Ein schön geschriebenes Buch mit hoffnungsvollen Impulsen
HoffnungIch fand die Texte im Buch überwiegend angenehm zu lesen und mochte auch die grundlegende Struktur. Nermin Ismail macht sich zuerst Gedanken über den Wortursprung von "Hoffnung" und fasst verschiedene ...
Ich fand die Texte im Buch überwiegend angenehm zu lesen und mochte auch die grundlegende Struktur. Nermin Ismail macht sich zuerst Gedanken über den Wortursprung von "Hoffnung" und fasst verschiedene Positionen dazu zusammen. Mir persönlich war dieser Teil zu theoretisch, ich finde ihn in diesem Buch aber trotzdem schlüssig.
Viel mehr gefallen hat mir dann die pragmatische Portraitierung verschiedener Menschen. Die Autorin legte hier einen Fokus auf Menschen ethnischer und/oder religiöser Minderheiten bzw. auf als von der Mehrheitsgesellschaft "anders" markierte Menschen. So können Lesende die Trauer von Hanau-Hinterbliebenen sowie das Trauma von Überlebenden des Genozids an den Bosniak:innen oder von Uigur:innen zumindest in Ansätzen nachvollziehen. Sie alle eint trotz allem Schlimmen ein Weitermachen, das die Autorin mit Hoffnung übersetzt.
Eindrücklich fand ich zudem, dass vor allem Privilegierte sich der eigenen Machtposition bewusst werden sollten, um diese für ein solidarisches Hoffen einzusetzen. Denn die eigene hoffnungsvolle Vision muss im Einklang sein mit einem grundsätzlichen Streben nach einer von Gleichheit und Respekt gesprägten Welt. Dazu gehört auch, dass sich Menschen verschiedener Ansichten wieder begegnen und austauschen können. Erst durch Brücken kann Empathie und damit Solidarität nachhaltig gebaut und erhalten werden.
Die Autorin richtet sich auch mit klaren Worten an ihre Journalismus-Kolleg:innen, denn unsere auf Katastrophenmeldungen ausgerichtete Berichterstattung macht es der Hoffnung schwer, obwohl so viel Gutes bereits passiert. Gerade nach den schlimmsten Taten kann eine gesellschaftliche Solidarität beobachtet werden, die es jedoch selten in die Medien schafft.
Am Ende kamen mir einige Gedanken ein wenig repetitiv vor, doch ich behalte die Lektüre grundsätzlich positiv in Erinnerung. Vor allem nehme ich mir mit, dass Hoffnung ein Privileg und eine Grundvoraussetzung gleichermaßen ist, die nicht von allein kommt, sondern aktiv erhalten werden muss. Denn Aufgeben kann schlicht keine Option sein, wenn ein gutes Leben angestrebt wird - das kann ich vor allem von Menschen lernen, die trotz absolutem Grauen weiter für ein besseres Morgen kämpfen. Damit schafft die Autorin es, "Hoffnung" zu entromantisieren, denn sie ist eben kein von toxischer Positivität getriebenes Gefühl, sondern bedeutet manchmal schlicht, trotzdem weiterzuleben.