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Karolina_Hruskova

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2024

Gutes Gesamtpaket

Skogen Dynasty (Crumbling Hearts, Band 1)
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Mein erster Roman von Carolin Wahl wird definitiv nicht mein letzter sein!

Ihr einfacher und unkomplizierter Schreibstil hat mich gleich von Seite eins an in der Geschichte willkommen geheißen. Lediglich ...

Mein erster Roman von Carolin Wahl wird definitiv nicht mein letzter sein!

Ihr einfacher und unkomplizierter Schreibstil hat mich gleich von Seite eins an in der Geschichte willkommen geheißen. Lediglich die vielen norwegischen Ausdrücke haben mich hin und wieder stolpern lassen; eine Übersicht mit den Übersetzungen wäre praktisch gewesen und hat mir gefehlt.

Norah und Sander können auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein und ihr erstes Treffen fand ich echt daneben. Nach gefühlt nur fünf Minuten bezeichnet Norah Sander als Fuckboy? Ging für mich gar nicht. Es hat sich im weiteren Verlauf glücklicherweise gebessert, aber Norah blieb durch ihre Verlustängste sehr anstrengend. Sander hingegen war eine ansprechende Mischung aus tiefgründig, offen und leichtfüßig.

Gefallen hat mir natürlich das Setting in Norwegen sehr, sehr gut. Dass Sander in der Natur eine Ressource für inneren Frieden und Ruhe findet, konnte ich durch Carolins Beschreibungen zu 100 % nachvollziehen. Lediglich etwas mehr cozy vibes hätte ich mir gewünscht.

Alles in einem hat mir das ganze Paket gut gefallen. Die Figuren waren individuell und haben Tiefe besessen, das Setting verleitete nur so zum Eintauchen in die Geschichte. Ich freue mich auf die weiteren Teile der Crumbling-Hearts-Reihe!

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Veröffentlicht am 20.11.2024

Keine einfache, aber auch eine faszinierende Geschichte

Heaven
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»Heaven« war für mich eine ganz, ganz schwere Kost, die ich nur langsam verdauen konnte. Der Inhalt klingt interessant, aber unscheinbar, auch die Kürze des Buches hat mich glauben lassen, dass eine eher ...

»Heaven« war für mich eine ganz, ganz schwere Kost, die ich nur langsam verdauen konnte. Der Inhalt klingt interessant, aber unscheinbar, auch die Kürze des Buches hat mich glauben lassen, dass eine eher oberflächliche Geschichte auf mich wartet.

Mieko Kawakamis Schreibstil war sehr nüchtern und emotionslos und dabei hat sie es trotzdem geschafft, dass mich der Roman angeekelt, richtig angewidert hat. Es war abstoßend, hoffnungslos und gleichzeitig ergreifend.

Der 14-jährige Ich-Erzähler ist tagtäglich in der Schule Mobbing ausgesetzt. Teilweise detailliert, teilweise fast schon mit Wut verursachender Gleichgültigkeit wird beschrieben, wie grausam, erbarmungs- und gnadenlos Kinder und Jugendliche untereinander sein können. Ich war vollkommen in den Bann der Geschichte gezogen; morbide fasziniert, verschreckt und verständnislos. Und wütend. Grenzenlos wütend. Wegen der Taten. Wegen einer Argumentation, die die Taten rechtfertigen sollte, aber für mich so unbegreiflich wie falsch war. Wegen der Resignation des Ich-Erzählers. Wegen Mieko Kawakami, die inmitten dieses Grauens ein kleines Pflänzchen der Hoffnung gesät hat, nur um es im Keim zu ersticken.

Nein, es war keine einfache Geschichte. Dennoch bin ich froh, sie gelesen zu haben. Und zum ersten Mal musste ich anschließend mit jemandem darüber sprechen, welches Gefühlschaos Mieko Kawakami in mir aufgebaut und zurückgelassen hat.

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Veröffentlicht am 01.11.2024

Viele Veränderungen zu Band 1

Küsse unter Sternschnuppen – Tokyo Dreaming
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Der zweite Teil der Tokyo-ever-after-Reihe hat mich etwas überrascht. Den ersten Teil habe ich wegen seines humorvollen und schlagfertigen Schreibstils sehr gemocht, doch davon ist nichts mehr übrig geblieben ...

Der zweite Teil der Tokyo-ever-after-Reihe hat mich etwas überrascht. Den ersten Teil habe ich wegen seines humorvollen und schlagfertigen Schreibstils sehr gemocht, doch davon ist nichts mehr übrig geblieben für den zweiten Teil.

Zwar ist man wieder sehr flüssig und natürlich durch die Geschichte gekommen, aber für mich hat diesmal etwas der Glanz und das ständige Augenzwinkern gefehlt. Akio verschwindet für drei Viertel des Romans und ist nur noch eine Randerscheinung. Izumi steht dafür alleine im Mittelpunkt und entwickelt sich auf verschiedenen Ebenen weiter und wird erwachsener. Allen voran mochte ich die Veränderung bei der Beziehung zu den "Shining-Zwillingen" sehr. Im Gegensatz dazu haben mir die künstlichen Probleme, denen Izumi vermeintlich wegen der Hochzeit ihrer Eltern gegenübersteht, eher weniger gefallen. Klassischer Fall von sinnloser Misskommunikation.

Das traumhafte Setting in Japan und die vielen Informationen über die Kultur und Gesellschaft Japans habe ich wie ein Schwamm aufgesaugt. Alles wird mit Leichtigkeit sehr anschaulich in die Geschichte integriert und formt ein detailliertes Bild.

Leider war ich letztendlich wegen des fehlenden Humors etwas enttäuscht. Allerdings passt das wiederum zu Izumis Erwachsenwerden. Alles in einem hat mir die Geschichte wie auch bei Tokyo ever after aber sehr zugesagt.

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Veröffentlicht am 01.10.2024

Ein zeitloser Roman, der noch immer köstlich amüsieren kann

Der lange Schatten
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Etwas überrascht war ich, weil der Roman erstmals bereits 1975 erschien. Die Autorin kannte ich vorher nicht. Dennoch hätte ich vermutlich nicht gemerkt, dass der Roman knapp 50 Jahre alt ist: Er war weder ...

Etwas überrascht war ich, weil der Roman erstmals bereits 1975 erschien. Die Autorin kannte ich vorher nicht. Dennoch hätte ich vermutlich nicht gemerkt, dass der Roman knapp 50 Jahre alt ist: Er war weder altbacken noch habe ich andere Spuren der damaligen Zeit darin gefunden.

Der Roman an sich hat mich köstlich amüsiert. Imogen, plötzlich Witwe und etwas planlos, wie man sich als solche angemessen verhält, teilt mit dem Leser ihre unbeschönigten, ehrlichen und durchaus ironischen Gedanken zu der neuen Situation, in der sie sich befindet. Teilweise wirkte sie etwas distanziert, doch sie hat es gleichzeitig geschafft, jeder Situation mit verstecktem Witz und Sarkasmus zu begegnen.

Passiert ist relativ viel in einer kurzen Zeitspanne - klar, wenn das Haus plötzlich voll mit (ungeladenen) Gästen ist. Viele verschiedene Charaktere und Klischees trafen dabei aufeinander, die aber auch eine unterhaltsame und wahnsinnig schrullige Vielfalt und Abwechslung mitgebracht haben.

Rückblickend vermute ich, dass mich dieser "bunte Haufen" auch von der Aufklärung der mysteriösen Vorfälle abgelenkt hat. Ich habe sie zur Kenntnis genommen, wurde dabei mit etwas unterschwelliger Spannung bei Laune gehalten, und schwubbs, war der Verursacher auch schon gefunden. Die Erklärungen waren zwar etwas willkürlich, aber für mich okay.

»Der lange Schatten« ist ein zeitloser Roman, in dem viel Unterhaltung, Schmunzeln und eine gute Portion Spannung steckt. Perfekt für einen verregneten Abend im Herbst!

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Veröffentlicht am 08.08.2024

Rau, launisch, direkt

Mitternachtsschwimmer
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Eigentlich hat mir »Mitternachtsschwimmer« gut gefallen. Das Lesen an sich habe ich wirklich genossen - doch mein Fazit wird von ein, zwei Kleinigkeiten überschattet, die sich im Roman nicht richtig angefühlt ...

Eigentlich hat mir »Mitternachtsschwimmer« gut gefallen. Das Lesen an sich habe ich wirklich genossen - doch mein Fazit wird von ein, zwei Kleinigkeiten überschattet, die sich im Roman nicht richtig angefühlt haben.

Die Sprache ist mir gleich besonders aufgefallen: rau wie die See, launisch, direkt und ohne Schnickschnack, denn das hat die Geschichte wirklich nicht nötig gehabt. Auf mich hat der Text dadurch sehr authentisch und von Grund auf ehrlich gewirkt.

Evan, den ein schrecklicher Verlust nach Ballybrady getrieben hat, ist während des Lockdowns plötzlich mit Schuld, Trauer, Freundschaft und Vatersein konfrontiert. Er durchlebt Höhen und Tiefen und findet inmitten des Lockdowns ungeahnten Frieden. Grace, die ihrem Namen so gerecht und ungerecht werden konnte, wie es nur ging, begleitet ihn hierbei zuerst distanziert, doch steht dann im weiteren Verlauf unmittelbar und unterstützend an Evans Seite. Mit ihrer schrulligen Art sticht sie sogar zwischen den größten Exzentrikern des Dorfes hervor - was sie neben ihrer besonderen Schroffheit auch liebenswert macht.

Trotz des Tiefgangs habe ich allerdings an ein paar Stellen ein echtes Profil vermisst. Ja, die Figuren hatten Ecken und Kanten, doch waren sie in erster Linie einfach nur wahrnehmbar, aber nicht bis ins Detail ausgefeilt.

Leider empfand ich ausgerechnet auch den Schluss dann als enttäuschend; als sei ich in der Erzählung verrutscht und lese plötzlich das Ende einer ganz anderen Geschichte. Letztendlich hat mir eine einzige Wendung die Befriedigung eines in sich geschlossenen Endes genommen.

Davon abgesehen habe ich eine angenehme Entschleunigung erfahren und war abseits der Alltagshektik. »Mitternachtsschwimmer« ist auf vielen Ebenen eine bereichernde und damit auch eine empfehlenswerte Geschichte.

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