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Veröffentlicht am 08.12.2024

Campingplatz Himmelreich – ein tatsächlich vorhandene Idylle

Mord im Himmelreich
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Das Cover mit einem Campingplatz-Setting wirkt friedlich und erholsam. Der Titel macht neugierig: Im Himmelreich sollte es schließlich nicht Mord und Totschlag geben? Dieser Cosy-Krimi spielt in einer ...

Das Cover mit einem Campingplatz-Setting wirkt friedlich und erholsam. Der Titel macht neugierig: Im Himmelreich sollte es schließlich nicht Mord und Totschlag geben? Dieser Cosy-Krimi spielt in einer Urlaubsidylle mit Sandstrand, Schilf, viel Wasser mit Anlegesteg - nämlich rund um den tatsächlich existenten Campingplatz Himmelreich am Templiner See, nahe Caputh. Die Hauptakteure Kupernikus, Annabelle und Pinguin mit ihren speziellen Vorlieben, Eigenheiten und körperlichen Schwachstellen treten in diesem herbstlich gehauchten Ambiente sehr menschlich und sympathisch in Aktion. Ihre Dialoge sind humorvoll, die Gedankenspiele nachvollziehbar während der inoffiziellen Mordaufklärung dieses selbsternannten Ermittlungsduos. In ihrer Gegensätzlichkeit ergänzen sie sich gut: Kupernikus als Möchtegern-Tatortkommissar – etwas steif, zögerlich, eher Einzelgänger im Gegensatz zur lebenslustigen Künstlerin Annabelle mit reichlich Dynamik. Der Berliner Slang bringt typisches Lokalkolorit in die Geschichte mit überraschendem Ende, thematisiert aber auch Probleme auf dem Immobilienmarkt und im Freizeitbereich mit zu vielen SUP-Fans auf dem Wasser. Zwei Kochrezepte lassen diese amüsante Lektüre angenehm ausklingen.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Keine leichte Kost

Im Namen der Barmherzigkeit
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Das Cover zeigt ein Mädchen im ländlichen Ambiente auf einem unbefestigten Feldweg in kühlerer Jahreszeit – passend zum Thema. Die Hauptfigur Steffi Dreier, 1972 in Wien unehelich geboren, lebt als Pflegekind ...

Das Cover zeigt ein Mädchen im ländlichen Ambiente auf einem unbefestigten Feldweg in kühlerer Jahreszeit – passend zum Thema. Die Hauptfigur Steffi Dreier, 1972 in Wien unehelich geboren, lebt als Pflegekind zunächst im Kinderheim, ab 1975 bei der kinderreichen Bauernfamilie Kellerknecht mit weiteren Pflegekindern als Arbeitskraft unter unmenschlichen Bedingungen. Ab zwölf Jahren vergewaltigt sie der Bauer brutal bei jeder möglichen Gelegenheit, bis sie 1986 in einer psychiatrischen Klinik in Graz behandelt wird unter der Aufsicht von Frau Dr. Winkler, die Steffis weiteren Lebenslauf teils begleitet und weiter verfolgt. Vor Gericht sagt Steffi, verfolgt von Panikattacken, Ohnmacht und Angstzuständen nicht gegen den Pflegevater aus. Die Schilderung dieser Kindheit mit so viel Demütigung, Prügelei, Lügerei bis zu sexuellem Missbrauch durch die Pflegeeltern zu lesen, ist schwer zu ertragen, sicher auch nicht leicht in passende Worte zu fassen als Autor:in. Der weitere stressige Lebensweg mit Re-Traumatisierung, mit Flashbacks gipfelt mit fünfzehn Jahren in einer Schwangerschaft. Die Sorge um ihre Tochter Sarah begleitet den Leser bis zu deren 18. Lebensjahr. Die Folgen durch Verletzung der Aufsichtspflicht von Jugendämtern und fehlender notwendiger Hilfestellungen für pubertierende Pflegekinder werden ebenso thematisiert wie das schändliche, unmenschliche Ausnutzen kindlicher Arbeitskraft und grober sexueller Missbrauch. Ein trauriges Buch zum Nachdenken.

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Veröffentlicht am 05.12.2024

Was für eine schöne Hommage an die geliebte Mutter

Man kann auch in die Höhe fallen
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Der Schauplatz ist der ruhige, abgelegene Wohnort der Mutter in Schleswig. Diese 86-jährige Frau steht mit ihren Aktivitäten in Haus, Garten, Wasser und sonstigen interessanten Örtlichkeiten positiv im ...

Der Schauplatz ist der ruhige, abgelegene Wohnort der Mutter in Schleswig. Diese 86-jährige Frau steht mit ihren Aktivitäten in Haus, Garten, Wasser und sonstigen interessanten Örtlichkeiten positiv im Mittelpunkt. Abwechselnd mit solchen lustigen, auch skurrilen, stets liebevoll beschriebenen Anekdoten voller Vitalität geht es um Kindheitserinnerungen und Berufserfahrungen des Autors, der über viele Wochen bei seiner Mutter innerlich gefestigt wird. Dieser Wechsel aus seiner Vergangenheit und besonders die Gegenwart in erfrischenden Dialogen und Ritualen mit der positiv eingestellten Mutter gefällt. Auch die Einblicke in die Ängste des Autors berühren, wie seine Aktivitäten in der Natur zur Gesundung beitragen neben der mütterlichen Anleitung. Die Einblicke in solch eine künstlerische Karriere sind interessant. Ein Schreibstil ist kreativ, teils humorvoll, auch sehr berührend. Diese Mutter ist schon eine ungewöhnliche Frau – Hut ab!

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Veröffentlicht am 03.12.2024

Eine wahre Geschichte verfremdet erzählt.

Unser Ole
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Die Autorin ist in Ost-Berlin geboren, kennt also selbstbewusste, unabhängige Frauen der DDR und ihre oft lieblos aufwachsenden Kinder. Die besonders herzlosen Beziehungen zwischen drei Frauen hier und ...

Die Autorin ist in Ost-Berlin geboren, kennt also selbstbewusste, unabhängige Frauen der DDR und ihre oft lieblos aufwachsenden Kinder. Die besonders herzlosen Beziehungen zwischen drei Frauen hier und einem geistig behinderten Sohn Ole sind geprägt durch die Angst vor Einsamkeit, Mitschuld, Machtlosigkeit, Verarmung und dem Mangel an Liebe und Vertrauen zwischen Mutter und Tochter. Wie diese doch sehr unterschiedlichen Frauen durch Lieblosigkeit im gesamten Leben beeinträchtigt wurden, wird gut beschrieben, wenn auch in manch verschachteltem Satzbau. Das Zusammenleben mit dem autistischen Ole wird realistisch vorstellbar in seiner ganzen Absonderlichkeit, bildet hier den roten Faden bis zu seinem ungeklärten Verschwinden als dramatischer Höhepunkt. Das dörfliche Ambiente des renovierungsbedürftigen Umsiedler- Hauses, Elviras Nikolaushaus, bildet den traurigen Mittelpunkt für tiefgehende emotional abweisende Verstrickungen untereinander und auch gegenüber Ole. Drei verschiedene Frauen-Biographien mit ihren seelischen Verletzungen sind gut karikiert mit passender Wortwahl.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Tiefe Freundschaft auf die Probe gestellt

Wo der Wald beginnt
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Die Idylle auf dem Land mit viel erwarteter Bewegungsfreiheit für die Kinder im Garten, auf angrenzender Wiese und nahem Wald stellt sich als bedrohliche Kulisse heraus, dramatisch und atmosphärisch gut ...

Die Idylle auf dem Land mit viel erwarteter Bewegungsfreiheit für die Kinder im Garten, auf angrenzender Wiese und nahem Wald stellt sich als bedrohliche Kulisse heraus, dramatisch und atmosphärisch gut schrittweise aufgebaut. Auch die knisternde zwischenmenschliche Spannung nicht nur zwischen den zwei Freundinnen Kim und Anne, sondern auch zwischen den Eheleuten wird in den Dialogen kitzelnd mit Bedacht überzeugend beschrieben. Das Fremdsein, die Feindseligkeit im Dorf wird ebenso scharf thematisiert wie ihre alte Freundschaft und Toleranzgrenzen, Gerüchte und große Vorurteile aller dörflichen Beteiligten gegenüber Zugereisten. Die Angst vor Veränderung, vor allem Neuem, Fremden wird durch die Aktivitäten von Ehemann Sebastian wirkungsvoll behoben. Der Versuch, im Dorf anzukommen, akzeptiert zu werden ist bildlich, inhaltlich und auch sprachlich gelungen wie Schnee und Eis sich im Schmelzprozess mit Wasser vermischen. Am Beispiel des verdreckten, verletzten Mannes im Wald wird dem Leser ein Spiegel unserer Toleranzfähigkeit und Mitmenschlichkeit vorgehalten. Ein Buch zum Nachdenken.

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