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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2026

Ein poetischer Liebesroman der anderen Art!

Die Liste der Lebenden
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Als Erstes hat mich das Cover magisch angezogen und dann der Klappentext. Ich hatte mir eine kleine Liebesgeschichte mit Titanic Vibes ausgemalt und ein kleines bisschen Drama, aber bekommen habe ich so ...

Als Erstes hat mich das Cover magisch angezogen und dann der Klappentext. Ich hatte mir eine kleine Liebesgeschichte mit Titanic Vibes ausgemalt und ein kleines bisschen Drama, aber bekommen habe ich so viel mehr!

Ein imaginärer Dialog zwischen Henriette Wulff und dem legendären Märchenautor Hans Christian Andersen entführt uns in poetische Gefilde, vielen Spekulationen und ganz viel Gesellschaftskritik und Humor.

Die ersten Zeilen haben nicht nur mein großes Interesse an dem Buch geweckt, sondern auch sofort in die Seiten gezogen. Der Briefwechsel zwischen Hans Christian Andersen und der verunglückten Henriette Wulff ist rein fiktiv und spielt sich nur in dem Kopf von Jette ab. Wie soll sie auch gestrandet auf einer Tür im Meer an Tinte und Papier gelangen. Ob die Briefe von Andersen wirklich verfasst wurden erfahren wir am Ende in einem sehr ausführlichen und informativen Nachwort. Ihr findet hier keine Kapitel und auch die Schrift ist bis auf Absätze der Briefe durchgängig. Aber bitte denkt nicht, dass es damit eintönig, langweilig oder gar trist zu lesen ist. Ganz im Gegenteil, der poetische Schreibstil, die ab und an aufgedeckten Geheimnisse und das schwelgen in Erinnerungen lassen uns durch die Seiten schweben. Dabei werden so viele wichtige Themen angesprochen wie Politik, Judentum, Sinn des Lebens, großen Lieben, Konkurrenz, Meuterei und Poesie. Dazu bekommen wir ab und an geschichtliche Eckdaten, die sich ganz natürlich in die Geschichte einbinden und uns in der Zeit zurückreisen lassen.

Ich fand auch Jettes Beschreibung vom Untergang des Schiffes sehr interessant und spannend. Gerade bei dem Spannungsbogen war ich mir anfänglich unsicher, ob er über die Seiten gehalten werden kann, weil man ja eigentlich weiß, was passiert. Aber bis zur Mitte hin wird die Geschichte richtig gut aufgebaut und dann steht bis zum Ende immer noch die Frage im Raum, wer überlebt und das war schon richtig gut gemacht. Die Sprache ist dabei meiner Ansicht nach zeitgemäß und sehr melodisch und bildlich. Die Gedankensprünge beider sind manchmal etwas wirr, weil man keine Verbindung zum Zusammenhang hat, aber die Briefe wurden ja über Tage verfasst und nicht in einem Gedankengang, so wie wir es lesen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich so gerne in der kleinen Geschichte gelesen habe und sie so lebendig in meinem Kopf war, als wären die Briefe an mich verfasst. Das Ende hält noch eine Überraschung für euch bereit und viele Geheimnisse über einen sehr verschlossenen Märchenerzähler. Ich kann das Buch in jeder Hinsicht empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Waldidylle mit düsterem Verlauf!

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Hier hat mich zuerst dieses wunderschöne Cover angezogen. Nach der Leseprobe habe ich das Buch voller Spannung erwartet und mich umso mehr gefreut, dass es unglaublich schnell bei mir ankam. Also gleich ...

Hier hat mich zuerst dieses wunderschöne Cover angezogen. Nach der Leseprobe habe ich das Buch voller Spannung erwartet und mich umso mehr gefreut, dass es unglaublich schnell bei mir ankam. Also gleich ran gesetzt und die Seiten inhaliert...

Julia steht 3 Wochen vor der Hochzeit mit ihrem Traummann Lars. Plötzlich überrascht ihre beste Freundin Nicki, die sie vom Studium kennt, sie mit einem Junggesellinnenabschied - eine Wanderwoche in Schweden auf dem Kungsleden. Für beide Frauen war das schon immer ein Traum und deshalb ist Julia, trotz stressiger Hochzeitsvorbereitung schnell dabei. In der Pension, wo beide starten, werden sie vor dem Unwetter und dem kommenden Wintereinbruch gewarnt, aber beide sind frohen Mutes und starten trotzdem in der Frühe in den Wald.
Doch leider wird in der ersten Nacht die Warnung Realität und es wütet ein starkes Gewitter über ihnen. Auf der Suche nach Schutz gehen die beiden Frauen immer tiefer in den Birkenwald rein und schlagen dort ihr Zelt auf. Am nächsten Morgen wacht Julia alleine im Zelt auf, von Nicki fehlt jede Spur. Auf der Suche nach ihrer Freundin verläuft sie sich selbst, ohne jegliche Ausrüstung, Essen und Trinken im Wald.
Werden die beiden Frauen sich wieder finden und gemeinsam den Heimweg antreten?

Ich konnte vom ersten Satz an direkt in die Geschichte eintauchen. Dank den Beschreibungen wirkte die Atmosphäre sehr düster und beklemmend und der Schreibstil ist prägnant und recht knackig. Die Beschreibungen der Landschaft und des Weges, die die beiden gehen haben mich sofort in den Wald mitgenommen. Die Anspannung wegen Nickis distanziertem Verhalten fand ich vom ersten Moment an merkwürdig und als sie dann verschwand wunderte ich mich wenig darüber.

Die Geschichte wird von Julia in der Ich-Perspektive erzählt und zwischendurch gibt es einen Einblick in kleine Tagebucheinträge von einer unbekannten Perspektive. Dieser Wechsel und die Cliffhanger an den Kapitelenden lassen einen schon durch das Buch rauschen und man setzt kaum ab. Durch die Spannung, was mit beiden geschehen ist und die kurzen Kapitel machen es einem leicht und ich hatte die paar Seiten auch im Nu durch. Auf Julias Suche begegnet sie einem Geschöpf des Waldes, was für mich schwer zu ertragen war. Ja, ich habe gegoogelt für mehr Infos und meine Furbie schlug voll zu. Dieses kleine Stilmittel macht eigentlich fast den kompletten restlichen Verlauf aus und was der Kopf mit einem anstellen kann, war für mich sehr interessant zu lesen. Trotzdem war es stellenweise sehr vorhersehbar und mich haben die Plotttwists weder schockiert noch umgehauen. Das war leider etwas schade und auch das Ende war mir zu schnell und überstürzt. Nachdem, was hier im Wald passiert ist, hätte ich andere Entscheidungen vorgezogen.

Schlussendlich war es ein solider Thriller, der mir Spaß gemacht hat und mich für den Tag gut unterhalten hat. Es hätte ausschweifender über Natur philosophiert werden können und auch das Ende hätte mehr Zeit vertragen, aber nichts desto trotz kann ich das Buch als eine schöne Sommerlektüre empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde!

Die Lungenschwimmprobe
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Hier haben wir meiner Meinung nach ein ganz besonderes Werk. Ich bin über das Portal "Vorablesen" darauf gestoßen und obwohl man, bevor man die Bewerbung für ein Buch einreicht, erst die Leseprobe lesen ...

Hier haben wir meiner Meinung nach ein ganz besonderes Werk. Ich bin über das Portal "Vorablesen" darauf gestoßen und obwohl man, bevor man die Bewerbung für ein Buch einreicht, erst die Leseprobe lesen muss, bestand sie hier nur aus 2 Seiten und dem Cover. Ich hatte also keine Ahnung auf was ich mich einlasse und was für ein Highlight hier auf mich wartet. Man muss aber auch dazu sagen, dass es kein Buch für jedermann ist. Aber dazu später!

Wir befinden uns im Jahre 1681 und damit mitten in der Zeit der Aufklärung und nach den zermürbenden Tagen des 30-jährigen Krieges. Die junge Anna Voigt wird dem Kindsmord angeklagt, behauptet aber fest, dass das Kind tot zur Welt kam und sie damit unschuldig ist. Jetzt kommt der strebsame Anwalt Christian Thomasius auf den Plan, der die Verteidigung Annas übernimmt. Er ist sehr zielstrebig und ehrgeizig und verbeißt sich so in den Fall, was für mich total faszinierend zu lesen ist. Auch der innovative Arzt Schreyer wird zur Autopsie beordert, um seine sehr belesene Meinung zum Fall kundzutun. Die Rivalitäten zwischen Annas Vater und den Landesherren gipfeln mit dem allgemeinen Geplauder des Volkes in einen spannungsgeladenen Prozess. Im Großen und Ganzen lernen wir nicht viele Personen kennen, aber dafür sehr intensiv.

Der Roman ist verfasst wie ein Gerichtsprotokoll. Das bedeutet sehr lange Kapitel, eine Sprache aus der Zeit und damit viele Schachtelsätze und altmodische Formulierungen. Wir erfahren nur das, was in Protokollen überliefert wurde und dazu ein paar fiktive Fakten, wo der Autor sich sogar direkt an den Leser wendet. Man bekommt ein gutes Gespür für den historischen Bewegungsraum der Figuren. Die Dialoge und Marotten der Charaktere sprühen demgegenüber vor Leben und Details. Nicht nur die herausragende Recherchearbeit glänzt hier im Vordergrund, sondern auch das Gespür für die Zeit, die Emotionen der Beteiligten und der zähe Verlauf der Verhandlung. Das ist auch mein einziger Kritikpinkt. Ab der Mitte zieht es sich doch etwas und es treten ein paar Wiederholungen auf, wo man Durchhaltevermögen zeigen muss. Es gibt immer mal wieder Momente für die sich die Geduld auszahlt, wie zum Beispiel Gedicht, Märchen oder Mythen, die spielerisch in die Handlung gewoben wurden.

Am Ende des Buches ist ein QR-Code bzw. ein Link, der zu einer Datei führt in der die verwendete Sekundärliteratur, ein Namensverzeichnis historischer Personen und Abbildungen zu finden sind. Angesichts der Länge des Buches ist verständlich, weshalb der Verlag dies nicht mit in den Roman aufgenommen hat und ich finde es hilfreich, dass ich so einen Blick auf die Quellen werfen konnte. Wobei eine Karte und ein Register noch Platz im Buch gefunden hätten.
Abschließend ist es ein einzigartiger Roman, der sehr sorgfältig und zeitaufwendig recherchiert wurde und mit Fingerspitzengefühl und Herzblut geschrieben. Sehr zu empfehlen allen die wirklich Interesse an der Zeit, dem Umschwung des Denkens und Gerichtsprozessen haben, sonst könnte das Buch etwas langatmig werden.

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Veröffentlicht am 04.07.2024

Ein spannender Ausstieg mit Folgen!

Das Baumhaus
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Wir befinden uns zwischen 3 Handlungsebenen, die am Kapitelanfang namentlich voneinander unterschieden werden. Zum einen haben wir Marla, die im Kindesalter von einem Mann entführt wurde und in einem Baumhaus ...

Wir befinden uns zwischen 3 Handlungsebenen, die am Kapitelanfang namentlich voneinander unterschieden werden. Zum einen haben wir Marla, die im Kindesalter von einem Mann entführt wurde und in einem Baumhaus festgehalten wird. Dann gibt es Rosa, die gerne Skelette ausgräbt und ihr Studium aufgrund des Unfalls ihres Bruders pausieren muss. Sie findet eine Kinderleiche und soll der Polizei helfen zu ermitteln. Und die letzte Handlungsebenen gibt uns eine kleine Familie, die in das idyllische „Bullerbü“ auswandert um Abstand vom deutschen Stress und vergangenen Ängsten zu bekommen. Wir wissen nicht in welcher Zeit die drei Ebenen spielen und dadurch, dass sie sich thematisch so voneinander unterscheiden, fällt es nicht schwer zu differenzieren. Auch im Hörbuch wird dies von verschiedenen Sprechern gesprochen und somit hat man ein deutlich klareres Bild.
Ich fand die Spannung durchweg vorhanden und eine düstere und bedrückende Stimmung herrscht vor. Die Autorin hat sich intensiv mit dem Land, überleben in den Wäldern und Entführungen beschäftigt, was einem eine Vielfalt an Informationen gibt. Und trotzdem wird auch, wie in ihren Vorgängern, nicht auf der emotionalen Ebene gespart und man leidet oft mit den Darstellern. Durch die verschiedenen Ansichten schwankt das Täterbild oft und man ist sich bis zum Schluss nicht sicher, wer, was getan hat und was Realität oder traumhafte Geschichten sind.
Ich habe gerne Zeit und Aufmerksamkeit für die Geschichte gegeben, weil ich sie bis zum Schluss rund und interessant fand. Gerade die Beschreibung der Landschaft und der Wälder haben schon ein bisschen Fernweh bei mir ausgelöst. Damit eine Empfehlung für alle Krimifans, die gerne in die Ruhe der Wälder flüchten.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Mystische Reise in alte Erinnerungen!

Die Geister von La Spezia
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Genua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von ihrem Mann Percy Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine ...

Genua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von ihrem Mann Percy Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine normale Ermittlerin handelt – sie verfügt über einen Apparat, mit dessen Hilfe sie in die Erinnerungen anderer Menschen eintauchen kann und in die Vergangenheit der handelnden Personen reist. Dadurch lernen wir den berühmten Freundeskreis des Ehepaars kennen, darunter Lord Byron, John Polidori und Claire Clairmont. Ob wir alle Hintergrunde erfahren und herausfinden ob es ein Unfall oder Mord war, wird sich zeigen.

Mich hat das Buch regelrecht angezogen wegen Mary Shelley und den schon frühzeitigen Bezug zu ihrem Buch Frankenstein. Warum ihr Mann tödlich verunglückt ist und was seine Freunde damit zu tun haben sollen, fand ich perfekt dazu abgerundet. Ich hatte so gehofft, dass die Stimmung, die Zeit und auch die Ermittlung mich an die Matthew Corbett Bücher von Robert McCammon erinnern. Nicht nur die Zeit passt, auch die Anfänge der Ermittlungen und vor allem mit Tendenzen des Übernatürlichen.

Den größten Unterschied habe ich schon in den ersten Seiten bemerkt und habe mich schnell von dem Corbett-Flair lösen können. Das Buch ist sehr düster und melancholisch geschrieben und man findet hier kaum oder eher selten Humor. Die Ermittlung beschränkt sich auf eine Apparatur, die in die Erinnerungen von Mary Shelley eintauchen und somit uns nicht nur die Konflikte, sondern auch den Freundeskreis der Shelley-Familie aufzeigen. Es wird also weniger ermittelt und recherchiert, sondern wir begeben uns auf Zeitreise in alte Erinnerungen und das hatte gleich einen neuen Anreiz für mich. Die erste Hälfte des Buches war aber leider sehr zäh und der Aufbau der Geschichte zog sich. Die Zweite Hälfte wiederum war spannender aufgebaut, sehr mystisch und durch den Wechsel der erinnerungs-Perspektiven schon wesentlich interessanter. Was ich sehr schade fand, war wir wenig Informationen über Mnemoskopie erfahren und so war es schwer einzuordnen oder vorzustellen, was hier eigentlich veranstaltet wird. Gerade mit "Gus" oder der anderen inneren Stimme ließ sich wenig anfangen, da ich das System dahinter nicht so richtig begriffen habe.

Die Kapitel sind recht lang formuliert und in Erinnerungsstätten unterteilt. Eine Erinnerung hat mehrere lange Kapitel und man wird langsam durch die Zeit getragen. Die war wiederum sehr authentisch und zeitgemäß dargestellt und hat uns auch ein paar geschichtliche Infos über die Geschehnisse oder berühmte Persönlichkeiten gewährt. Zum Recherchieren hat mich das trotzdem nicht so recht motiviert, weil ich von dem Umfang der Situation schon ausreichend mit Informationen gefüttert wurde. Da es auch alles Erinnerungen sind, wird die Vergangenheit zwar nicht geändert, aber doch etwas verfälscht durch diverse Lücken, oder Pats eingreifen. Schlussendlich hat das die Handlung spannend gestaltet und ich war froh über etwas Aufregung.

Am Ende bleibt für mich ein Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre und seine ungewöhnliche Idee wirkt. Er verlangt ein gewisses Maß an Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt einen aber mit einer dichten, stellenweise richtig unheimlichen Geschichte, die gegen Ende noch einmal alles rausholt. Wer sich für die Zeit mit ihren literarischen Persönlichkeiten interessiert auf jeden Fall lesenswert.

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