Profilbild von blaues-Herzblatt

blaues-Herzblatt

Lesejury Profi
offline

blaues-Herzblatt ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit blaues-Herzblatt über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.07.2017

Nicht vergleichbar

Vom Ende an
0

Ich kenne kein vergleichbares Buch. Für mich war es eine der ersten Novellen die mir beim Lesen gefallen haben. "Vom Ende an" ist ein mitreißendes Buch, dass vor allem durch seine, in Gedankenstücken verfasste, ...

Ich kenne kein vergleichbares Buch. Für mich war es eine der ersten Novellen die mir beim Lesen gefallen haben. "Vom Ende an" ist ein mitreißendes Buch, dass vor allem durch seine, in Gedankenstücken verfasste, Schreibweise viel Platz für eigene Interpretationsgedanken lässt und dabei auch noch die Eleganz eines Gedichtes aufbringt.

Die Handlung dreht sich um eine schwangere Frau, die gleichzeitig mit einer krassen Naturkatastrophe zu kämpfen hat. Der Leser wird mitgenommen, bis in ihre tiefsten Gedanken und kann ihre Gefühlslagen hautnah miterleben.

Mir persönlich hat das Buch zugesagt, da ich nicht aufhören konnte zu lesen und der Text an vielen Stellen zum Nachdenken anregt. Gefallen hat mir auch die Kürze der genutzten Sätze, die trotzdem einen poetischen Tiefgang bei mir ausgelöst haben. Die Story war für mich nachvollziehbar konstruiert und die Handlungen waren in meinen Augen ebenfalls schlüssig. Die Sprache war sehr ausgewählt und exquisit und ich war andauernd am Markieren von besonders schönen Satzkonstellationen.



Eine Sache die ich nicht unbedingt gebraucht hätte, waren die kursiv gedruckten Ursprungsgedanken, die ab und zu in den Text eingefügt wurden, für mich den Effekt des Textes aber nicht verstärkten oder veränderten durch ihr Dasein.



Wer Wert auf klanghafte und poetische Sprache legt und bereit ist sich mit einer dramatischen Ausnahmesituation zu befassen, dem ich kann ich das Buch nur weiterempfehlen. Allerdings kann ich mir auch vorstellen das es nicht für jedermann etwas ist und würde deshalb empfehlen vor dem Kauf einen Blick in die Leseprobe zu werfen.

Veröffentlicht am 31.07.2017

Lieblingsbuchalarm

Baba Dunjas letzte Liebe
0

Dieses Buch habe ich in Berlin, bei einer Tour durch die kleinen Buchläden im lauschigen Prenzlauer Berg von der Buchverkäuferin empfohlen bekommen. Ich habe ihr gesagt das ich Masha Kaléko liebe und sie ...

Dieses Buch habe ich in Berlin, bei einer Tour durch die kleinen Buchläden im lauschigen Prenzlauer Berg von der Buchverkäuferin empfohlen bekommen. Ich habe ihr gesagt das ich Masha Kaléko liebe und sie hat mir dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.
Ich fand die geringe Seitenanzahl für den stressigen Alltag genau richtig und die Story einer Tschernowo-Rückkehrerin einen interessanten Ausbruch aus den alltäglichen Themen.
Die Geschichte fängt mitten im Leben von Baba Dunja an und fährt mit Worten eine Geschichte nach, die manch anderer auf dramatische Art und Weise mit Selbstmitleid untermauert hätte. Alina Bronsky hat einen weitaus bewegenderen Weg gefunden, Baba Dunja nimmt ihr Schicksal ohne Murren an und nur zwischen den Zeilen scheinen Gefühle durch.
Desweiteren hat Baba Dunja eine faszinierende Art, die Menschen in ihrem Umfeld, durch wenige klare Worte in ihrer ganzen Tiefe zu beschreiben!!!
Ein Buch das ich jedem Leser, der gerne auch mal über ein zwei Seiten ins Grübeln, Schmunzeln und Erinnern kommt ans Herz legen. :)

Veröffentlicht am 16.09.2025

Wichtig und wegweisend

Es könnte so einfach sein
0

Vera schreibt und ist über die Jahre immer wieder mit der Verlagswelt und deren veralteten Vorstellungen konfrontiert - ein zeitlicher Abriss.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren eher mäßig und wurden ...

Vera schreibt und ist über die Jahre immer wieder mit der Verlagswelt und deren veralteten Vorstellungen konfrontiert - ein zeitlicher Abriss.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren eher mäßig und wurden haushoch übertroffen!
Erstens: Hinter dem Autorinnennamen verbirgt sich ein Autor*innen-Duo, was dem Buch sicher positiv zu gute kam – vor allem, was Vielschichtigkeit und Perspektiven angeht.
Die Hauptfigur Vera ist mir vom Alter her mit ihren fast 65 Jahren zwar fern, aber sie war mir über die Seiten hinweg doch sehr nah. Ich mochte es sehr, mich in ihre Welt und ihre Gedanken hineinzulesen. Ihre Sicht auf die Welt, besonders unter feministischen Aspekten, war ein bisschen wie Frauen aus meinem Umfeld zuzuhören – nur gebündelter und pointierter.
Das Buch gibt unterschwellig, sehr dezent und doch präsent einen guten Abriss über die Entwicklung der Rechte von Frauen seit den 60ern und lässt tief blicken, wie viel Kraft und Biss in Vera stecken, um sie dorthin zu bringen, wo sie 2005 steht.
Ich mochte die verschiedenen Plotstränge, die alle für sich stehen konnten, und die Botschaft, die unmissverständlich hinter allem stand!
Das klingt jetzt ernst, aber das Buch war oft auch witzig, unterhaltsam, frech, hat viele Töne angeschlagen – und ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten und vom Schreibstil getragen gefühlt. Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

Dieses Buch zeigt anschaulich, wie wichtig bis heute das Thema Verständnis im Feminismus ist. Frauen müssen sich bis heute behaupten, werden belächelt und nicht ernst genommen. Vera erlebt all das jahrelang, teilweise sehr zermürbend und mit viel innerem Druck verbunden. Aber sie zeigt auch, wie ein guter Umgang damit aussehen kann, wie viel Kraft Verbündete geben können – Menschen, die stärken, zuhören und all dem Raum geben.
Und am Ende fasst der Titel des Buches alles sehr gut zusammen: Es könnte so einfach sein, dass wir alle gleich sind, die gleichen Chancen bekommen und Worte gleich viel zählen, gleich viel wert sind …

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2024

Ein Buch wie ein richtig langes gutes Gespräch, ehrlich und intensiv

Hot Mess
0

Drei unterschiedliche weibliche Perspektiven, die mit ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen über Umwege in einer irischen Stadt aufeinander treffen und neu justieren wie wertschätzende Freundschaft ...

Drei unterschiedliche weibliche Perspektiven, die mit ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen über Umwege in einer irischen Stadt aufeinander treffen und neu justieren wie wertschätzende Freundschaft Anfang 30 und mit unterschiedlichsten Lebenswelten funktionieren kann.
Das Cover hat mir direkt gut gefallen und der Titel hat mich neugierig gemacht.
Der verwendete Schreibstil hat mir gut gefallen und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Das Buch war für mich spannend und gleichzeitig an vielen Stellen wunderbar komisch und mit köstlich trockenem Humor ausgestattet. Ich habe sehr mit den drei Hauptfiguren mitgefiebert und mochte es auch das jede davon auf ihre Art und Weise Ecken und Kanten hatte und wie detailreich sie ausgestaltet waren, sodass sie vor meinem inneren Auge direkt lebendig geworden sind.
Das hätte ich mir bei einigen Nebenfiguren auch noch etwas mehr gewünscht.

Das Konzept Freundschaft wurde in den unterschiedlichsten Facetten beleuchtet und die vielen Ängste und Unsicherheiten, die im Zusammenhang mit Freundschaften oder nach schlechten Erfahrungen auftreten können, fand ich sehr authentisch beschrieben. Dadurch war das Buch für mich ein bisschen wie ein warmes Gespräch mit Freundinnen, wertvoller Austausch und sehr persönliche und tiefe Einblicke. Und auch der immer wieder aufgegriffene feministische Unterton hat mir richtig gut gefallen. Ebenso wie der offene Umgang mit psychischen Krankheiten und die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Gegen Ende hätte ich mir etwas mehr Erzählzeit gewünscht, da mir vieles zu schnell ging aber andererseits stand das Erzähltempo dort auch symbolisch gut für die Spannung in der Handlung, die sich sozusagen überschlägt.

Ich kann eine große Empfehlung für dieses Buch und generell für die bisher erschienen Pola-Bücher aussprechen, die Verlagsauswahl gefällt mir bis jetzt richtig gut.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 22.11.2024

Pflichtlektüre!

Unversehrt. Frauen und Schmerz
0

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt und gleichzeitig hatte ich auch Respekt vor der Auseinadersetzung mit dem Thema.
Dementsprechend langwieriger hat sich mein Leseprozess gestaltet, nicht weil das ...

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt und gleichzeitig hatte ich auch Respekt vor der Auseinadersetzung mit dem Thema.
Dementsprechend langwieriger hat sich mein Leseprozess gestaltet, nicht weil das Buch nicht gut war, sondern weil es so intensiv war, das ich immer wieder Momente zum Verarbeiten brauchte, um mit vielen sehr düsteren Seiten vom Frau sein in dieser Welt, die das Buch thematisiert umgehen zu können.

Die Autorin Eva Biringer will mit diesem Buch dem weiblichen Schmerz eine Stimme geben, ihn greifbarer machen. In meinen Augen schafft sie das auf sehr vielschichtige Art und Weise. Sie beleuchtet verschiedenste Aspekte von Schmerz und dessen Entstehung, historisch, sozial oder aktuell. Das Buch gibt einen gruseligen aber sehr ehrlichen Überblick über Schmerzen und Frauen und die unzähligen strukturellen gesellschaftlichen Probleme, die seit Andenken der Zeit oder der Bibel als Selbstverständlichkeiten in uns eingeschrieben werden und hat mich wütend zurückgelassen, aber mir auch noch dringlicher bewusst gemacht, warum es so wichtig ist gegen patriarchale Strukturen anzukämpfen und Contra zu bieten.

Gut gefallen hat mir, dass die Autorin sich dem Thema über das Schicksal ihrer eigenen Oma nähert und den Schmerz den so viele fühlen, der jedoch oft nicht greifbar genug ist, subjektiver und greifbarer zu gestalten.
Sonst hat mir auch der hohe Faktengehalt und der thematische Weitblick gefallen, ebenso wie das direkte und starke Cover.
An einigen Stellen hätte ich mir eventuell Triggerwarnungen zu Beginn der Kapitel gewünscht, da es ab und an doch sehr viel wurde. Und auch der Schreibstil hätte für mich teilweise noch etwas abgerundeter sein können.
Ich habe auch kurz ins Hörbuch reingehört, das war mir aber deutlich zu langsam und teils tonlos gelesen.

Ich würde dieses Buch wärmstens jedem Mensch ans Herz legen, weil es voller wichtiger Informationen und Fakten steckt und eine viel zu unterschätzten Blick auf die Welt ermöglicht und wegweisend zeigen kann, was besser werden sollte bezüglich Schmerzen. Ich empfehle es aufjedenfall ganz klar weiter, am besten vielleicht auch im gemeinsamen Lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere