Profilbild von IlonaThoem

IlonaThoem

Lesejury Profi
offline

IlonaThoem ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit IlonaThoem über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2025

Magie, Mythen und die Liebe

Faebound
0

Auch wenn "Faebound" nicht das uneingeschränkte Highlight geworden ist, mit dem ich gerechnet hatte, so war es am Ende doch eine schöne Geschichte.

Was mir sehr gut gefallen hat, ist die mythische Erzählung ...

Auch wenn "Faebound" nicht das uneingeschränkte Highlight geworden ist, mit dem ich gerechnet hatte, so war es am Ende doch eine schöne Geschichte.

Was mir sehr gut gefallen hat, ist die mythische Erzählung zu den drei Gottheiten, die am Anfang des Buches steht und immer wieder aufgegriffen wird. Sie ist es auch, die hauptsächlich meine Neugier auf die weiteren Bände der Reihe weckt, denn in "Faebound" haben unsere Protagonist*innen gerade angefangen ihre Bedeutung und die Geschichte und das Schicksal ihrer Welt und Völker zu erkunden. Weil mir dieses Thema am meisten zugesagt hat, war Lettle meine Lieblings-prota. Sie ist Wahrsagerin und folgt ihrer Schwester ins Exil, als diese bei ihrem ersten Einsatz als Kommandantin der Armee einen Fehler macht.

Bis etwa zur Mitte des Buches ändert sich die Erzählung immer wieder, von der Schilderung von Yeeran und ihrer Liebhaberin, über das Schlachtfeld, die Jagd im Wald zu Beginn des Exil und dann die Begegnung mit den Fae. Mich hat das gestört, mir fehlte die Zeit in einem Setting und Erzählabschnitt anzukommen, bevor es weiter geht. Nach der Ankunft bei den Fae wurde es besser und ich begann die Charaktere zu verstehen und eine tiefere Bindung aufzubauen. Die Geschichte mit ihren Wirrungen und Wendungen fing an mir immer besser zu gefallen. Es lauern Liebe, politische Intrigen und Geheimnisse.
Besonders gefallen hat mir die immer wieder poetisch berührte Sprache und die lebendigen, fast haptischen Beschreibungen. Das Worldbuilding ist queernormativ, so dass nicht nur queere Beziehungen selbstverständlich auftauchen, auch Gender ist eine offene Kategorie und neopronomen finden sich immer wieder im Text. Mit Yeeran liegt der Fokus auf eine sapphischen Liebesgeschichte. Mich hat auch die Einbindung von chronischem Schmerz über Lettles Behinderung berührt.

Der starke Beginn hat meine Neugier geweckt und auch wenn es dann für mich emotional ein bisschen gehangen hat, wurde das Buch mit der Zeit ein befriedigendes Erlebnis. Ich könnte mir vorstellen, die Reihe weiter zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.01.2025

Ein Buch, das im Grunde ein Podcast ist

Dialog. Gespräche über Autismus.
0

Im Grunde beinhaltet das Buch ein langes Gespräch zwischen den nicht-autistischen Claus Dick und dem autistischen Andreas Croonenbroeck, der als Gründer des "Autismus verstehen" Magazin eine gewisse Bekanntheit ...

Im Grunde beinhaltet das Buch ein langes Gespräch zwischen den nicht-autistischen Claus Dick und dem autistischen Andreas Croonenbroeck, der als Gründer des "Autismus verstehen" Magazin eine gewisse Bekanntheit hat. Sie gehen mit dem Autismus-Fokus lebensgeschichtlich chronologisch durch die Erfahrungen in Kindergarten, Schule, Berufsleben und sprechen am Ende über die späte Diagnose. Das ganze las sich für mich leicht, auch die graphische Gestaltung, mit den seitlich gegliederten und durch kursive Schrift differenzierten Redebeiträgen sowie den kleinen Definitions- oder Hintergrundseinschüben am Rand, war klar und aufgeräumt. Ich würde das Buch als niedrigschwellig beschreiben, Vorwissen wird nicht vorausgesetzt. Es eignet sich meiner Meinung nach auch gut bei Interesse am Thema ohne tief einsteigen zu wollen. Dabei geht es eben viel um die Erfahrungen von Andreas, andere autistische Perspektiven, wie zb nicht-sprechender oder früh diagnostizierter Autistinnen bekommen keine differenzierte Aufmerksamkeit. Schön ist, dass durch das Gesprächsformat mögliche Reaktionen nicht-autistischer Lesenden gezielt aufgegriffen werden, da Claus diese aus seiner Perspektive formuliert. Ich denke, das kann maßgeblich dazu beitragen ansonsten häufige Abwehrreflexe zu umgehen. Auch, wenn das Buch mMn keine große Tiefe aufweist oder sehr persönlich wird, sind die Schilderungen dazu, was Autismus heißen kann nicht unbedingt oberflächlich. Sie fokussieren die Innenperspektive und bringen komplexe Sachverhalte auf dieser Erfahrungsebene recht klar zum Ausdruck. Ich fand durchaus das relevante Punkte abgedeckt wurden und zt auch mit einer hilfreichen Deutlichkeit, die bei komplex-umfassender Darstellung gern mal verloren geht.
Ein übergeordneter Blick auf Inklusion und Behinderung oder auch psy
system Kritik findet sich nicht, lediglich vor ABA und Co wird am Ende gewarnt. Das Buch hat wirklich keinen anklagenden, wütenden Ton.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2024

unterhaltsames Familienchaos

Zwischen Ende und Anfang
0

Wer einen netten Schmöker sucht um den eigenen Problemen etwas zu entkommen indem es um die der Anderen geht liegt mit diesem Buch genau richtig. Lilas Leben sieht am Anfang ziemlich kaputt aus, aber auf ...

Wer einen netten Schmöker sucht um den eigenen Problemen etwas zu entkommen indem es um die der Anderen geht liegt mit diesem Buch genau richtig. Lilas Leben sieht am Anfang ziemlich kaputt aus, aber auf eine mittelschicht Art und Weise. Sprich, der Mann hat ne Neue, ihr Haus ist alt und sanierungsbedürftig, der nach dem Tod von Lilas Mutter eingezogene Großvater kocht zu gesund, ihre Agentin möchte Sex-Szenen im neuen Buch und dann taucht unerwartet Lilas leiblicher Vater auf. Entsprechend ist der Ton zu Beginn durchaus etwas schwermütiger, aber auch mit viel Situationskomik und Humor durchsetzt.
Die Charakte
re sind deutlich gezeichnet und es entstand bei mir schnell eine lebhafte Idee des Zusammenlebens dieser Familie. Die Rollen sind relativ schnell klar und die Charakterentwicklung lässt sich Zeit und schlägt ein gemütliches Tempo an. Viel Spannung oder gar eine Sogwirkung konnte das Buch mit seiner Erzählweise bei mir nicht aufbauen. Die Handlung fließt so vor sich hin und ich fand es angenehm mich dem beim Lesen einfach hinzugeben. Wenn ich das Buch dann zugeklappt habe, hatte ich aber auch kein großes Bedürfnis (sofort) weiterzulesen. Manche Entwicklungen bringen etwas Schwung ins Geschehen und manche lösen sich mit schönen feinfühligen, andere mit kraftvollen Statement-Szenen auf. Mit der Zeit wendet sich alles zum Guten, dann wieder nicht, dann wieder doch… Mir war das insgesamt ein bisschen zu langatmig. Insbesondere, weil zwischendurch auch der Humor und die Situationskomik weniger werden. Am Ende kann ich sagen, die Erzählung ist rund, in der Länge in der sie daherkommt, aber zwischendurch dachte ich schon mal, hier könnte das Buch auch zu Ende sein.

Schön war die Kritik an dem „spice“ Verlangen in Büchern und an der Vermarktung des eigenen Lebens und der eigenen Erfahrungen. Das fand ich über das ganze Buch hinweg sensibel und differenziert thematisiert, ohne dass ich es als Hauptfokus gesehen habe.
Besonders berührt haben mich die Kapitel aus der Sicht von Lilas Teenagertochter.

Auch wenn Lila die Hauptperson ist nimmt sich Jojo Moyes die Zeit für authentische Charakterentwicklung der anderen Figuren. Im Zusammenspiel mit Lilas Entwicklung ergibt sich daraus eine ganz gute erzählerische Harmonie. Es gefällt mir sehr gut, wie die Autorin die Persönlichkeit ihrer Charaktere respektiert in der Art wie ihre jeweiligen Entwicklungen sich darstellen.

Also, ein wirklich nettes Buch mit einigen Themen, interessanten Charakteren und einem leichten Tiefgang.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2024

anfang zäh, ende cute

Lessons in Faking
0

Die Frage, die sich mir nach den ersten Kapiteln gestellt hat war, deutsch oder englisch? Mit der deutschen Übersetzung war ich nicht so glücklich, weil sie sich durch den eher umgangssprachlichen, wörtliche ...

Die Frage, die sich mir nach den ersten Kapiteln gestellt hat war, deutsch oder englisch? Mit der deutschen Übersetzung war ich nicht so glücklich, weil sie sich durch den eher umgangssprachlichen, wörtliche Rede lastigen Schreibstil etwas holprig las. Aber als ich auf englisch weitergelesen habe, wurde ich zunächst trotzdem nicht wärmer mit den Charakteren. Ich mag meinen Hauptcharakter gern etwas reflektierter, umsichtiger, als Athalia das war. Aber gerade deswegen hat mich der sarkastisch-neckende Umgangston mit bald fake-boyfriend McCarthy gut abgeholt. Mal abgesehen davon, dass ich die fake dating trope einfach sehr mag und sie hier wirklich fantastisch umgesetzt wurde

Mit der Zeit wird auch deutlich, dass Schreibstil und Inhalt gut aufeinander abgestimmt sind, bis dahin war es für mich durchaus eine zähe erste Hälfte. Aber die Art und Weise, wie sich Athalias Beziehungen aufbauen und verändern ist schön. Die Art und Weise, wie sie Dinge verdrängt, zu verdrängen sucht, in Sarkasmus ertränkt und leise und wunderschön doch Boden unter ihren Gefühlen findet. Je weiter ich gelesen habe, umso mehr hat mich das berührt. Diese Art der Charakterentwicklung hat mir in der Rückschau sehr gut gefallen, sie ist vielleicht ehrlicher und realistischer als ich sie sonst oft lese. Zu den Themen, die dann doch noch unerwartet etwas Tiefgang bekommen zählt auch Athalias Trauer um ihre verstorbenen Eltern.

Das Geplänkel zwischen Athalia und McCarthy hat das Buch getragen. Und naja, ab dem ersten Kuss habe ich auch so richtig schön breit und platt vor mich hin gegrinst, weil dieses Verliebtheitsgefühl quasi aus den Seiten quillt. Dazu setzt die Autorin auf körperliche Anziehungskraft mit einigem an „spice“.

Ein nettes Buch, beileibe kein Highlight, aber auch weit entfernt von dem Flop für den ich es am Anfang gehalten habe. Ein bisschen weniger zäh und ich hätte es richtig gut gefunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2024

Die Monster im Unter_Bewussten

Grace (Academy of Dream Analysis 2)
0

Der zweite Band knüpft nahtlos an den ersten an. Ich brauchte dennoch länger als erwartet, um wieder in die Geschichte rein zu kommen. Vermutlich wäre das anders gewesen, wenn ich beide Bände direkt hintereinander ...

Der zweite Band knüpft nahtlos an den ersten an. Ich brauchte dennoch länger als erwartet, um wieder in die Geschichte rein zu kommen. Vermutlich wäre das anders gewesen, wenn ich beide Bände direkt hintereinander weg gelesen hätte. Nachdem ich mich wieder eingelesen hatte, hat mich Mercys und Nemesis Geschichte wie schon im ersten Band berührt und mitgerissen.

Die Themen des zweiten Bandes unterscheiden sich nicht sehr von denen des ersten, sowohl Mercy, als auch Nemesis haben mit ihrer Vergangenheit und ihren persönlichen Dämonen zu ringen, in dieser Fantasy-welt auch wortwörtlich. Auf sich selbst zurückgeworfen ist ihre Beziehung miteinander doch der Dreh- und Angelpunkt. Mir hat es gut gefallen, wie viel Zeit sich Ruby Braun für die Entwicklung der beiden nimmt. Dieses Pacing, auch das hin und her, vor und zurück, stocken und zaghaft oder entschlossen werden, des Heilungsprozesses kommt sehr authentisch rüber. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, innere Abgründe und liebenswerte Eigenschaften. Ich mag diese, statt schwarz-weiß, sehr in die Grautöne greifende Darstellung. Der Endpunkt war okay, aber ich habe einfach nicht den Eindruck, schon am Ende von Mercys und Nemesis Geschichte zu stehen.

Das Akademie-setting, der Alltag als Studierende, tritt in diesem Band sehr in den Hintergrund, was ein bisschen schade ist. Insgesamt habe ich doch zu wenig von der Welt der Traumwandelnden kennen lernen dürfen, sodass auch die Themen, die prinzipiell größer und politischer in dieser Welt relevant werden müssten, sehr klein und persönlich bleiben. Diese persönlichen Ebenen finde ich gut ausgearbeitet und die Möglichkeiten dieser spezifischen Fantasy-welt gut für ihre Veranschaulichung genutzt. Aber ein wenig Weite hätte dem Buch meiner Meinung nach gut getan.

Die „Academy of Dream Analysis” Reihe hatte leider für mich ein wenig zu viel ungenutztes Potential, gerade, weil mich das, was da ist überzeugt hat!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere