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Karolina_Hruskova

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2025

Unkonventioneller und herzlicher Coming-of-Age-Roman

Die Sache mit Rachel
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Es fällt mir wirklich schwer, die genauen Punkte zu benennen, weshalb ich den Roman einfach großartig fand. Wahrscheinlich war es das Gesamtpaket.

Die Geschichte war fantastisch. Rachel erzählt rückblickend ...

Es fällt mir wirklich schwer, die genauen Punkte zu benennen, weshalb ich den Roman einfach großartig fand. Wahrscheinlich war es das Gesamtpaket.

Die Geschichte war fantastisch. Rachel erzählt rückblickend von ihrer Zeit als Studentin in Cork. Damals lernte sie James kennen und zog kurzerhand mit ihm in ein heruntergekommenes Haus, schwärmte für einen Dozenten und versuchte sich mit Aushilfsjobs über Wasser zu halten. Die Freundschaft zwischen Rachel und James wirkte sehr vertraut, loyal und unkonventionell, wobei Rachel James auf ein Podest stellte, zu dem man als Leser:in kaum Zugang erlangte. Auch die Schwärmereien für ihren Dozenten blieben nicht fruchtlos; jedoch nicht auf eine Art, wie sie Rachel sich erhofft hatte.

Rachel teilt mit den Leser:innen viele ihrer Gedanken aus ihrer Studienzeit, was sehr intim und ehrlich wirkt, und reflektiert vieles. Auch ihre Sorgen, geschuldet der Rezession um 2010 in Irland, werden von ihr nicht beschönigt. Sorgen, die zunehmen, als sie ihren Job verliert, schwanger wird und sich im katholischen Irland mit dem Thema Abtreibung beschäftigen muss. Eins fand ich währenddessen besonders schön: Egal, ob kleine oder große Krisen, die Freundschaft mit James überstand im Laufe der Zeit alles.

Ich kann »Die Sache mit Rachel« sehr empfehlen. Viele lebensnahe Themen werden miteinander kombiniert und oft mit einem Augenzwinkern und einer Prise Fröhlichkeit verwoben. Man begleitet in diesem Coming-of-Age-Roman Rachel bei der Suche nach ihrem Platz im Leben und erfährt nebenbei vieles über die Hintergründe, die Irland 2010 sehr bewegt haben.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Berührend, emotional und warmherzig: Die Verarbeitung von Trauer

Marianengraben
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Seit Paulas jüngerer Bruder Tim im Meer ertrunken ist, trauert sie. Viel mehr als das, ihr Therapeut diagnostiziert ihre Trauer als pathologisch. Ihr Lebenswillen ist verschwunden und sie stürzt in eine ...

Seit Paulas jüngerer Bruder Tim im Meer ertrunken ist, trauert sie. Viel mehr als das, ihr Therapeut diagnostiziert ihre Trauer als pathologisch. Ihr Lebenswillen ist verschwunden und sie stürzt in eine tiefe Depression. Zu dieser Zeit lernt sie Helmut kennen – auf die wohl skurrilste Weise, die man sich nicht einmal vorstellen kann. Gemeinsam sind sie schon bald auf einem Roadtrip in Richtung Helmuts alter Heimat unterwegs. Paula lernt durch Helmuts eigene Schicksalsschläge ihre Gedanken in eine neue Richtung zu lenken und mit einer neuen Sichtweise auf ihre Trauer zu blicken.

Wundervoll traurig, aber nicht überdramatisiert, erzählt Jasmin Schreiber eine Geschichte über Trauer, die so tief wie der Marianengraben ist. Die Metapher fand ich einmalig und trefflich. Nach und nach taucht man mit Paula wieder aus dem Marianengraben auf und nähert sich mit Helmuts Hilfe der Wasseroberfläche. Eine herzergreifende, warme, an vielen Ecken auch skurrile Geschichte über Heilung und Verständnis, Freundschaft und Unterstützung. Ich habe viel gelacht, aber wurde auch sehr emotional.

»Marianengraben« ist viel mehr als nur ein Roadtrip zweier Fremder (der glücklicherweise ohne die gängigen Klischees auskommt!) oder die bloße Überwindung von Trauer. Definitiv ein Roman, den man gelesen haben muss!

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Spannung und Intrigen high-class

Kings of Cypress Pointe - Bitter Regrets
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Wenn ich rückblickend darüber nachdenke, dreht sich der zweite Teil der Reihe vorwiegend um die Gefühle von Blue und West. Handlung gibt es auch, doch die stand diesmal eher im Hintergrund.

Blue muss ...

Wenn ich rückblickend darüber nachdenke, dreht sich der zweite Teil der Reihe vorwiegend um die Gefühle von Blue und West. Handlung gibt es auch, doch die stand diesmal eher im Hintergrund.

Blue muss nach der Veröffentlichung des pikanten Videos um ihren guten Ruf und ihr Stipendium kämpfen, während West keinerlei Konsequenzen hat. Ihre Gedanken und Emotionen waren so echt, so verständlich und absolut nachvollziehbar: Die Zerrissenheit zwischen Hass und Ablehnung auf der einen Seite, aber auch Anziehung und tiefe Gefühle für West auf der anderen Seite.

Vor allem West hat mich überrascht, denn er entscheidet sich dazu, sich Blue voll und ganz zu öffnen und keine Geheimnisse mehr vor ihr zu haben. So einiges kam heraus, wo ich wirklich perplex war, aber dann wiederum sind neue, noch viel krassere Intrigen angedeutet worden. Ich bin in Geschichten immer für guten Gossip zu haben und meine Neugier ist diesmal ins Unermessliche gesteigert worden!

Für mich hat auch dieser Teil der Reihe wieder alles mitgebracht, was ich persönlich an einem Roman schätze: Spannung, Schnelligkeit, starke Protagonisten, einen flüssigen Schreibstil, eine Geschichte, die mich fesselt, und Nebencharaktere, die eine perfekte Ergänzung sind und weder zu viel noch zu wenig Raum einnehmen. Emotional war man als Leser:in ebenfalls gut unterhalten, denn die Vielfalt war groß und abwechslungsreich. Ich kann den Abschlussband wirklich kaum noch erwarten!

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Für mich persönlich einer der besten Romane

Zwei Leben
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»Zwei Leben« zu lesen ist auf unzähligen Ebenen wahrlich bereichernd. Ewald Arenz schafft es mit nur wenigen Worten ein völlig fremdes Leben, eine fremde Zeit und fremde Menschen vertraut wirken zu lassen, ...

»Zwei Leben« zu lesen ist auf unzähligen Ebenen wahrlich bereichernd. Ewald Arenz schafft es mit nur wenigen Worten ein völlig fremdes Leben, eine fremde Zeit und fremde Menschen vertraut wirken zu lassen, als wäre man selbst schon immer ein Teil davon gewesen.

Für Roberta scheint ihr Leben vorbestimmt; entstammt sie doch einer Bauernfamilie und wird den Hof eines Tages übernehmen. Sie packt mit an und ist ihrem Schicksal ergeben. Eigentlich liegt ihre Leidenschaft aber in der Mode, Schneiderin hat sie schließlich gelernt. Auch Gertrud ist gefangen in einem Leben, das sie nie so wollte. Gefangen in einem Dorf, das ihr nichts bieten kann. Als Frau des Pfarrers immer mit Distanz zur dörflichen Gemeinschaft und insgeheim unzufrieden. Unglücklich. Beider Frauen Sehnsüchte bleiben ungehört.

Bis ein Schicksalsschlag Roberta und Gertrud zusammenführt und vor die Möglichkeit stellt, ihre Selbstbestimmung auszuleben. Ihre Träumereien nicht mehr nur als das zu verstecken, ihrem Unmut kund zu tun. Und dabei werden alte Traditionen, "das war schon immer so" und viele gesellschaftliche Tabus der damaligen Zeit gesprengt. Sie überwinden Unverständnis und Verärgerung, werden nicht ernst genommen und belächelt, doch verfolgen mit Zielstrebigkeit ihre Träume und werfen die Fesseln der Gesellschaft ab. Unterstützung erhält Roberta zudem von ihrem Opa, der herzallerliebst ist und Roberta vor seinem eigenen Schicksal bewahren möchte.

Ewald Arenz hat mit sanfter Wucht eingeschlagen; er hat das Herz berührt, das Herz zerrissen und das Herz wieder zusammengesetzt. Davor und danach hat mich kein anderer Roman so tief berührt. Der Schicksalsschlag hat nicht nur Roberta und Gertrud verändert, sondern auch mir andere Sichtweisen eröffnet. Für mich persönlich ist »Zwei Leben« einer der besten Romane, die ich seit langem gelesen habe, und ein Quell an Inspiration, Mut und Kraft geworden.

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Veröffentlicht am 20.11.2024

Viel Herzschmerz, aber leider auch too much

Alles, was ich geben kann – The Last Letter
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»Alles, was ich geben kann« war für mich der erste Roman der Autorin. Und ich mochte ihn wirklich sehr, hatte vorher schon ein gutes Bauchgefühl, und bin schließlich flüssig durch die Geschichte gekommen, ...

»Alles, was ich geben kann« war für mich der erste Roman der Autorin. Und ich mochte ihn wirklich sehr, hatte vorher schon ein gutes Bauchgefühl, und bin schließlich flüssig durch die Geschichte gekommen, war gefesselt und wurde emotional sehr gefordert. Aber ständig habe ich mich auch beim Lesen gefragt: "Muss das denn jetzt echt noch sein?"

Ich finde es großartig, dass - und vor allem wie - Rebecca Yarros gleich mehrere sensible und schwierige Themen ineinander verflochten hat. Unweigerlich leidet man mit Ella, ihren Kindern und auch Beckett mit. Ella, in deren Stärke und Resilienz sich Beckett nur durch ihre Worte verliebt hat. Beckett, der ein Versprechen einlösen möchte und selbstlos alles über sich stellt. Beide waren großartig. Ihre Anfänge, das Misstrauen, schwere Schicksalsschläge, die gemeinsam überwunden werden. Letztendlich das blinde Vertrauen. Es hat mir schier das Herz zerrissen, was Ella und Beckett durchstehen mussten.

Aber ganz ehrlich: Irgendwann war es zu viel. Das Drama wirkte mir zu aufgesetzt; ständig musste Rebecca Yarros noch eins drauf setzen und sich selbst überbieten. Und das hat einen Unglauben in mir geweckt, die Schicksalsschläge waren zu konstruiert und künstlich.

Trotzdem habe ich mir gleich im Anschluss weiteren Lesestoff von Rebecca Yarros bestellt. Manchmal braucht man eben eine gute Portion Herzschmerz. Und mit Ella und Beckett habe ich ihn wirklich gerne geteilt.

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