Todesursache Krankenhaus
Der Horror der frühen MedizinSchon „Abgründe der Medizin“ hat mich so gut unterhalten, wie ich es von einem Buch über die absonderliche Geschichte der Medizin nie erwartet hätte. Ich glaube zwar nicht, dass ich noch einmal so ein ...
Schon „Abgründe der Medizin“ hat mich so gut unterhalten, wie ich es von einem Buch über die absonderliche Geschichte der Medizin nie erwartet hätte. Ich glaube zwar nicht, dass ich noch einmal so ein gleichermaßen witziges wie informatives Buch zu dem Thema finden werde, aber ähnliche Auswahl gibt es dennoch. Schon lange auf meiner Liste, habe ich in meiner Bücherei nun 𝘿𝙚𝙧 𝙃𝙤𝙧𝙧𝙤𝙧 𝙙𝙚𝙧 𝙛𝙧ü𝙝𝙚𝙣 𝙈𝙚𝙙𝙞𝙯𝙞𝙣 entdeckt.
Das Buch begleitet eine Reihe von Ärzten um die Mitte des 19. Jahrhunderts, aber vor allem den englischen Chirurgen Joseph Lister (leicht zu verwechseln mit Robert Liston, der zu Beginn eine Rolle spielt). Ein beeindruckender Mediziner, der trotz vieler Rückschläge und negativer Kritiken nicht von seiner Keim-Theorie abwich, stets weitergeforscht und damit letztendlich viele Leben gerettet hat.
Der Weg dahin war weit und man mag sich gar nicht vorstellen, wie es in Krankenhäusern um 1860 zugegangen ist. Sehr bildhaft wird hier von schauerlichen Operationen ohne Betäubung berichtet. Vor Publikum! Verheerende hygienische Zustände mit vor Eiter und Blut steifen Operationsschürzen und nicht desinfizierten Operationsbesteck. Der gute alte Krankenhausmief den wir heute kennen, roch damals allerdings weitaus beklemmender, nämlich nach Tod, Schweiß und Fäkalien. Nicht ohne Grund gingen die Menschen damals nur ins Krankenhaus, wenn es unbedingt sein musste. Viel zu groß war die Gefahr, dass man am Ende nicht an der Verletzung, sondern an den Krankenhauskeimen starb.
Aber natürlich wird hier nicht nur von Horrorgeschichten erzählt, sondern wie gesagt auch von der Wissenschaft und den Hürden neue Erkenntnisse auch durchzusetzen. Erinnert wird auch an das skandalöse Ende des Ignaz Semmelweis. Aber Hauptperson bleibt Lister, den wir einiges zu verdanken haben.
Gegen Ende weist das Buch einige Längen auf, aber insgesamt ist es ein sehr interessantes und unterhaltsames Werk über die Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert.