Profilbild von LeseHexe87

LeseHexe87

Lesejury Profi
offline

LeseHexe87 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LeseHexe87 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.11.2024

Ein Klassiker, zeitlos, toll zum selbst lesen oder vorlesen

Löcher
0

Stanley hat gestohlen und dafür wird er bestraft - er wird zur "Charakterbildung" nach Camp Green Lake geschickt. Doch hat Stanley wirklich gestohlen und welche Rolle spielt bei den Geschehnissen der seit ...

Stanley hat gestohlen und dafür wird er bestraft - er wird zur "Charakterbildung" nach Camp Green Lake geschickt. Doch hat Stanley wirklich gestohlen und welche Rolle spielt bei den Geschehnissen der seit Generationen anhaltende Familienfluch?

Vor über 20 Jahren habe ich "Löcher" zum ersten Mal selbst gelesen und nun genau diese Ausgabe aus dem Regal genommen, um sie meinem 9-jährigen Sohn vorzulesen. Ich muss zugeben, alterstechnisch machen die verbreiteten Kundenempfehlungen von 11-12 Jahren aufgrund einiger und auch deutlicher Gewaltschilderungen durchaus Sinn. Nichtsdestotrotz habe ich meinen Sohn selten so sehr mit einem Buch fiebern sehen wie mit "Löcher". Die Geschichte um Stanley und seinen späteren Freund Hector hat ihn gepackt und das Vorlesen hätte am besten gar nicht geendet.

Die Geschichte vorzulesen, hat Freude gemacht und war aufgrund von Zeitsprüngen, zahlreichen Charakteren und diversen englischen Begriffen gar nicht mal so trivial wie man sich das als (vor)lesebegeisterer Elternteil vorstellt.

Dieses Buch ist vielleicht nicht das beste Jugendbuch, das jemals geschrieben wurde, aber die Geschichte, die beschriebenen historischen Gegebenheiten, die Moral um die Wichtigkeit von Freundschaft, Zusammenhalt und Loyalität, machen es vollkommen zurecht zu einem Standardwerk, das heute regelmäßig im Deutschunterricht genutzt wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2024

Spannende Idee, tolles Buch - aber nicht Fitzeks bester Psychothriller

Das Kalendermädchen
0

Olivia bangt um das Leben ihrer Adoptivtochter Alma. Um das Mädchen zu retten, muss sie sich auf eine unfassbare Reise in die Vergangenheit begeben und herausfinden, wer Almas leibliche Mutter ist. Dabei ...

Olivia bangt um das Leben ihrer Adoptivtochter Alma. Um das Mädchen zu retten, muss sie sich auf eine unfassbare Reise in die Vergangenheit begeben und herausfinden, wer Almas leibliche Mutter ist. Dabei stößt sie auf eine moderne urbane Legende, "das Kalendermädchen", und den wohl schrecklichsten lebendigen Adventskalender, den man sich vorstellen kann.

Sebastian Fitzeks neuer Psychothriller "Das Kalendermädchen" kommt mit einer zur Jahreszeit passenden, außergewöhnlichen Story daher, die schnell mein Interesse geweckt hat. Die geniale Sonderausstattung der ersten Auflage war das Sahnehäubchen, die Kaufentscheidung eine sehr leichte.

Die Geschichte spielt auf insgesamt drei Zeitebenen, was es nicht immer leicht macht, die Orientierung zu behalten. Ich gehe davon aus, dass genau das auch gewollt ist. Sprachlich bleibt sich Fitzek treu, der Psychothriller liest sich sehr flüssig und ansprechend.

Anders als sonst, habe ich gut die Hälfte des Buches benötigt, um für mich richtig in den Sog der Story zu finden. Charaktere, Namen und auch die Geschehnisse konnten mich nicht richtig packen. Besonders habe ich mit den umgedichteten weihnachtlichen Verszeilen zu kämpfen gehabt. Statt mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen, kam mir des Öfteren ein "Echt jetzt..?!" der enttäuschten Art in den Sinn.

Ab der Hälfte gewann die Handlung deutlich an Dynamik und erste Zusammenhänge begannen offenkundig zu werden. Ab diesem Moment konnte ich das Buch dann auch nicht mehr aus der Hand legen, weil es auf eine Art fesselnd war, die ich so bei Fitzek auch noch nicht kannte. Es ging dabei weniger um das Auflösen der (Hoch-)Spannung, sondern eher darum, herauszufinden, ob meine eigenen Mutmaßungen zu den persönlichen Verstrickungen der diversen Charaktere und ihren jeweiligen Rollen in diesem umfangreichen Konstrukt zutreffend waren oder sich überraschend doch etwas ganz Anderes ergab. - Und es gab eine angenehme Vielzahl von ungeahnten Zusammenhängen und nicht vermuteten Hintergründen.

Alles in allem daher ein gelungener weihnachtlicher Psychothriller, wenn auch für mich nicht so fesselnd und verstörend wie andere Bücher des Autors.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2024

Überraschend starkes Ende nach zähem Einstieg in die Geschichte

The Reappearance of Rachel Price (deutsche Ausgabe)
0

Wie würdest du reagieren, wenn deine totgeglaubte Mutter plötzlich, nach 16 Jahren Abwesenheit, unvermittelt vor dir steht, während du und deine Familie dabei seid, mit einem Filmteam eine Doku über ihr ...

Wie würdest du reagieren, wenn deine totgeglaubte Mutter plötzlich, nach 16 Jahren Abwesenheit, unvermittelt vor dir steht, während du und deine Familie dabei seid, mit einem Filmteam eine Doku über ihr Verschwinden zu drehen?

Klappentext und eine Leseprobe haben mein Interesse auf ein temporeiches, außergewöhnliches Buch mit grandiosem Page-Overlay in der ersten Ausgabe geweckt. Leider habe ich dann über 200 Seiten benötigt, bis die Story für mich endlich Fahrt aufnahm, erste spannende Handlungsstränge sich entwickelten, die Charaktere an Farbe gewannen und sich die immer gleichen Fragen und Inhalte nicht mehr ständig wiederholten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehrfach überlegt, das Buch abzubrechen.

Hauptfigur Bel (Annabel) ist eine absolute Anti-Heldin, wirkt häufig unsympathisch, weist mit Blick auf ihre Mutter Rachel paranoide Züge auf und stiehlt, um "den Knoten in ihrem Bauch" zu besänftigen. Viele der Szenen, die im familiären Umfeld stattfinden, wirken überzogen und gekünstelt. Vielleicht sollte das als Stilmittel auf die Doku einzahlen, die über das komplette Buch hinweg gedreht wird, mich konnte es dahingehend nicht überzeugen. Zumal irgendwann klar wird: Jede einzelne Person in dieser Familie lügt und birgt ihr(e) Geheimnis(sse). Was spannend hätte sein können, hat mich in einer Vielzahl von Fällen schlicht genervt, weil Andeutung über Andeutung gemacht wurde und die Handlung einfach weiterging über etliche hundert Seiten.

Ab ca. Seite 200 begannen dann erste wirklich überraschende Entwicklungen und der Spannungsbogen baute sich nach einem zähen Einstieg merklich auf. Phasenweise ist es mir ab diesem Zeitpunkt wirklich schwer gefallen, das Buch noch aus der Hand zu legen - damit hatte ich nicht gerechnet! Das letzte Drittel des Buches birgt so viele Wendungen und unvorhersehbare Entwicklungen, dass ich am Ende froh war, es zu Ende gelesen zu haben. Auch weil Bel auf den letzten 150 Seiten eine echte Verwandlung macht, die eine Figur zur Folge hatte, mit der ich mich deutlich besser identifizieren konnte.

Komplett überzeugen konnte mich das Buch aufgrund des schwachen und langatmigen Einstiegs leider nicht, aber das starke und überraschende Ende hat viele der negativen Aspekte wettgemacht!

Der gewählte Sprachstil konnte mich nicht recht überzeugen, viel "Fuck" und Schnodderigkeit nehmen Raum ein und machen das Buch (vielleicht) eher tauglich für junge Erwachsene, womit die Zuordnung in die Young Adult-Kategorie ihre Berechtigung erfährt.

Wer Lust auf ein Leseexperiment hat, darf sich gerne trauen. Leider kann ich keine Vergleiche zu anderen Werken der Autorin ziehen, daher an dieser Stelle weder eine klare Empfehlung, noch eine klare Nicht-Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.06.2024

Ein schönes Bilderbuch für Kuschelabende

Bis zu den Sternen und wieder zurück ... - Liebeserklärung einer Drachenmama
0

"Im Herzen bei euch war ich nicht mehr alleine" - wie fühlt es sich an, wenn Mama plötzlich ganz weit weg, ja, sogar ins Weltall geht? Wie geht sie damit um, wie bereitet sie sich vor? Vermisst sie ihre ...

"Im Herzen bei euch war ich nicht mehr alleine" - wie fühlt es sich an, wenn Mama plötzlich ganz weit weg, ja, sogar ins Weltall geht? Wie geht sie damit um, wie bereitet sie sich vor? Vermisst sie ihre drei Drachenkinder? Wie geht es den dreien im Angesicht des Abenteuers, das ihre Mutter bald ohne sie antreten wird?

Die Geschichte geht ans Herz, ist es doch eher die Ausnahme, dass die Mama ihre Kinder aus beruflichen Gründen für einige Zeit nicht umsorgen kann und die Familie sogar räumlich verlassen muss. Wie offen und positiv daraus eine mutmachende, bestärkende Geschichte werden kann, beweisen Anna Menon und Keri Vasek mit ihrer von Cornelia Boese ganz hervorragend übersetzten Geschichte. Abgerundet wird das Gesamtbild durch eine außergewöhnliche Bebilderung, die Andy Harkness aus abfotografierter Knetmasse erstellt hat.

Das Buch ist für Kinder ab 4 Jahren sehr gut verständlich, die Geschichte ansprechend. In so bewegten Zeiten sind gegenseitiger Halt und Liebe wichtig. Dabei ist die Liebe nicht weniger, wenn ein Elternteil für eine gewisse Zeit nicht auch körperlich bei der Familie sein kann.

Zum Abschluss mein einziger Kritikpunkt: Der Drachenpapa oder ein anderer Drache, welcher während der Abwesenheit der Drachenmutter die Kinder umsorgt, findet nur in der bildlichen Darstellung Platz, im Text kein Wort dazu. Das ist schade, denn für mich persönlich gehört zu einer starken Familie, dass die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt sind, dass die Mama auch beruflich mutig sein und ihre Träume verwirklichen kann, während Papa (oder Oma, Opa, eine andere Person) für die Kinder da ist, sie umsorgt, sich um sie kümmert.

Diese zweite Perspektive fehlt mir, denn ich bin sicher, ohne die Gewissheit, dass ihre Kinder während ihrer Abwesenheit in den besten Händen sind, wäre die Drachenmama niemals auf die Reise zu den Sternen gegangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 02.09.2025

Ein Roman voller Stimmen – doch ohne bleibende Nähe

Die Hummerfrauen
0

Der Roman "Die Hummerfrauen" erzählt von einer Gruppe Frauen und ihren Verstrickungen in Liebe, Freundschaft, Verlust und der Suche nach Halt. Im Mittelpunkt stehen Mina, Sam, Ann und Julie, deren Lebenswege ...

Der Roman "Die Hummerfrauen" erzählt von einer Gruppe Frauen und ihren Verstrickungen in Liebe, Freundschaft, Verlust und der Suche nach Halt. Im Mittelpunkt stehen Mina, Sam, Ann und Julie, deren Lebenswege durch familiäre und persönliche Brüche geprägt sind. Themen wie Schuld, unausgesprochene Geheimnisse und die Schwierigkeiten von Beziehungen ziehen sich durch die Handlung.

Die Geschichte entfaltet sich auf drei Zeitebenen, wobei die Gegenwart nur als Prolog und Epilog einen Rahmen bildet. Der Hauptteil spielt in der Vergangenheit und versucht, den Figuren und ihrem Schicksal Tiefe zu verleihen. Dieser Aufbau könnte Spannung erzeugen, wirkt aber durch die Gewichtung unausgewogen: Das "Heute" bleibt zu blass, um als wirkungsvolle Klammer zu dienen.

Ein zentrales Problem ist für mich die Vielzahl an auftretenden Personen. Viele Figuren bleiben Randerscheinungen, die für den Handlungsverlauf keine Relevanz haben. Dadurch verliert der Roman an Fokus und nimmt den Hauptcharakteren die Möglichkeit, sich wirklich zu entfalten. Mina, Sam, Ann und Julie bleiben trotz ihrer zentralen Rollen eher oberflächlich gezeichnet. Besonders Sams wiederholtes Verschwinden wird zwar auffällig inszeniert, aber nie erklärt – ein unaufgelöstes Rätsel, das Distanz schafft, anstatt Nähe aufzubauen.

Auch im Plot finden sich für mich zu viele lose Fäden. Der Unfall, in den die Brüder von Sam und Mina verwickelt waren, wird anfangs als zentrales Spannungsmoment aufgebaut. Doch im letzten Drittel des Buches verschwindet dieses Thema fast vollständig, ohne dass der genaue Hergang aufgeklärt würde. Ein starker Einstieg verpufft so ins Leere.

Leider bleiben ebenso die familiären Konflikte um Mina unbefriedigend offen. Ihre schwierige Beziehung zu ihrer Mutter Judith sowie zum Vater verliert sich zum Ende hin völlig. Ob und wie diese Figuren später eine Beziehung zu Enkelin Luca entwickeln, bleibt im Dunkeln – ebenso wie Lucas eigener Charakter, der nur schemenhaft gezeichnet wird und kaum Konturen erhält.

Fazit
Die Hummerfrauen versucht viel: es geht um generationsübergreifende Wunden, familiäre Brüche und die Suche nach Verbindlichkeit. Doch durch die Vielzahl an Figuren, unaufgelöste Handlungsstränge und oberflächlich bleibende Charaktere gelingt es dem Roman nicht, seine anfängliche Spannung und Tiefe einzulösen. Am Ende bleibt das Gefühl zurück, dass viele wichtige Fragen unbeantwortet bleiben – und damit auch die Chance, eine nachhaltige emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere