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Veröffentlicht am 04.12.2024

Fiktiv ja, aber ebenso ein realer Rahmen

Kanak Kids
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Dessi lebt in zwei Welten. In Neuperlach ist sie Dessislava, ein bulgarischer Kanak, wie sie sich selbst bezeichnet und gerne ist. Am St.-Anna-Gymnasium in der Münchner Innenstadt ist sie Daisy, ein angepasster, ...

Dessi lebt in zwei Welten. In Neuperlach ist sie Dessislava, ein bulgarischer Kanak, wie sie sich selbst bezeichnet und gerne ist. Am St.-Anna-Gymnasium in der Münchner Innenstadt ist sie Daisy, ein angepasster, Hochdeutsch sprechender Teenager.
Was Clark Kent seine Telefonzellen zur Verwandlung in Superman sind, ist Dessi ein alter Fotoautomat in der U-Bahn-Haltestelle Neuperlach Zentrum. Dort wechselt sie ihre Kleidung, setzt sich blaue Kontaktlinsen ein und eine blonde Perücke auf.

Eines Morgens wird sie bei ihrer Verwandlung unangenehm überrascht - ausgerechnet von dem serbischen Idioten, der nicht nur in ihrem Neuperlacher Freundeskreis andockt, sondern auch neuer Mitschüler in ihrer Klasse wird.
Nun, da Dessis beider Welten vermischt sind, schließt sie mit Bo einen Pakt, denn wie Dessi hat auch Bo Probleme in seinen beiden Welten, und die beiden helfen einander aus, werden dabei aber auch ziemlich gute Freunde.

Kanak Kids erzählt die Geschichte, wie sie wahrscheinlich Millionen Migrationskinder- und Jugendliche erlebt haben und immernoch tun. Eine Geschichte von Anpassung, Angleichung bis fast zur Selbstaufgabe, ein Drahtseilakt zwischen seinen kulturellen Wurzeln und der Erwartungshaltung einer überwiegend deutschen Umgebung. Offen gesagt, ich kann mir nur im Ansatz vorstellen, wie es ist sich derart zu verbiegen, wie es Dessi in dieser Story getan hat. Und gerade deshalb ist es so wichtig, diese Perspektiven wahrzunehmen, denn das ist ein Teil der Realität unserer Mitmenschen, mit dem wir privilegierten Wurzeldeutschen gar nicht in Kontakt kommen. Kanak Kids ist ein bereicherndes Jugendbuch, das ich auch als ältere Leserin super lesen konnte.

Veröffentlicht am 04.12.2024

Wiedersehen mit alten Bekannten

Pretty Guardian Sailor Moon 02
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Sailor V stößt zu den vier Kriegerinnen und macht die Truppe komplett. Von Artemis, dem Katzenbegleiter Sailor Vs wird Minako, wie sie eigentlich heißt, als die verlorene Prinzessin vorgestellt. Doch dann ...

Sailor V stößt zu den vier Kriegerinnen und macht die Truppe komplett. Von Artemis, dem Katzenbegleiter Sailor Vs wird Minako, wie sie eigentlich heißt, als die verlorene Prinzessin vorgestellt. Doch dann schlagen die Schergen des Dark Kingdom zu und entführen Tuxedo Mask. Sailor Moon, die sich in ihn verliebt hat, ist über den Verlust so verzeifelt, dass sie zu weinen beginnt. Und aus ihrer Träne wird der magische Silberkristall geboren, nach dem sowohl die Kriegerinnen als auch das Dark Kingdom gesucht haben. Sailor Moon macht eine Transformation durch, und es stellt sich heraus, dass nicht Sailor V sondern Usagi die gesuchte Prinzessin des Mondes ist. So langsam kehren die Erinnerungen an ihrer aller früheren Leben zurück, und die Sailor-Kriegerinnen beginnen eine Reise zum Mond, genauer gesagt zum untergegangenen Königreich Silver Millenium, wo ihnen die Mondgöttin höchstpersönlich von ihrem alten Leben erzählt.

Sailor Moon ist für mich wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten! 🌙

Veröffentlicht am 04.12.2024

Meine Kindheitsheldin!

Pretty Guardian Sailor Moon 01
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Zuletzt als Manga gelesen und als Serie gesehen mit 15, war und ist Sailor Moon 🌙 aka. Usagi Tsukino all die Jahre hindurch meine Kindheitsheldin geblieben (auch wenn sie sich den Thron mit She-Ra teilen ...

Zuletzt als Manga gelesen und als Serie gesehen mit 15, war und ist Sailor Moon 🌙 aka. Usagi Tsukino all die Jahre hindurch meine Kindheitsheldin geblieben (auch wenn sie sich den Thron mit She-Ra teilen musste).
Nun habe ich mir die Manga, die schon seit Ewigkeiten in meinem Regal stehen, weil ich die Reihe unbedingt erneut besitzen wollte, erneut angefangen.

Usagi Tsukino erfährt von der sprechenden Katze Luna, dass sie ein Magical Girl ist. Als Sailor Moon soll sie die Anhänger des Dunklen Königreichs besiegen. Diese versuchen zum einen, Menschen ihre Lebensenergie abzuziehen und ihrer Königin Metalia zuzuführen, damit diese ihre volle Stärke zurückerlangt und die Erde mit Dunkelheit überzieht. Zum anderen wollen sie verhindern, dass Sailor Moon den magischen Silberkristall findet, dem eine unermessliche Macht nachgesagt wird.
Sailor Moon und Luna finden unter den Mitschülerinnen Usagis weitere Sailorkriegerinnen, die den Kampf gegen das Dunkle Königreich unterstützen.

Veröffentlicht am 04.12.2024

Hat mir sehr gefallen (erinnerte ein bisschen an Hansens "Zur See")

Leute von früher
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Marlene reist als Saisonkraft auf die Nordseeinsel Strand. Dort gibt es ein Erlebnisdorf, in dem alles so ist wie um das Jahr 1900 - die Gebäude, die Bräuche, die Kostümierung. Aber eigentlich ist alles ...

Marlene reist als Saisonkraft auf die Nordseeinsel Strand. Dort gibt es ein Erlebnisdorf, in dem alles so ist wie um das Jahr 1900 - die Gebäude, die Bräuche, die Kostümierung. Aber eigentlich ist alles eine große touristische Inszenierung. Für die wenigen auf der Insel Geborenen ist diese Hälfte des Jahres lediglich ein Schauspiel, während die andere Hälfte kalt und bisweilen einsam ist. So auch für Janne, die in der Fischräucherei nebenan arbeitet. Sie fasziniert Marlene vom ersten Augenblick an. Die verschlossene Janne ist für Marlene fast so mysteriös wie die Geschichte um die bei einer Sturmflut versunkenen Insel Rungholt, von der man in manchen Nächten das Läutern der Kirchenglocke im Meer hören soll. Je näher Marlene Janne kommt, umso seltsamere Dinge passieren, die mit der Vergangenheit der Inselregion zu tun haben.

Das Flair der "Leute von früher" hat für mich beim Lesen eine ähnliche Atmosphäre wie Dörte Hansens "Zur See" oder Jarka Kubsovas "Marschlande" erzeugt. Ich mag diese Art Bücher sehr, bei denen ich das Gefühl habe, wieder zurück in Schleswig-Holstein zu sein, wo ich so lange gelebt habe, Meeresluft einzuatmen und den norddeutschen Nieselregen im Nacken zu spüren.
Als Leser:in spürt man zudem ganz nah an Marlene in das Annähern an Janne heran und fühlt, dass die auf der Insel groß gewordenen Frau ein Geheimnis umgibt, über das sie mit Auswärtigen nicht spricht. Dieses Buch zu lesen, bedeutet ein Stück weit ins Watt einzutauchen. Mochte ich sehr!

Veröffentlicht am 04.12.2024

Literatur mal aus nem anderen Blickwinkel (echt jetzt)

But Make It Classy!
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Wer Teresa Reichl (wie ich) auf Instagram folgt, der weiß: Sie ist schon ein kleiner Klassiker-Nerd. Was offensichtlich leicht angesoffen als Drunk Classivs auf YouTube begann, hat sie nun zwischen zwei ...

Wer Teresa Reichl (wie ich) auf Instagram folgt, der weiß: Sie ist schon ein kleiner Klassiker-Nerd. Was offensichtlich leicht angesoffen als Drunk Classivs auf YouTube begann, hat sie nun zwischen zwei Buchdeckel gepackt und spricht so nahbar über Literatur, wie ich es mir von Lehrkräften in der Schule zu meiner Zeit gewünscht hätte. Daher eignet sich "But make it classy!" auch voll dafür, es Heranwachsenden in die Hand zu drücken, deren Augen beim Gedanken an den Deutschunterricht besorgniserregend gelangweilt weit in den Schädel hinein rotieren.

In ihrem Close-up eröffnet Reichl einen Einblick in Werke und Wirken von Lessing, Sibylla Schwarz, Grimmelshausen, Christiane Karoline Schlegel, mit Goethe und Schiller die bekannteste Bromance der deutschen Geschichte, E.T.A. Hoffmann, und wendet sich einem rührenden Briefwechsel zwischen Bettina von Arnim und Karoline von Günderrode zu, der mich neugierig auf diesen Austausch gemacht hat.

Teresa Reichl driftet in ihren Erklärungen nie ins Lehrerhafte ab. Ihre Stärke ist es, zu erkennen, was Jugendliche bewegt und dies in frühere Epochen zu verknüpfen. Denn was Klassiker ja üblicherweise zu solchen macht, ist die über ihre Zeit hinausgehende Relevanz des Werks, und genau die kriegen viele Lehrer:innen einfach nicht an ihre Schüler:innen transportiert. Reichl gelingt das vor allem auch durch den Slang, den sie im Buch verwendet. Zwar bin ich selbst der Jugendsprache seit vielen Monden entwachsen und halte den Sprech von Leuten halb so alt wie ich manchmal für eine eußereuropäische Pidginsprache, aber ich erkenne den Reiz darin, wenn Literaturgeschichte sprachlich nah an den Kiddos ist, die sie zwangsweise in der Schule lernen müssen, und nicht so hochgestochen, dass man sich abgehängt fühlt und gar keinen Bock hat mitzureden.

Kauft es, schenkt es euren Kindern und euren Freundeskindern.