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Veröffentlicht am 25.05.2025

Ruhiger Auftakt zu einer historischen Krimiserie

Der Tote in der Crown Row
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Zum Inhalt:
London 1901: Im Temple-Bezirk, dem traditionsreichen Zentrum der englischen Rechtswelt, findet der Anwalt Sir Gabriel Ward eine Leiche, und zwar direkt vor der Tür seiner Kanzlei. Die Londoner ...

Zum Inhalt:
London 1901: Im Temple-Bezirk, dem traditionsreichen Zentrum der englischen Rechtswelt, findet der Anwalt Sir Gabriel Ward eine Leiche, und zwar direkt vor der Tür seiner Kanzlei. Die Londoner Polizei hat dort aber keine Befugnisse und kann in diesem Mordfall nicht ermitteln. So soll Ward sich mit der Aufklärung befassen. Doch der Fall ist sehr brisant, denn bei dem Mordopfer handelt es sich um den Lordoberrichter Lord Dunning. Äußerst suspekt ist auch die Tatsache, dass die Leiche mit nackten Füßen gefunden wurde. Je mehr Ward sich in den Fall reinarbeitet, desto mehr dunkle Geheimnisse kommen ans Licht...

Meine Leseerfahrung:
Historische Krimis finde ich erst dann packend, wenn auch viel Wissen und Hintergrundinfos zu der damaligen Zeit vermittelt werden. Das schafft Sally Smith mit ihrem Debüt mit Elan. Schließlich verfügt sie als Kronanwältin, die im Temple-Bezirk lebt und arbeitet, sicherlich über genug Material, das sie als Autorin gut verwenden kann. "Der Tote in der Crown Row" gibt uns neben einem spannenden Mordfall auch einen umfassenden Einblick in den Temple-Bezirk und die Mentalität der dort arbeitenden Menschen zu Zeiten der Jahrhundertwende.

Der Anfang hat mich schnell gepackt. Ohne Umschweife ist man als Leser mittendrin im Ermittlungsverfahren und kann miträtseln. Die Charaktere sind allesamt gut ausgearbeitet. Sir Gabriel Ward habe ich von vornherein liebgewonnen. Er ist intelligent, aufmerksam und zeigt eine überaus angenehme menschliche Seite mit sozialen Komepetenzen. Dass er zudem noch gewisse Ticks wie das Ordnen und Strukturieren seines Umfelds hat, machen ihn für mich zusätzlich sympathisch. Im Laufe der Geschichte baut er seine empathischen Fähigkeiten noch weiter aus und zeigt öfter starkes Einfühlungsvermögen, was seiner schrulligen Außenseiterhaltung entgegensteht.

Dann kommt ein zweiter Fall hinzu, den Ward als Anwalt mitbetreut, und die Geschichte wird etwas konfus. Die Verbindung zum Hauptfall erschließt sich am Anfang noch nicht. Auch sorgen diese Leseabschnitte eher für Ablenkung vom eigentlichen Fall und für langatmige Stellen, die man sicherlich auch hätte kürzen oder gänzlich vermeiden können. Erst ab dem zweiten Drittel der Geschichte kommt dann endlich mehr Fahrt auf. Aufschlussreiche Dialoge und überraschende Wendungen runden den cosy Krimi gut ab.
Für Sally Smith ist "Der Tote in der Crown Row" der allererste Roman. Daher kann ich über einige schwache Stellen hinwegsehen und hoffe, dass der zweite Teil mich noch mehr überzeugt. Ich bleibe auf jeden Fall dran.

Fazit:
Sally Smith liefert mit ihrem Debüt einen soliden Auftakt mit leichten Schwächen, der dennoch für unterhaltsame Lesestunden sorgt. Cosy Crime mit Wohlfühlcharakter!

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Neue Geschichte aus der Minecraft-Welt

Minecraft Erste Leseabenteuer – Alles auf Anfang!
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Zum Inhalt:
Morton, Jodi und ihre Freunde kommen an eine neue Schule, wo sich das Einleben als schwierig gestaltet. Doch was sie weiterhin zusammenhält, ist das Spielen von Minecraft. Hier erleben sie ...

Zum Inhalt:
Morton, Jodi und ihre Freunde kommen an eine neue Schule, wo sich das Einleben als schwierig gestaltet. Doch was sie weiterhin zusammenhält, ist das Spielen von Minecraft. Hier erleben sie neue Abenteuer, als sie versuchen, dem Magier-Jungen, einem Computer-Avatar, durch die Gefahren der Minecraft-Welt zu helfen. Denn der verhält sich wie ein Neuling ohne jegliche Kenntnisse über das Spiel. Den Freunden bleibt jedoch nicht viel Zeit, weil in der realen Welt der Schulleiter mit der Abschaltung der Server droht...

Meine Leseerfahrung:
Ich habe keinerlei Erfahrungen mit dem Minecraft Spiel an sich. Aber unsere Jungs spielen es hin und wieder auf der Switch. Daher ist Minecraft ein beliebtes Thema bei uns. Kinder bekommt man eher zum Lesen, wenn man ihnen ein Buch mit einem Thema gibt, das sie auch wirklich interessiert. Unser Großer war zunächst begeistert, dann jedoch skeptisch, weil es doch viel Text zu lesen gibt. Er bevorzugt normalerweise eher die Comics von Minecraft. Einmal angefangen war er aber sofort in der Geschichte. 

Am Anfang werden zunächst die Charaktere mit entsprechenden Bildern vorgestellt. Nach einem kurzen spannenden Prolog startet die Geschichte um die Geschwister Morton und Jodi und ihre Freunde, die ihren ersten Tag auf der neuen Schule zu bewältigen haben. Super finde ich, dass hier sehr kindgerechte reale Themen eingearbeitet werden, die Kinder tatsächlich auch betreffen bzw. interessieren. Nebenbei lernen sie Tipps und Tricks über die Minecraft-Welt.

Das Buch wird zwar ab 7 Jahren empfohlen, es ist aber mE kein Erstleserbuch. Dafür ist der Text doch recht viel und nicht so einfach, auch wenn einige Sätze in einer anderen Schriftform und -größe hervorgehoben sind. Unser Großer ist in der 3. Klasse und hat gerade erst das Lesen so stark verinnerlicht, dass er sich allein mit dem Buch zurückzieht. Für unseren Erstklässler sind aktuell vielmehr die Illustrationen interessant, während wir ihm solche Geschichten eher vorlesen. Dafür eignet sich dieses Buch ganz gut. Die Story ist lustig, spannend und lehrreich, was insbesondere die Minecraft-Welt anbelangt. Die Altersempfehlung würden wir aber doch eher 2 Jahre hochstufen.

Fazit:
Eine spannende Abenteuergeschichte für Kinder, die gern lesen oder sich vorlesen lassen, und Fans der Minecraft-Welt sind!

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Killermäßige Unterhaltung

Leather & Lark - Hass und Liebe liegen nah beieinander
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Zum Inhalt:
Lachlan "Leather" Kane ist nicht nur der ältere Bruder des Serienkillers Rowan "Butcher", sondern arbeitet selbst als Auftragskiller für die Unterwelt. Doch er möchte aussteigen und endlich ...

Zum Inhalt:
Lachlan "Leather" Kane ist nicht nur der ältere Bruder des Serienkillers Rowan "Butcher", sondern arbeitet selbst als Auftragskiller für die Unterwelt. Doch er möchte aussteigen und endlich ein friedlicheres Leben führen, was sowohl ihn als auch seinen Bruder Rowan und dessen frisch angetraute Frau Sloane in die Schusslinie bringt. Sloanes beste Freundin Lark Montague macht Lachlan daraufhin einen Vorschlag: Eine Heirat mit ihr, um ihn von seinen "dunklen" Verpflichtungen zu befreien und allen Angehörigen Schutz zu bieten, insbesondere Schutz vor Larks zwielichtiger Familie. Lachlan geht notgedrungen auf den Deal ein, obwohl die beiden sich gegenseitig nicht ausstehen können. Während sie zur Zielscheibe eines gemeinsamen Feindes werden, wird aus ihrer Abneigung zueinander pure Leidenschaft...

Meine Leseerfahrung:
Der erste Teil dieser Dark RomCom Reihe hatte mich tatsächlich kalt erwischt. Eigentlich gar nicht so mein Genre, und doch wurde ich sehr gut unterhalten und hatte spaßige Lesestunden mit Butcher und Blackbird. Die Geschichte von Lachlan und Lark dagegen ist bei Weitem nicht so turbulent, dafür aber voller Emotionen. Und damit ist die Story auch viel entspannter und ruhiger als erwartet. Mir fehlte hier die Brutalität und auch all die skurrilen Momente des ersten Teils. Daher fand ich den Nachfolger im Ergebnis etwas schwächer, aber nicht weniger unterhaltsam.

Die Hauptcharaktere sind bereits aus dem ersten Band bekannt, wobei ich nicht auf dem Schirm hatte, dass diese beiden einen gemeinsamen romantischen Weg einschlagen würden. Was hier mit einer deutlichen Abneigung beginnt, entwickelt sich allmählich zu einer tiefen Bindung, wobei Brynne Weaver sich mit Lachlan und Lark offensichtlich eingehender beschäftigt hat. Die Entwicklungen beider Figuren erscheint viel strukturierter im Vergleich zu Butcher und Blackbird. Kein Wunder, denn sowohl Lachlan als auch Lark haben eine heftige Leidensgeschichte in jungen Jahren. Einerseits verbindet sie ihre dunkle Vergangenheit, andererseits ihre Sensibilität für die Menschen, die sie lieben und beschützen wollen. Damit sind sie im Gegensatz zu Butcher und Blackbird nicht ständig in der Täterrolle, sondern müssen Gefahren an allen Fronten abwehren.

Der gemeinsame Faktor dieser Reihe ist der trockene Sarkasmus und der schwarze Humor, der auch beim 2. Teil nicht zu kurz kommt. Hier sollte man die Triggerwarnungen ebenfalls ernst nehmen, auch wenn extreme und spicy Szenen bei Weitem nicht so heftig sind wie beim 1. Teil.

Fazit:
"Leather & Lark" von Brynne Weaver knüpft erfolgreich an den Vorgänger an. Trotz einer abgeschwächten Killer-Story, sorgt das Buch für gute Unterhaltung mit sarkastischen Dialogen, schwarzem Humor und einer langsam kochenden Liebesgeschichte, die für knisternde Spannung sorgt.

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Ungewohnter Teil der Reihe

Todesspur
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Zum Inhalt:
Terroranschläge erschüttern Deutschland und ein Ende ist nicht in Sicht. Die nächste Generation der extremistischen Gruppe RAF plant noch eine Reihe von weiteren Anschlägen. Ein Hauptverdächtiger, ...

Zum Inhalt:
Terroranschläge erschüttern Deutschland und ein Ende ist nicht in Sicht. Die nächste Generation der extremistischen Gruppe RAF plant noch eine Reihe von weiteren Anschlägen. Ein Hauptverdächtiger, Paul Conrad, entgeht ganz knapp seiner Festnahme durch das BKA-Ermittlerteam von Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez. Während die beiden herauszufinden versuchen, was die Terrorgruppe weiterhin plant, rückt die zunächst eher unbeteiligte Lea Fuchs immer mehr in den Fokus der Ermittlungen. Doch die verfolgt wiederum ganz andere Pläne...

Meine Leseerfahrung:
Im deutschsprachigen Raum ist Andreas Gruber bereits eine bekannte Größe unter den Thriller-Autoren, für mich sogar einer der Besten. Ich habe fast alle Teile der Sneijder/Nemez-Reihe gelesen und wurde bisher nie enttäuscht. "Todesspur" weicht allerdings deutlich von den Vorgängern ab. Zum Einen steht diesmal organisierte Kriminalität auf politischer Ebene im Vordergrund, was bereits für sich genommen eine heikle und komplizierte Thematik in sich birgt; zum Anderen ist das Setting mit Urlaubsfeeling auf Mallorca diesmal sehr ungewohnt. Es gibt zudem zwei Handlungsstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Bis der rote Faden erscheint, wird es leider etwas langatmig.

Die Story bekommt nach und nach mehr Spannung, indem die ersten Morde auf Mallorca stattfinden. Damit nehmen die Ermittlungen auch mehr Fahrt auf. Sneijder und sein Team befinden sich zu diesem Zeitpunkt als Undercover-Beamte im Hotel. Die Geschehnisse überhäufen sich plötzlich nacheinander und dermaßen verstrickt, dass ich einige Leseabschnitte erneut lesen musste, um den Überblick behalten zu können.

Ein wenig Struktur hat mir tatsächlich in diesem Teil schließlich doch gefehlt, weswegen ich "Todesspur" zu den eher schwächeren Bänden der Reihe zähle. Nichtsdestotrotz war es ein Lesegenuss für mich, einer neuen Ermittlungsarbeit des Teams beizuwohnen, wobei ich mir ein wenig mehr Präsenz von Nemez gewünscht hätte. Im Großen und Ganzen ist das Buch aber absolut unterhaltsam gewesen. Ich würde diesen Teil auch Neulesern empfehlen, die noch eine Möglichkeit suchen, in die Reihe reinzuschnuppern. Klar sollte man die anfänglichen Teile gelesen haben, um die Charaktere besser einschätzen zu können. Hintergrundwissen schadet hierbei nie. Allerdings kann der 8. Teil der Reihe auch völlig unabhängig von seinen Vorgängern gelesen werden.

Fazit:
"Todesspur" vereint politisch motivierte Kriminalität, ungewohnte Undercover-Ermittlung und ein sommerliches Urlaubsfeeling mit einer Prise Humor. Anders als gewohnt und mit leichten Schwächen, aber immer noch durch und durch unterhaltsam!

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Veröffentlicht am 28.12.2024

Seiner Zeit voraus

Carmilla
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Zum Inhalt:
Laura lebt mit ihrem Vater recht bescheiden in einem abgeschiedenen Schloss in der Steiermark. Ihr Leben ist einsam, Besuch empfangen sie eher selten. Eines Nachts bei einem Spaziergang taucht ...

Zum Inhalt:
Laura lebt mit ihrem Vater recht bescheiden in einem abgeschiedenen Schloss in der Steiermark. Ihr Leben ist einsam, Besuch empfangen sie eher selten. Eines Nachts bei einem Spaziergang taucht eine Pferdekutsche auf, die in der Nähe des Schlosses in einen Unfall gerät. Aus der Kutsche wird die junge Carmilla bewusstlos geborgen. Ihre Mutter muss nach eigenen Angaben die Reise, bei der es um Leben und Tod geht, aber fortsetzen und Carmilla auf Grund ihres Zustandes zurücklassen. Zur Freude von Laura bietet ihr Vater an, Carmilla im Schloss als Gast aufzunehmen. Zwischen den jungen Frauen entsteht eine tiefe Freundschaft, die bald ihre Opfer fordert...

Meine Leseerfahrung:
"Carmilla" ist 26 Jahre vor Bram Stokers "Dracula" erschienen. Und wenn man beide Geschichten gelesen hat, kann man deutlich erkennen, dass Stoker sich hiervon hat beeinflussen lassen. Mir war dieser Klassiker lange Zeit tatsächlich völlig unbekannt, obwohl ich eine Phase hatte, wo ich mich durch sämtliche Vampirromane hindurchgearbeitet habe. Als ich ihn dann endlich doch entdeckt habe, hatte ich auf Grund der altbackenen Buchcover kaum Anreiz, das Buch mal in die Hand zu nehmen. Nun hat die Hobbitpresse endlich mal ein überaus ansprechendes Exemplar herausgebracht, das mit einem sehr einprägsamen Buchcover glänzt.

Erwartet habe ich bei "Carmilla" eher einen zähen Erzählstil, war dann doch überrascht über den sich flüssig lesenden Text. Wie bei "Dracula" handelt es sich hierbei auch um einen Briefroman, der aus Lauras Sicht geschrieben ist. Das ist deswegen so interessant, weil Laura eine tiefe Bindung zu Carmilla aufbaut und im weiteren Verlauf die Veränderungen in der beinahe toxischen Freundschaft allmählich erkennt. Zudem wird sie nachts von Alpträumen geplagt, die wie Vorboten der aufkeimenden Gefahr wirken. Ihre eigenen Schilderungen zu den Geschehnissen wirken aus ihrer Feder sehr authentisch und glaubwürdig.

Die Atmosphäre ist und bleibt durchgehend düster und beklemmend. Zwischen den beiden Mädchen mutet es zuweilen leicht erotisch an, so dass man sich ständig fragt, ob es tatsächliche starke Anziehungskraft ist oder eine Art manipulierende Hypnose seitens Carmilla, die nach und nach einzelne Vampirfähigkeiten aufblitzen lässt. Wenn man bedenkt, in welcher Zeit dieser Roman geschrieben wurde, verwundert es mich schon ein wenig, dass hier eine sexuelle Spannung zwischen zwei weiblichen Figuren derart frei und offen erzählt worden ist.

Mir hat an der Geschichte nur noch etwas mehr Hintergrundwissen zu Carmilla gefehlt, was die Story sicher mehr gefüllt hätte. Trotzdem ist dieser Klassiker sehr lesenwert und eine willkommene Abwechslung zu all den aktuellen Vampirromanen, die lediglich Lesertrends bedienen und nichts Innovatives mehr zu bieten haben.

Fazit:
"Carmilla" ist eine kurzweilige Vampirgeschichte über eine toxische Freundschaft zwischen zwei jungen Frauen, die schaurige Lesestunden garantiert. Ein Muss für Vampir-Fans!

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