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Veröffentlicht am 28.12.2024

Interessante Geschichte eines Posthotels

Hotel in den Wolken
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In dem vergessenen Hotel in den Schweizer Bergen checkt schon seit langem keiner mehr ein. Es steht verlassen da, obwohl der Ort von den Ski-Touristen gerne besucht wird. Auch Maike aus Hamburg verbringt ...

In dem vergessenen Hotel in den Schweizer Bergen checkt schon seit langem keiner mehr ein. Es steht verlassen da, obwohl der Ort von den Ski-Touristen gerne besucht wird. Auch Maike aus Hamburg verbringt ihren Winterurlaub immer im Skiparadies Sumbriva. Als sie überraschend erfährt, dass das verlassene Hotel als Erbschaft ihrer Familie zusteht, versucht sie so viel wie möglich über das Hotel und seine Geschichte zu erfahren.

In dem Roman erzählt Mara Konrad die ganze Geschichte in zwei Zeitebenen abwechselnd. In der Gegenwart erfährt Maike bei den Nachforschungen immer mehr über die Entstehung und die Entwicklung des alten Posthotels aus dem 19. Jahrhundert. Sie entdeckt alte Dokumente und Nachweise, die belegen, wie aus dem einfachen Hotel für die Postkutscher und Durchreisende eine glänzende Bleibe für vermögende und prominente Gäste entstand.
Die Tagebücher der Schriftstellerin und Bergwanderin Jane erzählen über die vergangene Epoche. Jane, die mit ihrem Mann gerne ihre Urlaubstage in Sumbriva Hotel verbrachte, verband tiefe Freundschaft mit dem Hotelbesitzer Flo Fernsby. Und nur sie kannte sein Geheimnis, das er vor der ganzen Welt verborgen hielt.
Sehr spannend fand ich vor allem die Teile des Romans über die Vergangenheit. Sowohl die Erzählungen über den Hotelalltag, über seine Gäste und nicht zuletzt über den perfekten Hotelier Flo Fernsby, alle in einer bildhaften Sprache erfasst, sorgen fürs Kopfkino. Flos persönliche dramatische Lebensgeschichte weckt viele Emotionen. Auch sehr interessant sind die Anmerkungen über die Gepflogenheiten der Epoche, über die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die damals herrschende Bestimmungen.
Ich habe den Roman mit großem Interesse gelesen und empfehle ihn gerne weiter.

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Veröffentlicht am 18.11.2024

Spannende Unterhaltung

Schneesturm
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Cara freut sich auf das Treffen mit ihren alten Freunden aus den Jugendjahren. Manche von ihnen haben die Insel Inishmore vor Jahren verlassen und kehren jetzt zurück, um den Todestag von Cillian, Caras ...

Cara freut sich auf das Treffen mit ihren alten Freunden aus den Jugendjahren. Manche von ihnen haben die Insel Inishmore vor Jahren verlassen und kehren jetzt zurück, um den Todestag von Cillian, Caras Mann, zu gedenken.
Kurz vor dem Treffen erhält Cara, die einzige Inselpolizistin, die Nachricht über den Fund einer Leiche. Da zu der Zeit ein heftiger Schneesturm die kleine Felseninsel vom Rest der Welt abgeschnitten hat, muss Cara allein den Fall versuchen zu lösen. Eins ist auf jeden Fall von Anfang an klar: der Mörder befindet sich immer noch auf der Insel. Wem kann Cara vertrauen?

Sehr unterhaltsam ist der Thriller vom Triona Walsh. Spektakulär wirkt der im Prolog beschriebene Tathergang. Außergewöhnlich fand ich auch die bedrohliche Atmosphäre in dem kleinen Cottage, in dem sich Caras Freunde treffen, um gemeinsam um ihren vor zehn Jahren verunglückten Freund zu trauern.
Im Verlauf der Handlung wird es klar, dass manche von den damaligen Freunden einiges verschweigen, Ängste und Emotionen bestimmen jetzt ihr Verhalten. Und langsam stellt sich die Frage, ob man einander noch trauen kann, ob sie wirklich immer noch Freunde sind.
Dank der einfachen, lebendigen Sprache ist der Thriller leicht zu lesen. Die Spannung bleibt konstant, der Mordfall wird zum Schluss sauber gelöst.
Ich habe den Thriller gerne gelesen und empfehle ihn als gute Unterhaltung für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 12.11.2024

Um nicht zu vergessen

Die Postkarte
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Die tragische Geschichte ihrer Familie erzählt Anne Berest in ihrem bewegenden Roman „Die Postkarte“.
Es war die anonyme Postkarte, die ihre Mutter Lélia im Januar 2003 in ihrem Briefkasten fand und welche ...

Die tragische Geschichte ihrer Familie erzählt Anne Berest in ihrem bewegenden Roman „Die Postkarte“.
Es war die anonyme Postkarte, die ihre Mutter Lélia im Januar 2003 in ihrem Briefkasten fand und welche Anne neugierig auf die Familiengeschichte machte. Denn auf der Postkarte standen nur die Namen der vier Familienmitglieder, die in Auschwitz ermordet wurden. Nach und nach erzählt Lélia ihrer Tochter den Teil der tragischen Familiengeschichte, den sie bisher in eigener Recherche rekonstruieren konnte.
Wenig später wird Anne selbst mit dem Problem des Antisemitismus konfrontiert und da sie sich deswegen Sorgen um ihre kleine Tochter macht, setzt sie die unterbrochenen Nachforschungen ihrer Mutter fort. Sie musste den anonymen Verfasser der mysteriösen Postkarte unbedingt finden. Sie musste unbedingt alles über das Schicksal ihrer jüdischen Vorfahren erfahren.

So ist ein imposantes literarisches Werk entstanden, das nicht nur den Schicksalsweg der jüdischen Familie Rabinovitch aufzeichnet. Der ergreifende Roman, auf wahren Begebenheiten basierend, ist gleichzeitig ein Dokument der jüdischen Geschichte während des Zweiten Weltkrieges. Die Autorin berichtet auch ausführlich über Antisemitismus in der heutigen Zeit. Ein brisantes Thema, aktueller denn je.

Bei diesem Buch habe ich das Hörbuch mit der Sprecherin Simone Kabst gewählt. Die Schauspielerin ließ mich mit ihrer warmen, ruhigen Stimme in die Geschichte eintauchen. Störend fand ich jedoch, dass ich die beiden Protagonistinnen Lélia und Anne nicht immer heraushören konnte; zu ähnlich klangen für mich ihre Stimmen.

Ich habe das Hörbuch gerne gehört. Es bewegt und stimmt nachdenklich.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Leben in Freiheit

Traumland
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In seinem Buch mit dem Titel „Traumland“ nimmt uns Adam Soboczynski auf eine ungewöhnliche Reise durch die Ost- und Westländer Europas mit. Es ist gleichzeitig eine Zeitreise durch die Gegenwart, die im ...

In seinem Buch mit dem Titel „Traumland“ nimmt uns Adam Soboczynski auf eine ungewöhnliche Reise durch die Ost- und Westländer Europas mit. Es ist gleichzeitig eine Zeitreise durch die Gegenwart, die im Jahre 1981 im polnischen Toruń beginnt. Damals verlässt er als Sechsjähriger mit seinen Eltern die Volksrepublik Polen. Sie reisen nach Deutschland, ein Land ihrer Träume, aus.

In Koblenz am Rhein beginnt Adams neuer Lebensabschnitt; es ist eine Zeit der Anpassung an die neuen Lebensumstände, eine Zeit der immensen Veränderungen. Er selbst schreibt so darüber:
„Unser Leben veränderte sich als hätte jemand einem Schwarzweißfilm mit Zauberband die Farbe geschenkt.“ (16)

Sehr persönlich, fast intim, ist seine Erzählung über das vorherige Leben in Polen, über seine Verwandtschaft, die er immer wieder gerne besucht, über das neue Leben im Traumland. Sorglos und glücklich scheint die Zeit des Lebens in Freiheit zu sein, obwohl „ahnte man schon als Kind, dass der Krieg nur eingefroren war.“ (26)
Spätestens die Ereignisse des Jahres 2022, als Ukraine überfallen wurde, weisen deutlich darauf hin, dass das Leben in Freiheit und sorglosen Wohlstand keine Selbstverständlichkeit ist.

Ein nachdenklich stimmendes Buch mit vielen wertvollen Denkanstößen! Lesenswert!

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Veröffentlicht am 30.08.2024

Perfektes Urlaubsfeeling

Salute - Der letzte Espresso
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Sehr guten Espresso serviert Paul Zeitler in seinem Café Das Monaco in Bardolino. Dazu frisches Gebäck von dem besten Konditor des Ortes. Kein Wunder, dass das Café nicht nur von den Touristen gut besucht ...

Sehr guten Espresso serviert Paul Zeitler in seinem Café Das Monaco in Bardolino. Dazu frisches Gebäck von dem besten Konditor des Ortes. Kein Wunder, dass das Café nicht nur von den Touristen gut besucht wird. Auch die Einheimischen treffen sich dort gerne, um zu plaudern oder Schach zu spielen.

Paul Zeitler, der noch vor kurzem in München lebte und als Hauptkommissar bei der Polizei tätig war, hat sein Job aufgegeben und ist nach Bardolino gezogen. Trotz seiner mangelnder Italienischkenntnisse hat er hier viele Freunde gefunden und wurde als Geschäftsmann akzeptiert. Das Café läuft gut und Paul ist mit seiner Entscheidung mehr als zufrieden.

Als Zeitler eines Abends merkt, dass sein letzter Gast seinen Espresso nicht bezahlt hat und verschwunden ist, ärgert er sich nicht wirklich darüber. Doch dann findet er den Mann auf der Herrentoilette ermordet vor.
Für Commissario Lanza, der die Ermittlungen übernimmt, ist Paul von Anfang an der Hauptverdächtiger.

Mit dem Buch „Salute – Der letzte Espresso“ eröffnet Friedrich Kalpenstein eine neue Krimireihe, die am Gardasee spielt. Die Ermittlungen wurden von zwei Personen geführt: offiziell von dem hiesigen Commissario Lanza und privat von dem Ex-Polizisten Paul Zeitler. Der Anfang verläuft turbulent, denn beide Ermittler vertrauen einander nicht. Paul ermittelt auf eigene Faust und gerät dabei selbst in Gefahr.

„Salute – der letzte Espresso“ ist ein gemütlicher Krimi im angenehmen, flüssigen Schreibstil gehalten. Für gute Unterhaltung sorgen lebendige Charaktere und viele natürlich wirkende Szenen des täglichen Lebens am Gardasee. Paul Zeitler mit seinem Sinn für Gerechtigkeit und viel Humor gewann schnell meine Sympathie. Spannend verlaufen seine privaten Ermittlungen, er vergisst dabei oft, dass er kein Polizist mehr ist.

Fazit: ein gelungener Auftakt der neuen Krimireihe, mit viel Lokalkolorit, lebendigen Charakteren und einigen spannenden Szenen. Eine gute Sommerlektüre, die Sehnsucht nach La Dolce Vita in Italien weckt!

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