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Veröffentlicht am 18.01.2025

Zu hohe Erwartungen

Blue Sisters
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Als Schwestern in einer dysfunktionalen Familie aufzuwachsen, wo der Vater trank und die Mutter keine Mutter sein wollte, war für keines der vier Mädchen leicht gewesen und hatte sie geprägt und zusammengeschweißt. ...

Als Schwestern in einer dysfunktionalen Familie aufzuwachsen, wo der Vater trank und die Mutter keine Mutter sein wollte, war für keines der vier Mädchen leicht gewesen und hatte sie geprägt und zusammengeschweißt. Dass jetzt eine von ihnen, nämlich Nicki so früh verstorben ist, nach einer Medikamentenüberdosis, hat die verbliebenen Schwestern völlig aus der Bahn geworfen.

Wir lernen Avery, Bonnie und Lucky als erwachsene Frauen kennen, wie sie mit ihren Gefühlen und ihren eigenen Süchten kämpfen. Auch die Schuldfrage stellt sich jede von ihnen. Hätten sie das Unglück vielleicht verhindern können?

Ein Jahr nach Nicki‘s Tod wollen die Eltern das Haus in New York, in dem sie alle aufgewachsen sind und in dem Nicki zuletzt gewohnt hatte verkaufen. Alte Wunden werden aufgerissen und die Schwestern sehen sich erneut von ihrer Trauer überwältigt.

Coco Mellors gelingt die Darstellung der sehr unterschiedlichen Charaktere der Schwestern und ihrer Beziehungsgeflechte wirklich gut.

Die Tonalität der Geschichte ist oft melancholisch aber nicht hoffnungslos.

Ich bin etwas schwer in den Roman hineingekommen. Mal wieder ausführlich über Drogen- und Alkoholmissbrauch zu lesen hat mich zunächst etwas genervt ehrlich gesagt und es hat gedauert mit den Schwestern warmzuwerden. Es wurde dann aber besser und spätestens zur Hälfte des Buches war ich dann doch gefesselt von der Geschichte, weil sich die Charaktere auch weiterentwickelt haben und sie mir langsam sympathischer wurden.

Das Ende war mir ein bisschen zu weichgespült für all das, was zuvor passiert ist. Nun ja, da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Viele werden dieses versöhnliche Ende sicherlich auch feiern.

Das Hörbuch wurde toll eingesprochen von Jodie Ahlborn.

Insgesamt hat mir die Geschichte ganz gut gefallen. Allerdings konnte sie die hohen Erwartungen die ich hatte nicht vollständig erfüllen.

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Veröffentlicht am 28.12.2024

Zivilisationskrankheiten und die Lösungen für ein gesünderes Leben

Good Energy
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Die Ärztin Dr. Casey Means erklärt in ihrem Sachbuch „Good Energy“, dass die moderne Medizin inzwischen viel zu spezialisiert ist, um den Menschen ganzheitlich zu sehen und zu erkennen dass die vielfältigen ...

Die Ärztin Dr. Casey Means erklärt in ihrem Sachbuch „Good Energy“, dass die moderne Medizin inzwischen viel zu spezialisiert ist, um den Menschen ganzheitlich zu sehen und zu erkennen dass die vielfältigen gesundheitlichen Probleme, die wir in einer hochindustriellen Welt heute haben meistens mit unserem Stoffwechsel zu tun haben, der nicht mehr richtig funktioniert.

Was sie schreibt klingt logisch und ist im Groben bekannt : zu viel Zucker ,zu viel Fett, hochverarbeitete Lebensmittel, die uns das Leben leichter machen mit wenig guten Inhaltsstoffen,zu wenig Bewegung, zu wenig Schlaf.

Ich fand ihre Beschreibungen wie unsere Zellen arbeiten, wann wir sie überfordern und wieviele Kollateralschäden schließlich entstehen, sehr anschaulich und gut verständlich erklärt.

Dass man schon mit einer Ernährungsumstellung viel bewirken kann, glaube ich sofort. Auch ich habe mir vorgenommen z.b Zucker drastisch zu reduzieren, ebenso Weißmehlprodukte. Mein geliebtes Brot komplett aus dem Speiseplan zu streichen dürfte schwierig werden. So ganz alltagstauglich sind die „Good Energy“ Rezepte dann auch nicht wie ich finde. Komplizierte Zutaten und etwas merkwürdige Speisekomponenten machen mich skeptisch. Außerdem dürfte die Zubereitung jeder einzelne Mahlzeit einen erheblichen Zeitaufwand erfordern.

Mein Fazit ist, ich nehme Anregungen auf jeden Fall auf und werde mich mal herantasten. Auch werde ich versuchen mehr Bewegung und frische Luft in meinen Alltag zu integrieren.

Die Rezepte, nun ja, überzeugen mich beim Lesen noch nicht. Trotzdem werde ich einzelnes mal ausprobieren und nach Möglichkeit auf hochverarbeitete Lebensmittel ganz zu verzichten. Ein Fast Food Fan bin ich sowieso nicht.

Man merkt dem Werk von Dr. Casey Means an, dass es für den amerikanischen Markt geschrieben wurde. In der deutschen Übersetzung wurden wohl ein paar hiesige Besonderheiten wie z.b Hinweis auf IGL Leistungen mit aufgenommen, damit es sich auch hier gut verkauft.

Das Buch ist für medizinische Laien gut verständlich und interessant geschrieben. Vieles wiederholt sich, prägt sich dadurch aber auch gut ein.

Ich habe das Buch insgesamt ganz gerne gelesen und nehme die eine oder andere Anregung sicherlich mit. Die große Offenbarung und so revolutionär wie auf dem Einband beschrieben war dieses Sachbuch für mich jetzt allerdings nicht.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Marker

Oracle
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Wie eigentlich immer hat Ursula Poznanski ein gutes Händchen für spannende Themen, so auch in Oracle.

Hier geht es um den Fluch oder Segen von Zukunftsvisionen.



Mal abgesehen davon, ob man daran glauben ...

Wie eigentlich immer hat Ursula Poznanski ein gutes Händchen für spannende Themen, so auch in Oracle.

Hier geht es um den Fluch oder Segen von Zukunftsvisionen.



Mal abgesehen davon, ob man daran glauben möchte, dass es Menschen geben könnte, die die Zukunft vorhersehen können, hat die Autorin sich wieder eine fesselnde Geschichte einfallen lassen. Diese ist für Jugendliche und junge Erwachsene geschrieben, genrelos, denn für einen Thriller fehlte es etwas an Spannung.



Unser Protagonist Julian ist 19 Jahre alt und zieht zu Beginn des Buches ins Studentenwohnheim, wo er Geschichte studieren will. Er hofft auf einen Neuanfang, neue Leute, ein freundliches Umfeld und darauf, dass er hier, wo keiner seine Vergangenheit kennt, vielleicht endlich Freunde finden kann.

Die Schulzeit war vor allem deshalb eine Qual für ihn, da er manche Menschen mit beängstigenden Schatten oder Markern gesehen hat.

Ein Schüler, der sich gerne über ihn lustig gemacht hat, hatte Nebelaugen, bei anderen waren Körperteile dunkel überdeckt. Nur er konnte diese „Trugbilder“ wie sie von seiner Psychologin genannt wurden sehen, und diese Bilder im Kopf verschwanden erst mit der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten.



Im Studentenwohnheim klappt zunächst alles prima. Mit seinem Mitbewohner, einem schrägen aber durchaus liebenswerten Kerl kommt er bestens aus, und auch die anderen Studenten und Studentinnen sind ihm gegenüber freundlich und zugewandt. Seine Psychologin Sonja trifft er noch regelmäßig, und sie gibt ihm die Aufgabe zu einem Klassentreffen zu gehen, um mit seiner Schulzeit abschließen zu können.

Leider hat der Abend keine heilende Wirkung auf ihn, ganz im Gegenteil. Julian ist schockiert zu erfahren, dass eine Mitschülerin, bei der er in seiner Schulzeit eine dicke schwarze Markierung gesehen hatte, schwer verunglückt ist. Offensichtlich hatten seine Visionen etwas mit der Zukunft zu tun. Das bestätigt sich auch bei anderen Menschen, die in seiner Kindheit mit Markern versehen waren.

Ohne das Wissen seiner Psychologin setzt Julian seine Medikamente ab und wie erwartet, sieht er bei manchen Menschen wieder Schatten und Marker. Doch wie geht man damit um?

Ursula Poznanski schneidet viele moralische und philosophische Fragen an. Das hätte ich mir aber noch viel ausführlicher gewünscht.

Ich mochte Julian als Protagonisten und auch besonders Robin seinen

exzentrischen Mitbewohner. Die Liebesgeschichte zwischen Julian und einer Kommilitonin hätte es für mich nicht mehr gebraucht. Besser wäre es gewesen, wenn die Nebencharaktere noch etwas mehr Profil bekommen hätten. Sie blieben leider etwas blass.



Insgesamt habe ich mich aber gut unterhalten gefühlt und auch das Ende fand ich recht schlüssig.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Man sieht sich - Liebe und das falsche Timing

Man sieht sich
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Frie (Friederika) und Robert sind sich von dem Tag an, an dem sie sich in der Schule begegnen 1988 sympathisch. Sie schließen schnell Freundschaft, eine so enge Freundschaft, dass Frie gar nicht möchte, ...

Frie (Friederika) und Robert sind sich von dem Tag an, an dem sie sich in der Schule begegnen 1988 sympathisch. Sie schließen schnell Freundschaft, eine so enge Freundschaft, dass Frie gar nicht möchte, dass mehr daraus wird, weil eine Liebesbeziehung, sollte sie nicht funktionieren ihre Freundschaft bestimmt zerstören würde. Robert ist trotzdem schwer verliebt in Frie, traut sich aber nicht seine Gefühle offen auszusprechen. Und dann hat Frie auch schon wieder einen festen Freund und das Thema ist damit erst mal vom Tisch.

Die verpassten Chancen begleiten die beiden Freunde durch ihre Leben.

Das Buch hat mich direkt an „ Zwei an einem Tag“ von David Nicholls erinnert, mit einem deutschen Schauplatz. Es vergehen Jahre, in denen sich Frie und Robert ein bisschen aus den Augen verlieren und jeder seinen ganz eigenen Lebensentwurf lebt. Bei jedem Zusammentreffen denkt man, jetzt finden die beiden endlich zusammen.

Doch das Leben ist kompliziert und nie scheint es für eine dauerhafte Liebesgeschichte zu passen.

Ich mochte den gefühlvollen, ruhigen Schreibstil der Autorin, der an keiner Stelle kitschig wurde. Sowohl Frie, als auch Robert waren mir sympathisch, gestört hat mich allerdings deren Dauerqualmerei. Die Geschichte ist sicherlich nicht neu, hat mich aber trotzdem gut unterhalten und hatte ein paar interessante Twists.

Für mein Empfinden hätte sich die Autorin allerdings auch gerne etwas kürzer fassen dürfen.

Ich hatte den Roman als Hörbuch vorliegen. Dieses wurde sehr feinfühlig eingesprochen von Katrin Daliot und hat mir gut gefallen.

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Über das Artensterben

Der Letzte seiner Art
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Im Jahr 1835 ist der junge Biologe Gus auf einem Fischerboot vor Island unterwegs und muss miterleben, wie die Matrosen ein Massaker an einer Kolonie von Riesenalken ( ein dem Königspinguin ähnelndem Vogel) ...

Im Jahr 1835 ist der junge Biologe Gus auf einem Fischerboot vor Island unterwegs und muss miterleben, wie die Matrosen ein Massaker an einer Kolonie von Riesenalken ( ein dem Königspinguin ähnelndem Vogel) begehen. Die Vögel lassen sich gut verkaufen und sind aufgrund ihres schmackhaften Fleisches und ihrer Daunen beliebt. Gus kann aber ein verletztes Tier aus dem Wasser retten und nimmt es mit nach Hause, pflegt es gesund und will es erforschen. Das Naturkundemuseum, für das er arbeitet, zeigt sich sehr interessiert und hätte diesen Riesenalk gerne ausgestopft in seiner Sammlung. Gus entscheidet sich jedoch den Vogel, dem er den Namen Prosp gibt, als Haustier zu behalten. Es entsteht eine Art Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die sehr berührend ist. Gus wird immer mehr bewusst, dass die Anzahl der Riesenalke rapide abnimmt und das Prosp womöglich zu den letzten seiner Art gehört. Deshalb versucht er immer wieder noch verbliebene Exemplare zu finden, damit sein Riesenalk noch einen Gefährten findet.

Die Geschichte ist sprachlich sehr schön. Dem Tier werden allerdings menschliche Gefühle zugeschrieben, um sie fühlbarer zu machen. Hier bin ich skeptisch und weiß nicht so recht, ob mir das wirklich gefällt. Das Leben von Gus dreht sich immer mehr um seinen Vogel und dessen Befindlichkeiten und die Trauer um das Aussterben dieser Art. Ganz nebenbei heiratet er und bekommt 2 Kinder, eine Familie die immer für die Besessenheit zum Riesenalk zurückstecken muss und die in der Erzählung sehr blass bleibt.

Insgesamt kommt die Erzählung ohne viel Handlung und gänzlich ohne Spannung aus und hatte so einige Längen.

Mich konnte das Buch deshalb leider nicht vollständig überzeugen, auch wenn mir der Schreibstil gefiel, ich die Freundschaft von Mensch und Tier und auch die Naturbeschreibungen mochte und an dem Thema Artensterben sehr interessiert war.

Es ist schon traurig, wie eine Art nur durch die Mordlust des Menschen einfach ausgerottet wird.

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