Profilbild von hasirasi2

hasirasi2

Lesejury Star
offline

hasirasi2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit hasirasi2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2025

Loveboat

Neues Glück auf dem kleinen Bücherschiff
0

Lilly ist Mitte 20, gelernte Hotelfachfrau und macht Work and Travel in verschiedenen Ressorts auf der ganzen Welt. Nach jeder Saison geht sie in ein neues Land, um so viel wie möglich zu erleben. Zu ihrer ...

Lilly ist Mitte 20, gelernte Hotelfachfrau und macht Work and Travel in verschiedenen Ressorts auf der ganzen Welt. Nach jeder Saison geht sie in ein neues Land, um so viel wie möglich zu erleben. Zu ihrer Familie hat sie außer zu Großtante Floriane keinen Kontakt. Als die betagte Dame sie wegen gesundheitlicher Probleme um Hilfe bittet, reist Lilly sofort nach Hamburg. Natürlich nimmt Floriane sie mit zu ihrem Lieblingsort, dem kleinen Bücherschiff im Museumshafen. Dort ist sie Stammgast und fast schon so etwas wie ein Maskottchen ist, weil sie jeden Tag zum Lesen hinkommt. Lilly freundet sich sofort mit dem Team der Buchhandlung an und hilft aus, wenn ihre Großtante sie nicht braucht. Und sie hat auch nichts gegen einen Flirt mit Pablo, dem neue Teilhaber des Bücherschiffs.

„Sicherheit kann der niemand geben, außer du selbst.“ (S. 235)
Lilly konnte sich nie auf ihre Eltern und Großeltern verlassen, darum kann sie schlecht Vertrauen zu anderen aufbauen. Ihre Freiheit und Unabhängigkeit ist ihr höchstes Gut. Genauso wenig, wie sie sich an einen Ort binden will, hält es mit ihren Partnern. Sie möchte keine feste Bindung, sondern jederzeit verschwinden oder mit jemand anderem zusammen sein können, das macht sie den Männern von vornherein klar. Auch Pablo scheint zumindest zu Beginn keine Probleme mit einer Freundschaft Plus zu haben, will aber bald schon mehr. Er ist 15 Jahre älter als sie und bereit, sesshaft zu werden. Das kann sich Lilly allerdings (noch) nicht vorstellen. Da hilft es auch nicht, dass sowohl das Personal des Bücherschiffs als auch Floriane die beiden immer wieder zueinander hin schubsen, damit sie endlich zusammenkommen.

„Neues Glück auf dem Bücherschiff“ ist der dritte und letzte Band der Reihe. Man muss die Vorgänger zwar nicht zwingend gelesen haben, aber ich würde es zum besseren Verständnis aller Zusammenhänge trotzdem empfehlen.
Alle Personen inkl. Schiffskater Stampi tauchen noch mal auf und man erfährt, wie es mit dem schwimmenden Buchladen, Katja und Mathis, Miriam und Henning sowie den WG-Mitgliedern weitergeht.
Tessa Hansen erzählt die Geschichte mit viel Herz, Romantik, einigen dramatischen Entwicklungen. Mir war nur das Hin und Her zwischen Lilly und Pablo manchmal etwas zu viel.
Sie versteht es, das Aussehen und die Besonderheiten des Bücherschiffs, seiner „Besatzung“ und Kunden durch ihre plastischen Beschreibungen lebendig werden zu lassen. Außerdem freue ich mich, wenn ich die erwähnten Bücher und Schriftsteller kenne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2025

Zwei Frauen, eine Reise?

Weserleuchten
0

Emilie ist eine anerkannte Naturforscherin und berühmt für ihre Herbarien. Trotzdem ist sie überrascht, als der reiche Bremer Kaufmann Jost Ostherloh sie zu einer Australien-Expedition einlädt. Bei den ...

Emilie ist eine anerkannte Naturforscherin und berühmt für ihre Herbarien. Trotzdem ist sie überrascht, als der reiche Bremer Kaufmann Jost Ostherloh sie zu einer Australien-Expedition einlädt. Bei den Vorbereitungen dazu lernt sie Louise kennen, eine Bürgerstochter und begnadete Zeichnerin. „Sie sind wirklich begabt. Wissen Sie, jemanden wie Sie könnten wir gut gebrauchen.“ (S. 20) Ihre Arbeiten würden sich perfekt ergänzen, aber natürlich ziemt es sich für Louise nicht. Schafft sie es trotzdem ins Team der Expedition?

Ich hatte aufgrund des Klappentextes gedacht, dass es in „Weserleuchten“ um die Reise von Emilie (und evtl. auch Louise) nach Australien geht, aber diese wird hier nur vorbereitet und das sehr umfangreiche Personal vorgestellt. Zum Glück gibt es zur besseren Übersicht ein Personenverzeichnis.

Emilie stammt aus einfachen Verhältnissen. Alles, was sie kann und weiß hat ihr ihr Mann beigebracht. Als sie entdeckt, dass er ihre Arbeitskraft nur ausnutzt und ihr das Angebot von Ostherloh verheimlicht, verlässt sie ihn und reist allein nach Bremen. Dort hat sie einen schweren Stand, wird von den männlichen Expeditionsteilnehmern nicht ernst genommen und muss sexuelle Übergriffe erdulden.
Louise stammt aus gutem Haus, hat aber früh ihre Mutter verloren und wurde vom iVater zu Verwandten gegeben. Inzwischen ist sie alt genug, um verheiratet zu werden, doch sie will aus dem goldenen Käfig ausbrechen und ihr Leben selbst bestimmen. Sie darf ja nicht mal allein ihre Freundinnen besuchen: „Immer war eine Begleitung erforderlich, eine Garantie für Anstand und Tugend in einer Welt, die die Selbstständigkeit einer Frau argwöhnisch beäugte. Wie ein unsichtbares Korsett umschlang die Etikette sie fest und unerbittlich.“ (S. 26) Und wenn sie schon heiraten soll, will sie ihren Mann gern selbst wählen. Sie hat sich in Ostherlohs Sohn Alexander verguckt, der ihr in gestohlenen Minuten immer wieder heiße Liebesschwüre macht, allerdings nie offiziell um ihre Hand anhält. Bald muss sie überlegen, wie viel sie für die Liebe riskieren will.

Christiane Lind schildert, wie Frauen verschiedener Gesellschaftsschichten von Männer bevormundet werden bzw. von ihnen abhängig sind und kaum eine Chance haben, ihr Schicksal zu ändern. Gemeinsam ist ihnen der Traum von einem selbstbestimmten und selbstfinanzierten Leben, das sie der Natur und Kunst widmen wollen.
Außerdem zeigt sie die unterschiedliche Lebensumstände. Während Emilie eine Kammer bei einer Witwe mit mehreren Kindern mietet, die von der Hand in den Mund leben und sich keine ärztliche Versorgung leisten können, wird Louise alles hinterhergetragen – Hauptsache, sie sieht auf dem nächsten Ball gut aus und angelt sich endlich einen Mann.
Die Gegebenheiten und Personen sind sehr anschaulich beschrieben. Die niedere Bevölkerung spricht Platt, was zwar schwierig zu lesen ist, aber gut zur Handlung passt. Etwas anstrengend fand ich allerdings Louises Fixierung auf Alexander und das ewige Auf und Ab ihrer Gefühle. Überhaupt sind die Männer bis auf wenige Ausnahmen hier nicht gut weggekommen.

Ein interessanter Auftakt der Reihe mit einigen Längen, ich hoffe, dass es in Australien etwas spannender wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.11.2024

Die Urlaubs-WG

Sommerfrische in Südtirol
0

„… dir stehen alle Türen offen, du kannst jetzt machen, was du willst!“ „Du glaubst, die Welt wartet auf eine mittellose, in die Jahre gekommene Buchhändlerin?“ (S. 20) Das verflixte siebente Jahr hat ...

„… dir stehen alle Türen offen, du kannst jetzt machen, was du willst!“ „Du glaubst, die Welt wartet auf eine mittellose, in die Jahre gekommene Buchhändlerin?“ (S. 20) Das verflixte siebente Jahr hat Britts Herzensprojekt, ihre kleine Buchhandlung Leseslust, leider nicht überstanden. Schweren Herzens muss sie den Laden schließen. Zusammen mit ihrem besten Freund Jonas, der unter einem Pseudonym sehr erfolgreich Liebesromane schreibt, räumt sie das Geschäft am letzten Tag aus, dabei fällt ihnen eine Zeitungsanzeige ins Auge: Verbringen Sie den kompletten Juni auf dem Ritten, gehen Sie wandern, lassen Sie die Seele baumeln … Kurzentschlossen schreiben sie dem Vermieter, ein bisschen Urlaub zum Abschalten haben sie sich verdient. Bald darauf stolpern zwei Frauen in den Laden. Sarah, eine Marathonläuferin, ist ihrem Mann buchstäblich davongerannt und Rosa, ein rüstige Siebzigjährige, dem Renovierungslärm aus der Nachbarwohnung. Britt hat Mitleid und bietet ihnen an, mit nach Italien zu reisen, schließlich hat das Haus 5 Schlafzimmer. Und so verbringen sie bald einen Monat zusammen in den Südtiroler Alpen. Natürlich läuft da gerade zu Beginn nicht alles glatt, aber sie wissen die Vorzüge und Fähigkeiten des jeweils anderen bald zu schätzen und genießen zusammen Land und Leute – und Tiroler Spezialitäten.

Die Mitglieder der Urlaubs-WG sind gerade alle in einer Umbruchphase. Britt weiß nicht, was sie nach der Aufgabe ihres Buchladens machen soll. Außerdem nervt ihre Mutter, will sie zum Abnehmen und Daten zwingen, denn wenn sie endlich einen Mann findet, müsste sie nicht mehr arbeiten.
Jonas hat eine Schreibblockade und ist unglücklich verliebt.
Sarah ist seit 18 Jahren mit ihrem Mann zusammen, der auch ihr Trainern und Manager ist. Seit einiger Zeit hat sie gesundheitliche Probleme, die er einfach nicht wahrhaben will. Das Business scheint ihm wichtiger zu sein als ihre Beziehung. Dabei ist sie inzwischen in dem Alter, wo sie aus dem Profisport aussteigen und eine Familie gründen will.
Rosa ist seit einigen Jahren verwitwet und einsam, hat kaum Kontakt zu ihrem Sohn, weil sie mit dessen Lebensweise nicht klarkommt.

Nach den anfänglichen Schwierigkeiten werden sie echte Freunde, unternehmen viel zusammen, helfen sich aber auch gegenseitig bei ihren Problemen, indem sie neue Sichtweisen einbringen. Und auch die Liebe hält im Urlaub Einzug ...

Kerstin Wiedemanns „Sommerfrische in Südtirol“ ist ein typischer Urlaubsroman, den man entweder direkt dort vor Ort liest, oder aber um an einem verregneten Wochenende von zu Hause wegzuträumen.
Ich war noch nie in Tirol, doch nach Kerstin Wiedemanns Buch will ich unbedingt mal hinreisen, und sei es nur, um mich durch die Landesspezialitäten zu probieren – mit Bergwandern habe ich es nämlich nicht so, ich bleibe lieber im Flachland.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.10.2024

Eher biographischer Roman als Krimi

Ruth Blaue - Die Axtmörderin mit dem Madonnengesicht
0

Am 18.11.1955 wird die 41jährige Ruth Blaue wegen dem Mord an ihrem Mann John zu lebenslanger Haft verurteilt, dabei steht gar nicht fest, dass sie es auch gewesen ist. Ihr langjähriger Geliebter Horst ...

Am 18.11.1955 wird die 41jährige Ruth Blaue wegen dem Mord an ihrem Mann John zu lebenslanger Haft verurteilt, dabei steht gar nicht fest, dass sie es auch gewesen ist. Ihr langjähriger Geliebter Horst Buchholz hatte die Schuld auf sich genommen, bevor er im Gefängnis Selbstmord begangen hat. Wie es dazu kam, erzählt Kathrin Hanke sehr ausführlich in diesem Buch.

Ruth verliebte sich mit 19 in einen deutlich älteren Mann und hängte sich sklavisch an ihn. Sie log und betrog, um ihn halten zu können, und konnte nicht von ihm lassen, obwohl sie schnell kapierte, dass er nur auf ihr Geld aus war (sie stammte aus einem wohlhabenden Elternhaus). Wegen ihm wurde sie verurteilt und landete in der Gosse, aus der ihre Eltern sie wieder aufklaubten.
Erst, als sie John kennenlernte, konnte sie von ihrem ersten Geliebten lassen. John war ganz anders, ein eher schlichtes Gemüt, aber er betete sie an und sie bauten zusammen eine erfolgreiche Firma auf. Als dann der Krieg ausbrach und er an die Front musste, heirateten sie, um sich regelmäßig besuchen zu können. Doch nach dem Krieg kam ihr Mann verändert zurück und Ruth war längst in Horst verliebt, mit dem sie körperlich und geistig auf einer Ebene war.

Kathrin Hanke zeichnet das Bild einer Frau, die einerseits sehr intelligent zu sein schien, andererseits aber bewundernd zu Männern aufschauen und ihnen dienen wollte. Sie hat sich ihnen bis zur völligen Selbstaufgabe unterworfen und alle eigenen Bedürfnisse hintenangestellt. Ihr genügten winzige „Gegenleistungen“ in Form von Aufmerksamkeit, schon ein Nicken oder Zwinkern hat gereicht, ein Lob war die absolute Krönung für sie.
Dass sie die neue Art ihres Mannes nicht hinnehmen konnte, hat sie nie bestritten, wohl aber den Mord. Doch da Buchholz nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden oder für sie aussagen konnte und sie zumindest beim Entsorgen der Leiche geholfen haben musste, wurde sie letzten Endes wegen Mordes verurteilt.

Ihre Geschichte ist wirklich interessant, aber ich hatte mir mehr Spannung als Biographie erhofft, die es in meinen Augen letztendlich war. Der Kriminalfall wird nämlich nur in groben Zügen im letzten Drittel behandelt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2024

Aschenputtel wird Bestsellerautorin

Übermorgen schreibe ich mein Happy End
0

Vera ist Anfang 40, Mutter zweier Teenager und mit einem Italiener verheiratet, der leider seine Mutter mit ins Haus gebracht hat, um seine Frau bei der Hausarbeit und Erziehung der Kinder zu unterstützen, ...

Vera ist Anfang 40, Mutter zweier Teenager und mit einem Italiener verheiratet, der leider seine Mutter mit ins Haus gebracht hat, um seine Frau bei der Hausarbeit und Erziehung der Kinder zu unterstützen, da er beruflich viel unterwegs ist. Seitdem ist Vera die Handlangerin von Donna Gina, darf staubwischen, putzen und das Geschirr von Hand spülen, einkaufen und alles schnibbeln, aber den Kochlöffel schwingt nur ihre Schwiegermutter. Als „Ausgleich“ betreibt Vera einen kleinen Kiosk und hat diverse Kurse an der Volkshochschule ausprobiert – bis sie beim Schreiben hängen geblieben ist. Ihr erotischer Liebesroman, dem Nonna Ginas Rezepte die richtige Würze verleihen, ist unter einem Pseudonym erschienen, und als er durch die Decke geht und auf der Bestsellerliste landet, hat Vera mindestens drei Probleme. Wie bringt sie das ihrem Mann bei und verheimlicht es vor der Schwiegermutter, die für diese Art Literatur so gar kein Verständnis hat? Und wie schafft sie es, dass das Pseudonym auch für der Öffentlichkeit gewahrt bleibt, weil plötzlicher jeder wissen will, wer sich hinter Lucia Barone versteckt?

Vera hat sich in ihrem gemütlichen Leben eingerichtet und mit allem abgefunden. Sie steht unter der Fuchtel ihrer Schwiegermutter, ihre Kinder nehmen sie nur selten ernst, weil sie von Oma und Papa nach Strich und Faden verwöhnt werden, und ihr Mann reist sehr viel und schläft nur selten zu Hause. Das Schreiben ist ihre Flucht aus dem Alltag, wenigstens ihre Hauptfigur hat wahnsinnig tollen Sex und verführt ihren Lover mit ihren Kochkünsten. Dass sie mit dem Buch Erfolg hat, hätte Vera nie gedacht, zum Glück hatte sie wenigstens auf einem Pseudonym bestanden. Doch jetzt kann sie ihren weltfremden Verleger (das Buch ist auch sein erster Erfolg) nur schwer bremsen, ihr Geheimnis zu wahren, denn die Anfragen für Interviews und Übersetzungsrechte lassen seinen Posteingang überquellen.

Ich fand die Idee witzig, dass die Autorin mit ihrer eigenen Geschichte spielt, denn Lucia Barone ist nicht nur das Pseudonym von Vera, sondern auch das der Autorin. Auch der Plot war mal was anderes und der Schreibstil schön flüssig. Aber Vera war mir stellenweise zu naiv und wankelmütig, hat bei allem, was schief geht, zuerst die Schuld bei sich gesucht – auch bei Fehlern ihres Mannes. Das passte weder zu der Frau, die sie früher mal war und eigentlich noch sein will, noch zu ihrem Alter Ego im Buch, das deutlich selbstbewusster und taffer durchs Leben geht.
Außerdem ging es vor allem am Ende des Buches ein bisschen zu viel hin und her. Dafür gibt es als zusätzliches Schmankerl 5 Kapitel aus dem Erotikroman, die in die Handlung eingebunden sind.

„Übermorgen schreibe ich mein Happy End“ ist ein unterhaltsamer Liebesroman mit einer witzigen Grundidee, für den ich 3,5 Sterne vergebe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere