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Veröffentlicht am 22.12.2024

Mord, Intrigen und Geheimnisse

Nachtflut
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Sämtliche Orte an der Ostsee werden evakuiert, während die Sturmflut droht. Elisa ist mittendrin. Doch das ist nicht die einzige Bedrohung.

Der Prolog schildert einen Segelausflug von Elisa, Max, Paul ...

Sämtliche Orte an der Ostsee werden evakuiert, während die Sturmflut droht. Elisa ist mittendrin. Doch das ist nicht die einzige Bedrohung.

Der Prolog schildert einen Segelausflug von Elisa, Max, Paul und Lizzy, und man ahnt bereits, dass dieses Erlebnis noch eine entscheidende Rolle in der Zukunft spielen wird. Denn die eigentliche Story beginnt erst einige Zeit später.

Abwechselnd wird aus verschiedenen Perspektiven der einzelnen Charaktere erzählt und nach und nach die Vorkommnisse seit dem Segelausflug dargestellt. Nun droht eine Jahrhundert-Sturmflut, deren beängstigende Atmosphäre zum Greifen nah ist. Als der Deich bricht, sind die Szenen unfassbar dramatisch. Gebannt verfolgt man, wie alle um ihr Leben kämpfen.

Zitat S. 42:
"Er fragte sich, ob sie die Sturmflut alle unbeschadet überstehen würden. Es wäre nicht um jeden schade."

Ebenfalls gibt es aber auch Abschnitte mit Tagebucheinträgen einer unbekannten Person, die zeitlich irgendwie nicht so richtig in die Geschichte zu passen scheinen. Alle Beteiligten haben Geheimnisse, und man wird der Wahrheit erst spät gewahr, als Westerkamp durch einige krasse Wendungen die Zusammenhänge aufklärt. Männer kommen in diesem Thriller nicht besonders gut weg und auch einige Frauen glänzen mit Naivität. Leider wahrscheinlich realistischer, als man denken mag.

Fazit: Ein zeitgemäßer Thriller mit beängstigend realistischer Klimabedrohung, der durch Mord, Intrigen und Geheimnissen zu einer spannenden Lektüre wird.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Eine bedrückende Fortsetzung

Die Totgeglaubte (Haven 4)
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Die Story wird wie in den Teilen zuvor auch wieder abwechselnd aus der Sicht von Cyrus und Evie erzählt. Ich liebe die Verbindung der beiden zueinander einfach! Jeder ist für den anderen da, ohne darum ...

Die Story wird wie in den Teilen zuvor auch wieder abwechselnd aus der Sicht von Cyrus und Evie erzählt. Ich liebe die Verbindung der beiden zueinander einfach! Jeder ist für den anderen da, ohne darum gebeten zu werden oder eine Gegenleistung zu erwarten. In der heutigen Zeit leider nicht selbstverständlich, daher haben diese beiden eine echte Vorzeigefreundschaft.

Robotham greift das Thema Migration in diesem Band bewusst auf und baut darum eine erschreckend reale Story. Ehrlich gesagt war mir diese direkte Konfrontation, überflutet von den Bildern aus den immer noch gegenwärtigen Nachrichten, hin und wieder echt zu viel. Für die Entwicklung von Evie und Cyrus ist die Geschichte allerdings unabdingbar.

Cyrus hat mir mal wieder sehr imponiert. Sein Beschützerinstinkt war ausgeprägter denn je, denn wenn es um Evies Wohlergehen geht, lässt er einfach alles stehen und liegen. Und Evie ist in diesem Teil tatsächlich sein großes Sorgenkind. So ist es nicht nur ihre körperliche Gesundheit, die Anlass zur Sorge bereitet, sondern vielmehr ihr lange unterdrücktes Kindheitstrauma. Im Laufe der Geschichte öffnet sie sich Stück für Stück und gibt Erlebnisse ihrer Kindheit preis. Zusammen mit Cyrus versucht sie, ihre damalige Flucht zu rekonstruieren und stößt dabei auf furchtbare Erinnerungen...

Der Schreibstil von Robotham ist mitreißend und gerade in diesem Teil sehr bedrückend. Ich hatte durchgehend ein flaues Gefühl im Magen, weil mich die Ereignisse so sehr berührt haben. Gewalttätige Schlepper, verzweifelte Migranten, gekenterte Boote, ertrunkene Menschen - all das hat der Autor so real verpackt, dass mir die Tränen in den Augen standen.

Fazit: Eine bedrückende Fortsetzung, emotional, mitreißend, authentisch. Wer Cyrus und Evie schon ins Herz geschlossen hat wie ich, der wird auch hier wieder voll begeistert sein.

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Veröffentlicht am 18.11.2024

Ein düsteres Schauermärchen

Das Kalendermädchen
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Fitzek erzählt die Story in mehreren Zeitebenen. Zum einen begleiten wir Olivia Rauch, die in der Gegenwart nach der leiblichen Mutter ihrer Adoptivtochter Alma sucht, weil diese dringend eine Knochenmarkspende ...

Fitzek erzählt die Story in mehreren Zeitebenen. Zum einen begleiten wir Olivia Rauch, die in der Gegenwart nach der leiblichen Mutter ihrer Adoptivtochter Alma sucht, weil diese dringend eine Knochenmarkspende benötigt. Bei ihren Recherchen wird sie auf die Legende des Kalendermädchens Valentina Rogall aufmerksam, der Fitzek gleich zwei Zeitebenen widmet. Einmal um die Geschehnisse des grausamen Adventskalenders vor einundzwanzig Jahren zu erzählen und um ein paar Jahre später die Geschehnisse nach ihrer Flucht in ein einsames Waldhaus im Frankenwald zu begleiten.

Die Erzählungen in der Vergangenheit, als Valentina dem Adventskalender des Grauens ausgesetzt war, haben mich total fasziniert. Ich hätte so gerne mehr darüber erfahren, was Valentina tatsächlich hat durchleben müssen, doch Fitzek hat die Ereignisse oft nur angeteasert, was mich ein wenig enttäuscht hat. Schade, dass er diese wichtigen Gräueltaten ausgelassen hat, denn sie sind es, die Valentina geprägt und letztendlich zu der Frau gemacht haben, die sie Jahre später ist.

Vom Schreibstil her ist Fitzek sich treu geblieben. Er hält die Spannung konstant oben und führt seine Leser mehrmals in die Irre, bevor er am Ende mit einer unerwarteten Wendung zuschlägt. Psychologisch gesehen wird hier einiges geboten. So behandelt Fitzek u.a. Phobien, die mir bis dato unbekannt waren, und macht zusätzlich darauf aufmerksam, wie wichtig eine Registrierung bei der DKMS sein kann. Ich selbst habe vor Jahren Stammzellen spenden dürfen und damit ein Leben retten können. Diesen Moment werde ich niemals vergessen!

Fazit: Sebastian Fitzek erzählt ein düsteres Schauermärchen, das perfekt zu dieser Jahreszeit passt. Und wer dabei noch den besonderen Nervenkitzel sucht, stellt sich einfach eine Kerze ins Fenster und wartet ab, wer so vorbeischaut.

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Veröffentlicht am 11.11.2024

Der perfekte Begleiter für frostige Nächte

Wintergeister
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Dunkle Herbsttage sind prädestiniert, um nicht nur der Kühle und den umher wabernden Nebelschwaden wegen einen Schauer über den Rücken gejagt zu bekommen, sondern vor allem dank Grusel- und Gespenstergeschichten. ...

Dunkle Herbsttage sind prädestiniert, um nicht nur der Kühle und den umher wabernden Nebelschwaden wegen einen Schauer über den Rücken gejagt zu bekommen, sondern vor allem dank Grusel- und Gespenstergeschichten. In diesem Buch stehen Schauergeschichten im Vordergrund, die nicht nur mit Geistern und Dämonen aufwarten, sondern die allesamt durch Dezemberschnee und zurückliegende Zeiten vereint sind.

Geschrieben sind die Geschichten im traditionellen Stil, heißt, es stehen keine Blutmassen im Vordergrund, sondern es sind eher die stillen Töne, die bewegen. Thematisch sind sie recht unterschiedlich. Einmal steht ein Dämon im Vordergrund, der zwar schriftstellerische Fähigkeiten hat, dafür aber auch seinen Zoll fordert. Ein anderes Mal wird aus einer Theaterbühne ein echter Tatort, oder es wird ein Medium unter die Lupe genommen, das vor lauter Scharlatanerie die wahren Gespenster um sich herum nicht mehr sieht.

Nicht alle Spukgeschichten überzeugen gleichermaßen. So hat mich die erste Erzählung beispielsweise überhaupt nicht abgeholt. Sie plätscherte dahin wie ein Hausfrauenroman und als es endlich etwas interessant wurde, war die Story beendet. Aber gerade die Unterschiedlichkeit der Geschichten sorgt dafür, dass für jeden Leser etwas dabei sein dürfte.

Die Geschichte, die mich am meisten abgeholt hat, war diejenige, die im Cover am prägnantesten zur Geltung kommt, denn in dieser spielt der Stechpalmenzweig - ein irischer Glaube, dass dieser die Geister fernhält - eine tragende Rolle. Zugleich ist der Zweig aber generell ein Symbol für den Dezember und die Weihnachtszeit, ebenso wie Kerzenlicht. Die Lampe, die auf dem Cover abgebildet ist, gibt sehr schön wieder, dass alle Geschichten zu Zeiten spielen, als es Strom noch nicht oder selten gab.

Fazit: Das Buch ist perfekt für Herbststürme, klappernde Fensterläden und Kerzenlicht, denn den meisten Autoren gelingt es in ihren Geschichten gut, die menschlichen Fehler mit ihren Dämonen zu verknüpfen und so gruselige und nachdenkliche Töne zu treffen. Nicht selten stellt sich die Frage: Sind es wirklich Gespenster, die für dieses Unwohlsein sorgen, oder ist es doch eher unser schlechtes Gewissen?

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Veröffentlicht am 28.10.2024

Kreative Storyline, etwas vorhersehbar

Das flüsternde Haus
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Harry Adams musste sich als alleinerziehende Mutter schon immer durchbeißen. Da die Restaurants pandemiebedingt kein Personal einstellen, fängt sie in "Bright Horses" als Putzhilfe an. Das Anwesen gehört ...

Harry Adams musste sich als alleinerziehende Mutter schon immer durchbeißen. Da die Restaurants pandemiebedingt kein Personal einstellen, fängt sie in "Bright Horses" als Putzhilfe an. Das Anwesen gehört dem bekannten Horrorregisseur Javier Castillo, um den es viele Gerüchte gibt. Doch Harry ahnt nicht, dass sie selbst bald Teil einer Horrorstory sein wird ...

Das Buch beginnt ruhig und beschreibt, wie Harry aufwuchs und wieso sie schon immer ums Überleben kämpfen musste. Für ihren Sohn Gabe würde sie alles tun. Schnell wird klar, in welcher Zwickmühle Harry steckt. Zum Einen werden die Vorkommnisse in Bright Horses immer merkwürdiger und sie würde am liebsten kündigen. Zum Anderen ist sie auf das Geld angewiesen und kann sich eine Kündigung einfach nicht leisten.

Zitat S. 197:
"Ein Kostüm, in dem es spukte, im Haus eines Horrorfilmregisseurs … Wenn sie so ein Drehbuch geschrieben hätte, würde sie ihre Arbeit durchstreichen und noch mal von vorne anfangen."

Die Story erinnert ein wenig an einen 80er-Jahre Horrorstreifen, als in Bright Horses seltsame Dinge vor sich gehen und Harry anfängt, ihrem Chef zu misstrauen, obwohl der sich ein Bein rausreißt, um ihr und ihrem Sohn zu helfen. Gespannt verfolgt man, wie Harry immer weiter unter finanziellen Druck gerät und ihr nichts übrig bleibt, als die Hilfe von Javier anzunehmen. Was dann passiert, war ein wenig vorhersehbar, konnte mich aber dennoch gut unterhalten.

Die Autorin verpackt in diesem kurzweiligen Roman wichtige Themen, rund um Armut und die Macht der Reichen, die einen aufgrund der Authentizität immer wieder erschüttern.

Fazit: Ein Horrorroman, der gut unterhält und aufgrund seiner Themen überzeugen kann.

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