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Veröffentlicht am 05.11.2024

Die Frage nach dem Motiv!

Der Steg
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Priska freut sich sehr auf das Wiedersehen mit ihrem Halbbruder Moritz. Seit sie vor acht Monaten geheiratet und mit Ehemann Florian ein Haus am Plöner See gekauft und bezogen hat, hat sie Moritz nicht ...

Priska freut sich sehr auf das Wiedersehen mit ihrem Halbbruder Moritz. Seit sie vor acht Monaten geheiratet und mit Ehemann Florian ein Haus am Plöner See gekauft und bezogen hat, hat sie Moritz nicht mehr gesehen.

Nun will er ihnen sogar seine neue Freundin Anna vorstellen und sie mitbringen. Kurz bevor Moritz und Anna für das Wochenende eintreffen, macht Priska eine verhängnisvolle Entdeckung. Bei ihrem privaten Bootssteg liegt ein toter Mann im Wasser.

Priska fühlt sich schuldig an seinem Tod und trifft eine fatale Entscheidung.


Ich kenne Petra Johann durch ihre fesselnden und spannenden Thriller. "Der Steg" fand ich zu Beginn gar nicht so spannend. Der Grund dafür ist wohl, dass man als Leser sehr schnell weiss, wer die Täterin ist. Nur die Identität des Opfers und damit auch das Motiv bleibt im Dunkeln. Erst nach und nach habe ich realisiert, dass in "Der Steg" für einmal nicht die Täterfrage im Mittelpunkt steht, sondern der Grund, weshalb getötet wurde. Die Frage nach dem Motiv ist das, was diesen Thriller in Schwung hält. Das Motiv ist auch das, was mich überrascht hat. Ehrlich gesagt, habe ich die Zusammenhänge nicht kommen sehen und im Nachhinein habe ich realisiert, wie viele Andeutungen die Autorin gestreut hat. Es ärgert mich schon ein wenig, dass ich als geübte Krimileserin diese nicht gedeutet habe.

Der Fokus liegt nicht auf den Ermittlungen, die sind Beigemüse. Die Kripo ermittelt hauptsächlich durch Nachtbarschafts und Zeugenbefragungen und sehr schnell wird entschieden, dass der Tote beim Steg einem Unfall zu Opfer gefallen ist.

Da praktisch die ganze Handlung an einem Wochenende geschieht und dies ein "Pärchenwochenende" ist, muss man sich als Leser durch Beziehungsprobleme, Bettgeflüster und Wochenendaktivitäten lesen. Im Gegensatz zu anderen Büchern von Petra Johann konnte mich dadurch die Geschichte nicht durchwegs fesseln.

Priska ist zudem eine etwas anstrengende Figur. Sie sieht herablassend auf Anne, die neue Freundin ihres Bruders, hinab. Priska liebt ihren Mann abgöttisch. Liebe, die an Hörigkeit grenzt und sie zeigt Verhaltensweisen, die ich nicht einordnen konnte. Weshalb das so ist, habe ich erst am Schluss verstanden und diese Seite der Geschichte ist sehr kreativ von der Autorin.

Der Steg, der Titel des Buches ist hier Programm. Ein wichtiger Teil der Handlung geschieht nämlich auf und rund um diesen Steg.

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Veröffentlicht am 04.11.2024

Voller Zweifel!

Nebeljagd
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Rechtsanwältin Linn Geller sieht sich einem aussichtslosen Fall gegenüber. Sie hat die Pflichtverteidigung von Johann Haug übernommen, der in dem kleinen schwäbischen Dorf Ochsenwang seine ehemalige Pflegemutter ...

Rechtsanwältin Linn Geller sieht sich einem aussichtslosen Fall gegenüber. Sie hat die Pflichtverteidigung von Johann Haug übernommen, der in dem kleinen schwäbischen Dorf Ochsenwang seine ehemalige Pflegemutter Ines Schneider ermordet haben soll. Dies ist der zweite Mord, der ihm angelastet wird. 15 Jahre zuvor soll er seine Jugendfreundin Vanessa brutal getötet haben. Jo Haug stammt aus einer berüchtigten Familie aus Ochsenwang. Sein Vater hat kurz nach seiner Geburt seine Mutter erschlagen und so steht für die Dorfgemeinschaft fest, dass das Böse in Jos Genen steckt.


Obwohl dies der mittlere Teil einer Reihe ist, hatte ich auch ohne Vorwissen aus dem ersten Teil keinerlei Probleme zu folgen. Dies, weil die Autorin wichtige und relevante Details kurz erklärt und der Fall in sich abgeschlossen ist. Dieser Fall benötigt etwas Anlaufzeit und etliche Wiederholungen zu Beginn machen den Start schleppend. Es wird jedoch dann immer spannender und gegen Schluss konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Was zu Beginn völlig klar erscheint, wird durch die Ermittlungen der Rechtsanwältin Linn Geller manchmal infrage gestellt. Immer wieder muss sie in der Verteidigung ihres Mandanten Rückschläge einstecken und lange ist völlig offen, wer die ehemalige Pflegemutter getötet hat. Und weswegen. Diese Zweifel hat die Autorin wirklich sehr gut hingekriegt. Bei der beteiligten Ermittlerin und bei mir. Hat Jo Haug die alte Frau getötet oder ist er das Opfer einer Hexenjagd? Ich tendierte einmal hierhin, einmal dorthin und war bis zum Schluss nie sicher, was die Autorin nun noch aus dem Hut zaubert. Je länger ich las, desto spannender wurde es und die Auflösung ist gut gemacht. Dann trumpft die Autorin noch mit einer besonderen Wendung auf.

Julia Hofelich macht nicht viel Federlesen um die Ekelgefühle ihrer Leser. Detailliert wird zum Beispiel der Tatort oder eine Exhumierung einer Toten beschrieben. Komplizierte Perspektivwechsel und verschiedene Zeitebenen gibt es nicht und die Geschichte wird chronologisch erzählt. Etwas, was ich als wohltuend empfand und für diese Story sehr stimmig ist.

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Veröffentlicht am 01.11.2024

Vorwissen unbedingt nötig!

Nebelstunde
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Endlich wird Axel Sansten der Prozess gemacht. Polizistin Hanna Duncker hofft, dass er endlich bestraft wird für den Mord an Ester Jensen, den er Jahre zuvor beging und für den ihr Vater verurteilt wurde.

Doch ...

Endlich wird Axel Sansten der Prozess gemacht. Polizistin Hanna Duncker hofft, dass er endlich bestraft wird für den Mord an Ester Jensen, den er Jahre zuvor beging und für den ihr Vater verurteilt wurde.

Doch Hanna Duncker hat noch andere Sorgen. Die Pandemie stellt sie, die schwanger ist, vor grosse Herausforderungen.

Dann kommt auch noch der Mord an Vidar Johansson dazu. Der 79-Jährige wird von Hannas Freundin Ingrid Mattson tot in seinem Bett aufgefunden. Der anfänglich vermutete Selbstmord wird kurze Zeit später als Mord angesehen.


"Nebelstunde" ist der vierte Teil rund um die Ereignisse auf Oeland mit der sympathischen Ermittlerin Hanna Duncker. Dieser vierte Teil kann nicht ohne Vorwissen aus den vorderen drei Teilen gelesen werden. Denn der Prozess, sowie die Handlung zu dem Cold Case, setzen Vorwissen voraus. Obwohl sich der damalige Mord an Ester Jansen nun schon über vier Bände zieht, wird es nicht langweilig. Ich habe förmlich darauf gewartet, dass endlich die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch da muss ich mich wohl noch etwas gedulden, denn es kommen Komponenten dazu, die den Mord nicht mehr so glasklar erscheinen lassen. Wie sehr ist zum Beispiel Hannas Bruder involviert?

Der zweite Handlungsstrang, der daneben läuft, ist der Mord an Vidar Johansson und dieser beschränkt sich auf diesen vierten Band und wird abgeschlossen. Ich fand ihn sehr spannend und ich habe gerätselt, wer den alten Mann bloss umgebracht hat. Als besonderes Zückerchen erzählt die Autorin in Kapiteln mit "der letzte Tag" was genau geschehen ist.

Covid-19 spielt eine Rolle. Zu Beginn der Pandemie ist die ganze Welt verunsichert und auch in Schweden ist Corona ein grosses Thema. Unsicherheiten, wie die Regierung die Pandemie händelt, sowie die Fragen, wie man sich am besten schützt, treiben auch die Menschen auf Oeland um. Hanna, die zudem schwanger ist, und ihr Kollege Erik, der mit seiner indischen Ehefrau Supriya etliche Diskussionen deswegen hat, können sich dem nicht entziehen.

Obwohl die Handlung rasant und komplex ist, punktet Johanna Mo mit einer gut strukturierter Erzählweise, bei der ich nie den Ueberblick verloren habe.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Harter Tobak

Das Kind
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Strafverteidiger Robert Stern ist erstaunt, als seine Exfreundin Carina anruft. Die junge Krankenschwester bittet ihn, sich mit einem ihrer Patienten zu treffen.

Simon Sachs ist schwer krank, möchte ...

Strafverteidiger Robert Stern ist erstaunt, als seine Exfreundin Carina anruft. Die junge Krankenschwester bittet ihn, sich mit einem ihrer Patienten zu treffen.

Simon Sachs ist schwer krank, möchte vor seinem Tod noch sein Gewissen erleichtern und vergangene Morde, die er verübt hat, gestehen.

Einer dieser Morde ist 15 Jahre her und Simon Sachs führt Stern zu dem Skelett. Nur wie kann das sein? Denn Simon Sachs ist zehn Jahre alt und war also zum Zeitpunkt des Mordes noch gar nicht geboren.


Sebastian Fitzek und ich, das ist so eine Hassliebe. Bei bisher neun Büchern, die ich von ihm gelesen habe, konnte keines die volle Punktezahl erreichen. Auch hier bei Nummer zehn reicht es nicht für fünf Sterne. Dafür sind mir seine Geschichten einfach oftmals und stellenweise zu wirr. Auch in "Das Kind" setzt er wieder Wendungen ein, die die Handlung leicht chaotisch machen.

Das Thema Seelenwanderung und Reinkarnation steht stark im Vordergrund und ist im ersten Teil plotgebend. So wusste ich nie, ob die Story doch noch Richtung Wiedergeburt abdriftet. Denn Fitzek würde wohl ohne Skrupel dem Leser eine Lösung in diese Richtung präsentieren. Ich hatte über weite Teile keine Idee, in welche Richtung die Handlung gehen wird und das hat mir gut gefallen. Bei Fitzek ist eben nie etwas vorhersehbar. Er dreht an der Handlung, bis man komplett überrascht da sitzt und staunt über so viel Einfallsreichtum. Allerdings war mir die Lösung in der Frage, wie es sein kann, dass ein Junge Morde gesteht, die vor seiner Geburt verübt wurden, zu einfach gestrickt und etwas mager.

Das zweite zentrale Thema ist harter Tobak und für mich eines der abscheulichsten Verbrechen, die die gestörten Täter auf dieser Welt begehen. Fitzek hat etliche Passagen so geschrieben, dass einem wortwörtlich das Blut in den Adern gefriert. Psychothriller von der härtesten Sorte.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Was ist wahr?

Ohne jeden Zweifel
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Als Einzelkind hat Daniel eine enge Beziehung zu seinen Eltern. Tilda und Chris haben alle Zelte in London abgebrochen und sich eine Farm in Schweden gekauft, auf der sie ihren Lebensabend verbringen wollen. ...

Als Einzelkind hat Daniel eine enge Beziehung zu seinen Eltern. Tilda und Chris haben alle Zelte in London abgebrochen und sich eine Farm in Schweden gekauft, auf der sie ihren Lebensabend verbringen wollen. Sie scheinen glücklich und zufrieden. Deshalb fällt Daniel aus allen Wolken, als sein Vater ihn anruft. Tilda musste hospitalisiert werden, denn sie leidet unter Wahnvorstellungen. Tilda, die sich selbst aus der Klinik entlösst und zu Daniel nach London flieht, erzählt eine ganz andere Version. Sie werde in dem kleinen Ort und in der engen Gemeinschaft unterdrückt und drangsaliert. Die Tochter des Gemeindeoberhauptes sei verschwunden, denn diese habe sich ebenfalls gewehrt.

Wem soll Daniel glauben?


Die Geschichte, die die Zerrissenheit von Daniel in den Mittelpunkt stellt, hat mich von der ersten Seite an gepackt. Einerseits erfährt er von seinem Vater, wie krank und psychotisch Tilda ist. Andererseits erzählt seine Mutter Tilda, wie sie ihr Leben in Schweden erlebt. Als Beweis zieht sie Briefe, Listen, Aufzeichnungen und Fotos aus ihrer mitgebrachten Ledertasche. Fast die ganze Geschichte ist wie ein langes Gespräch zwischen Daniel und Tilda aufgebaut. Die Vorkommnisse in Schweden erfährt man aus der Erzählung Tildas. Sehr oft enden die Kapitel mit einem Cliffhanger, diese verleiten dazu schnellstens weiterzulesen.

Man ahnt es, Daniel ist hin - und hergerissen und fragt sich, was Tildas Wahnvorstellungen geschuldet ist und was sich tatsächlich ereignet hat. Wie Daniel ging es auch mir. Ich wusste lange nicht, was ich glauben soll. Diese Zweifel sind ganz klar der starke Kern der Geschichte. Einige der Beweise, die Tilda da aus der Ledertasche zaubert, empfand ich als langatmig. Ich denke da an Tagebucheinträge, die Holzsammeln, entdeckte Fussabdrücke und Elchsichtungen im Wald betreffen.

Immer wieder gibt es ganz viel Schweden-Feeling mit mystischen Wesen, wie Trolle oder Bootsfahrten auf dem Fluss. Die letzten Kapitel sind in der Gegenwart geschrieben und mehr als überraschend. Damit wirft der Autor meine ganzen Annahmen über Bord und diese Wendung hat mich sehr begeistert.

Dies war mein erstes Buch von Tom Rob Smith und wird sicher nicht mein letztes sein. Ich mochte sehr, wie er durch den ungewöhnlichen Aufbau die Handlung mit nur wenigen Passagen in der Gegenwart trotzdem fesselnd behält.

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