Profilbild von easymarkt3

easymarkt3

Lesejury Star
offline

easymarkt3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit easymarkt3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.12.2024

Was für eine schöne Hommage an die geliebte Mutter

Man kann auch in die Höhe fallen
0

Der Schauplatz ist der ruhige, abgelegene Wohnort der Mutter in Schleswig. Diese 86-jährige Frau steht mit ihren Aktivitäten in Haus, Garten, Wasser und sonstigen interessanten Örtlichkeiten positiv im ...

Der Schauplatz ist der ruhige, abgelegene Wohnort der Mutter in Schleswig. Diese 86-jährige Frau steht mit ihren Aktivitäten in Haus, Garten, Wasser und sonstigen interessanten Örtlichkeiten positiv im Mittelpunkt. Abwechselnd mit solchen lustigen, auch skurrilen, stets liebevoll beschriebenen Anekdoten voller Vitalität geht es um Kindheitserinnerungen und Berufserfahrungen des Autors, der über viele Wochen bei seiner Mutter innerlich gefestigt wird. Dieser Wechsel aus seiner Vergangenheit und besonders die Gegenwart in erfrischenden Dialogen und Ritualen mit der positiv eingestellten Mutter gefällt. Auch die Einblicke in die Ängste des Autors berühren, wie seine Aktivitäten in der Natur zur Gesundung beitragen neben der mütterlichen Anleitung. Die Einblicke in solch eine künstlerische Karriere sind interessant. Ein Schreibstil ist kreativ, teils humorvoll, auch sehr berührend. Diese Mutter ist schon eine ungewöhnliche Frau – Hut ab!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.12.2024

Eine wahre Geschichte verfremdet erzählt.

Unser Ole
0

Die Autorin ist in Ost-Berlin geboren, kennt also selbstbewusste, unabhängige Frauen der DDR und ihre oft lieblos aufwachsenden Kinder. Die besonders herzlosen Beziehungen zwischen drei Frauen hier und ...

Die Autorin ist in Ost-Berlin geboren, kennt also selbstbewusste, unabhängige Frauen der DDR und ihre oft lieblos aufwachsenden Kinder. Die besonders herzlosen Beziehungen zwischen drei Frauen hier und einem geistig behinderten Sohn Ole sind geprägt durch die Angst vor Einsamkeit, Mitschuld, Machtlosigkeit, Verarmung und dem Mangel an Liebe und Vertrauen zwischen Mutter und Tochter. Wie diese doch sehr unterschiedlichen Frauen durch Lieblosigkeit im gesamten Leben beeinträchtigt wurden, wird gut beschrieben, wenn auch in manch verschachteltem Satzbau. Das Zusammenleben mit dem autistischen Ole wird realistisch vorstellbar in seiner ganzen Absonderlichkeit, bildet hier den roten Faden bis zu seinem ungeklärten Verschwinden als dramatischer Höhepunkt. Das dörfliche Ambiente des renovierungsbedürftigen Umsiedler- Hauses, Elviras Nikolaushaus, bildet den traurigen Mittelpunkt für tiefgehende emotional abweisende Verstrickungen untereinander und auch gegenüber Ole. Drei verschiedene Frauen-Biographien mit ihren seelischen Verletzungen sind gut karikiert mit passender Wortwahl.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2024

Tiefe Freundschaft auf die Probe gestellt

Wo der Wald beginnt
0

Die Idylle auf dem Land mit viel erwarteter Bewegungsfreiheit für die Kinder im Garten, auf angrenzender Wiese und nahem Wald stellt sich als bedrohliche Kulisse heraus, dramatisch und atmosphärisch gut ...

Die Idylle auf dem Land mit viel erwarteter Bewegungsfreiheit für die Kinder im Garten, auf angrenzender Wiese und nahem Wald stellt sich als bedrohliche Kulisse heraus, dramatisch und atmosphärisch gut schrittweise aufgebaut. Auch die knisternde zwischenmenschliche Spannung nicht nur zwischen den zwei Freundinnen Kim und Anne, sondern auch zwischen den Eheleuten wird in den Dialogen kitzelnd mit Bedacht überzeugend beschrieben. Das Fremdsein, die Feindseligkeit im Dorf wird ebenso scharf thematisiert wie ihre alte Freundschaft und Toleranzgrenzen, Gerüchte und große Vorurteile aller dörflichen Beteiligten gegenüber Zugereisten. Die Angst vor Veränderung, vor allem Neuem, Fremden wird durch die Aktivitäten von Ehemann Sebastian wirkungsvoll behoben. Der Versuch, im Dorf anzukommen, akzeptiert zu werden ist bildlich, inhaltlich und auch sprachlich gelungen wie Schnee und Eis sich im Schmelzprozess mit Wasser vermischen. Am Beispiel des verdreckten, verletzten Mannes im Wald wird dem Leser ein Spiegel unserer Toleranzfähigkeit und Mitmenschlichkeit vorgehalten. Ein Buch zum Nachdenken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.11.2024

Mit einer Psychose ins wirre Abenteuer

Findet mich
0

Auf zwei Erzählsträngen entfaltet sich eine bürgerliche Familienchronik mit Erwin als zentrale krankhafte Vaterfigur, mit seiner starken, harmoniesuchenden Ehefrau Maria und den Kindern Lukas und Florence, ...

Auf zwei Erzählsträngen entfaltet sich eine bürgerliche Familienchronik mit Erwin als zentrale krankhafte Vaterfigur, mit seiner starken, harmoniesuchenden Ehefrau Maria und den Kindern Lukas und Florence, auch mit eigenen familiären Problemen behaftet. Während über mehrere Generationen hier punktuell zwischenmenschlich Vergangenes berichtet wird – von den Großeltern bis zu den Enkeln -, entwickelt sich Erwin verstärkt zu einem Angst einflößenden Familienmitglied mit realistisch geschilderten Auswirkungen auf Familie und Arbeitsumfeld. Im Alter von Mitte 50 bei zu viel Stress mit der Selbständigkeit fällt er in eine sich steigernde, wirre Psychose – beklemmend detailliert bis zu kurzen Satzteilen ausgeführt als spannenden Höhepunkt des Romans. Sein Spiel, einfach endlich in der Natur untertauchen: Findet mich. Das Familienleben mit Erwin unter Medikation leidet weiterhin, lässt die Belastung für alle spürbar werden. Mit der Ehefrau Maria als starke Konstante an seiner Seite entfaltet er sich langsam wieder. Der detailliert beschriebene Familienprozess, einerseits hier das Normalisieren des Alltags für Erwin, andererseits dort die Abwendung der Kinder, zeigt die schwere, langfristige Auswirkung auf alle nahe Betroffenen. Ein Buch zum Nachdenken!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.11.2024

Eine spannende Lektüre aus dem 18. Jahrhundert

Der König und der Uhrmacher
0

Das Cover passt zu diesem historischen Roman. Es zeigt Schloss Christiansborg in Kopenhagen, wo einer von zwei Erzählsträngen spielt. Die Hauptfiguren Jon Sievertsen, Uhrmacher aus Island und Christian ...

Das Cover passt zu diesem historischen Roman. Es zeigt Schloss Christiansborg in Kopenhagen, wo einer von zwei Erzählsträngen spielt. Die Hauptfiguren Jon Sievertsen, Uhrmacher aus Island und Christian VII, König im Dänemark des 18. Jahrhunderts, entwickeln während unregelmäßiger Treffen im Lager dieses Schlosses mit einer einstmals berühmten astronomischen, sehr defekten Uhr aus dem Jahr 1592 des berühmten Schweizer Uhrmachermeisters Isaak Habrecht eine gewisse Vertrautheit. Diese zwei Männer in ihrer großen gesellschaftlichen Unterschiedlichkeit sind verbunden durch die folgenreiche Rechtsprechung von König Friedrich IV., Vater von Christian VII., Anhänger des Puritanismus und Verhänger härtester Strafen gegen Unzucht und Inzest auch in Island, damals zu Dänemark gehörend. Während auf einer Erzählebene der Uhrmacher Jon vom traurigen, tragischen Schicksal seiner Eltern und dem dortigen Leben in Island berichtet, erkennt der an Schizophrenie oder Ähnlichem leidende König im Dialog mit Jon Parallelen zu seiner Familiengeschichte in Bezug auf Vaterschaftsanerkennung und außerehelichem Beischlaf. Die Reparatur der komplizierten Uhr bildet eine Art Rahmenhandlung z. B. mit der Suche nach verkauften Teilen der Uhr und vermittelt schließlich einen besonderen Zauber. Die Fakten über Stóridómur, einer Reihe von Gesetzen, die vom isländischen Parlament Alþingi im Sommer 1564 nach der Einführung des Luthertums in Island verabschiedet wurden und die wichtige Rolle des Bezirksamtmanns als Vollstrecker königlicher Urteile sind gut beschrieben. Die historischen Figuren von König Christian VI., seinem Vater Friedrich IV., des Schweizer Uhrmachermeisters Isaak Habrecht und des Arztes Johann Friedrich Struensee sind geschickt und spannend verflochten mit dem isländischen Krimi über zwei unschuldig Verurteilte. Der Schreibstil und auch die Wortwahl sind im Großen und Ganzen der Epoche im 18. Jahrhundert angepasst. Die Beschreibung des charakterlichen Wandels von königlicher Arroganz zu freundschaftlicherem Verhalten gegenüber dem Uhrmacher gefällt.
Ein interessantes, spannendes Lesevergnügen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere