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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2019

Leider nicht mein Schreibstil

Als die Tage ihr Licht verloren
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Berlin um 1930: Die Schwestern Gitte und Linda entstammen einer gutbürgerlichen Berliner Familie. Gitte, die Jüngere, will Anwältin werden. Sie arbeitet im Reichsministerium des Inneren, ist zielstrebig ...

Berlin um 1930: Die Schwestern Gitte und Linda entstammen einer gutbürgerlichen Berliner Familie. Gitte, die Jüngere, will Anwältin werden. Sie arbeitet im Reichsministerium des Inneren, ist zielstrebig und steht fest im Leben. Linda, die Ältere, hat nie verwunden, dass ihr mit der Geburt ihrer Schwester ein Teil der Aufmerksamkeit entzogen wurde. Sie ist impulsiv, es fällt ihr schwer, sich anzupassen oder unterzuordnen. Außerdem scheint sie phasenweise an Schwermut zu leiden. Erst ihr Mann Erich bringt Gleichmäßigkeit in ihr Leben. Er hat eine Manufaktur für Schuhe, sie entwirft passende Handtaschen. Mit dem Kriegsausbruch, wird er eingezogen. Als irgendwann seine Briefe ausbleiben und er als verschollen gilt, verfällt Linda in schwere Depressionen. Ihre Eltern nehmen sie wieder bei sich auf. Doch das Reichshygienegesetz ist in Kraft – irgendjemand zeigt Linda an. Sie wird einfach aus der Wohnung ihrer Eltern geholt und weggebracht. Ihre Familie erfährt nicht wohin ...

Ich entschuldige mich schon vorab, falls diese Rezension etwas wirr klingt. Ich habe mehrfach überlegt, ob ich dieses Buch wirklich zu Ende lese oder abbreche, da ich mit dem Schreibstil der Autorin nicht klar kam. Stephanie von Hayek ergeht sich in langatmigen, verwirrenden Beschreibungen, die genau so planlos zu sein scheinen wie Linda. Es gibt ein Durcheinander verschiedener Ereignisse, die ich zeitlich nicht einordnen konnte, weil Jahresangaben fehlten. Zum Teil hatte ich das Gefühl, sie springt in der Zeit vor und zurück. Dann wieder werden Fakten einfach aneinandergereiht.
Die Handlung ist in 3 Teile gegliedert. Im ersten Drittel passiert nicht viel, man bekommt einen Einblick in die Familie und Lebensumstände, lernt Nachbarn, Freunde und Feinde kennen. Mir fehlten die Spannung und ein roter Faden. Im zweiten Drittel ging es vorrangig um die politischen Entwicklungen und erst im letzten Teil dann um Lindas Internierung und die Suche ihrer Familie nach ihr.
Die Handlung wird in kurzen Kapiteln aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten in zum Teil sehr knappen und nüchternen Sätzen erzählt. So hat man zwar verschiedene Blickwinkel, dringt aber auch nicht zu den Personen vor, bleibt distanziert, fühlt sich ausgeschlossen. Lediglich die Beziehung der Schwestern hat sich mir im Laufe der Zeit erschlossen. Linda ist eifersüchtig auf ihre jüngere Schwester Gitte, weil sie nicht mehr die Prinzessin ist und Gitte ist eifersüchtig auf Linda, weil die Familie immer um deren Geisteszustand besorgt ist. Ein Teufelskreis.

Mein Fazit: „Als die Tage ihr Licht verloren“ sollte den Leser erschüttern und berühren – schließlich geht es u.a. um die Euthanasie im 3. Reich – aber sein nüchterner und abgehackter Schreibstil verhindert genau das. Man muss sich die Informationen mühsam zusammenklauben und zum Teil mehrfach lesen, um zu verstehen, was gemeint ist. 2,5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.07.2018

Hat mich leider nicht ganz überzeugt

Schmälzle und die Kräuter des Todes
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In Karlsruhe war Justin Schmälzle erfolgreicher Ermittler in der Drogen- und Mordabteilung. Wegen seiner Frau hat er sich nach Bad Wildbach versetzen lassen, hier werden maximal Blumenkübel in die Enz ...

In Karlsruhe war Justin Schmälzle erfolgreicher Ermittler in der Drogen- und Mordabteilung. Wegen seiner Frau hat er sich nach Bad Wildbach versetzen lassen, hier werden maximal Blumenkübel in die Enz geworfen. Er hat keinen guten Start, wird als Schwarzer in dem Kurort zuerst nicht ernst genommen – man bietet ihm sogar Schwarzarbeit als Gärtner an.
Doch eines Tages liegt ein Toter im Fluss. Kurz darauf verschwindet eine junge Frau beim Wandern und ein besorgter Bürger meldet, dass im Kurpark neuerdings Kräuter-Drogen an Jugendliche verkauft werden. Die Ereignisse überschlagen sich ...

Leider bin ich mit Schmälzle nicht ganz warm geworden. Er ist ein fanatischer Gesundheitsfreak und treibt seine Familie und Kollegen damit in den Wahnsinn. Er trinkt nur Reismilch-Macchiato, lebt ökologisch vegan und treibt fanatisch Sport – das machte ihn mir nicht besonders sympathisch. Zudem kommt er so rüber, als wäre er der einzige wirklich arbeitende Polizist seiner neuen Dienststelle.
Sein Chef Harald Scholz ist das ganze Gegenteil. Scholz ist aufs Essen und Trinken fixiert und lässt die Arbeit gern mal übers Wochenende liegen.
Auch die Kollegen der übergeordneten Dienststellen arbeiten ähnlich (un)motiviert und verweigern schlichtweg mehrfach die geforderte Amtshilfe. Das war mir zu irreal, zu weit vom wirklichen Leben weg.

Der Fall ist sehr verworren, springt zwischen der Ermittlung wegen des Toten, der Drogen und der verschwundenen Frau zeitlich vor und zurück. Das hat mich zu Beginn etwas irritiert, wurde am Ende aber aufgeklärt. Auch der schwäbische Dialekt, der in einigen Kapiteln überhand nimmt, macht es Nicht-Schwaben wie mir schwer, der Handlung zu folgen.

Alles in allem ist es ein netter, ruhiger Regionalkrimi, der eher durch seine Protagonisten und das Setting als durch Spannung besticht.

Veröffentlicht am 05.06.2018

James Bond Verschnitt mit zweifelhafter Moral

Ein Gentleman in Arles – Mörderische Machenschaften
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Als Gentleman bezeichnet man einen gebildeten Mann, der sich durch Charakter und Anstand auszeichnet. Peter Smith sieht sich selbst als einen solchen. Der Brite, welcher früher als Lehrer für Kunstgeschichte, ...

Als Gentleman bezeichnet man einen gebildeten Mann, der sich durch Charakter und Anstand auszeichnet. Peter Smith sieht sich selbst als einen solchen. Der Brite, welcher früher als Lehrer für Kunstgeschichte, Unternehmensberater und für den britischen Geheimdienst gearbeitet hat, lebt nach der Pensionierung zusammen mit seinem Windhund Arthur in Arles. Er lässt es ruhig angehen, trifft sich regelmäßig mit seinem Freund und ehemaligen Kollegen David Gentry, liebt gutes Essen und trinkt ganz gern mal einen über den Durst. Als er nach einem Besuch in der Stierkampfarena niedergeschlagen wird und unter einem Toten wieder erwacht, ist es damit vorbei. Für ihn ist nämlich sicher, dass der Tote, Robert DuGresson, ermordet wurde, nur glaubt ihm die Polizei nicht. Doch zumindest die Martine, Roberts Witwe, interessiert sich für die wahren Todesumstände und engagiert Peter.

„Ein Gentleman in Arles – Mörderische Machenschaften“ ist einer der wenigen Provence-Krimis, der mich nicht wirklich packen konnte. Das Setting ist toll und Arles sicher eine Reise wert, aber die Handlung plätscherte mir zu gemütlich vor sich hin. Peter ermittelt vor allem im Internet und die langatmigen Erklärungen über die Datensicherheit von PCs, Handys, Clouds etc. und wie man diverse Daten wiederfinden kann, tragen nicht unbedingt zur Steigerung der Spannung bei. Nur, wenn er wieder mal verfolgt oder überfallen wird, läuft er plötzlich zur Hochform auf und aus dem Opa wird plötzlich James Bond. Da wird gefoltert und rumgeballert, dass einem Hören und Sehen vergeht und natürlich steckt er die Gegner allesamt locker in die Tasche. Auch auf die Damenwelt macht Peter damit anscheinend Eindruck, denn nicht nur Roberts Witwe liegt ihm plötzlich zu Füßen. Ich habe mich beim Lesen mehrfach gefragt, ob der Autor hier nicht nur seine Fantasien auslebt. Peter Smith ist kein angenehmer Mann und benutzt zum Teil recht heikle Methoden bei seinen Ermittlungen. Ungerechtigkeiten sind ihm relativ egal, so lange sie ihn nicht persönlich betreffen. In meinen Augen ist er ein James-Bond-Verschnitt mit zweifelhafter Moral.

Für mich ist das Buch kein Krimi, sondern ein gemütliches Actionabenteuer vor einer tollen landschaftlichen Kulisse, bei dem man viel über die Geschichte, Gerichte und Weine der Region erfährt. Wahrscheinlich finden Männer an dieser Art des Buches und dem Schreibstil eher Gefallen als Frauen.

Veröffentlicht am 10.04.2018

Zu viel Drama, zu wenig Gefühl

Hortensiensommer
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Johanna lebt seit ihrer Scheidung allein in dem großen Haus am Hang, darum vermietet sie die Einliegerwohnung. Eine der Mietbedingungen ist, dass der Mieter den riesigen Garten nicht betreten darf – Mathelehrer ...

Johanna lebt seit ihrer Scheidung allein in dem großen Haus am Hang, darum vermietet sie die Einliegerwohnung. Eine der Mietbedingungen ist, dass der Mieter den riesigen Garten nicht betreten darf – Mathelehrer Philipp schreckt das nicht ab. Er hat sich schon beim Besichtigungstermin in Johanna verguckt, auch wenn sie immer traurig und abweisend wirkt: „Ich mag das, wenn man hinsehen muss, um den wahren Kern zu erkennen.“ (S. 81)
Obwohl Johanna ihm immer wieder klar macht, dass sie keinen über das Notwendigste hinausgehenden Kontakt mit ihm will, schafft er es irgendwann, ihren Panzer zu knacken – sie kommen sich näher. Doch als sie kurz darauf erfährt, dass Philipp geschieden ist und seine kleine Tochter von nun an regelmäßig bei ihm leben wird, kündigt sie ihm.

Ich kannte Ulrike Sonsitzas Schreibstil bereits durch ihr Buch „Novemberschokolade“ und hatte mir ein inhaltlich ähnliches Buch erhofft, aber leider konnte mich „Hortensiensommer“ nicht überzeugen.
Johanna war mir zu wehleidig und egozentrisch – ja, sie hat einen schlimmen Verlust erlitten, aber nicht nur sie. Trotzdem tut sie so, als liege alles Leid der Welt auf ihren Schultern und merkt nicht, dass z.B. auch Philipp, ihr Ex-Mann oder ihre Schwester Probleme und Sorgen haben. Die anderen machen es ihr aber auch (zu) leicht – wirklich jeder nimmt Rücksicht auf sie. Selbst Philipp, der gar nicht weiß, worum es eigentlich geht. Egal was Johanna sagt oder tut – ihr Gegenüber hält still, bietet nie Paroli und nie, wirklich nie, darf „ES“ angesprochen werden.
Auch Philipp hat mich nicht völlig überzeugt. Er ist zu schnell unsterblich verliebt und sieht zu lange über ihre sämtlichen Fehler und Unfreundlichkeiten hinweg. Einem realen Mann wären doch zumindest mal leise Zweifel gekommen oder?
Zwar waren mir Johanna und Phillip zu eindimensional und oberflächlich, dafür fand ich Johannas Schwester und deren Mann sehr gelungen und glaubhaft. Sie stecken immer zurück, damit Johannas Trauma ja nicht wieder aufgewühlt wird und versuchen sie behutsam ins Leben zurückzuholen.

Was mich ebenfalls etwas gestört hat, war der sehr langatmige und weitschweifige Einstieg ins eigentliche Thema des Buches. Johannas Trauma wird in der ersten Hälfte immer wieder angedeutet, dadurch ist die „Überraschung“ weg, als es dann raus kommt. Auch das ewige Hin- und Her, ob sie Philipp nun mag oder nicht und sich mit ihm einlässt, war mir zu viel „Drama“.

Das Ende und das tolle Setting haben mich dann wieder etwas mit dem Buch versöhnt. Den Handlungsort Sommerhausen gibt es wirklich, er scheint malerisch gelegen zu sein, und auch die beschriebenen Pflanzen und Gärten trugen viel zum Flair des Buches bei.

Mein Fazit: Der Spagat zwischen behutsamer Liebesgeschichte und dem Aufarbeiten eines Traumes ist der Autorin in meinen Augen leider nicht gelungen.

Veröffentlicht am 06.11.2024

Extrem spannendes Thema leider sehr langatmig umgesetzt

Die Mitford Schwestern
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In ihrem neuesten Buch erzählt Marie Benedict die Geschichte der drei Mitford Schwestern Nancy, Diana und Unity und beschreibt die Konflikte der Familie während des Erstarken des Nationalsozialismus bis ...

In ihrem neuesten Buch erzählt Marie Benedict die Geschichte der drei Mitford Schwestern Nancy, Diana und Unity und beschreibt die Konflikte der Familie während des Erstarken des Nationalsozialismus bis zum Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und England.

Ich habe schon einige Bücher über die Schwestern gelesen, die für mich zu den interessantesten und skandalträchtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit zählen. Sie waren mit Winston Churchill verwandt und standen ihrem exzentrischen Vater David Mitford, 2. Baron Redesdale, in nichts nach.
Nancy war eine begabte Schriftstellerin verarbeitet in ihren Romanen, was in der Welt und ihrer Familie geschah, auch wenn sie die familiären Bezüge natürlich verfremdete. Trotzdem verstanden ihrer Leser die Anspielungen und Andeutungen genau.
Diana war mit dem Brauereierbe Bryan Guinness verheiratet, verliebte sich dann aber leider in Oswald Mosley, der die British Union of Fascits (BUF) gründete und Bündnisse mit Mussolini und Hitler anstrebte.
1933 reiste Diana mit ihrer jüngeren Schwester Unity und den britischen Delegierten der BUF zum Reichsparteitag, wo Unity Adolf Hitler sah und sich anscheinend sofort in ihn verliebte. Angeblich ging sie sogar Affären mit seinen engsten Vertrauten ein, nur um Informationen über ihn zu bekommen und ihm nahe sein zu können.

Die drei Frauen sind mit ihrer durch die Gesellschaft (und Gott) vorgegebenen Rolle nicht wirklich zufrieden und hadern mit ihrem Schicksal. So sagt Nancy z. B.: „Manchmal wünschte ich mir, mir stünden andere Waffen zur Verfügung als meine scharfe Zunge und meine Schreibmaschine.“ (S. 9) Einerseits liebt sie das Schreiben, andererseits muss sie aber auch arbeiten, weil ihr Mann das Geld lieber vertrinkt als verdient. Dazu kommen die Diskussionen mit ihrer Familie, wenn die sich in ihren Büchern wiedererkennt und nicht mit dem Bild von sich einverstanden ist.
Diana steht gern im Mittelpunkt. Sie sieht toll aus, hat einen reichen Mann und reizenden Kinder. Dann lernt sie Mosley kennen und verfällt seinem animalischen Charme und Charisma. Er ist berühmt für seine Affären und es reicht ihr, zumindest vorerst, eine von vielen zu sein. „Es ist einfach so ermüdend, immer dem Ideal der passiven Frau zu entsprechen. Sie will etwas fühlen, sie will leben und machen und nicht einfach nur herumsitzen und bewundert werden …“ (S. 26) Sie entdeckt das Potential, das in Mosley und seiner Partei steckt und teilt auch seine Überzeugungen. Also lenkt ihn sehr bestimmt und geschickt, ohne dass er es merkt. U.a. setzt sie alles daran, in Hitlers engsten Kreis aufgenommen zu werden und nutzt dazu die ihm verfallene Unity, ohne Rücksicht auf Verluste.
Unity war weder so klug wie Nancy, noch so schön wie Diana, aber sie war besessen von ihrer Liebe zu Hitler, setzte sich wochenlang in sein Stammlokal und lauerte ihm auf, bis sie ihr Ziel erreichte. „Hier, zwischen all den Nazis, hat sie das Gefühl, dazuzugehören, viel mehr, als vor drei Jahren, als sie der Königin von England als Debütantin vorgestellt wurde. Aber diese Führungspersönlichkeiten und ihre Ehefrauen hatten sie erwählt.“ (S. 151)
Nancy beobachte diese ungesunden Entwicklungen und legt sich deswegen mit ihren Eltern an, die das alles nicht so eng sehen. Als sie Beweise für Dianas, Mosleys und Unitys Umtriebe entdeckt, muss sie sich zwischen ihrem Land und ihrer Familie entscheiden.

Die Autorin hat dieses extrem spannende Thema leider sehr langatmig umgesetzt. Manchmal passiert seitenweise nichts Spanendes und es zu gibt viele zu kurze Wechsel in der Perspektive, da die Schwestern abwechselnd erzählen, das führt auch zu Wiederholungen. Allerdings gefiel mir gut, wie nahe man den Mitfords dadurch kommt. Leider nur 2 von 5 Sternen.

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