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Veröffentlicht am 15.01.2025

Eine Geschichte wie eine flüchtige Zugbekanntschaft - unterhaltsam, aber nicht mehr

In einem Zug
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Nach dem ernsten Roman „Die spürst Du nicht“ legt Glattauer nun mit „In einem Zug“ eine eher heitere, leichte Geschichte vor. Eduard Brünhofer, Autor von Liebesromanen, der seine erfolgreichsten Zeiten ...

Nach dem ernsten Roman „Die spürst Du nicht“ legt Glattauer nun mit „In einem Zug“ eine eher heitere, leichte Geschichte vor. Eduard Brünhofer, Autor von Liebesromanen, der seine erfolgreichsten Zeiten hinter sich hat, fährt mit dem Zug von Wien zu einem Geschäftstermin nach München. Im Abteil sitzt eine Frau mittleren Alters, Catrin Meyr, mit der sich im Laufe der Fahrt ein Gespräch über die Liebe und das Leben entwickelt.

Der Roman beginnt vielversprechend, Brünhofers Beobachtungen sind amüsant, und die Ironie seiner Gedanken brachte mich oft zum Schmunzeln. Leider nutzt sich dieses Stilelement im Laufe des Romans ab, wird vorhersehbar, und die Dialoge zwischen Brünhofer und Meyr haben zwar durchaus spritzige Momente, sind inhaltlich aber doch zu oft belanglos und oberflächlich. Hinzu kommt, dass Catrin Meyr mit unerträglicher Penetranz immer intimere Fragen zu Brünhofers Liebesleben stellt, und damit nicht nur Brünhofer, sondern mit fortschreitender Geschichte auch zunehmend mir als Leserin auf die Nerven geht. Es ist schwer zu glauben, dass Brünhofer in der Realität hier nicht eine klare Grenze setzen und das Gespräch mit dieser doch wildfremden Zugbekanntschaft beenden würde.

Meyr steht Langzeitbeziehungen ablehnend gegenüber und zieht Affären mit verheirateten Männern vor, während Brünhofer darauf verweist, seit vielen Jahren glücklich verheiratet zu sein. Das wiederum kann oder will Meyr nicht recht glauben. Die hier ausgetauschten Argumente zu dauerhafter Partnerschaft versus Freiheit lockerer Beziehungen ohne feste Absichten sind die Üblichen und bieten keine neuen Erkenntnisse.

Fahrt nimmt das Buch erst gegen Ende auf und hat hier einige Überraschungen zu bieten, die ich natürlich nicht vorwegnehmen werde, die aber – trotz ihrer Konstruiertheit – für mich den Roman wieder etwas aufwerten.

Insgesamt ist die Grundidee des Buches sehr vielversprechend, konnte mich aber in der Umsetzung nicht ganz überzeugen. Und so ist es für mich wie eine flüchtige Zugbekanntschaft – für ein paar Stunden ganz unterhaltsam, bleibt aber nicht länger im Gedächtnis.

Wer statt zum Buch lieber zum Hörbuch greift: Christian Berkel liest "In einem Zug" mit angenehmer Stimme und trifft sowohl die leicht ironischen sowie nachdenklichen Töne ganz hervorragend.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Eine Geschichte wie eine flüchtige Zugbekanntschaft - unterhaltsam, aber nicht mehr

In einem Zug
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Nach dem ernsten Roman „Die spürst Du nicht“ legt Glattauer nun mit „In einem Zug“ eine eher heitere, leichte Geschichte vor. Eduard Brünhofer, Autor von Liebesromanen, der seine erfolgreichsten Zeiten ...

Nach dem ernsten Roman „Die spürst Du nicht“ legt Glattauer nun mit „In einem Zug“ eine eher heitere, leichte Geschichte vor. Eduard Brünhofer, Autor von Liebesromanen, der seine erfolgreichsten Zeiten hinter sich hat, fährt mit dem Zug von Wien zu einem Geschäftstermin nach München. Im Abteil sitzt eine Frau mittleren Alters, Catrin Meyr, mit der sich im Laufe der Fahrt ein Gespräch über die Liebe und das Leben entwickelt.

Der Roman beginnt vielversprechend, Brünhofers Beobachtungen sind amüsant, und die Ironie seiner Gedanken brachte mich oft zum Schmunzeln. Leider nutzt sich dieses Stilelement im Laufe des Romans ab, wird vorhersehbar, und die Dialoge zwischen Brünhofer und Meyr haben zwar durchaus spritzige Momente, sind inhaltlich aber doch zu oft belanglos und oberflächlich. Hinzu kommt, dass Catrin Meyr mit unerträglicher Penetranz immer intimere Fragen zu Brünhofers Liebesleben stellt, und damit nicht nur Brünhofer, sondern mit fortschreitender Geschichte auch zunehmend mir als Leserin auf die Nerven geht. Es ist schwer zu glauben, dass Brünhofer in der Realität hier nicht eine klare Grenze setzen und das Gespräch mit dieser doch wildfremden Zugbekanntschaft beenden würde.

Meyr steht Langzeitbeziehungen ablehnend gegenüber und zieht Affären mit verheirateten Männern vor, während Brünhofer darauf verweist, seit vielen Jahren glücklich verheiratet zu sein. Das wiederum kann oder will Meyr nicht recht glauben. Die hier ausgetauschten Argumente zu dauerhafter Partnerschaft versus Freiheit lockerer Beziehungen ohne feste Absichten sind die Üblichen und bieten keine neuen Erkenntnisse.

Fahrt nimmt das Buch erst gegen Ende auf und hat hier einige Überraschungen zu bieten, die ich natürlich nicht vorwegnehmen werde, die aber – trotz ihrer Konstruiertheit – für mich den Roman wieder etwas aufwerten.

Insgesamt ist die Grundidee des Buches sehr vielversprechend, konnte mich aber in der Umsetzung nicht ganz überzeugen. Und so ist es für mich wie eine flüchtige Zugbekanntschaft – für ein paar Stunden ganz unterhaltsam, bleibt aber nicht länger im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Merkwürdige Kombination aus Bilderbuch und Ratgeber

Mein artgerecht-Geschwisterbuch: Ich zuerst! Nein, ich!
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Streit und Konkurrenz unter Geschwisterkindern kennen die meisten Eltern aus ihrem Alltag, und dieses Buch regt dazu an, Wege aus Konflikten zu finden und ein harmonisches Miteinander unter Geschwistern ...

Streit und Konkurrenz unter Geschwisterkindern kennen die meisten Eltern aus ihrem Alltag, und dieses Buch regt dazu an, Wege aus Konflikten zu finden und ein harmonisches Miteinander unter Geschwistern zu fördern. Das Buch ist wunderschön illustriert und die kleinen Eichhörnchen schließt man sofort ins Herz.

Richtig toll ist auch das Zahnputzlied zur Melodie von „Brüderlein, komm tanz mit mir“ (wie passend!) – damit macht das allabendliche Zahnputzritual gleich mehr Spaß!

Ein bisschen schade finde ich, dass im Buch neben den Kindern nur die Mama vorkommt, ein Papa fehlt. Das suggeriert, dass die Erziehung nach wie vor reine Aufgabe der Mutter ist. Sehr zwiespältig stehe ich auch den an und für sich sinnvollen Erziehungstipps am Ende des Buches gegenüber. Diese haben meiner Meinung nach in einem Bilder- bzw. Vorlesebuch, das sich an Kinder richtet und auch von diesen gelesen wird (etwa älteren Geschwistern, die ihren jüngeren Geschwistern vorlesen) nichts verloren und gehören in einen Elternratgeber. Auch werden sich die Tipps in der Praxis nicht immer 1:1 umsetzen lassen und ich kann auch nicht alle Ratschläge mittragen. So ist es in vielen Familien schon aus finanziellen Gründen gar nicht anders möglich, als Kleidung und Spielzeug an jüngere Geschwister weiterzuvererben. Die Formulierung in der Wir-Form ist zudem sehr gewöhnungsbedürftig. Ich könnte mir auch vorstellen, dass durch diese Tipps das Buch, sollte es von Großeltern, Tante, Freundin etc. geschenkt werden, von sehr sensiblen Eltern als versteckte Kritik an ihrer Erziehung verstanden werden kann.

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Hat mich leider nicht überzeugt

Drei Tage im Juni
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Da ich Anne Tylers Romane sehr mag, war ich gespannt auf ihr neuestes Werk, „Drei Tage im Juni“.

Max und Gail sind seit vielen Jahren getrennt. Nun heiratet ihre gemeinsame Tochter Debbie, und Max reist ...

Da ich Anne Tylers Romane sehr mag, war ich gespannt auf ihr neuestes Werk, „Drei Tage im Juni“.

Max und Gail sind seit vielen Jahren getrennt. Nun heiratet ihre gemeinsame Tochter Debbie, und Max reist zur Feier an. Eigentlich sollte er bei Debbie unterkommen, doch da er eine Katze im Gepäck hat und Debbies zukünftiger Mann Kenneth gegen Katzen allergisch ist, quartiert sich Max kurzerhand samt Katze bei Gail ein. Gail arrangiert sich notgedrungen damit. Das ungewollte Zusammenleben bringt für Gail, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, Herausforderungen mit sich. Sie erinnert sich an früher, an Eigenschaften, die sie schon damals an Max gestört haben, aber auch an Liebenswertes. Auch die eine oder andere Veränderung stellt sie an Max fest.
Das Buch ist eingeteilt in drei Kapitel und erzählt die Ereignisse am Tag vor der Hochzeit, dem Hochzeitstag und dem Tag danach. Hierbei werden immer wieder Rückblenden zu früher eingebunden.

Von Beginn an konnte ich mich sehr gut in Gail hineinversetzen. In ihrer direkten, manchmal etwas unbeholfenen Art erkannte ich mich ein bisschen selbst wieder. Auch Max wirkt auf mich grundsätzlich sympathisch, auch wenn ich in der Realität mit einem Mann wie ihm wahnsinnig werden würde, da mir seine Inkonsequenz auf die Nerven ginge. Das erste Drittel begann sehr vielversprechend, und ich war gespannt, wie sich die Situation bei Max und Gail entwickelt. Auch bei Debbie und Kenneth zeichnet sich eine Herausforderung ab. Im zweiten Drittel flachte die Handlung für mich allerdings zunehmend ab, und das letzte Drittel ließ mich mit einem „Und das war jetzt alles?“-Gefühl enttäuscht zurück. Eine echte Entwicklung konnte ich bei den Figuren nicht feststellen, alles wirkt recht lauwarm und ohne Biss. Ich konnte die Entscheidungen der handelnden Personen nicht nachvollziehen, und ich habe mich lange gefragt, was mir die Autorin mit dieser Geschichte sagen möchte. Die Kernbotschaft, die ich in diesem Buch erkenne, kann ich nicht unterstützen. Mag sein, dass die inzwischen über achtzigjährige Autorin einen altersmilderen Blick auf das Leben und Beziehungen hat als ich.

Mich konnte dieser Roman leider nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

actionreich, aber zu einfach gestrickt

Amanda Black – Die Mission beginnt
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Der lebendige und flotte Erzählstil hat meinen Sohn (10) und mich auf den ersten Seiten gleich für sich eingenommen, wir konnten uns gut in die zwölfjährige Amanda hineinversetzen und waren gespannt auf ...

Der lebendige und flotte Erzählstil hat meinen Sohn (10) und mich auf den ersten Seiten gleich für sich eingenommen, wir konnten uns gut in die zwölfjährige Amanda hineinversetzen und waren gespannt auf ihr Abenteuer. Die Geschichte ist spannend und actionreich, doch leider an vielen Stellen recht unlogisch, unglaubwürdig und mit wenig Tiefgang. Dies fiel nicht nur mir als Erwachsene auf, sondern auch meinem Sohn, und trübte unser Lesevergnügen erheblich. Wir lesen sehr gerne magische Bücher mit Fantasy-Elementen, aber eine gewisse innere Logik sollte doch vorhanden sein. Auch die Charaktere sind oberflächlich konzipiert und lassen eine echte Entwicklung vermissen. Die Handlung ist sehr einfach gehalten und geht damit meines Erachtens an der Alterszielgruppe ab 9 Jahren vorbei, da diese schon höhere Erwartungen an die Komplexität einer Geschichte stellen dürfte.

Positiv hervorzuheben sind die ganzseitigen schwarz-weißen Illustrationen, die sehr detailreich sind und die Geschichte sehr schön ergänzen.

Ein Blick auf das spanische Original verrät, dass es sich bei diesem Band um den Auftakt zu einer aktuell 11-bändigen Reihe handelt. Die Bände 1 und 2 sind bereits auf Deutsch erschienen, die Bände 3 und 4 folgen im ersten Halbjahr 2025. Uns konnte Band 1 leider nicht überzeugen und wir werden Amandas Abenteuer nicht weiter verfolgen.

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