort kommen, die ihre Geschichte erzählen.
Die Kernfamilie gelangt in den 1980er Jahren nach Westdeutschland, nachdem der Vater während einer Tournee als Geiger nicht in die rumänische Heimat zurückgekehrt war und nach zwei Jahren die Familienzusammenführung gelang. Er wollte seinen Kindern ein besseres Leben bieten, als es in dem vom Diktator Ceaușescu geführten Rumänien möglich war. Schon sein Schwiegervater hatte um 1950 herum unter der berüchtigten Securitate leiden müssen.
Am besten gefallen hat mir der der größte, erste Teil des Buches, in dem der kleine Sabin aus seiner Kinderperspektive das Familienleben in der alten und neuen Heimat schildert und manche humorvolle Passage zu finden ist. Viel Raum nimmt das Thema Familie ein, zu deren sämtlichen Mitgliedern – auch in der rumänischen Heimat – ein sehr guter Kontakt besteht. Wichtig ist auch die von den Eltern forcierte Ausbildung des Jungen an der Violine, um aus ihm einen ebenso begnadeten Geiger, wie sie selbst es sind, zu machen, die er aber zugunsten der Schauspielerei nachrangig behandelt. Sehr ernst ist der zweite Teil, in dem es um die Verhaftung, Folterungen durch die Securitate und den Gefängnisaufenthalt von Sabins Großvater geht. Wir erhalten einen fundierten Überblick über die unausprechlichen Zustände im Rumänien unter Ceaușescu. Dieser Teil hat zum Teil den Charakter eines Sachbuchs. Was mich etwas gestört hat, waren die zahllosen Personen, auf die der Opa eingeht. Es war praktisch unmöglich, den Überblick zu behalten und sie einordnen zu können. Ausgeglichen hat das dann wieder der letzte Teil. Die Liebesgeschichte von Sabins Eltern zu lesen, war unterhaltsam. Ergänzend gab es gute Informationen zum Aufbau von Ceaușescus Herrschaft zulasten seines Volkes, das zusehends litt, was für den Vater der Beweggrund für seine Flucht war.
Insgesamt ein Roman, der viel neues geschichtliches Wissen vermittelt und nicht nur für Kenner von Sabin Tambrea interessant ist.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Ungesunde Vater-Tochter-Beziehung

Vater des Regens
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Diese Geschichte beleuchtet im Wesentlichen die Beziehung zwischen Daley und ihrem Vater, angesiedelt in Amerika ca. ab 1970, als Daley 11 Jahre alt ist. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich ihre Eltern scheiden ...

Diese Geschichte beleuchtet im Wesentlichen die Beziehung zwischen Daley und ihrem Vater, angesiedelt in Amerika ca. ab 1970, als Daley 11 Jahre alt ist. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich ihre Eltern scheiden und sie teilt sich zwischen ihnen auf. Sie liebt beide gleichermaßen, obwohl der Vater schwere Alkoholprobleme hat und Choleriker ist. Immer wieder erlebt sie über die Jahre missbilligend seine Abstürze und privaten Eskapaden, ohne sich von ihm lösen zu können, sogar ihr eigenes berufliches und privates Leben stellt sie hinter den Vater, der vermeintlich ihre Unterstützung braucht. Blind verschließt sie die Augen und meint, er bessere sich. Alles in allem besteht zwischen ihnen eine ungesunde Beziehung.
Spannung darf man nicht erwarten. Der Roman konzentriert sich im Wesentlichen auf die Darstellung der beiden Protagonisten. Andere Romanfiguren spielen am Rande eine Rolle. Die Sprache ist nüchtern, gut lesbar. Erklärungen, warum Daley und ihr Vater so agieren, wie sie es tun, werden dem Leser nicht gegeben und bleiben seiner Vorstellungskraft überlassen. Einige von Daleys Entscheidungen sind einfach nicht nachvollziehbar.
Alles in allem ein Roman, den zu lesen sich lohnt.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Zeitreisen zurück zu Wendepunkten im Leben

Das kleine Café der zweiten Chancen
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Dieses Buch ist wirklich lesenswert. Es handelt davon, dass einigen Personen die Möglichkeit gegeben wird, für wenige Minuten zurück in einen Zeitpunkt in ihrem Leben zu reisen, in dem sie in einer Weise ...

Dieses Buch ist wirklich lesenswert. Es handelt davon, dass einigen Personen die Möglichkeit gegeben wird, für wenige Minuten zurück in einen Zeitpunkt in ihrem Leben zu reisen, in dem sie in einer Weise gehandelt haben, die sie später zutiefst bereut haben. Nunmehr erhalten sie eine zweite Chance, eine andere Abzweigung zu wählen. Ermöglichen können ihnen das die Besitzer eines Cafés in Sapporo während der Dauer der Kaffeezubereitung. Ebenfalls mit dieser Gabe ausgestattet ist die Protagonistin Himari, eine schüchterne Jugendliche, die an dem Ehrgeiz ihrer Mutter gescheitert ist und endlich eine Freundin findet. Die Freundschaft endet abrupt durch einen Vorfall, an dem sich Himari schuldig fühlt. Sie will ihre Gabe nutzen und das Vergangene wenden …
Durch die Thematik der Zeitreisen erhält die Geschichte etwas Fantastisches, bleibt aber dennoch real und regt zum Nachdenken an, nämlich über die Frage, ob man selbst von der Möglichkeit, durch eine Zeitreise etwas, das man mittlerweile bereut, zu ändern, Gebrauch machen würde. Alles ist in der japanischen Kultur angesiedelt, über die nebenbei Vieles zu erfahren ist. Vielleicht wäre die Hintanstellung eines kleinen Glossars hilfreich. Wie mir immer wieder bei Büchern japanischer Autoren auffällt, sind die Romanfiguren etwas schwermütig, so auch hier. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist, dass es bei den Dialogen nicht immer einfach war zu unterschieden, wer der Sprecher war.

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