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Veröffentlicht am 15.08.2025

Eine Utopie oder doch eher eine Dystopie?

All Better Now
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Ein Virus, welches die Infizierten glücklich macht? Diese unglaubliche Prämisse liefert Neal Shustermans neustes Jugendbuch All Better Now.

Crown Royale, eine Weiterentwicklung von Corona, verbreitet ...

Ein Virus, welches die Infizierten glücklich macht? Diese unglaubliche Prämisse liefert Neal Shustermans neustes Jugendbuch All Better Now.

Crown Royale, eine Weiterentwicklung von Corona, verbreitet sich auf der ganzen Welt. Gerüchten zufolge sollen die infizierten Menschen grundlos glücklich sein und oft ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellen. So sollen steinreiche Menschen ihr Vermögen verschenken, um in der Wildnis ein entbehrungsreiches Leben zu führen.

Mariel findet dieses Virus faszinierend. Ihr Leben ist kein leichtes. Sie und ihre Mutter sind obdachlos und somit liegt ihr Glück fern. Da ist es nur verständlich, dass sie sich vorstellt, sich mit diesem Virus anzustecken. Dadurch würde ihr Leben doch deutlich leichter und angenehmer... So ähnlich denkt auch Rón. Auch er hadert mit seinem Leben. Im Gegensatz zu Mariel ist er jedoch auf der vermeintlichen Sonnenseite des Lebens. Denn sein Vater gehört zu den reichsten Menschen dieses Planeten. Aber Rón hat oft depressive Phasen und wünscht sich beinahe, sich Crown Royale einzufangen. Schon bald kreuzen sich die Wege von Mariel und Rón.

Neal Shusterman schafft es, eine Welt zu zeigen, die immer mehr in zwei Lager gespalten wird. Zunächst kommt vielen der Gedanke, dass so ein Virus doch gut sein könnte. Es gibt so viel Ungerechtigkeiten auf der Welt, die durch Crown Royale beseitigt werden könnten. Doch immer mehr rückt das Bild des scheinbar perfekten Lebens durch eine Infizierung mit dem Virus ins Wanken. Die Gesellschaft spaltet sich immer mehr und auch wir Lesenden kommen ins grübeln. Ist eine Ansteckung nun erstrebenswert oder nicht? Dem Autor gelingt es, dass man sich diese Frage und viele weitere stellt. Moralische und ethische Themen, wie zum Beispiel ob man Fake News einsetzen sollte, um seine Ziele zu erreichen (meine Antwort: auf keinen Fall), kommen auf und man kann wunderbar darüber diskutieren.

Die Charaktere sind recht unterschiedlich. Mariel und Rón sowie die ehrgeizige und oft skrupellose Morgan wirken durch ihre Taten und Handlungen oftmals viel älter als sie laut Buch sein sollen. Shusterman schreckt nicht davor zurück, auch unsympathische Figuren zu schreiben, was mir grundsätzlich gut gefällt. Bei ein oder zweien hätte ich mir dennoch ein paar mehr Nuancen gewünscht, sodass sie nicht so einfach in das Gut/Böse-Schema passen. Da dies Shusterman beim Virus Crown Royale und dessen Folgen gelingt, zeigt, dass er durchaus in der Lage ist, Situationen und Handlungen differenzierter zu schreiben, was ich mir auch bei den Charakteren mehr gewünscht hätte.

Positiv erwähnen möchte ich zudem die queere Vielfalt der Charaktere in All Better Now. Diese Figuren sind zum Glück ein ganz normaler Teil der Geschichte, ohne dass ihre Queerness als etwas besonderes hervorgehoben wird. Sie sind somit ganz "normale"" Menschen wie alle anderen auch.

Das Buch ist an sich spannend, besonders zum Schluss hin. Doch fand ich einzelne Sachen nicht ganz wirklichkeitsnah und wünsche mir persönlich auch in einem Jugendbuch etwas mehr Realismus. Nichtsdestotrotz hat mir der Auftakt zu dieser neuen Dilogie insgesamt recht gut gefallen und kann sie jedem empfehlen, dem es nichts ausmacht, nach Corona ein Buch über ein weiteres (aber ganz anderes) Virus zu lesen.

Veröffentlicht am 27.02.2025

Amüsanter Blick auf das "Böse" in der Natur

True Crime in Nature
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In der Natur gibt es in jeder Sekunde einen Kampf ums Überleben. Dabei gehen Tiere und Pflanzen ganz unterschiedliche Wege, um Nachkommenschaft zu sichern und das eigene Leben zu sichern. Viele Lebewesen ...

In der Natur gibt es in jeder Sekunde einen Kampf ums Überleben. Dabei gehen Tiere und Pflanzen ganz unterschiedliche Wege, um Nachkommenschaft zu sichern und das eigene Leben zu sichern. Viele Lebewesen gehen dabei einen Weg, den wir aus menschlicher Sicht als "kriminell" bezeichnen würden. Es werden Gifte eingesetzt, um die Kontrolle zu erlangen, Diebstahl wird begangen und sogar vor Sklaverei sind manche nicht sicher.

Farina Graßmann erzählt amüsant und humorvoll von dem alltäglichen (Über-)Leben in der Natur. Durch ihren lockeren Schreibstil fliegt man durch die Seiten. Dabei erfährt man einige Fakten, ohne dass diese trocken oder gar langweilig rüberkommen. Dennoch hätte ich mir vor allem zu Beginn etwas mehr Abwechslung gewünscht, da zu Beginn viel über Bienen, Wespen und Co. erzählt wird, die bspw. parasitisch leben. Das ist zwar spannend, aber auf Dauer doch etwas eintönig, wenn diese Arten sich durch ihre Lebensweise nur wenig unterscheiden. Zudem hätte ich mir mehr Fotos gewünscht. Vor allem bei vielen Insekten und Pflanzen haben bestimmt die wenigsten gleich im Kopf, wie diese aussehen. Dafür sind die Illustrationen von Cornelis Jettke sehr hübsch, süß und amüsant. Zudem fehlen mir Quellen und Literaturhinweise. Die Autorin schreibt von ihrem Schreibtisch voller Bücher, ohne zumindest ein paar von diesen zu nennen.

Nichtdestotrotz hat mir die Lektüre sehr viel Spaß bereit. Laien können sehr viel aus dem Buch mitnehmen, Expert*innen und solche, die sich selber schon länger mit diesen Themen beschäftigen, vermutlich weniger.
Durch das Lesen dieses Buches ist mir noch einmal deutlicher geworden, wie eng verbunden das Schicksal von auch ganz unterschiedlichen Lebewesen ist. Wenn ein Lebewesen ausstirbt, werden etliche andere auch aussterben, da so viele von einander abhängig sind. Die Menschheit sollte endlich gemeinsam versuchen, das Massenaussterben zu stoppen. Das Überleben aller Wesen steht auf dem Spiel.

Veröffentlicht am 10.02.2025

Die eigene Persönlichkeit zum Vorschein bringen

Hol dein Schattenkind ins Licht
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In diesem Sachbuch und Ratgeber von Stefanie Körber vermittelt die Psychotherapeutin das Konzept des Schattenkindes. Vermutlich alle Menschen haben in ihrer Kindheit einen Teil ihres Selbst versteckt und ...

In diesem Sachbuch und Ratgeber von Stefanie Körber vermittelt die Psychotherapeutin das Konzept des Schattenkindes. Vermutlich alle Menschen haben in ihrer Kindheit einen Teil ihres Selbst versteckt und verborgen, um besser mit Situationen und Personen umgehen zu können. Viele Eigenschaften, Gefühle und Wünsche haben sie in sich vergraben, sodass sie auch selber nichts mehr davon wissen. Dies wird als Schattenkind bezeichnet. Im Erwachsenenalter gibt es dann oft sogenannte Dramen, welche wir akzeptieren und einfach hinnehmen.

Die Autorin erklärt gut, was genau ein Schattenkind ist und wie wir es in unser Leben zurückholen können. Menschen haben oft Probleme, ihre Gefühle zu erkennen oder anzunehmen und sind daher nicht sie selbst. Man muss aber auch schmerzhafte Gefühle aushalten können, um dadurch sich weiter entwickeln und ein erfüllteres Leben führen zu können. Wir haben alle ungenutzte Potenziale, die wir nicht kennen, vielleicht weil wir einige Eigenschaften von uns negativ sehen. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir uns oft wertlos fühlen, aber stattdessen kritisieren wir unnötigerweise andere Personen, um uns von unserer eigenen Kritik uns selbst gegenüber abzulenken.

In "Hol dein Schattenkind ins Licht" gibt es einige Fragen und Reflexionsanregungen, mit deren Hilfe die Lesenden sich selber hinterfragen und ihre verborgenen Persönlichkeiten ans Licht bringen sollen. Der Schreibstil ist angenehm und leicht verständlich, wenn ich auch hin und wieder etwas mehr Leichtigkeit gewünscht hätte. Fachbegriffe kommen zu gut wie gar nicht vor. Dies ist ein Ratgeber, der Menschen Ideen und Anregungen gibt und ihnen helfen will, vollkommen sie selbst zu sein und glückliches Leben führen zu können. Quellenangaben gibt es keine, was ich persönlich etwas schade finde. Ich hätte mich gerne noch weiter informiert, den aktuellen Forschungsstand und Ansichten anderer Expert*innen in dem Gebiet erfahren. Zudem wären zu Beginn des Buches und/oder vor einzelnen Abschnitten und Fragen Triggerwarnungen oder Content Notes sinnvoll, da es z.B. teilweise um verdrängte Kindheitserlebnisse geht, die bei manchen negative Gefühle und Erinnerungen hervorrufen.

Insgesamt hat mir dieses Sachbuch trotzdem sehr gefallen, da es einige Ideen und zum Teil auch Übungen vorschlägt, wie man ein zufriedeneres Leben mit anderen Menschen und mit sich selbst führen kann.

Veröffentlicht am 28.11.2024

Atmosphärischer Dracula-Vorgänger!

Carmilla
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Laura lebt mit ihrem Vater und einigen Bediensteten in einem Schloss in der Steiermark. Dort lebt sie ein zurückgezogenes und einsames Leben, bis eines Tages eine mysteriöse Besucherin erscheint, die eine ...

Laura lebt mit ihrem Vater und einigen Bediensteten in einem Schloss in der Steiermark. Dort lebt sie ein zurückgezogenes und einsames Leben, bis eines Tages eine mysteriöse Besucherin erscheint, die eine große Anziehungskraft hat. Laura verfällt der unbekannten Schönen immer mehr, doch diese trägt ein dunkles Geheimnis mit sich.

Die Protagonistin Laura ist noch jung und unerfahren und lässt sich von der geheimnisvollen Carmilla verzaubern. Diese hat aber auch auf die anderen Bewohner*innen des Haushalts einen großen Einfluss und zieht alle in ihren Bann. Doch niemand weiß wirklich, wer diese junge Frau wirklich ist. Fragen sind nicht erwünscht und sie weicht diesen gekonnt aus. Ihr merkwürdiges Verhalten fällt auf, aber Dank ihres Charmes akzeptieren Laura, ihr Vater und die Bediensteten dies mehr oder weniger. Auch dass in der Umgebung immer häufiger junge Frauen von einer mysteriösen Krankheit befallen werden, hinterfragt in dem Schloss niemand. Lauras Naivität und auch die von den anderen Charakteren kann man mit dem unglaublichen Charisma Carmillas erklären. Jede und jeder der ihr begegnet, ist sofort von ihr fasziniert.

"Carmilla" von Sheridan Le Fanu gilt als ein Wegbereiter von Bram Stokers "Dracula" und beeinflusste die Grusel- und Vampierliteratur erheblich. Da ich glücklicherweise erst vor wenigen Monaten "Dracula" gelesen habe, kann ich diese beide Werke gut vergleichen. Während "Camilla" besonders Frauen im Zentrum der Geschichte hat, sind diese bei "Dracula" deutlich mehr im Hintergrund und müssen von den männlichen Protagonisten beschützt werden. Obwohl "Camilla" mehr als 20 Jahre vor "Dracula" erschien, wirkt diese Geschichte "moderner" und erfrischender. Die Männer sind keine wirklichen Helden, sondern zunächst macht- und ratlos gegenüber der übernatürlichen Bedrohung. "Camilla" ist deutlich kompakter und das Lesen vergeht wie im Fluge.

Der Schreibstil katapultiert die Lesenden sofort in die ländliche Gegend der Steiermark. Die Beschreibungen der Landschaft haben sofort die passenden Bilder bei mir erzeugt. Auch die Ich-Perspektive von Laura war gut gewählt, da man dadurch viel eher ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen kann.

Die Geschichte an sich hat mir sehr gefallen. Obwohl den Lesenden schnell klar sein wird, warum Carmilla sich merkwürdig verhält und was mit den anderen jungen Frauen in der Umgebung geschieht, ist es spannend, wie die Geschichte weiter verläuft. Das einzigen Manko für mich ist es, dass einige Fragen offen bleiben und somit im Dunklen bleibt. Einerseits passt dies sehr gut zu dieser Novelle und zum Grusel-Genre im Allgemeinen, aber dennoch würde ich mir ein paar Hintergründe mehr oder zumindest Indizien wünschen, damit ich meine Fragen zur Geschichte zufriedenstellender beantworten könnte.
Dennoch hat mir das Lesen sehr viel Freude bereitet und ich würde es allen Fans der Gruselliteratur empfehlen.

Veröffentlicht am 23.03.2024

Fremd- ein Verwirrspiel

Fremd
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Als Erik nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, erkennt ihn seine Verlobte Jo nicht mehr. Sie glaubt, er sei ein Einbrecher und hat Todesangst vor ihm. Erik ist jedoch davon überzeugt, dass mir ...

Als Erik nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommt, erkennt ihn seine Verlobte Jo nicht mehr. Sie glaubt, er sei ein Einbrecher und hat Todesangst vor ihm. Erik ist jedoch davon überzeugt, dass mir ihr seit Monaten zusammen in dem Haus lebt, Doch lügt er? Oder ist Jo verrückt geworden?

Zu Beginn erfäht der Leser, dass Jo einen entspannten Tag hatte, doch als Erik plötzlich ihr gegenübersteht, erkennt sie ihren vermeintlichen Verlobten nicht. Dieser ist davon erschüttert und möchte nicht wahrhaben, dass sie ihre gemeinsame Zeit einfach plötzlich vergessen hat. Da Jo Todesangst hat, versucht sie aus dem Haus zu fliehen, als unerwartet Besuch kommt: Bernhard Mosbach, ein Kollege von Erik, hat ein Problem mit seinem Computer und braucht daher Hilfe. Für Erik ist dies eine unangenehme Situation, da Bernhard gesehen hat, wie Erik seine Freundin mit Gewalt ins Haus zurück bringt. Doch sein Kollege geht scheinbar nur etwas verwundert nach Hause, als sein Problem behoben ist. Jo glaubt mittlerweile an ein Komplott, da sie davon ausgeht, dass die Situation zwischen Erik und Bernhard vorher abgesprochen worden ist, um an ihr Familienerbe zu gelangen. Jo ist erst verunsichert, als ihre Freundin Ela ihr ebenfalls versicht, dass sie mit Erik verlobt ist. Des Weitern scheint sie gewaltbereit gegenüber Erik und sich selber zu werden, sodass sie schließlich an ihrem Verstand zweifelt. Als mehrere gefährliche "Unfälle" und beinahe tödliche Vorfälle passieren, bei denen beiden gerade noch glimpflich davon kommen, fragen sich Erik und Jo, ob vielleicht doch jemand anderes hinter alldem steckt, um beide aus irgendeinem Grund loszuwerden...

Die Kapitel wechseln sich immer mit der Ich-Perspektive von Jo und Erik ab. Poznanski schrieb die weibliche, Strobel die männliche.Perspektive. Man bemerkt zwar einen Unterschied zwischen den Schreibstilen der Autoren, jedoch hat mich dies nicht gestört und hat mir sogar geholfen, die verschiedenen Meinungen und Ansichten zu verstehen. Alle Positionen sind glaubwürdig und die Reaktionen nachvollziehbar. Ich mochte sowohl Jo als auch Erik, obwohl beide Taten begehen, die falsch sind. Dennoch versteht man, warum sie so reagieren. Auch andere Personen waren gut ausgearbeitet. So zum Beispiel Nadine, die ich zuerst gar nicht mochte, aber mit der ich am Ende Mitleid hatte.

Das Ende hat mir gut gefallen, obwohl es keine große Überraschungen gibt, Ich hatte bereits geahnt worauf es hinauslaufen könnte, was ich aber nicht schlimm fand. Die meisten Sachen wurden logisch erklärt, außer ein paar Ausnahmen. So kann ich mir nicht vorstellen, dass die Ursache für Jos Gedächtnisverlust und ihre Gewaltbereitschaft auch in der Realität möglich wäre, was für mich aber kein Problem darstellt.

Insgesamt hat es mir Spaß gemacht, während des Lesens des Thrillers mit zu rätseln und freue mich auf nächste Werk des Duos Pozanski & Strobel.