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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.12.2024

Leicht schauriger Klassiker

Carmilla
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Wenn man an alte Vampirklassiker denkt, fällt den meisten wahrscheinlich zuerst Dracula ein. Doch Carmilla erschien bereits 20 Jahre früher und war zumindest mir bisher noch unbekannt.

Carmilla -Der weibliche ...

Wenn man an alte Vampirklassiker denkt, fällt den meisten wahrscheinlich zuerst Dracula ein. Doch Carmilla erschien bereits 20 Jahre früher und war zumindest mir bisher noch unbekannt.

Carmilla -Der weibliche Vampir- von Joseph Sheridan Le Fanu ist eine knapp 140 Seiten lange, in Briefform geschriebene Novel, aus dem Jahre 1872. Laura schildert darin rückblickend ihre Begegnung mit der Vampirin Carmilla. Laura lebt gemeinsam mit ihrem Vater und zwei Governanten auf einem abgeschiedenen Schloss in der Steiermark. Sonstige sozialen Kontakte bestehen fast nicht. Nach einem Kutschunfall nimmt die Familie die junge Carmilla als Gast auf. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft. Mit Carmillas teilweise obsessiven Verhalten kann Laura jedoch nur schwer ungehen. Auch häufen sich um Carmilla einige weitere Ungereimtheiten. Im nahegelegenen Dorf sterben plötzlich Frauen und auch Laura fühlt sich immer schwächer.

Die Schreibweise des Buches wirkt aus heutiger Sicht antiquiert. Ich denke es ist, wenn man sich darauf einlässt, dennoch gut lesbar. Der Handlungsort, das einsame Schloss, die abgeschiedene Umgebung, gibt der Erzählung die nötige unheilvolle Atmosphäre. Eine Liebesbeziehung zwischen Laura und Carmilla wird nicht offensichtlich angesprochen, was dem damaligen Zeitgeist geschuldet sein dürfte. Man kann sie jedoch in die Darstellung der Freundschaft hineininterpretieren. Interessant ist auch Carmillas Charakter. Beim Lesen wirkt sie fast etwas kapriziös auf mich. Im Gegensatz zu später dargestellten Vampiren hat sie kein Problem mit Sonnenlicht. Die Handlung selbst verläuft ohne große Überraschungen, vielleicht weil Titel und Inhaltsangabe bereits viel verraten. Der Gruselfaktor ist aus heutiger Sicht eher gering. Trotzdem war es für mich sehr interessant in diesen Klassiker einzutauchen.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Das Posthotel in Sumbriva

Hotel in den Wolken
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Mit sehr viel Engagement, Stil und Herzblut führt Flo Fernsby gegen 1870 ein elegantes, aufstrebendes Hotel in Graubünden. Als die englische Bergsteigerin Jane Brightfield zum ersten Mal dort einkehrt, ...

Mit sehr viel Engagement, Stil und Herzblut führt Flo Fernsby gegen 1870 ein elegantes, aufstrebendes Hotel in Graubünden. Als die englische Bergsteigerin Jane Brightfield zum ersten Mal dort einkehrt, ist sie begeistert und fasziniert. Zwischen ihr und Flo entwickelt sich eine Freundschaft. Doch Flo hat ein großes Geheimnis, das die Existenz des Hotels gefährden könnte.

Die Hamburgerin Maike macht einmal im Jahr Skiurlaub in Graubünden und hat dort eine Freundesclique. Sie erhält einen Anruf, dass ihrer Mutter Erbin eines alten Hotels im Nachbarort ist. Mit einem Skript von Jane taucht sie tief in Flos Vergangenheit ein und muss eine Entscheidung über die Zukunft des Hotels treffen.

Hotel in den Wolken von Mara Konrad ist eines dieser Bücher, das auf zwei Zeitebenen spielt und Geheimnisse der Vergangenheit aufdeckt. Mir hat das Setting rund um das einstmals prachtvolle Hotel sehr zugesagt. Man fühlt sich richtig in die alpine Vergangenheit zurückversetzt. Der Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen. In der Vergangenheit kommt neben Janes Perspektive später auch noch die von Flo hinzu. Die Erzählung in der Gegenwart war nicht uninteressant, aber etwas schwächer als die Teile, die in der Vergangenheit spielen. Von den Charakteren war mir Jane am liebsten. Ein oder zwei Handlungsverläufe passen für mich nicht ganz und etwas mehr Tempo oder Spannung hätte der Geschichte gut getan. So ist Hotel in den Wolken für mich ein gutes, aber kein herausragendes Buch.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Kein märchenhaftes Happy End

Ever & After, Band 2 - Die dunkle Hochzeit
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Nachdem Rain den dunklen Prinzen geküsst und dadurch erweckt hat, steht die Welt vor dem Untergang. Prinz Black hält Rain im Carneval gefangen und bereitet ihre Hochzeit vor. Um zu entkommen, geht Rain ...

Nachdem Rain den dunklen Prinzen geküsst und dadurch erweckt hat, steht die Welt vor dem Untergang. Prinz Black hält Rain im Carneval gefangen und bereitet ihre Hochzeit vor. Um zu entkommen, geht Rain einen Pakt mit Rumpelstilzchen ein. Ihre letzte Möglichkeit, die vom Prinzen beabsichtigte Apokalypse zu verhindern, ist die Erfüllung einer Prüfung.

Das Cover des Buches ist in Rot gehalten und zeigt eine goldene Rose, umgeben von Blut. Ich finde, es passt zur Geschichte und sieht zusammen mit dem Farbschnitt sehr schön aus.

Ever & After: Die dunkle Hochzeit von Stella Tack ist der zweite Teil der Ever&After Reihe und bietet sehr düstere Märchenfantasy. Es ist absolut empfehlenswert und zum besseren Verständnis notwendig, den ersten Teil der Reihe gelesen zu haben. Ich persönlich lese ja sehr gerne Märchenadaptionen, auch etwas düstere. Hier war es mir teilweise aber schon fast etwas zu blutig und brutal. Am Anfang jedes Kapitels findet sich ein Märchenzitat. Schön finde ich hierbei,
dass auch unbekanntere Märchen der Gebrüder Grimm zitiert werden. Die Autorin erzählt auch innerhalb der Handlung einige Märchen nach. Dabei lässt sie die ohnehin schon etwas grausamen Märchen zu wahren Albträumen werden. Die Geschichte selbst, wird aus Rains-Ich Perspektive erzählt und ist durchweg actionreich und spannend. Humor blitzt immer mal wieder, meist trocken oder sarkastisch, durch. Bei knapp 700 Seite, gib es allerdings auch die eine oder andere Stelle, an der man die Handlung etwas straffen könnte. Die Autorin spart nicht an Wendungen und Überraschungen. Besonders Rains Charakterentwicklung im Laufe des Buches ist sehr ungewöhnlich. Nach dem Ende bin ich auf jeden Fall gespannt, was sich Stella Tack für den dritten Teil ausgedacht hat.

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Veröffentlicht am 27.11.2024

Einfach mal Innehalten

Ein Inne halten
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Joni kommt nach einem anstrengenden Einkaufstag mit der Familie nachhause und findet dort ein Paket mit Luftlöchern. Darin befindet sich ein kleines Inne. Doch der Rest der Familie ist zu beschäftigt, ...

Joni kommt nach einem anstrengenden Einkaufstag mit der Familie nachhause und findet dort ein Paket mit Luftlöchern. Darin befindet sich ein kleines Inne. Doch der Rest der Familie ist zu beschäftigt, um es zu bemerken. Joni baut dem Inne ein Gehege, füttert es und entwirft einen Spielparcours. Allerdings ist das Inne erst glücklich, als es einfach im Arm gehalten wird. Auch der Rest der Familie findet Zeit und hält Inne.

Das Thema Innehalten, Achtsamkeit, sich Zeit füreinander nehmen, ist eines, das man in Kinderbüchern nicht allzu oft findet. Bei Ein Inne halten- Das Bilderbuch über Achtsamkeit im Alltag- von Jutta Degenhardt und Carola Sieverding wurde es sehr schön umgesetzt. Gerade das Wortspiel mit Inne halten, finde ich sehr charmant.
Die Bilder im Buch sind wunderschön illustriert und farbenfroh. Ganz bezaubernd ist natürlich das kleine Inne. Für mich ist es vom Aussehen her, eine besonders niedliche Mischung aus Eichhörnchen und Kaninchen. Das Inne kann man übrigens als Kuscheltier/Schlüsselanhänger kaufen. Ich finde allerdings die Zeichnungen im Buch hübscher. Der Text ist für Kindergartenkinder gut geeignet und altersgerecht. Irritiert hat mich, dass Joni zu Beginn von Eltern und Großeltern fast ignoriert wird. Das ändert sich erst beim "Inne halten". Trotzdem habe ich Zweifel, dass kleine Kinder das Konzept der Achtsamkeit verstehen können bzw. verstehen müssen. Für diese dürfte es eher eine Geschichte über ein neues Haustiere, das geknuddelt werden möchte, sein. Als Erwachsener findet man sich in der Situation der Eltern bzw. Großeltern wieder. Man verbringt zu viel Zeit mit vermeintlich wichtigen Dingen und achtet zu wenig aufeinander. Auf jeden Fall sollten wir alle mehr Inne halten, (vorallem, wenn es so süß ist).

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Veröffentlicht am 27.11.2024

Flucht zum Überleben

Suche liebevollen Menschen
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In seinem Buch "Suche liebevollen Menschen" schildert Julian Borger das Schicksal seines Vaters und anderer jüdischer Kindern, deren Eltern im Manchester Guardian Kleinanzeigen schalteten, um den Kindern ...

In seinem Buch "Suche liebevollen Menschen" schildert Julian Borger das Schicksal seines Vaters und anderer jüdischer Kindern, deren Eltern im Manchester Guardian Kleinanzeigen schalteten, um den Kindern im Jahre 1938 die Flucht aus Wien zu ermöglichen. Eine schwierige, aber vorausschauende Entscheidung, die Leben rettete.

Suche liebevollen Mensch ist kein einfaches Buch. Weder von der schrecklichen und bedrückenden Thematik her, noch von der Schreibweise. Inhaltlich hochinteressant, emotional kaum zu ertragen. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie sich die Eltern der Kinder gefühlt haben, als sie diese in ein fremdes Land zu unbekannten Menschen schickten, in der Ungewissheit sie jemals wiederzusehen. Der Autor ist im Hauptberuf Journalist, vielleicht hat das Sachbuch daher etwas Reportagenhaftes. Gleichzeitig ist es aber auch sehr persönlich, da Julian Borger Teile seiner Familiengeschichte erzählt, die er zuvor erst recherchieren musste. Die Erzählung ist im Wesentlichen zeitlich chronologisch aufgebaut. Im Verlauf der knapp 300 Seiten werden die Schicksalsreisen der Kinder bzw. Jugendlichen ergänzt. Diese haben, trotz unterschiedlicher Ankunftsorte, oft viele Gemeinsamkeiten. Durch den Aufbau, und die eingestreuten Berichte zu seiner eigenen Familie, war es nicht immer leicht den Überblick zu behalten. Die im Buch enthaltenen Fotos machen das Ganze noch eindrücklicher. Ein berührendes Buch gegen das Vergessen.

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