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Veröffentlicht am 09.12.2024

Psychoanalyse in nicht-westlichen Gesellschaften

Kultur und Psyche
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Lassen sich die theoretischen Annahmen der Psychoanalyse einfach so auf nicht-
westliche Gesellschaften übertragen? Die Psychoanalyse kam schon sehr früh, ab ca.
1922, nach Indien und seitdem haben sich ...

Lassen sich die theoretischen Annahmen der Psychoanalyse einfach so auf nicht-
westliche Gesellschaften übertragen? Die Psychoanalyse kam schon sehr früh, ab ca.
1922, nach Indien und seitdem haben sich verschiedene indische Analytiker mit ihrer
Anwendung in ihrem Heimatland beschäftigt.

Der Autor, ein indischer Psychoanalytiker, nähert sich dieser Frage in verschiedenen
Aufsätzen, die im vorliegenden Buch abgedruckt sind. Er zeichnet einen geschichtlichen Umriss der Psychoanalyse in Indien und berichtet, wie ihm in seiner eigenen Selbsterfahrung bewusst wurde, wie groß der Einfluss seiner Kultur auf sein
psychisches Erleben ist – und wie fremd dieses einem westlichen Analytiker manchmal sein kann. Dazu analysiert er, welche Merkmale „Indisch-Sein“ – trotz aller vorhandenen Unterschiede in diesem riesigen, bevölkerungsreichen Land – in Abgrenzung zu westlichen Kulturen ausmachen können.
Die westliche Psychoanalyse baut beispielsweise sehr stark auf der Individualität und
Unabhängigkeit des Einzelnen auf, die in der westlichen Sozialisation stark betont wird, während Inder sich stärker über ihre Beziehungen zu anderen wahrnehmen und das auch in der Psychoanalyse anerkannt wissen wollen. Das zeigt sich auch darin, dass indische Säuglinge und Kleinkinder in deutlich engerem Körperkontakt zur Mutter aufwachsen als westliche und dadurch in ihrer Entwicklung stark geprägt werden.

Wird die Kultur des Analysanden in die Analyse nicht einbezogen, so besteht etwa die
Gefahr, dass dieser, um dem Analytiker gefallen zu wollen, versucht sich an dessen
kulturelle Vorstellungen und Werte anzupassen und seine eigene kulturelle Herkunft
aus der Therapie auszuklammern. Deshalb ist eine kultursensitive, offene Haltung des
Analytikers sehr wichtig, meint Kakar.

In den nächsten Aufsätzen analysiert der Autor Schlüsselbegriffe der Psychoanalyse,
etwa die Kastrationsangst, unter einer kultursensiblen Perspektive und macht durch
Fallbeispiele deutlich, wo und unter welchen Voraussetzungen diese Konzepte auf die
indische Gesellschaft passen könnten und wo sie psychische Phänomene nur
unzureichend erklären. Die Leser bekommen dabei interessante Einblicke in die
indische Kultur und Denkweise.

Ein Aufsatz behandelt auch das spannende Thema „Liebe in der islamischen Welt“ und
betrachtet die traditionellen islamischen Liebesgeschichten von „Leila und Madschnun“ sowie von „Sohni und Mahinwal“ unter kultursensibler Perspektive und zeigt dabei mögliche Prägungen islamischer Klienten auf. Schließlich endet das Buch mit einer Betrachtung der Auswirkungen von Migration auf die Identität und Psyche eines Menschen unter psychoanalytischem Blickwinkel.

Das Buch gibt einen wunderbaren Einblick in die vielfältigen Facetten der indischen
Kultur und ihre Bedeutung für psychologische oder psychotherapeutische Arbeit. Es
zeigt auf, wie sehr Kulturunterschiede die Arbeit mit ausländischen Klienten
beeinflussen können und ermutigt, sich mit den Herkunftsländern und -kulturen der
eigenen Klienten auseinanderzusetzen. Dabei fordert es auf, sich bewusst zu machen,
wie sehr das eigene berufliche Vorgehen kulturell geprägt ist und dass die universale
Gültigkeit des in einer Therapierichtung angenommenen theoretischen Hintergrundes
kritisch zu hinterfragen ist.

Das Buch ist leicht zu lesen, kurzweilig und dennoch sehr in die Tiefe gehend und
äußerst interessant. Damit kann es allen, die sich für die indische Kultur, für
Psychoanalyse oder auch ganz allgemein für eine exemplarische Analyse möglicher
kultureller Einflüsse auf den Therapieprozess interessieren, ausdrücklich empfohlen
werden.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Zeitlos - eindringlich - nachdenklich machend

Das Bildnis des Dorian Gray
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Dieser Klassiker aus dem Jahr 1890 ist ein wirklich gutes Buch. Ich habe das Buch gestern beendet und denke immer noch darüber nach… über die Oberflächlichkeit der Menschen und wie sie jemandem, der jung ...

Dieser Klassiker aus dem Jahr 1890 ist ein wirklich gutes Buch. Ich habe das Buch gestern beendet und denke immer noch darüber nach… über die Oberflächlichkeit der Menschen und wie sie jemandem, der jung und attraktiv aussieht, nichts Schlechtes zutrauen wollen. Wie viel von Dorians Lebensstil nur möglich ist, weil statt ihm das Bild altert.

Das Buch berührt tiefe Menschheitsthemen und ist dabei trotzdem überwiegend in einer zugänglichen, auch heute gut lesbaren Sprache geschrieben.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Eine stille Reise ganz alleine durch das Nachkriegsbosnien

Die Stille ist ein Geräusch
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Juli Zeh fährt im Sommer 2001 durch Bosnien. Alleine, nur begleitet von ihrem Hund. Wenige Jahre nach dem Kriegsende dort. Sie beobachtet, lernt Menschen kennen, fängt die Stimmung ein. Ein stilles und ...

Juli Zeh fährt im Sommer 2001 durch Bosnien. Alleine, nur begleitet von ihrem Hund. Wenige Jahre nach dem Kriegsende dort. Sie beobachtet, lernt Menschen kennen, fängt die Stimmung ein. Ein stilles und genau dadurch sehr interessantes Memoir eines spannenden Ortes, den damals kaum Menschen aus Mittel- und Westeuropa bereist haben. Ich war auch im Sommer 2002 und 2003 in Bosnien und erinnere mich an die besondere Stimmung dort, auch deshalb war das Buch besonders interessant für mich, weil ich vieles wiedererkannt habe. Wer gerne ein ruhiges, unspektakuläres, aber gut beobachtetes Memoir zu einer Reise durchs Nachkriegsbosnien liest, ist hier richtig.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Sehr spannendes, persönliches Memoir zur eigenen Familiengeschichte

Die Postkarte
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Die Autorin und ihre Mutter bekommen eine Postkarte, auf der die Namen vier Verwandter geschrieben stehen, die im Holocaust ermordet worden. Daraufhin macht die Autorin sich auf, deren Geschichte genauer ...

Die Autorin und ihre Mutter bekommen eine Postkarte, auf der die Namen vier Verwandter geschrieben stehen, die im Holocaust ermordet worden. Daraufhin macht die Autorin sich auf, deren Geschichte genauer zu recherchieren.

Eindrückliches Memoir, zum Holocaust, aber nicht nur dazu, auch dazu, was es bedeutet, transgenerationale Traumata mit sich zu tragen, über bis heute bestehenden Antisemitismus in Frankreich (dort spielt das Buch hauptsächlich)... aber ganz besonders ein eindrückliches Denkmal für die Ermordeten, die wir in diesem Buch ganz nahe kennen lernen und mit der Autorin um sie weinen. Berührend, eindringlich, gut geschrieben - eines meiner Lesehighlights des Jahres!

