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LauraT

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2025

Zwiegespalten

Beeren pflücken
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Ich habe mich auf dieses Buch sehr gefreut - zum einen, weil das Cover und der sehr simple Titel meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben und zum anderen, weil ich etwas Kanada-Bezug habe ...

Ich habe mich auf dieses Buch sehr gefreut - zum einen, weil das Cover und der sehr simple Titel meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben und zum anderen, weil ich etwas Kanada-Bezug habe und das Thema der Unterdrückung und Kolonisierung indigener Gruppen viel zu wenig beachtet wird. Daher habe ich mich auch über die deutsche Übersetzung gefreut, weil das Bewusstsein für diese Themen in Deutschland kaum ausgeprägt ist.
Im Zentrum steht eine Familie aus Maine, die den Mi'kmaq angehören und jedes Jahr im Sommer bei der Blaubeerernte in Nova Scotia als Pflücker arbeiten. Das Verschwinden der 4-jährigen Ruthie stellt das Leben der Familie auf den Kopf. Das Buch ist aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben - Joe, Bruder von Ruthie, der auf dem Sterbebett auf sein Leben und das seiner Familie zurück schaut und das Leben von Norma, die in eher wohlbetuchten Verhältnissen aufwächst, aber mit verschiedenen Irritationen zu kämpfen hat, wie z.B. wiederkehrende Alpträumen.
Insgesamt bin ich leider zum Buch sehr zwiegespalten. Einerseits habe ich es sehr gerne gelesen, konnte gut emotional einsteigen und finde, dass es auch viel Wissen vermittelt. Andererseits war die Handlung relativ schnell klar und die Spannung damit raus. Das fand ich schade, weil die Geschichte doch mehr hergegeben hätte. Die Brutalität der Unterdrückung wird deutlich, Problemlagen werden thematisiert und das Verfolgen der beiden Familien ist auf jeden Fall spannend.
Ich würde es trotzdem zum Lesen empfehlen, aber gebe kleinere Abzüge.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Gute Einführung

Digitale Diagnosen
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Ich beschäftige mich schon länger mit den gesellschaftlichen Entwicklungen im Umgang mit psychischen Krisen/Abweichungen/Gesundheitsproblemen. Demnach habe ich auch mit Interesse die zunehmende Thematisierung ...

Ich beschäftige mich schon länger mit den gesellschaftlichen Entwicklungen im Umgang mit psychischen Krisen/Abweichungen/Gesundheitsproblemen. Demnach habe ich auch mit Interesse die zunehmende Thematisierung von psychiatrischen Diagnosen und Behandlungen auf Social Media verfolgt.
Mit dem Interesse im Hintergrund habe ich mich sehr auf das Buch gefreut und wurde auch nicht enttäuscht: Die Ambivalenzen wurden gut und differenziert herausgearbeitet, pathologische Deutungsmuster analysiert und auch Themen wie die ästhetische Romantisierung sowie Inszenierung von z.B. Weinen und Krisensituation, in den Blick genommen.
Alles in allem fand ich das Buch gut verständlich und klar und als Einführung in die Thematik sehr empfehlenswert. Für mich war leider nicht viel Neues dabei, d.h. für Menschen, die schon etwas in die Thematik eingestiegen sind, ist es vielleicht weniger geeignet oder dann unter Umständen etwas enttäuschend, da es an einigen Stellen nicht weiter in die Tiefe geht. Aber auch das würde ich nicht wirklich als Kritik sehen, sondern einfach nur eine Abweichung von meinen Hoffnungen und Erwartungen in das Buch.
Ein wichtiges und hochaktuelles Buch und eine Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Eine asexuelle Love Story zum Versinken und Wohlfühlen

Literally Love 2. Papercut Feeling
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Nach einem unglücklichen ersten Treffen mit viel Enttäuschung und Irritation werden Melodea und Lorne ausgerechnet Arbeitskolleg*innen in einem Verlag. Die anfängliche Strategie, sich aus dem Weg zu gehen, ...

Nach einem unglücklichen ersten Treffen mit viel Enttäuschung und Irritation werden Melodea und Lorne ausgerechnet Arbeitskolleg*innen in einem Verlag. Die anfängliche Strategie, sich aus dem Weg zu gehen, funktioniert spätestens dann nicht mehr, als sie gemeinsam die Lesereise der Autorin Amanda begleiten, deren nächstes Buch Melodea schreiben soll.

Ich war so glücklich und aufgeregt, als ich gelesen habe, dass dieses Buch eine asexuelle Protagonistin hat, denn das Ace-Spektrum ist einfach sehr wenig vertreten und sichtbar in der Literatur. Eigentlich bin ich in der New-Adult-Welt lesetechnisch gar nicht so wirklich zu Hause, aber der Aspekt, dass es um Asexualität geht, hat mich zu einem kleinen Ausflug in andere Lesewelten veranlasst und ich habe es nicht bereut.

Das Leseerlebnis fängt schon vor der ersten Seite mit dem wunderschönen Cover und dem Farbschnitt an und ich habe das Buch wirklich verschlungen. Die so besondere Liebesgeschichte zwischen Melodea und Lorne wird sehr zart und gefühlvoll entfaltet und hat mich emotional auf jeden Fall abgeholt und mitgerissen. Die Konflikte von Melodea in Bezug auf ihre eigene Sexualität sind sehr vielschichtig dargestellt. Das Buch ist abwechselnd aus Sicht von Lorne und Melodea geschrieben, was ich speziell für das Thema richtig gut finde, da dadurch die Konflikte, die Missverständnisse und unterschiedlichen Perspektiven sehr direkt greifbar wurden und somit als Leserin die Spannung noch einmal viel stärker spürbar wird. Das Buch tappt zudem nicht in Klischeefallen und ist durch verschiedene Elemente, wie z.B. Social-Media-Posts am Ende der Kapitel sehr abwechslungsreich.

Ein so wichtiger Beitrag für die Sichtbarkeit des Ace-Spektrums und dazu noch ein toll zu lesendes, kurzweiliges Buch. Danke für die Repräsentation!

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Eindrückliche Einblicke in das Leben als Frau mit Autismus

Strong Female Character
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Eine Lebensgeschichte von Fern Brady wirkt lange nach und hat mich sehr beschäftigt: In ihrem Buch zeichnet sie ihren Lebensweg als Frau mit lange undiagnostiziertem Autismus nach. Nicht nur einmal musste ...

Eine Lebensgeschichte von Fern Brady wirkt lange nach und hat mich sehr beschäftigt: In ihrem Buch zeichnet sie ihren Lebensweg als Frau mit lange undiagnostiziertem Autismus nach. Nicht nur einmal musste ich beim Lesen schlucken und tief durchatmen, denn die Einblicke sind schonungslos und viele der Erlebnisse einfach unfassbar schlimm. Und wenn ich dachte, dass es jetzt schon ganz schön viel ist, noch eins mehr und noch eins. Mir ging es an manchen Stellen fast schon so, dass ich mich noch mal daran erinnern musste, dass es keine Fiktion ist, sondern Fern Bradys Lebensgeschichte.
Ich bin sehr beeindruckt von der Klarheit im Schreiben und habe gemerkt, dass mich das an vielen Stellen noch einmal viel mehr auf meine Emotionen dazu zurückwirft. Teils könnte der Schreibstil als wenig sortiert und chaotisch bezeichnet werden, aber auch das hat für mich genau die Emotionen ausgelöst, die vielleicht auch kennzeichnend für ihre Geschichte sind – nicht linear und geordnet, sondern ein chaotisches Puzzle, in dem lange nichts so wirklich zusammenpassen zu scheint.
Insgesamt konnte ich mich gut einfühlen, war irgendwie gefühlt mittendrin in den ganzen Fragen, Zweifeln & Verzweiflungen, Erlebnissen, zwischen dem Wunsch nach einer Erklärung und dem Abprallen an einem ignoranten und uninformierten Gesundheitssystem, in permanenten Machtdynamiken verwickelt, usw.
Was für mich besonders spannend war und herausgestochen ist, ist noch mal die Verwebung mit dem Thema Klassismus. Da habe ich mich in so vielem, was sie beschreibt wiedergefunden und letztlich fand ich die Analysen dazu fast prägnanter als die zu Sexismus.
Insgesamt bin ich noch etwas unentschlossen und verwirrt, was ich von dem gesamten Buch halten soll. Ich habe auf jeden Fall viel Neues gelernt und bin schockiert und gleichzeitig beeindruckt von diesem Lebensweg und der Stärke der Erzählungen.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Außergewöhnlich, verstörend und spannend

Nach uns der Himmel
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Das Buch "Nach uns der Himmel" von Simone Buchholz lässt mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Vielleicht passt aber dieser Nachklang einfach sehr gut zu der gesamten Geschichte, die sich an vielen ...

Das Buch "Nach uns der Himmel" von Simone Buchholz lässt mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Vielleicht passt aber dieser Nachklang einfach sehr gut zu der gesamten Geschichte, die sich an vielen Stellen dagegen sträubt, eingeordnet und sortiert werden zu können.
Aber von vorne: Nach einem intensiven Einstieg, in dem die Leserinnen in einen scheinbaren Beinahe-Flugzeugabsturz mitgenommen werden, lernen wir nach und nach 8 Passagiere dieses Fluges kenne, die jetzt ihren Urlaub auf einer Insel verbringen. Die Beziehungskonstellationen scheinen teils bizarr und verworren. Das Eintauchen in die Charaktere, die Vorgeschichten und Gefühle empfand ich einerseits sehr intensiv, andererseits aber von Anfang an in einer unbestimmten Art und Weise verwirrend. Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartet und nach einem Anfang, der mich mitgerissen und begeistert hat, hat mich etwa zur Hälfte des Buches zunehmend eine Frustration und Ungeduld erfasst. Im Lesen wurde in ganz wohl dosierten und kleinen Schritten deutlich, dass etwas nicht stimmt und dass sich Dinge verschieben und schräg werden. Aber die große Frage, was es damit auf sich hatte, blieb für mich lange Zeit sehr unklar. Daher wollte ich einerseits unbedingt weiterlesen, da ich das große Bedürfnis nach einer Auflösung hatte, aber andererseits habe ich mich im Mittelteil schon etwas durch die Seiten treiben müssen. Ohne Spoiler kann ich hier wohl nicht mehr verraten.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich es eine spannende und außergewöhnliche Lektüre fand - solch eine Art Buch habe ich in dieser Form bisher noch nicht gelesen und auch nicht kommen gesehen. Teils war es mir etwas zu skurril und abgefahren und dabei büßte die Geschichte für mich auch Glaubwürdigkeit ein. Klar, fiktive Elemente, aber diese wirkten für mich teils unrund. Total fasziniert und begeistert hat mich wiederum der Schreibstil und die feinen Nuancen, in denen es Simone Buchholz gelungen ist, das Skurrilitätslevel nach und nach zu steigern und wohl dosiert bei den Leser
innen Zweifel und Fragezeichen zu streuen - ganz natürlich und elegant nebenbei, was für mich eine große Kunst ist.
Und ein riesiges Lob an das wundervolle Cover und die besondere Gestaltung der Klappen - das passt sehr gut zur geheimnisvollen Gesamtatmosphäre des Buches.
Also ich würde auf jeden Fall eine Leseempfehlung für all jene aussprechen, die offen für etwas Außergewöhnliches sind und vor skurrilen und fiktiven Elementen nicht zurückschrecken.

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