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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2024

Familienbande

Der Steg
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Der Thriller beginnt schon mit einem Knüller: eine Leiche, die verschwinden muss. Vor diesem Problem steht die erfolgreiche Priska, die auch noch unter Zeitdruck steht, weil ihr Halbbruder mit seiner Freundin ...

Der Thriller beginnt schon mit einem Knüller: eine Leiche, die verschwinden muss. Vor diesem Problem steht die erfolgreiche Priska, die auch noch unter Zeitdruck steht, weil ihr Halbbruder mit seiner Freundin Anna jeden Moment für ein langes Wochenende eintreffen wird. Priska hat einen Traumjob, ein Traumhaus, aber vor allem mit Florian auch ihren Traummann. Die Handlung wird im Wechsel aus der Perspektive der beiden Frauen erzählt. Manche Spannung wird übertrieben aus Nichtigkeiten aufgebauscht, vieles ist arg konstruiert, aber im Wesentlichen liest sich das Buch gut, weil man als Leser in Gedanken viele Lösungsmöglichkeiten durchspielt, die am Ende auch recht nah an der Wahrheit liegen. Das Hörbuch macht besonders viel Spaß, weil die Sprecherin Sarah Dorsel ihren Job sehr gut macht.

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Veröffentlicht am 22.11.2024

Blutrünstig

Frevel
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Frankfurt. Man schreibt das Jahr 1800. Die Medizin steckt noch in den Kinderschuhen und geheilt wird eher durch Humbug als durch Wissenschaft. Frauen haben sittsam zu sein, auf gar keinen Fall klug, denn ...

Frankfurt. Man schreibt das Jahr 1800. Die Medizin steckt noch in den Kinderschuhen und geheilt wird eher durch Humbug als durch Wissenschaft. Frauen haben sittsam zu sein, auf gar keinen Fall klug, denn ihr Gehirn soll ja viel kleiner und empfindlicher sein als das eines Mannes. In dieser Gesellschaft wächst die Hauptfigur Manon ohne Mutter auf. Ihr Vater ist ein verstrubbelter Gelehrter, der zwar ihre wissenschaftliche Neugier fördert, allerdings versäumt, ihr gesellschaftliche Gepflogenheiten und Taktgefühl beizubringen. Mit dem Ergebnis, dass man als Leser Manon als unsympathische, egoistische und besserwisserische Person kennenlernt. Wieso sich der angehende Zeitungsschreiber Johann, ein eher schüchterner junger Mann, in sie verlieben kann, grenzt fast in ein Wunder.
Der Start in diesen historischen Roman gelingt leider nur sehr langatmig, vor allem aber grausam. Die Autorin liebt es, eklige Szenen detailliert und blutig zu schildern. Ich war fast schon geneigt, die Lektüre abzubrechen, als dann doch die Krimihandlung einsetzt und für Spannung sorgt.
Ganz nebenbei erfährt man auch einiges über das jüdische Leben, das ganz besonders im damaligen Frankfurt über die Maßen vom Rat mit Gesetzen und Verboten eingeengt wurde.
Obwohl Nora Kain sehr fundierte historische Kenntnisse und gleichzeitig in anderen Genres Bestsellererfahrungen hat, kann ich ihren Roman nur bedingt empfehlen. Sie will einfach zu viel auf einmal: historische Korrektheit, ein Sittengemälde der damaligen Zeit, verbunden mit einer spannenden Kriminalgeschichte. In meinen Augen ist das nicht vollständig gelungen. Es ist vielleicht ein bisschen viel auf einmal. Vor allem diese blutrünstigen Schilderungen könnten manchen Leser abstoßen.

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Veröffentlicht am 18.11.2024

Mörderischer Urlaub

Dunkle Schatten über der Camargue
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Eine deutsche Familie macht Sommerurlaub in der Camargue auf einer Stierfarm. Die Einheimischen verschweigen, dass schon zwei junge Frauen brutal ermordet worden sind, und die Tochter der Urlauber wird ...

Eine deutsche Familie macht Sommerurlaub in der Camargue auf einer Stierfarm. Die Einheimischen verschweigen, dass schon zwei junge Frauen brutal ermordet worden sind, und die Tochter der Urlauber wird nun tragischerweise das dritte Opfer.
Aus Marseille wird der junge Capitaine Mathieu Dubois von der Kriminalpolizei nach Arles abkommandiert, um die Mordserie zu klären. Nach anfänglichem Kompetenzgerangel mit der örtlichen Gendarmerie läuft die Zusammenarbeit reibungslos.
Der Plot ist leider recht trivial gestrickt. Die Protagonisten sind sehr eindimensional angelegt, allein Dubois kann sich zum Sympathieträger entwickeln. Die Handlung ist vorhersehbar und bietet wenig Überraschung.
Und dennoch ist das Buch lesenswert, denn die Autorin, selbst in Südfrankreich lebend, kann die Stimmung von Land und Leuten einfangen und gekonnt zu Papier bringen. Gerade Leser, die schon einmal dort waren, können die Handlung gut verorten. Deswegen reicht es bei mir noch ganz knapp zum vierten Lesestern.

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Veröffentlicht am 09.11.2024

Mit Kisch ins alte Prag

Die Schatten von Prag
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Eine tolle Idee, den Leser mit dem berühmten Journalisten Egon Erwin Kisch in das Prag von 1910 zu versetzten. Die Atmosphäre ist toll eingefangen. Die Bevölkerung, ein inhomogenes Gemisch von Deutschen, ...

Eine tolle Idee, den Leser mit dem berühmten Journalisten Egon Erwin Kisch in das Prag von 1910 zu versetzten. Die Atmosphäre ist toll eingefangen. Die Bevölkerung, ein inhomogenes Gemisch von Deutschen, Tschechen und Juden, treibt sich fast selbst in die Hysterie wegen des zu erwartenden Halleyschen Kometen, der als Zeichen des Weltuntergangs angesehen wird. In dieser aufgeheizten Atmosphäre geschehen rätselhafte Giftmorde, die auf das Konto einer geheimen Organisation gehen. Kisch und seine Assistentin Lenka ermitteln.
Das Autorenduo Becker – Soergel hat ein gutes Händchen dafür, den Leser unmittelbar in das quirlige Prager Leben hinein zu katapultieren. Auch die Spannung setzt fast unmittelbar zu Anfang ein. Es gibt auch komplizierte zwischenmenschliche Beziehungen, aber da schwächelt der Plot, denn vieles aus der komplizierten Gefühlswelt kann man nicht so recht nachvollziehen. Schade, aber dennoch ein aufregender und packender Roman, den man gerne liest.

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Veröffentlicht am 08.11.2024

unprofessionell

Vor der Stille
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Auch dieser neue Fall für Hanna Will und Jan de Bruyn lässt sich ohne Vorkenntnisse gut lesen und ist wie immer auch in sich abgeschlossen. Diesmal müssen sie eine völlig verfahrene Mordermittlung im Emsland ...

Auch dieser neue Fall für Hanna Will und Jan de Bruyn lässt sich ohne Vorkenntnisse gut lesen und ist wie immer auch in sich abgeschlossen. Diesmal müssen sie eine völlig verfahrene Mordermittlung im Emsland auf Vordermann bringen. Eine junge Frau wird tot aus dem Kanal gezogen, aber in ihren Lungen befindet sich nur Leitungswasser.
Zwar findet das Duo schnell die Schwachstellen der bisherigen Arbeit der dortigen Soko, aber insgesamt ermitteln auch sie nur halbherzig und schlecht gelaunt. Jan ist wegen seiner bevorstehenden Scheidung gedanklich abgelenkt, und Hanna sinniert über ihren Beziehungsstatus zu Jan. Dabei verhält sie sich privat sehr unsensibel. Dienstlich bewegt sie sich außerhalb der Legalität, indem sie zum Beispiel unerlaubt Tracker an die Fahrzeuge anbringt.
Diesmal wirkt sie ausgesprochen unsympathisch. Mal sehen, ob sich das im nächsten Buch wieder relativiert.

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