Berührende und packende Geschichte zwischen Ost- und Westdeutschland
Damals waren wir freiZum Inhalt:
Elly aus Ost-Berlin ist 1968 zu Besuch bei Verwandten in Frankfurt am Main und lernt bei einem Doors-Konzert Uli kennen, der in West-Berlin studiert und in den sie sich sofort verliebt. Die ...
Zum Inhalt:
Elly aus Ost-Berlin ist 1968 zu Besuch bei Verwandten in Frankfurt am Main und lernt bei einem Doors-Konzert Uli kennen, der in West-Berlin studiert und in den sie sich sofort verliebt. Die eine intensive Woche bleibt nicht ohne Folgen, doch Elly kehrt zu ihrem kleinen Sohn André und ihrem langjährigen Freund Bernd nach Ost-Berlin zurück, ohne zu wissen, dass sie schwanger ist.
20 Jahre später erfährt Mina von ihrem leiblichen Vater und sie macht sich auf die Suche, mit Hilfe von Medizinstudent Jan aus West-Berlin.
Meine Meinung:
Von Anfang an hat mich diese Geschichte dank des so lebendigen und warmherzigen Schreibstils gefangen genommen. Die Personen sind so wahnsinnig liebevoll und authentisch gezeichnet. Mit Elly und Mina als Protagonistinnen konnte ich mich gleich identifizieren und ich habe mich ihnen sehr nah gefühlt, und auch alle anderen Personen – Oma „Nonna“ Marianne, beste Freundin „Ratte“, Mitglieder von Minas Band, Uli, Jan etc. – sind so gelungen und aus dem Leben gegriffen angelegt, dass man sie alle gleich ins Herz schließen MUSS.
Die Geschichte zwischen Ost und West, auf zwei unterschiedlichen zeitlichen Ebenen von 1968 bis 1988/89, funktioniert prächtig. Sie hat einen sehr gelungenen Spannungsbogen, so dass man die ganze Zeit mitfiebert, und lebt natürlich auch von der Aufbruchstimmung vor der Wende, gerade in Ost-Berlin.
Dadurch, dass man die Personen sofort ins Herz schließt und mit ihnen mitfiebert, erlebt man die Geschehnisse des Mauerfalls ganz besonders intensiv und dieses besondere Kapitel deutscher Geschichte berührt einen wieder zutiefst.
Ich fand es total interessant, welche Rolle eine Lokalität wie der Tanzpalast spielte, wo sich die Menschen in Ost-Berlin getroffen haben und wo man genau spürte, dass die Menschen nicht mehr zu Hause herumsitzen wollten, sondern rausgehen und feiern und zusammen sein.
Neben der spannenden Handlung, den tollen Charakteren und den gut nachvollziehbaren Gefühlen hat der Roman für mich auch viele sehr philosophische Seiten und vieles, was mich nachhaltig bewegt, ohne sperrig zu sein. So gibt es zum Beispiel ein Gespräch zwischen Minas Oma „Nonna“ Marianne und ihrer besten Freundin „Ratte“ über das trübe und deprimierende Novemberwetter, das Ratte nicht gefällt. In dem Gespräch berichtet Nonna Ratte von ihrer Einstellung, dass das Leben in Zyklen abläuft und was sie gerade am November schätzt, in dem man sich neu sortieren und sich zu Hause einkuscheln kann.
Besonders gut gefällt mir, dass der Roman absolut ergreifend erzählt ist, ohne pathetisch zu sein.
Fazit:
Dieses unglaublich emotionale und mitreißende Buch ist für mich eines der Lese-Highlights aus diesem Jahr. Wenn ich mehr als fünf Sterne geben könnte, würde ich das tun.