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Veröffentlicht am 03.01.2018

Dorftratsch und Drama

Die Eishexe
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Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch so langweilig empfand, dass ich mich sogar aufraffen muss, eine Rezension zu schreiben, aber hier ist das der Fall.

Es beginnt mit dem Verschwinden eines kleinen ...

Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch so langweilig empfand, dass ich mich sogar aufraffen muss, eine Rezension zu schreiben, aber hier ist das der Fall.

Es beginnt mit dem Verschwinden eines kleinen Mädchens, das wenig später tot aufgefunden wird. Die Bevölkerung ist in Aufruhr, nicht nur, weil es sich um Mord handelt, sondern weil genau dreißig Jahre vorher von eben diesem Hof ein ebenso kleines Mädchen verschwand und tot aufgefunden wurde. Als Täterinnen damals wurden zwei dreizehnjährige Mädchen ausgemacht, die - wie es der Zufall will - ausgerechnet heute auch wieder im Ort sind. Dazu kommt noch die Angst vor den Flüchtlingen aus Nahost, die in der Nähe einquartiert worden. Das Team um Patrik sowie dessen Frau Erica, die ebenso zufällig auch gerade ein Buch über den alten Fall schreibt, nehmen die Ermittlungen auf und kommen merkwürdigen Dingen auf die Spur.

Ich sollte irgendwann einfach einsehen, dass ich mit der langatmigen Erzählweise skandinavischer Schriftsteller nichts anfangen kann. Hier wird aus der Perspektiver verschiedener Personen und Personenkreise erzählt, wobei gerne mal das, was vorher von eben jenen Leuten berichtet wurde, einfach wiederholt wird. Irgendwann ist jedem bewusst, dass das kleine Mädchen von Erica so süß und erwachsen und ernst und sonstwas ist, dass eigentlich alle lebenden kleinen Mädchen so sind, dass die Wildfänge diejenigen sind, die ermordet wurden. Ich mochte irgendwann auch nicht mehr darüber lesen, dass jemand ein dumpfes Gefühl im Magen verspürte, ich wollte nicht mehr über die Hintergründe von gefühlten hundertzwanzig Menschen erfahren, ich wollte doch einfach nur einen spannenden Krimi lesen, der mir gemeinerweise versagt wurde. Ich verstehe auch nicht, warum man zehn Seiten braucht, um eine Oma zu befragen, die zum Schluss nur sagt: Nej, ich habe nichts gesehen. Dazu eine völlig sinnlose, bestimmt über mindestens 150 Seiten ausufernde historische Geschichte, die mit dem eigentlichen Buch so viel zu tun hat wie die Mondlandung mit der Erfindung der Kuckucksuhr. Sehr autentisch fand ich all die Fünfzehnjährigen, die es miteinander treiben, als würden sie für einen Porno bezahlt. Nicht. Ein bisschen Sozialkritik hier, ein bisschen Dorftratsch da, völlig kopflose und vor allem nicht nachvollziehbare Polizeiarbeit von vor 30 Jahren - da mein Kopf noch draufsitzt, konnte ich mit ihm schütteln. Selbst vor dreißig Jahren gingen Befragungen ganz sicher anders. Ach, was soll's. Für den Anflug von Kritik gegen die Rechten und ein bisschen Flüchtlings-Political-Correctness gibt's zwei Punkte, aber noch ein Buch der Autorin werde ich nicht lesen.

Veröffentlicht am 21.12.2017

Im Spinnennetz

Die Erwählten von Aranea Hall
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Liv ist sechszehn, hat einen traumatischen Unfall hinter sich und wird direkt nach dem Krankenhaus direkt auf eine einfache Insel irgendwo im Ärmelkanal verschippert, ohne sich von ihrer Familie verabschieden ...

Liv ist sechszehn, hat einen traumatischen Unfall hinter sich und wird direkt nach dem Krankenhaus direkt auf eine einfache Insel irgendwo im Ärmelkanal verschippert, ohne sich von ihrer Familie verabschieden zu können. Sie hält das für eine Strafmaßnahme ihrer Mutter, weil die mit ihrem neuen Mann und dem kleinen Stiefbruder beschäftigt ist. In Aranea Hall sind alle Leute in irgendeiner Form sehr begabt, es gibt seltsame Unterrichtsfächer, die obligatorische Mädchenclique, die alle runtermacht, wer nicht zu ihnen gehört und die mega tollen Jungs, bei deren Anblick alles flöten geht, zuallererst das Höschen und der Verstand. Hässliche Leute gibt's nicht, und wenn doch, sind das eh die Computernerds, nützlich, aber vernachlässigbar. Liv kommt einer Verschwörung in den alten Gemäuern auf die Spur, in die zum großen Teil ihre eigene Familie verstrickt (verwoben!) ist.

Da ich ein Fan von Harry Potter bin, bin ich geradezu prädestiniert dafür, solche Art von Büchern zu mögen. Internat, Intrigen, besondere Gaben, so was eben. Was ich jedoch absolut nicht abkann, sind Protagonisten, die sehr wahrscheinlich cool sein sollen, aber nur mega rumzicken. Liv ist Exemplar dieser Gattung. Ihre dummfreche Art ließ mich so manches Mal wünschen, dass sie irgendwer die Klippen auf der Insel hinunterstürzt. Natürlich sind von Tag 1 schon zwei Jungs hinter ihr her, die mit ihren was denn? 16, 17 Jahren schon so extrem durchtrainiert und männlich sind, mitsamt tiefen Stimmen und was weiß ich denn, dass ein Mädchen von Welt wie Liv eigentlich gar nicht anders kann, als bei ihrem Anblick dahinzuschmelzen. Ich fand die Entwicklung der Geschichte sehr vorhersehbar, auch wenn von Anfang an alles getan wurde, um Protagonistin und Leser im Dunkeln zu halten. Das ist überhaupt eine Art, Leser zu verärgern; absichtlich keine Erklärungen zu völlig hirnrissigen Handlungen zu geben, isso oder musso akzeptiere ich nur schwer. Anscheinend hatte die Autorin kurz vorher ein neues Wort gelernt, das nun alle paar Seiten eingearbeitet wurde: ostentativ. Ja. Doch. Ich kenne viele Mädchen, die permanent denken, dass dieses oder jenes ostentativ passiert. Muss an meiner ungebildeten Umgebung liegen, wenn das nicht der Fall ist. Irgendwie ist das Ganze echt schade, denn ich mag das Grundprinzip des Buches, aber werde trotzdem ostentativ die Finger von Nachfolgern lassen. ^^

Veröffentlicht am 02.12.2017

Da waren's nur noch ...

Isoliert
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Schweden in der nahen Zukunft gehört zu einem kommunistischen Verbund Skandinaviens, und weil es kommunistisch ist, ist alles trostlos, hoffnungslos und mit überalterter Technik. Anna Francis ist ein Rädchen ...

Schweden in der nahen Zukunft gehört zu einem kommunistischen Verbund Skandinaviens, und weil es kommunistisch ist, ist alles trostlos, hoffnungslos und mit überalterter Technik. Anna Francis ist ein Rädchen im Getriebe, und als sie aufgefordert wird, bei einer Stellenauswahl Beobachterin zu sein, sagt sie nicht Nein. Man setzt sie unter Druck wegen einer alten Sache, deshalb lässt sie sich darauf ein, ihren eigenen Tod vorzutäuschen und dann die Kandidaten bei ihrer Reaktion zu beobachten. Zusammen mit diesen kommt sie auf eine abgeschiedene Insel und tut, was man von ihr verlangt. Dann stellt sie fest, dass etwas Unvorhergesehenes passiert und sie muss sich entscheiden, ob sie ihren Beobachterposten aufgibt und einschreitet oder zusieht, wie sich ein Mörder unter den Kandidaten aufhält.

Mich reizte der Verweis auf Agatha Christie und die alt bekannte Sache mit der abgeschiedenen Insel und einem Mörder, dem man nicht entkommen kann. Hätte sich die Geschichte darauf konzentriert, wäre es vielleicht gelungen, Athmosphäre zu schaffen und Spannung aufzubauen. Da hier aber eine völlig unnütze Zukunftsvision, die weder in irgendeiner Form erklärt noch ausgearbeitet wurde, vorhanden war, und alles, was geschah, mehr oder weniger "der Partei" in die Schuhe geschoben wurde, glänzte die Geschichte vor allem mit Langeweile. Die Protagonisten waren unsympathisch, die Handlung zäh, die Schlussfolgerung eher im Sinne von "weil wir's können" oder "isso". Da sich auch der Schreibstil nicht hervorzuheben vermochte, kann ich für dieses Buch keine Empfehlung geben.

Veröffentlicht am 27.11.2017

Roadtrip ins Spiegel-Dämmerland

Alice - Follow the White
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Alice und ihre Freundinnen Chloe und Betty sind Mutare - Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die deshalb auch in Internaten weggesperrt werden. Eines Tages stirbt Betty und während der Beerdigung schießt ...

Alice und ihre Freundinnen Chloe und Betty sind Mutare - Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die deshalb auch in Internaten weggesperrt werden. Eines Tages stirbt Betty und während der Beerdigung schießt eine Schülerin des Internats auf ihren Sarg. Dummerweise steigt Betty wieder aus dem Grab auf, untot und hungrig und die drei Freundinnen beschließen zu fliehen. Betty ist nicht die erste Untote, die zurückkommt, aber so ziemlich die Erste, die ihren Verstand behalten hat. Auf der Flucht bekommen sie Hilfe von einem weißen Kaninchen und gelangen ins Spiegel-Dämmerland, wo sie sich auf einen Roadtrip begeben. Sie müssen erkennen, dass die Untotenseuche nicht nur in ihrer Welt überhand genommen hat.

Der Anfang war cool, zumindest bis dahin, wo die drei Freundinnen ihre Flucht antreten. Dann wurde es wirklich langweilig. Ist ja schön, dass sie erst noch rumwandern müssen, um in den Palast von Kaninchens Chefin zu gelangen, aber der Stress mit den Untoten hätte gern auch spannend sein können. Allgemein fand ich das Buch viel zu langatmig, die Dialoge oftmals unnötig und in die Länge gezogen, und meine anfängliche Begeisterung für die Geschichte wandelte sich herzhaften Gähnen und dem schnellen Einschlafen während des Lesens. Wirklich interessant waren nur der Anfang und die Idee, der Rest war entweder an den falschen Stellen zu zäh und ausgiebig oder an den richtigen Stellen zu kurz und husch-husch. Man hätte aus der Sache was machen können, aber so blieb es leider beim Versuch.

Veröffentlicht am 21.11.2017

Tödiche Kreuzfahrt

The Woman in Cabin 10
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Laura Blacklock, Lo genannt, ist eine ziemlich untergeordnete Journalistin eines Reisemagazins. So kommt es recht überraschend für sie, dass sie einen Bericht über die Jungfernfahrt eines Luxusschiffes ...

Laura Blacklock, Lo genannt, ist eine ziemlich untergeordnete Journalistin eines Reisemagazins. So kommt es recht überraschend für sie, dass sie einen Bericht über die Jungfernfahrt eines Luxusschiffes schreiben soll. Doch ein paar Tage vor ihrem Aufbruch gibt es einen Einbruch in ihrer Wohnung - nicht die beste Voraussetzung, um an Bord zu gehen und sich sicher zu fühlen. Schlaflos oder zumindest fast ohne Schlaf zu finden, hört sie eines Nachts nebenan einen Platscher, und keinen kleinen. Laura weiß, dass in der Kabine neben ihrer eine Frau wohnt, doch niemand scheint von ihr zu wissen, hat sie gesehen oder gehört. Niemand glaubt ihr und plötzlich befindet sie sich in größter Gefahr.

Den Anfang mit dem Einbruch mochte ich sehr. Es gab Spannung bis zur Gänsehaut, wirklich gut gemacht. Anstatt diese Spannung weiter zu halten, ergeht sich Ware in einer Menge Blabla. Über 100 Seiten lang geht das so, bevor ein Hauch von Spannung zurückkehrt. Das Hauptproblem des Buches ist Laura selbst. Unsympathisch bis zum Abwinken, zickig, grundlos in Selbstmitleid versinkend (schon bevor alles passierte) und sie säuft, als käme sie jeden Moment in Gefahr, in einer Wüste ausgesetzt zu werden. Ihre Gedanken abends an Bord: Oh, ich muss aufpassen, scharf nachdenken, cool bleiben ... Oh, ein Drink. schlürf Oh, da drüben ist ein wichtiger Investor ... Ein DRINK! schlürf Wenn sie mit anderen interagiert, ist sie bestenfalls tollpatschig, schlimmstenfalls dümmer als erlaubt. Ich konnte sie nicht ausstehen und fand das Buch die meiste Zeit langweilig. Vor allem das Ende war so unlogisch - muss ein Ding der Autorin sein, das Problem hatte sie in ihrem dunklen Wald auch. Hoffentlich kommt sie da mal raus, aus dem dunklen Wald, sie sieht schon vor lauter Bäumen keine spannende Story mehr.