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Veröffentlicht am 28.01.2025

Interessante Erzählweise

Dancing Queen
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„Die Orientierungslosigkeit der Millennials“ hat mich zunächst irritiert, ich musste mich sozusagen erst einlesen in Paulinas Geschichte. Paulina wacht blutend und bewegungsunfähig in einem verunfallten ...

„Die Orientierungslosigkeit der Millennials“ hat mich zunächst irritiert, ich musste mich sozusagen erst einlesen in Paulinas Geschichte. Paulina wacht blutend und bewegungsunfähig in einem verunfallten Auto auf, das Mädchen auf dem Beifahrersitz kennt sie nicht. Was ist passiert?

Die Mittdreißigerin bekommt gefühlt nichts auf die Reihe, ihre biologische Uhr tickt, mit dem Freund, den sie nicht halten kann, trifft sie sich so dann und wann, denn so ganz kann sie ihn nicht loslassen, er schwirrt noch immer in ihren Gedanken herum. Sie liest Liebesgeschichten, die sie so nie erleben wird, hängt ihrem jüngeren Ich nach. Sie fühlt sich „wie ein Musikstück mit überwiegend dissonanten Tönen“. Sie lebt in Buenos Aires, ist mit ihrer Kollegin Maite auf dem Weg zu deren Zuhause, sie lernt neue Leute kennen, zwischendurch dann schwenkt der Fokus in das Unfallfauto mitsamt Paulina und dem Mädchen, von dem wir irgendwann erfahren, dass sie Lara heißt.

Wie oben erwähnt, war ich ziemlich ratlos, nachdem ich von dem Unfall gelesen und gemeint habe, jetzt ginge es „normal“ weiter. Was auch immer als normal gelten mag. Nun, das Leben kommt Paulina in Gedankenfetzen dazwischen, was auch angesichts ihrer Situation durchaus verständlich scheint. Zumindest dann, wenn die wie lose zusammengesammelten Ideen besser greifbar werden und spätestens dann war ich mit Paulinas Geschichte versöhnt.

Camila Fabbri hat schon einen ganz eigenen Schreibstil, der als zerrissen durchgehen kann, wenn man sich auf diese Art der Darstellung nicht einlassen will oder kann. Alle Charaktere sind eher kurz skizziert und auch Paulina kommt eher steril, ja blutleer bei mir an. Vordergründig ist sie es, von der erzählt wird. Und eigentlich ist es die Generation der Millennials, die durchs Leben stolpern.

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Veröffentlicht am 25.01.2025

Brandgefährlich!

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
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„Zwei Länder. Zwei Ermittler. Mysteriöse Grenzfälle.“ Jahn und Krammer ermitteln in ihrem nunmehr fünften gemeinsamen Fall.

Ein Auto kommt von der Straße ab, touchiert das Verkehrsschild, ein Hindernis ...

„Zwei Länder. Zwei Ermittler. Mysteriöse Grenzfälle.“ Jahn und Krammer ermitteln in ihrem nunmehr fünften gemeinsamen Fall.

Ein Auto kommt von der Straße ab, touchiert das Verkehrsschild, ein Hindernis bringt es zum Stehen. Diese gespenstische Szene beobachtet eine Zeugin, die schon eine Weile hinter diesem Fahrzeug herfährt. Auch sieht sie, wie eine Frau auf der linken Seite aussteigt, etwas ins Auto wirft und wegläuft. Der nächtliche Wald verschluckt sie sofort. Das verunfallte Fahrzeug brennt aus, die Ermittler finden darin eine verkohlte Leiche. Das Mysterium um diese verschwundene Frau wirft Fragen auf, zumal der Beifahrer der Augenzeugin keine weitere Person gesehen hat.

Kurze Zeit später steht eine Villa in Flammen, auch hier finden sie eine Tote. Es kommt zu weiteren Brandanschlägen, sowohl auf der deutschen als auch auf der österreichischen Seite. Dass es sich um Brandstiftung handelt, beweist allein die Tatsache, dass Brandbeschleuniger gefunden werden. Alexa Jahn und ihr österreichischer Kollege Bernhard Krammer ermitteln grenzübergreifend gemeinsam als auch mit ihren jeweiligen Kollegen vor Ort.

Die komplexen Fälle führen sie in eine Asylunterkunft, auch in die Reichsbürgerszene und nicht nur dahin, es geht sehr viel weiter. Wir lesen von illegalen Holzgeschäften, von Geldwäsche rund um den Immobilienmarkt und von noch so einigem mehr - die Spuren führen nach England und bis nach Afrika.

Dazwischen sind immer wieder ein paar Seiten eingeschoben, die mit ZUVOR übertitelt sind. Lange ist unklar, wer hier erzählt und was dies mit den Ermittlungen zu tun hat.

„Ihre Spur in den Flammen“ - wie hängen all diese Fälle zusammen? Man muss schon konzentriert lesen, um nicht den Faden zu verlieren. Man ahnt, dass die einzelnen Sachverhalte miteinander zu tun haben. Auch werfen die Opfer – sowohl jene, die überlebt haben als auch die Toten – Fragen auf. Bis zuletzt versteht es Anna Schneider, ihre Leser zu verwirren und sie zu fesseln. Jahn und Krammer, das grenzüberschreitende Ermittlerduo sind Tochter und Vater, was allerdings nicht jeder weiß. Beide sind sie mit Herzblut dabei, sie stellen gerne mal Privates, was schon auch erzählt wird und diese privaten Einschübe die hochkomplexen Fälle auflockern, zugunsten der Arbeit in den Hintergrund.

Die Autorin hat hier viel hineingepackt, auch führt ein alter Fall direkt in die JVA, was mich zunächst schon irritiert hat. Der fünfte Fall der grenzüberschreitenden Krimiserie ist komplex, vielschichtig und unterhaltsam, wie schon die Vorgängerbände, die jeder für sich in sich abgeschlossen sind. Und nun sehe ich gespannt dem nächsten „Grenzfall“ für Jahn und Krammer entgegen.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Die Vergangenheit drängt mehr und mehr an die Oberfläche

Die Schanze
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„Da hing er. Ein Mahnmal am Himmel…“ Der Prolog lässt mich mit einem Gefühl zurück, das von Entsetzen und Ekel bis hin zur Ratlosigkeit besteht und noch so einige Abstufungen dazwischen enthält.

Einige ...

„Da hing er. Ein Mahnmal am Himmel…“ Der Prolog lässt mich mit einem Gefühl zurück, das von Entsetzen und Ekel bis hin zur Ratlosigkeit besteht und noch so einige Abstufungen dazwischen enthält.

Einige Stunden zuvor packt Ellen Roth ihre Koffer, um zurückzukehren. Zurück in den Süden unserer Republik, zurück in ihre alte Heimat, die sie vor vielen Jahren verlassen hat. Sie übernimmt eine Hausarztpraxis, die – so wird ihr bei ihrer Ankunft sofort klar – ziemlich heruntergekommen ist. Sie joggt erst mal ne Runde, trifft auf eine Gruppe von Männern, die ihr ein Fernglas reichen. Was sie sieht, lässt alles wieder hochkommen, sie übergibt sich – was hat sie dermaßen aus der Fassung gebracht?

Alles ist ein wenig seltsam hier. Doktor Schwarz, von dem sie die Praxis übernimmt, glänzt mit Abwesenheit, trotzdem sie einen Übergabe-Termin vereinbart hatten. Überhaupt herrscht eine düstere Grundstimmung vor, was durch die winterlichen Verhältnisse noch verstärkt wird. Ellen scheint eine gute Ärztin zu sein, auch meine ich schon, dass sie eine starke Persönlichkeit wäre, auch wenn dann doch so einiges dagegen spricht und ihre verletzliche Seite immer wieder durchschimmert. Ich bin gespannt, will sie und ihre Beweggründe näher kennenlernen.

„Seit er tot ist, musste ich viel an damals denken. Mich quält noch immer mein schlechtes Gewissen…“ Wessen Gedanken dies sind, ist nicht auszumachen. Diese Andeutungen, dass früher etwas geschehen sein muss, ziehen sich konsequent durchs Buch. Die Rückblicke kommen abrupt, sie verschwimmen mit dem heutigen Geschehen. Mehr noch – die Zeitebenen vermischen sich während eines Satzes, was gerade anfangs sehr irritierend ist. Es dauert schon ne Weile, bis mir dieser Schreibstil geläufig ist.

Was damals geschehen ist, wie Ellen hier involviert war, lässt sich schon erahnen, wenngleich es lange dauert, bis dies wirklich angesprochen wird. Es gibt einen weiteren Toten und wie schon die Beschreibung zum Buch verrät, hat Ellen ein starkes Motiv. Von ihrer Familie sind noch ihre Schwester samt Ehemann und Kind sowie ihr Vater übrig und auch die Dorfbewohner kommen so nach und nach zum Vorschein. Keiner scheint sympathisch zu sein, alle könnten mit der bis jetzt vertuschten Vergangenheit zu tun zu haben. Eiskalt ist nicht nur die Witterung, eiskalt und unbarmherzig sind auch so manche Personen, eine davon scheint auf Rache zu sinnen.

Eine Lawine war es nicht unbedingt, die mich mitgerissen hat. Unterhaltsam war „Die Schanze“ aber doch. Lange hatte ich eine andere Person im Auge und war dann doch überrascht, wer denn so konsequent mit der Vergangenheit abrechnet.

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Veröffentlicht am 01.01.2025

Der Albtraum schlechthin

One Perfect Couple
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Irgendwann ist Nico bei Lyla eingezogen und auch wenn ihre Beziehung nicht zum Besten steht, so ist doch der Alltag eingekehrt. Sie ist Wissenschaftlerin, jedoch läuft das Projekt, an dem sie arbeitet, ...

Irgendwann ist Nico bei Lyla eingezogen und auch wenn ihre Beziehung nicht zum Besten steht, so ist doch der Alltag eingekehrt. Sie ist Wissenschaftlerin, jedoch läuft das Projekt, an dem sie arbeitet, bald aus. Wie es beruflich mit ihr weitergeht, steht in den Sternen. Bei Nico sieht es noch schlechter aus, er ist ein eher wenig beschäftigter Schauspieler, der nun seine große Chance wittert. Eine Realityshow steht in den Startlöchern – fünf Paare sollen auf der Insel Ever After im Indischen Ozean gegeneinander antreten. Das Ganze klingt für Nico sehr verlockend und so versucht er, Lyla dafür zu gewinnen. Nun, nach langem hin und her sagt sie zu.

„One perfect couple“ wird überwiegend aus Lylas Sicht erzählt. Sie ist ein paar Jahre älter als er und kommt mir im Gegensatz zu Nico sehr viel reifer vor. Nachdem sie in Jakarta gelandet sind, warten sie auf das Schiff, das sie und ihre Mitstreiter auf besagte Insel bringen soll. Beim ersten Kennenlernen merkt man, dass der Ton schärfer wird. Baz hat das Projekt auf die Beine gestellt und er macht sofort unmissverständlich klar, wer hier der Boss ist. Handys und sämtliche andere elektronischen Geräte werden eingesammelt. In den zwanzig Stunden, die sie mit dem Boot unterwegs sind, wird klar, dass jeder Schritt, jedes Wort auf der Insel viral geht. Privatsphäre ade.

Der erste Teil ist mit „Die Stille“ übertitelt, es ist sozusagen die Ruhe vor dem Sturm, was im wörtlichen und im übertragenen Sinne zutrifft. Teil zwei handelt dann von dem „Sturm“, der sie mit voller Wucht erwischt. Die Teilnehmer der Challenge sind auf sich alleine gestellt, das Schiff ist weg, ein Entkommen somit unmöglich. Dass der ein oder andere seine hässlichste Fratze zeigt, bleibt nicht aus. Es gilt das Recht des Stärkeren, zumindest kristallisiert sich dies immer mehr heraus, das vermeintliche Paradies verwandelt sich in einen Ort der Qual.

Die so unterschiedlichen Charaktere prallen ungebremst aufeinander, wenngleich es schon dauert, bis das Ganze so richtig Fahrt aufnimmt. Was dann, vor allem nach dem Sturm, auf der Insel passiert, ist nicht unbedingt realistisch, selbst bei diesen Unwägbarkeiten – eine Insel, fünf Paare, die sich vorher nicht gekannt haben und ein alles dominierender Charakter, der nach Lust und Laune verfährt. Die Crew ist samt dem Boot weg, es gibt Tote und keinerlei Kommunikationsmöglichkeiten und das mitten im Ozean fern jeglicher Zivilisation. „Die Abrechnung“ benennt sich dann der letzte Teil, zwischendurch lesen wir so etwas wie ein Tagebuch, welches das Geschehen so ganz anders schildert – wer schreibt dies und zu welchem Zweck? Diese Abrechnung und die Auflösung kommen mir eher wie ein Schnelldurchlauf vor, wie ein sich überstürzendes Ende. Man wartet förmlich auf etwas Großes, auf eine raffinierte, eine überraschende Wendung.

Der Thriller ist gut zu lesen und durchaus unterhaltsam, sieht man von dem nicht ganz stimmigen Ende mal ab. Ich wollte schon wissen, wie sich die hier Gestrandeten aus dieser schier ausweglosen Situation befreien oder befreit werden. Es gibt starke und schwache Momente und es gibt so einige merkwürdige Szenen, die schon auch dieser Ausnahmesituation geschuldet sein können. Ein Thriller, den ich gerne gelesen habe, der den erbitterten Kampf ums Überleben zeigt und der aufzeigt, wie die einzelnen Charaktere damit umgehen.

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Veröffentlicht am 20.12.2024

Ein sehr persönlicher Fall

Zorn – Der Fall Schröder
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„Der Fall Schröder“ ist der bereits vierzehnte Fall für Zorn und Schröder, der Kult-Thriller-Serie, die jedoch an mir bis dato vorübergegangen ist. Aber einmal ist immer das erste Mal und so steige ich ...

„Der Fall Schröder“ ist der bereits vierzehnte Fall für Zorn und Schröder, der Kult-Thriller-Serie, die jedoch an mir bis dato vorübergegangen ist. Aber einmal ist immer das erste Mal und so steige ich ganz unvoreingenommen mit Buch 14 ein. Ausgerechnet! Dieser Fall ist schon etwas anders angesiedelt, denn hier spielt Schröder die Hauptrolle. Ungewollt zwar, aber doch.

Ein Suizid wird von der Tochter des Toten gemeldet, daraufhin schickt Schröder den Kollegen Brettschneider vorbei. Kurz danach werden sie zu einem kaltblütigen Mord gerufen, ein weiteres Opfer folgt wenig später.

Bald übernimmt Zorn notgedrungen die Leitung der Ermittlungen, denn Schröder ist seltsam unbeteiligt, ist meist nicht erreichbar, dann meldet er sich krank, er scheint irgendwie neben sich zu stehen. Zorns Ehefrau Frieda, die sich gerade auf Reha befindet, ist seine Vertraute und ihm auch jetzt eine große Stütze.

Zorn ist schon ein Unikum, er ist ein wenig schräg, mit seinem Gezetere macht er seinem Nachnamen alle Ehre, seine Nerven liegen mitunter ganz schön blank. Nun, ich lerne ihn aber auch anders kennen - als liebenden Ehemann und Vater. Dieser Zorn gefällt mir schon wesentlich besser. Sei es drum – er ist in einer Ausnahmesituation, denn er macht sich schon Sorgen um Schröder, der ihm auch privat ein Freund ist.

Neben den Ermittlungen sind es die Rückblenden auf damals, die – je weiter man liest – ganz schön an die Nieren gehen. Diese zweite Erzählebene berichtet von dem Kind Schröder und von seinem Freund.

Wie gesagt – ich kenne die Vorgängerbände nicht, werde sozusagen in diesem sehr persönlichen Fall ins kalte Wasser bzw. in die Serie geschmissen. Schuldig oder nicht schuldig – das ist hier die Frage. Es geht um Freundschaft und um noch sehr viel mehr. Geht es auch um Rache?

Die Story ist spannend, die Ermittlungen sind zuweilen schon hart an der Grenze des gerade noch Möglichen. Zorn war mir in seiner Bärbeißigkeit gelegentlich ein Stück drüber, gemocht habe ich dann doch die etwas schrägen Kommentare. Nicht alle, denn er brüllt des Öfteren ganz schön rum. Schröders Erlebnisse als 12jähriger machen mich zunehmend fassungslos. Bei den heutigen Ermittlungen steht er eher neben sich, sein heller Kopf hat hier Pause. Also, werde ich beim nächsten Fall wieder dabei sein. Nicht nur, um Schröder wirklich kennenzulernen, auch wegen Stephan Ludwigs kurzweiligem Schreibstil, denn er hat mich durchgehend ans Buch gefesselt.

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