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Veröffentlicht am 10.12.2017

Eine wunderschöne, außergewöhnliche Liebesgeschichte

Versuchen wir das Glück
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Mit ihrem Roman „In all den Jahren“ hat sich Barbara Leciejewski zuerst quasi in mein Leser-Herz geschrieben, und als ich ungefähr 1 ½ Jahre später „Die Nächte, die Tage und das ganze Leben“ las, hat mich ...

Mit ihrem Roman „In all den Jahren“ hat sich Barbara Leciejewski zuerst quasi in mein Leser-Herz geschrieben, und als ich ungefähr 1 ½ Jahre später „Die Nächte, die Tage und das ganze Leben“ las, hat mich auch dieser Roman begeistert. Kürzlich folgte nun „Versuchen wir das Glück“, und wieder erzählt die Autorin eine außergewöhnliche Liebesgeschichte. Helene und Ludwig begegnen sich in den Achtzigerjahren, und zwischen den beiden Jugendlichen entsteht eine tiefe Freundschaft, aus der mit der Zeit Liebe wird. Beide haben ein Handicap, das sie zum Außenseiter macht. Während Ludwig eine körperliche Versehrung hat, ist Helenes Verletzung seelischer Natur. Gerade durch ihr eigenes Problem können sie den anderen so gut verstehen. Das erste Kennenlernen, wie sie sich einander annähern, das vorsichtige Herantasten und die gegenseitige Offenbarung des jeweils eigenen Traumas, das schildert die Autorin wunderschön und sehr einfühlsam, ohne dabei ins Sentimentale abzugleiten. Besonders lebendig wird die damalige Zeit durch authentische Ereignisse der Achtziger dargestellt, in die Helene und Ludwig verwickelt sind oder die in ihrem Umfeld stattfinden.

Fünfundzwanzig Jahre später begegnen sich die Protagonisten durch einen Zufall auf dem Münchner Hauptbahnhof. Trotz der langen Zeit der Trennung und der verschiedenen Leben, die sie führen, stellt sich sehr schnell wieder eine Vertrautheit ein, als wären sie kein Vierteljahrhundert getrennt gewesen.
Gemeinsam erinnern sie sich, und es gibt viele Rückblicke in die damalige Zeit, als sie ein Liebespaar waren. Kulisse der Handlung in der Gegenwart ist weitgehend Tisch 10 in einer Bahnhofsgaststätte, wo sie sich nach ihrer Begegnung niederlassen. Es „passiert“ nicht wirklich viel in dieser Geschichte, und doch ist sie so reich an Gesprächen und Erinnerungen. Ich fand es faszinierend, mich den Protagonisten immer stärker anzunähern und ihre Lebensgeschichten zu erfahren, über ihre Ängste und Sorgen aber auch über ihre Hoffnungen und Sehnsüchte zu lesen,und über allem steht für beide die Frage, ob man das Glück wohl noch einmal versuchen kann. Mit ihren markanten, unvergleichlichen und liebenswerten Charakteren, dieser ganz besonderen Geschichte und ihrem wunderbaren Erzählstil ist es Barbara Leciejewski erneut gelungen, mein Herz zu erobern.

Veröffentlicht am 09.12.2017

Das Aschenkreuz

Das Aschenkreuz
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Im Jahr 1415 findet die aus Konstanz stammende Serafina Aufnahme in einem Freiburger Beginenhaus. Einige ihrer Mitbewohnerinnen sind ihr gegenüber anfangs argwöhnisch, denn sie spricht nicht über ihre ...

Im Jahr 1415 findet die aus Konstanz stammende Serafina Aufnahme in einem Freiburger Beginenhaus. Einige ihrer Mitbewohnerinnen sind ihr gegenüber anfangs argwöhnisch, denn sie spricht nicht über ihre Vergangenheit, und das macht sie in den Augen einiger Mitschwestern verdächtig. Nachdem Serafina eines Tages dazu kommt, als ein Toter gefunden wird, der dem ersten Anschein nach Selbstmord begangen hat und ein Aschenkreuz auf der Stirn trägt, droht ihr Geheimnis aufzufliegen, denn der hinzu gerufene Stadtarzt Adalbert Achaz ist ebenfalls neu in Freiburg, und kennt sie von einer früheren Begegnung. Trotz ihrer Sorge, er könnte sie verraten, wendet sich Serafina an Achaz und bittet ihn um Hilfe bei ihren Recherchen, denn sie zweifelt am Freitod des jungen Kaufmannssohns. Äußerst beherzt stürzt sich die kluge Frau in die Nachforschungen und damit selbst in Gefahr. Als eine weitere Leiche gefunden wird, die zudem übel zugerichtet ist, gerät der offizielle Verdacht auf Selbstmord ins Wanken. Schnell ist ein vermeintlich Schuldiger gefunden, aber Serafina glaubt nicht an den Tathergang, wie er öffentlich dargestellt wird.
Mehrmals im Handlungsverlauf ist man sich schon sicher, auf der richtigen Spur zu sein, was den Tod am Sohn des Kaufmanns Pfefferkorn angeht. Aber es ergeben sich immer wieder neue Hinweise und Erkenntnisse, nicht zuletzt durch Serafinas Einmischung.
Mit der vorwitzigen und tatkräftigen Begine Serafina hat der Roman eine starke und mutige Heldin, die sich nicht mit begangenem Unrecht abfinden kann und auch nicht so schnell nachgibt, wenn es darum geht, ihre Meinung kund zu tun. Sie ist eine facettenreiche Persönlichkeit, und es gibt aus ihrem früheren Leben sicher noch so manches Geheimnis zu lüften. „Das Aschenkreuz“ ist der gelungene Auftakt einer neuen Reihe, die sich um Serafina und vermutlich auch um Adalbert Achaz drehen wird, denn obwohl Serafina sich für ein keusches Leben als Begine entschieden hat, so knistert es doch von Zeit zu Zeit recht kräftig zwischen ihr und dem attraktiven Stadtarzt. Daher vermute ich, dass Achaz auch weiterhin eine Rolle in Serafinas Leben spielen wird. Man darf sicher auf die Fortsetzung gespannt sein, und ich freue mich jetzt schon auf weitere, spannende Folgen der Serafina-Reihe.

Veröffentlicht am 07.12.2017

Kleiner Streuner - große Liebe

Kleiner Streuner - große Liebe
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Alle Jahre wieder! Ich gebe zu, bei den Weihnachts-Hundebüchern von Petra Schier werde ich regelmäßig zum „Verpackungsopfer“. Wer könnte schon dem hinreißenden Cover widerstehen?! Aber Socke, der süße ...

Alle Jahre wieder! Ich gebe zu, bei den Weihnachts-Hundebüchern von Petra Schier werde ich regelmäßig zum „Verpackungsopfer“. Wer könnte schon dem hinreißenden Cover widerstehen?! Aber Socke, der süße kleine Hund auf dem Titelbild, ist natürlich nicht der einzige Grund, zu diesem Buch zu greifen, denn es gibt darin eine wunderbare Geschichte zu entdecken.
Socke ist ein Findelhund. Als Eva den Kleinen entdeckt, ist er bereits halb verhungert und ausgekühlt. Zusammen mit André, ihrem Kollegen aus der Sozialstation, nimmt sie das Hündchen bei sich auf bzw. bringt es bei André unter, da sie selbst in ihrer momentanen Wohnung keine Tiere halten darf. Dass sie sich hier mit André zusammentut, um dem kleinen Streuner zu helfen, kostet Eva große Überwindung. Waren die beiden doch in der Vergangenheit ein Paar, aber Eva hat die Reißleine gezogen, bevor André, der Frauenheld, ihr das Herz brechen konnte. Schon die Zusammenarbeit in der Sozialstation ist nicht einfach, denn das ehemalige Liebespaar kommt sich immer wieder in die Haare. Dabei würden André und Eva doch so gut zusammenpassen, das ist zumindest die Meinung von Socke und auch von Santa Claus und seinen Weihnachtselfen, die auch diesmal wieder alle himmlischen Hebel in Bewegung setzen, wenn es darum geht, Wünsche zu erfüllen. Aber Eva ist diesbezüglich ein „harter Brocken“. Ob sie bis Weihnachten ihr Glück findet, das erfährt man in den vierundzwanzig Kapiteln (und dem Nachspiel). Diese ideale Aufteilung im Buch sind Fans der weihnachtlichen Hundebücher von Petra Schier bereits von den Vorgängern gewohnt, denn dadurch würde sich das Buch auch sehr gut als literarischer Adventskalender eignen, wenn man denn die Geduld aufbrächte, täglich wirklich nur ein Kapitel zu lesen. Zugegebenermaßen fällt mir das immer schwer, denn einmal angefangen, kann man nur schlecht wieder aufhören zu lesen, und ehe man sich versieht, ist man am Ende angelangt, schon lange vor dem Weihnachtsfest. Aber egal wie man sich beim Lesen entscheidet, ob man die Geschichte in vierundzwanzig Häppchen genießt oder in einem Rutsch quasi verschlingt, weihnachtliche Stimmung, Spannung und Romantik sind vorprogrammiert! Man trifft alte Bekannte aus den Vorjahren wieder, denn auch diesmal spielt sich die Handlung zu einem großen Teil in der Sozialstation ab. Man begegnet dort interessanten Charakteren und wird mit bewegenden Schicksalen konfrontiert. Evas Lebenseinstellung und die Gründe dafür haben mich langfristig beschäftigt und beeindruckt.
Auch in diesem Jahr wartet also wieder ein wundervoller Liebesroman zwischen den schön gestalteten Buchdeckeln, und wenn man hier mit erlebt, wie klein Socke, der dünne, verwahrloste Streuner, nach und nach zu einem satten, glücklichen Hund wird, geht einem das Herz auf. Ich kann dieses schöne Büchlein nur wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Im Schatten des Sommers

Im Schatten des Sommers
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Zwanzig Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Familie bekommt die Tierärztin Sophia Mildner einen Anruf der französischen Polizei. Nach deren Bericht wurde bei einem schwer verletzten Mann ein ...

Zwanzig Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Familie bekommt die Tierärztin Sophia Mildner einen Anruf der französischen Polizei. Nach deren Bericht wurde bei einem schwer verletzten Mann ein altes Bild von Sophias Mutter gefunden. Die junge Frau möchte endlich Klarheit, was damals mit ihren Eltern und dem kleinen Bruder wirklich geschah. Ohne zu zögern reist sie nach Südfrankreich. Nicolas, der zuständige Polizist, ist nicht begeistert, dass dieser alte Fall, an den sich für ihn schmerzliche Erinnerungen knüpfen, nun wieder aufgerollt wird und auch nicht über Sophias Erscheinen und Einmischung. Das lässt er sie auch deutlich spüren, und die Protagonisten tragen heftige Wortgefechte aus. Letztendlich ist Sophia doch eine nützliche und wichtige Zeugin für die Polizei. Je länger Nicolas und sie zusammenarbeiten, umso mehr wird deutlich, dass ihr Verhältnis nach und nach einen Stellenwert erreicht, der weit über die gemeinsamen Ermittlungen hinaus geht.
Zu Beginn zeigen sich die Protagonisten beide nicht von ihrer besten Seite. Sie können sich einfach nicht vernünftig unterhalten. Schnell merkt man jedoch, dass mehr hinter dem störrischen Verhalten steckt. Sowohl Sophia als auch Nicolas haben in der Vergangenheit Schlimmes erlebt, das ihnen bis heute wie ein Schatten anhängt. Die Zusammenhänge klären sich erst ganz allmählich. Mit über fünfhundert Seiten ist dieser Kriminalroman ziemlich dick, und doch kann ich sagen, dass es keine Längen gibt. Die vielschichtige Handlung hält immer wieder Überraschungen und Wendungen bereit, auf die man nicht gefasst ist. Vieles ist nicht so wie es scheint. Krimis mit blutigen Fällen sind eigentlich nicht mein bevorzugtes Genre, aber dieser hier hat mich absolut positiv überrascht, denn die betreffenden Szenen werden nicht ausgeschlachtet, sonder fügen sich ganz realistisch in den Fall ein. Der Autorin ist es gelungen, mich mit ihrem flüssigen Erzählstil zu fesseln. Ihre Charaktere, auch die in den Nebenrollen, haben Tiefe, und auch einen vierbeinigen Helden hat die Geschichte, nämlich Sophias Labradorrüden Tim, der sich immer wieder durch besondere Menschenkenntnis hervortut und die Handlung erfrischend auflockert.
Die Spurensuche zu dem alten Fall und dem neuen Opfer sowie die Frage, welche Verbindung zwischen beiden besteht, gestaltet sich höchst interessant. Dass Silke Ziegler auch noch eine kleine Romanze in den Roman integriert hat, bereichert diesen ungemein und zeichnet ein noch intensiveres Bild der Protagonisten. Auf 507 Seiten bekommt man hier geballte Spannung und beste Unterhaltung geboten.

Veröffentlicht am 28.11.2017

Heller nun die Glocken klingen

Heller nun die Glocken klingen
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Die Adventszeit rückt unaufhaltsam näher, und ich liebe es, in diesen Tagen vor Weihnachten besinnliche kleine Texte zu lesen, seien es Märchen, Geschichten oder Gedichte. Darum halte ich immer Ausschau ...

Die Adventszeit rückt unaufhaltsam näher, und ich liebe es, in diesen Tagen vor Weihnachten besinnliche kleine Texte zu lesen, seien es Märchen, Geschichten oder Gedichte. Darum halte ich immer Ausschau nach schönen „literarischen Adventskalendern“. Der Kaufmann Verlag hat heuer so ein hübsches Bändchen herausgebracht, gefüllt mit 24 Geschichten und Gedichten für die Adventszeit. Eine stimmungsvolle Mischung von Geschichten verschiedener Autoren, meist Klassiker, ist hier vertreten. Den Auftakt macht ein wunderschönes, sehr bekanntes Gedicht von Rainer Maria Rilke. Es sind bekannte Texte dabei, wie beispielsweise „Der Traum der alten Eiche“ von Hans Christian Andersen oder „Die Weihnachtsmaus“ von James Krüss, aber auch Neues, bisher Unbekanntes, hat sich mir in diesem Büchlein erschlossen, so kommt man beispielsweise in den Genuss, einen alten Wunschzettel zu lesen, den Friedrich Nietzsche als siebzehnjähriger Schüler in einem Brief an seine Schwester Elisabeth geschickt hat.
Alles in allem findet sich in diesem kleinen Buch ein buntes Potpourri an Beiträgen. Manche davon sind besinnlich, andere bestechen durch die schöne Sprache, andere wiederum sind ein wenig geheimnisvoll oder auch mit feinem Humor erzählt. Mehr will ich gar nicht über den Inhalt verraten, denn manch einer möchte sich ja auch überraschen lassen. Im Anhang findet man kurze Beschreibungen und Lebensdaten der Autoren, was ich als interessante Abrundung empfinde.
Auch die Aufmachung des Büchleins, mit der verschneiten Winterlandschaft auf dem Cover, ist sehr schön und stimmungsvoll. Der Druck ist übersichtlich, mit dekorativen Überschriften und insgesamt etwas größer, so dass auch diejenigen, die sich mit Kleingedrucktem schwer tun, hier ganz entspannt und mit Genuss lesen können. Ich finde, das Büchlein wäre jederzeit eine wundervolle Geschenkidee, vielleicht ein Mitbringsel, für einen lieben Menschen, dem man eine Freude bereiten möchte.