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Von einer, die das Hamsterrad verlassen hat, um ihrer inneren Stimme zu folgen

Selbst in Sicht
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In diesem humorvoll und locker-flockig geschriebenen, unterhaltsamen Buch begleiten wir die Autorin Susanne auf ihrem Weg hin zu einem authentischeren, erfüllteren Leben.

Susanne ist um die 30 und auf ...

In diesem humorvoll und locker-flockig geschriebenen, unterhaltsamen Buch begleiten wir die Autorin Susanne auf ihrem Weg hin zu einem authentischeren, erfüllteren Leben.

Susanne ist um die 30 und auf dem besten Weg zu einem in den Augen vieler angesehenen und erfolgreichen Leben: sie hat ihr Psychologiestudium mit Bestnoten absolviert, einen guten, sicheren, unbefristeten Job erreicht und ist in einer Beziehung mit einem Mann, der demnächst heiraten und Kinder kriegen will. Alles super, oder? Doch glücklich ist Susanne nicht, und die leise, nagende Stimme in ihrem Herzen, die ihr sagt, dass sie dringend etwas Gravierendes in ihrem Leben ändern sollte, meldet sich immer wieder.

An diesem Punkt sind viele Menschen irgendwann in ihrem Leben, doch nicht alle haben so viel Mut wie Susanne. Als sie spürt, dass es dran ist, auf Weltreise zu gehen, bittet sie ihren Chef um eine Auszeit. Dies wird in dieser Firma aber nicht gestattet, also kündigt Susanne den sicheren Job einfach. Sie bucht ein Ticket nach Südamerika, one-way und ganz alleine. Dort wird sie viele Monate verbringen, mit ihrer offenen, freundlichen Art Menschen kennen lernen, Gelegenheitsjobs annehmen, auf fremden Sofas und in wechselnden Hostelzimmern übernachten, durch verschiedene Länder Südamerikas (und zwischendurch auch mal wieder Europas) reisen und sich auf fremde Kulturen und den Fluss des Lebens einlassen.

Wir begleiten Susanne auf diesem Weg und erleben, wie sie mit ihren alten Ängsten, ihrem Sicherheitsdenken, Selbstwertproblemen und hinderlichen Glaubenssätzen zu kämpfen hat und diese Schritt für Schritt überwindet. Dabei wendet sie sowohl Techniken aus ihrem Psychologiestudium als auch aus den fernöstlichen Weisheitslehren an, insbesondere aus dem Yoga. Vor allem aber sieht sie sich immer wieder mutig und aufrichtig in den Spiegel, um sich selbst damit zu konfrontieren, wo sie gerade in ihrer Entwicklung steht und was als nächster Schritt dran ist.

Besonders schön habe ich an dem Buch die Beispiele dafür gefunden, wie Susanne sich auch von negativen Glaubenssätzen anderer (z.B. dazu, dass es in reichen Ländern kaum hilfsbereite, freundliche Menschen geben würde) nicht herunterziehen lässt, sondern an ihrer hoffnungsvollen, positiven Einstellung festhält, und dadurch, entsprechend dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung, auch tatsächlich immer wieder durch die schönen Erfahrungen und netten Begegnungen, sie sie erlebt, in ihrer lebensbejahenden und menschenfreundlichen Haltung bestätigt wird.

Als eine, die selbst sowohl gerne individuell reist, als auch ihrer inneren Stimme folgt, habe ich mich mit Susanne beim Lesen des Buches sehr verbunden gefühlt und mich über jeden ihrer Schritte zur Selbstbefreiung gefreut. Das Buch ist unterhaltsam, angenehm und lebensnah geschrieben, es fällt einem leicht, sich in die Protagonistin einzufühlen und ihren Weg innerlich mitzuerleben. Es ist ein Buch, das Hoffnung, Optimismus und Menschenfreude vermittelt und damit unglaublich gut tut in einer stark von Krisen und Pessimismus geprägten Zeit. Alles Gute auf deinem weiteren Weg, liebe Susanne, und danke für dieses inspirierende Buch!

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