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Veröffentlicht am 26.01.2025

Das Böse lauert hier unter der Wasseroberfläche

Kummersee
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Das Cover zeigt Wasser im Vordergrund, während im Hintergrund Wald bei spätherbstlichem Sonnenuntergang in klarem Rot eine kalte, blutige Atmosphäre entstehen lässt. Der Buchtitel benennt den spannungsgeladenen ...

Das Cover zeigt Wasser im Vordergrund, während im Hintergrund Wald bei spätherbstlichem Sonnenuntergang in klarem Rot eine kalte, blutige Atmosphäre entstehen lässt. Der Buchtitel benennt den spannungsgeladenen Tatort Kummersee in ebenso blutroten, mittig platzierten Lettern. Zunächst erfolgt eine Schauergeschichten-Einführung mit der Hauptfigur Lena als Neunjährige im Jahr 1990, die durch Ertrinken ihres älteren Bruders Tom im Kummersee traumatisiert ist. Dieser eingezäunte See nahe dem abgelegenen Dorf Horlow im Wendland nahe der Zonengrenze bildet größenteils den teils historischen, teils mystischen Schauplatz für allerlei gefährliche Geheimnisse. Nach 30 Jahren kehrt Lena als Kommissarin dorthin zurück, als Begleitschutz für Vermesser unterirdischer Salzlager im und am Kummersee, auf der Suche nach einem Atommüllendlager. Proteste wie in Gorleben werden erwartet sowohl von Anwohnern als auch von Umweltorganisationen, was realistisch und gut nachvollziehbar spannend beschrieben wird. Aus der Perspektive der Protagonistin Lena werden auch vier weitere Rückblicke über ihren Freund Andi und über ihren arbeitslosen Vater und dem Wegfall der Zonenrandgebietsförderung und Hilfsgeldern aus Bonn durch den Mauerfall eingeflochten. Mit slawischen Sagengestalten, Gruselgeschichten und bizarren, kreativen Horror-Elementen wird durchgängig für unvorhersehbare Spannung auf 531 Seiten gesorgt.

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Veröffentlicht am 12.12.2024

Ein bemerkenswertes , vielschichtiges Werk im Universitätsmilieu.

Der Fall Miriam Behrmann
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Die Professorin der Philosophie Miriam Behrmann, Leiterin des Instituts THACT an der Universität Wien, rekapituliert als Ich-Erzählerin den gesamten Vorgang ihrer erwarteten Suspendierung aufgrund von ...

Die Professorin der Philosophie Miriam Behrmann, Leiterin des Instituts THACT an der Universität Wien, rekapituliert als Ich-Erzählerin den gesamten Vorgang ihrer erwarteten Suspendierung aufgrund von Anschuldigungen ihrer Promotionsstudentin Selina Aksoy, aus einfachen, türkischen Verhältnissen stammend. Während Miriam ebenso wie Selina emigrierte und nur durch eigenen Leistungsanspruch ihr diese Karriere gelingt, wird diese Erwartungshaltung von Selina als psychischer Missbrauch ihrer Mentorin empfunden. In der nächsten Generation wird quasi diese Wahrheit durch kaum greifbare Anschuldigungen torpediert, nur weil nun die Work-Life-Balance und andere Interessen Vorrang haben. Die Zusammenarbeit im Institut beleuchtet Situationen, passend zu Selinas Vorwürfen, greift aber auch zurück auf Erinnerungen der Ich-Erzählerin über ihre Familie in Polen, ihr Leben in Princeton und mit ihrer kleinen Familie. Der Schreibstil zeigt philosophisch tiefe Gedankengänge, auch im universitären Gefecht der Geschlechter. Darüber hinaus bieten die Einblicke in Miriams Privatleben liebevoll beschriebene Szenen als Ausgleich für ihre harte Existenzbedrohung. Schließlich regt das Romanende sehr zum Nachdenken an, denn unausgesprochen bleibt das zu erwartende Urteil. Ein Lesevergnügen!

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Ein sehr politisch inspiriertes Buch

Gefährliche Betrachtungen
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Das Cover zeigt die Hauptfigur Thomas Mann beim morgendlichen Spaziergang in Nidden, wo sich in Sommern ab 1930 auf der Kurischen Nehrung die Familie mit drei Kindern aufhielt. Rund um ihr Sommerhaus umringt ...

Das Cover zeigt die Hauptfigur Thomas Mann beim morgendlichen Spaziergang in Nidden, wo sich in Sommern ab 1930 auf der Kurischen Nehrung die Familie mit drei Kindern aufhielt. Rund um ihr Sommerhaus umringt von Wald, Strand und einer Künstlerkolonie spielt die idyllisch beschriebene Szenerie mit dem jungen litauischen Übersetzer Žydrūnas Miuleris, auch Müller genannt. Als Ich-Erzähler geht es in seiner Rückbesinnung um das verloren gegangene Konzept einer brisanten politischen Rede von Thomas Mann gegen den erstarkenden Nationalsozialismus und das gleichzeitige Erwachsen von Freundschaft und Mut nicht nur zwischen beiden Figuren. Während die historische Schriftstellerfigur in seinen typischen Facetten lebendig wird in einer fiktiven Kriminalhandlung, schält sich seine klare politische Einstellung zum Nationalsozialismus und Kommunismus klar heraus. Sein damaliger Appell um Freiheit, Vernunft, Demokratie und Frieden ist auch heutzutage noch mutig, sogar existenzgefährdend wie der Autor in seiner Hommage an den Literaturpreisträger betont. Ein nicht nur spannendes Lesevergnügen mit überzeugenden Charakteren.

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Spannend, kreativ, unvorhersehbar

The Twenty
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Über 14 Tage verläuft die spannende, nicht vorhersehbare Aufklärung von angestrebten zwanzig Morden, so grausam und blutig. Mit gleich fünf Leichen auf einer Müllhalde werden die Hauptfiguren DCI Adam ...

Über 14 Tage verläuft die spannende, nicht vorhersehbare Aufklärung von angestrebten zwanzig Morden, so grausam und blutig. Mit gleich fünf Leichen auf einer Müllhalde werden die Hauptfiguren DCI Adam Bishop und sein Kollege und Freund Detective Sergeant Jamie Hoxton konfrontiert, nummeriert von 12 – 16, Todesursache – Verblutung. Während der intensiven Identitätsfindung der Opfer tauchen Obduktionsberichte aus 1995 mit der Verbindung zu dem inhaftierten Serienmörder Dr. Elijah Cole auf. Seine Tochter Dr. Romilly Cole, Bishops Ex-Frau, erinnert sich an damalige 4 Morde mit in Holzrahmen geritzten römischen Zahlen XX – XVIII. Welcher nachahmende Killer zählt hier von 20 herunter und warum überhaupt? In vielen rasanten Wendungen behaupten sich die drei Hauptfiguren: Adam mit dysfunktionaler Eltern-Kind-Beziehung und totaler Trypanophobie (Angst vor Spritzen) kein einfacher Charakter, Jamie dagegen mitfühlend, sortiert, sympathisch und Romilly mit ihrer traumatischen Vergangenheit immer noch im Zwiespalt. Während sich der Countdown des Täters auf Null zu bewegt, kommt er unter Zeitdruck selbst diesen Charakteren gefährlich nahe ohne Vorwarnung.
Ein Lesegenuss mit vielen kreativen Spannungsmomenten.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Über die Kraft der Natur und den Zauber der Berge

Über allen Bergen
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Dem Cover liegt ein Gemälde einer verschneiten, bergigen Winterlandschaft zu Grunde mit einer braun gekleideten Person am unteren Bildrand – passend zum Szenarium des Romans in den französischen Alpen. ...

Dem Cover liegt ein Gemälde einer verschneiten, bergigen Winterlandschaft zu Grunde mit einer braun gekleideten Person am unteren Bildrand – passend zum Szenarium des Romans in den französischen Alpen. In drei Abschnitten je nach Jahreszeit strukturiert beginnt die Geschichte mit dem Jungen Vadim Pavlevitch, Jude, 12 Jahre alt, aus Paris. Ab dem Winter 1942 lebt er nun in Valloncine an den Aiguilles Rouges, einer Bergkette in den nördlichen französischen Alpen, unter falschem Namen - nämlich Vincent Dorselles – acht Monate lang in bäuerlicher Gemeinschaft bis zu erneutem Aufbruch im Herbst 1943. Nicht nur seine bisherige Asthma-Erkrankung heilt, auch seine anfängliche Schüchternheit, Blässe und Unterernährung scheinen während seines Reifeprozesses in idyllischer Landschaft und ursprünglicher Fauna und Flora zu schwinden. Während Vincent sich harmonisch einfügt bei der Mithilfe in tägliche bäuerliche Tätigkeiten, die sehr detailliert je nach Jahreszeit und Wetterlage beschrieben werden in authentischer, teils romantisierter Schreibweise, gewinnt er Freundschaft, erneute Familienwärme und fast eine neue Identität. Seine besondere Sensibilität für Farben erinnert nicht nur in seinen Zeichnungen an Kandinsky oder auch an Arthur Rimbaud mit seiner Sonett über Vokale, deren unterschiedlichen Charaktere er mit Farben verbindet. In die leise, atmosphärische Natur-Erzählung sind auch politische Fakten dieser Zeit eingeflochten wie die italienischen Alpini als Besatzer, Mussolinis Absetzung, die Ferienkindern aus Lyon etc. Anfang und Ende dieses Romans sind eingerahmt von den Gräueln des 2. Weltkriegs, doch im Kern bleibt in der dörflichen Abgeschiedenheit in den Bergen eine heile, behütende, mitmenschliche Welt bestehen. Der warmherzige, poetische Schreibstil gefällt.

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