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Veröffentlicht am 16.09.2019

Machen Erinnerungen das Leben erst aus?

Gestern ist ein ferner Ort
1

"Gestern ist einer ferner Ort" von Joaquin Berges ist die Geschichte über Celia, die nach einem Schlaganfall einen Großteil ihres Gedächtnisses verloren hat.
Sie versucht, die Lücken zu füllen und stößt ...

"Gestern ist einer ferner Ort" von Joaquin Berges ist die Geschichte über Celia, die nach einem Schlaganfall einen Großteil ihres Gedächtnisses verloren hat.
Sie versucht, die Lücken zu füllen und stößt dabei immer wieder an ihre Grenzen.
Ihre Tochter Paula scheint verhindern zu wollen, dass das Gedächtnis ihrer Mutter zurückkehrt und instruiert dabei scheinbar auch alle Freunde, Bekannte und Verwandte von Celia, ihr dabei zu helfen. Doch warum tut sie das? Was steckt hinter diesem Verhalten?

Das Cover des Buches zeigt zwei Frauen am Strand, die aufs Meer blicken. Ich finde dieses Cover sehr schön gemacht und es passt zum Buch.

Der Schreibstil des Autors ist locker und verständlich; man findet gut in die Geschichte hinein.

Hauptpersonen sind ganz klar Celia und ihre Tochter Paula. Celia ist eine erfolgreiche Journalistin, deren neues Buch bald erscheinen soll. Paula ist Ärztin. Beide Frauen scheint ein schwieriges Verhältnis zu verbinden.
Sehr sympathisch ist Rosario, die Haushälterin von Celia, zu der diese bald ein freundschaftliches Verhältnis aufbaut.
Enkelin Alba führt ihre Oma in die Tücken der heutigen Technik ein - teilweise recht amüsant...
Hund Charlie wächst einem schnell ans Herz und auch alle anderen Personen, die im Buch eine Rolle spielen, möchte man gern auf ihrem Weg weiter begleiten...

Celia versucht während des Buches ihr Gedächtnis wieder zu finden. Besonders ärgerlich für sie ist dabei, dass all ihre Dateien mit einem Passwort geschützt sind. So führt einen die Geschichte Station für Station näher an das Passwort heran.
Celia besucht dabei nicht nur alte Freunde und Verwandte und entdeckt lang vergessene Kindheitserinnerungen wieder.
Sie fährt auch für einen Kurzurlaub nach Paris und trifft Lucien wieder. War er ihre erste wahre Liebe?

Rätselhaft bleibt im gesamten Verlauf Sohn Emilio. Warum besucht er seine Mutter nicht? Warum machen alle ein Geheimnis daraus?

Die Geschichte ist an sich sehr rührend und regt zum Nachdenken an. Was würde man selber in dieser Situation tun? Wie würde das Leben verlaufen?
Welche Schicksalsschläge kann ein Mensch verkraften?
Ich habe Celias Werdegang gern gelesen, muss aber leider sagen, dass mir einige Passagen im Buch zu langatmig waren und am Ende der Geschichte zu viele Fragen aufgeworfen, aber nicht beantwortet werden.

Fazit: "Gestern ist ein ferner Ort" ist ein angenehmer Roman, aber ich hätte etwas mehr erwartet.

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  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Emotionen
  • Thema
Veröffentlicht am 24.08.2019

Lesenswert...

Die Gesandten der Sonne
0

"Die Gesandten der Sonne" ist ein historischer Roman von Wolf Serno. Es geht hierbei um eine Gesandtschaft von Karl dem Großen, die sich im Jahre 798 nach Bagdad zum Kalifen durchgekämpft hat und dort ...

"Die Gesandten der Sonne" ist ein historischer Roman von Wolf Serno. Es geht hierbei um eine Gesandtschaft von Karl dem Großen, die sich im Jahre 798 nach Bagdad zum Kalifen durchgekämpft hat und dort erfolgreiche Beziehungen knüpfen konnte. Der Heimweg der Gesandten sollte jedoch aufgrund der außergewöhnlichen Geschenke des Kalifen und der zahlreichen Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellten, gefährlich, verlustreich und länger als geplant verlaufen.

Hauptperson ist Cunrad von Malmünd, der als Arzt die Gesandtschaft begleitet. Er wird im Laufe der Geschichte durch die Umstände der Reise immer mehr zum Anführer und erfüllt diese Rolle in seiner eigenen ruhigen besonnenen Art. Er muss durch viele Widrigkeiten auch unschöne Entscheidungen treffen.
Auch seine große Liebe zu Aurona - einer Langobardin, die im Harem des Kalifen lebte, wird mehrmals auf die Probe gestellt.

Der Schreibstil des Autoren hat mich anfangs etwas irritiert. Es beginnt damit, dass der Leser vom Erzähler in die Geschichte eingeführt wird. Dieser stellt sich als Cunrad von Malmünd viele Jahre später heraus. Nach jedem Kapitel schließt dieser die "Erzählung" bis zum nächsten Tag, was mich immer wieder aus der Geschichte raus katapultiert hat. Am Ende wird jedoch der Bogen, den diese Art der Erzählung nimmt, auch dem letzten Leser klar und man gewöhnt sich daran.

Ansonsten ist der Schreibstil flüssig und sehr bildhaft. Man kann sich die Widrigkeiten, mit denen die Gesandten kämpfen, am eigenen Leib vorstellen.

Teilweise wiederholt sich jedoch einiges, sodass der Spannungsbogen nicht so rund ist und es mir teilweise schwer fiel, am Ball zu bleiben.

Die Figur des Cunrad hat mir sehr gut gefallen. Sie war authentisch in ihrer Handlung und man konnte nachvollziehen, warum er jeweils welche Entscheidung traf. Auch die anderen Gesandten wuchsen einem Stück für Stück ans Herz. Leider blieb bei einer so gefährlichen Reise der ein oder andere Todesfall nicht aus. Jedoch hat man immer gehofft, dass doch noch gut ausgeht...

Fazit:
Es ist meiner Meinung nach nicht das beste Buch von Wolf Serno; jedoch auf jeden Fall des Lesens wert. Es handelt sich hierbei um einen Teil der deutschen Geschichte, der auf wahren Tatsachen beruht und schon allein deswegen spannend ist. Jedoch hätte man das Buch an manchen Ecken vielleicht etwas kürzen können, um so die Spannung besser aufrecht zu erhalten.

Veröffentlicht am 06.12.2024

Schwacher Krimi

May Morrigans mysteriöse Morde
3

„May Morrigans mysteriöse Morde – Eine Buchhändlerin greift durch“ ist ein Kriminalroman aus der Feder von Katherine Black.
May Morrigan ist eine pensionierte Buchhändlerin und lebt im ländlichen Blackheath, ...

„May Morrigans mysteriöse Morde – Eine Buchhändlerin greift durch“ ist ein Kriminalroman aus der Feder von Katherine Black.
May Morrigan ist eine pensionierte Buchhändlerin und lebt im ländlichen Blackheath, einem Vorort von London. Zusammen mit ihren beiden Dackeln und ihrem Studienfreund Fletcher lebt sie in einer alten Villa und liebt ihre Buchhandlung, doch so liebenswürdig die alte Dame auch erscheint, macht sie mit Menschen, die in ihren Augen die Gemeinschaft stören, kurzen Prozess.
Danny Fox, ein aufstrebender Journalist aus London, versucht unterdessen einem Vermisstenfall auf die Spur zu kommen, bei dem er einen Zusammenhang zu alten Fällen vermutet. Durch Zufall führt es die Dorfbewohner May, Fletcher und ein paar andere mit Fox zusammen und sie machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem Täter.

Grundsätzlich lese ich sehr gerne Kriminalfälle und war hier schon sehr gespannt auf den britischen schwarzen Humor, der so ein Buch oft super aufpeppt.
Leider hat mich der Schreibstil viel zu oft eher irritiert als amüsiert. So waren verbal eher unangebrachte Szenen dabei (was vielleicht an einer schlechten Übersetzung lag) und wirklich humorvoll fand ich es leider auch nicht.

Die Zusammenarbeit zwischen den Dorfbewohnern und Fox war oft leider nur vom Zufall geprägt. Während der Titel des Buches suggeriert, dass May hier im Mittelpunkt der Ermittlungen steht, hatte ich beim Lesen eher das Gefühl, dass alle anderen die Ideen hatten und die Arbeit machten und die ältere Dame nur als Aufhänger herhalten musste, um im glorreichen Finale nochmal einen skurrilen Auftritt zu haben.
Alles in allem fand ich das Auftreten von May mehr als unpassend. Bereits im Klappentext und anhand des Covers wird klar, dass May mit der Moral anders umgeht als der Großteil der Bevölkerung. Der Autorin gelingt es, dass man als Leser in einigen Momenten sogar Sympathie für May aufbringt, doch diese ist mir schnell abhandengekommen. Auch wenn diese überspitzte Darstellung sicherlich so gewollt ist, kann ich das leider nicht gutheißen.
Die einzelnen Erzählstränge haben jeweils Potential für interessante Hintergründe, werden aber leider zu kurz abgehandelt, sodass mir keine der handelnden Personen wirklich authentisch erscheint.

Einige angesprochene Probleme sind auf jeden Fall wichtig, bleiben aber aufgrund der Oberflächlichkeit eher Nebensache.
Der Täter war mir leider auch schon fast zu Beginn des Buches bekannt, auch wenn ich zwischendurch andere Ideen hatte. Leider konnte man nicht wirklich viel miträtseln.
Das Ende war dann so überhastet und übertrieben, dass es auch das nicht mehr rausreißen konnte.

Fazit:
Von mir gibt es für diesen Kriminalroman leider keine Empfehlung für eingefleischte Krimifans. Die Fortsetzung werde ich nicht lesen.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Wo ist der Horror?

REM
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Was wäre, wenn wir unsere Träume aufzeichnen und uns am nächsten Morgen ansehen könnten? Wenn wir unseren dunkelsten Albträumen ins Gesicht sehen könnten? Der Preis dafür jedoch zu hoch wäre?
Um diese ...

Was wäre, wenn wir unsere Träume aufzeichnen und uns am nächsten Morgen ansehen könnten? Wenn wir unseren dunkelsten Albträumen ins Gesicht sehen könnten? Der Preis dafür jedoch zu hoch wäre?
Um diese Grundfrage dreht sich der Horror-Thriller „REM“ von Sebastian Fitzek in Zusammenarbeit mit Annika Strauss.
Das Cover des Buches ist düster und gruselig und hat bei mir bereits eine große Erwartungshaltung aufgebaut.
Leider konnte der Inhalt da nicht mithalten.
Der Schreibstil ist ziemlich einfach und platt. Vom versprochenen Horror habe ich nicht viel gemerkt. Klar gab es einige gruselige Szenen, viel Blut und dunkle Gestalten, aber nichts davon konnte mich emotional erreichen. Woran das lag, kann ich gar nicht genau benennen.
Die Grundidee des Buches finde ich super. Wer würde nicht gern mal einen Blick auf seine nächtlichen Träume werfen? Aber was daraus gemacht wurde, war für mich verwirrend, abstrus und einfach nur drüber.
Der Beginn war richtig vielversprechend. Jedoch baute es mit Fortschreiten der Story immer weiter ab. Oft habe ich nur den Kopf geschüttelt über die nächste absurde Szene.
Die Erklärung der Geschehnisse war für mich auch nicht wirklich Horror, sondern eher Fantasy oder Science-Fiction.
Lobend möchte ich jedoch die Illustrationen im Buch, gezeichnet von Jörn Stollmann, erwähnen. Diese haben mir wirklich gut gefallen.
Leider kann ich dieser Geschichte insgesamt nur 2 von 5 Sternen geben. Ich war sehr enttäuscht und hätte mir wirklich mehr Spannung und Grusel erhofft.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Emotionslose Geschichte, die so viel mehr Potential gehabt hätte!

Real Americans
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„Real Americans“ von Rachel Khong – ein Roman, der als herausragender New-York-Times-Bestseller beworben wird.
Mich konnte er leider nicht überzeugen.
Das Cover und den Einband finde ich insgesamt recht ...

„Real Americans“ von Rachel Khong – ein Roman, der als herausragender New-York-Times-Bestseller beworben wird.
Mich konnte er leider nicht überzeugen.
Das Cover und den Einband finde ich insgesamt recht nichtssagend; die gezeigte Auster findet sich jedoch als Motiv im Buch wieder und somit ist es dann wieder stimmig.
Das Buch ist in 3 Teile gegliedert, die jeweils eine andere Sicht aufzeigen.
Zunächst begleitet man Lilly, Tochter von chinesischen Auswanderern, die in Amerika lebt und deren Eltern sehr viel Wert darauf legen, ein „richtiges“ amerikanisches Leben zu leben und der Tochter möglichst keine chinesischen Werte und Traditionen vorzuleben. Sie ist als unbezahlte Praktikantin tätig und lernt bei einer Feier Matthew Maier kennen – einen sehr reichen Sohn und Erbe eines multinationalen Pharmaunternehmens. Die Liebe zwischen den beiden ist von Anfang an unausgeglichen und es hat mich sehr gestört, dass Lilly sich förmlich in die Abhängigkeit begeben hat ohne jeglichen Widerstand.
Gefühle und tiefe Gespräche finden zwischen den beiden nicht statt. Der Schreibstil ist distanziert und man hat das Gefühl, dass Alltagssituationen einfach abgespult werden. Teilweise hatte ich sogar beim Lesen das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe, da man plötzlich in einer anderen Situation war ohne weitere Begründung oder Nachvollziehbarkeit.
Im 2. Teil begleitet man Nick, Sohn von Lilly und Matthew. Lilly und er wohnen auf einer kleinen Insel in ärmlichen Verhältnissen und Nick hat immer mehr die Frage im Kopf, wer eigentlich sein Vater ist.
Grundsätzlich konnte ich mich in die Gedankenwelt von Nick etwas besser hineinversetzen als in die seiner Mutter. Aber auch hier wurde das Leben einfach abgespult.
Im 3. Teil des Buches kommt dann die Großmutter May/Mei zu Wort, die als junge Frau aus Peking geflohen ist und in Amerika ihren Traum vom Arbeiten in der Wissenschaft erfüllen konnte. Ihre Sichtweise hat viele Situationen aus der Vergangenheit erklärt, war mir aber zu spät. Den Blick auf ihre Kindheit in China, die dortigen Traditionen und die Entwicklungen unter Mao Zedong fand ich sehr interessant, konnten aber den Rest des Buches für mich nicht mehr aufwiegen.
Grundsätzlich hatte ich mit dem Schreibstil keine Probleme – es ließ sich leicht und flüssig lesen.
Meine Erwartungen auf eine große Familiengeschichte mit tieferen Emotionen und Entwicklungen wurden leider enttäuscht.
Der Roman beinhaltet unglaublich viele wichtige Themen wie Herkunft, Identität, aber auch offenen und versteckten Rassismus in so vielen Lebenslagen. An sich sind dies alles Themen, die einen tiefgründigen Roman erwarten lassen und hier leider nicht das bestehende Potential ausgeschöpft wurde.
Die über allem schwebende Frage der Genetik und welches Recht der Mensch hat, an dieser herumzudoktern, wurde immer mal wieder angerissen und zog sich als roter Faden durch das Buch. Die Auflösung der Geheimnisse kam für mich jedoch viel zu schnell und oberflächlich.
Insgesamt hatte ich mit diesem Buch leider keine große Freude. Für mich war es eher eine Enttäuschung und ich würde es somit auch nicht weiterempfehlen. 2 von 5 Sternen!

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