Profilbild von Schugga

Schugga

Lesejury Star
offline

Schugga ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schugga über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2025

Entführungen durch Zeit und Raum

Das Ministerium der Zeit
0

Eine Zeitreise-Technik, die zu Entführungen durch Zeit und Raum missbraucht wird? Mein Interesse am Buch war schnell geweckt. Also versuchte ich fortan, gemeinsam mit der Erzählerin hinter die Ziele des ...

Eine Zeitreise-Technik, die zu Entführungen durch Zeit und Raum missbraucht wird? Mein Interesse am Buch war schnell geweckt. Also versuchte ich fortan, gemeinsam mit der Erzählerin hinter die Ziele des Ministeriums der Zeit zu kommen.
Dieser Frau wird gemeinsam mit einigen anderen Auserwählten ein Expat übergeben, eine aus der Vergangenheit entführte Person, die damals sowieso gestorben wäre. So die lapidare Erklärung. In ihrem Fall handelt es sich um den Polarforscher Commander Graham Gore, über den bis auf wenige Briefe kaum etwas bekannt ist.
Neben den sich ergebenden Differenzen gesellschaftlicher Ideale, dem Erlernen fortschrittlicher Technik und einigem mehr plätschert die Handlung leider lange vor sich hin, bis eine Bedrohung aus der Zukunft auftaucht und man endlich ein paar mehr Details zu den Zeitreisen bzw. Zeitentführungen erfährt. Ich hatte mir mehr Spannung versprochen, mehr Reibereien, Komplikationen, irgendwas, was die Handlung unterhaltsamer gemacht hätte. Zumal die Idee und die Charaktere dies hergaben. Und, wie es in der Beschreibung so schön heißt, die Entwicklung zu mehr als nur tiefer Freundschaft zwischen der Erzählerin und ihrem Expat war mir einfach zu schnulzig, so wirklich was Knistern hab ich zwischen den beiden nicht gespürt, um eine derartige Entwicklung stimmig zu empfinden. Das wirkte mehr wie ein: Naja, er/sie war halt grad greifbar.
Kurz: Viel verschenktes Potential, zu viele Längen um spannend zu sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2025

Anstrengender Charakter, Stil konnte mich emotional nicht mitreißen

Das Restaurant am Rande der Zeit
0

Japanische Feelgood bzw. Asian Health Romane lese ich sehr gern, daher hat mich die Beschreibung von Chibis Kitchen gereizt. Erwartet habe habe ich thematisch Gerichte, welche es den Lebenden erleichtern, ...

Japanische Feelgood bzw. Asian Health Romane lese ich sehr gern, daher hat mich die Beschreibung von Chibis Kitchen gereizt. Erwartet habe habe ich thematisch Gerichte, welche es den Lebenden erleichtern, die Verstorbenen endlich loslassen zu können, indem es einen letzten magischen Kontakt gibt. Nunja, im weiteren Sinne ist dies hier tatsächlich der Fall, doch das Drumherum hat mir überhaupt nicht zugesagt.
Woran liegt es? Tatsächlich bereitet der Koch des kleinen Lokals am Meer Gerichte zu, wodurch die Gäste solange ein letztes Mal eine verstorbene Person nochmal sprechen können, bis das Essen erkaltet ist. So können Fragen oder Missverständnisse nochmal geklärt werden. Wie ich es von anderen Büchern dieser Art kenne ist der Roman auch locker in Episoden aufgebaut. Nur leider beginnt gleich die erste Episode mit einer Frau, die sich regelrecht in Selbstmitleid suhlt, weil sie glaubt, den Tod ihres von allen geliebten Bruders verschuldet zu haben. Sie ist sich sicher, alle hätten es lieber, wäre sie gestorben stattdessen (um ihre Ichbezogenheit mal zu verdeutlichen). Und als sie von dem Restaurant hört behält sie diese Information für sich und fährt allein dorthin, ohne ihren Eltern diese Möglichkeit auch zu gönnen, obwohl sie zugleich betont, wie sehr ihre Eltern den Verlust des Sohnes doch betrauern. Das fällt ihr erst ein, als sie ihren Bruder bereits sieht. Diese Egozentrik und ich nenne es mal naive Dummheit empfand ich als fürchterlich für einen Bucheinstieg. Leider wurde es nicht besser, da ebendiese Person fortan die Rolle des Bindeglieds zwischen den Episoden übernehmen sollte, mir also weiterhin mit ihrer ich-bezogenen Art auf die Nerven ging. Das hat mir die anderen Episoden zu sehr ruiniert, weil dieser Charakter ab ungefähr der Hälfte des Buches alles zu sehr überstrahlte. Auch die zweite Episode konnte mich nicht überzeugen, die wirkte wie eine Aneinanderreihung irgendwelcher Geschehnisse im Schnelldurchlauf, emotional blieb die einfach auf der Strecke liegen. Das ist schade, da mir eine spätere Episode mit einem älteren Herrn und seinem Erdnussbaum zumindest von der Idee her gefallen hat.
Für einen Wohlfühlroman habe ich mich bei diesem Buch deutlich zu wenig wohl gefühlt, mich konnte es emotional nicht abholen dank der negativen Charakterzüge der Hauptperson sowie des wie auflistend wirkenden Erzähl-Stils früherer Ereignisse.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2025

Zwischen veralteter Tradition und persönlicher Selbstfindung

The boy you always wanted
0

Das erste Buch von Michelle Quach mochte ich ganz gern, wo sich Eliza für Gleichberechtigung stark macht und dabei den Fokus versehentlich aus den Augen verliert. Bei diesem Buch erhoffte ich mir wieder ...

Das erste Buch von Michelle Quach mochte ich ganz gern, wo sich Eliza für Gleichberechtigung stark macht und dabei den Fokus versehentlich aus den Augen verliert. Bei diesem Buch erhoffte ich mir wieder ein Mädchen, welches auch in eine gewisse Vorbildfunktion hinein wächst. Ich weiß nicht, hatte ich wirklich überzogene Erwartungen? Ich meine nicht. Jedenfalls hat mich Michelle Quachs zweites Buch deutlich weniger begeistern können.
Diesmal geht es um Francine, die große Pläne hat, aber immer wieder zugunsten ihrer Familie und deren veralteten Ansichten zurücksteckt. Francine war mir viel, viel zu artig. Und dadurch auch langweilig. Richtig wütend hat es mich gemacht, dass sie sich von ihrem Großvater und dessen wirklich veralteten Rollendenken so kleinmachen lässt. Zwar sind dessen Tage gezählt und, klar, da will man dem Opa nicht unbedingt noch groß widersprechen auf seine letzten Tage. Dennoch hat es mich aufgeregt, dass dieser Mann die Leistungen seiner Enkelin dermaßen übersehen WILL und darauf pocht, ggf. einen männlichen Erben in die Familie zu adoptieren, nur damit die Familienehre gewahrt bleibt. Herrje, die ganze Familie hält in solchen Momenten den Mund. Und Francine setzt allen Ernstes alle Hebel in Bewegung, dem Opa diese Wunscherfüllung auch noch vorzugaukeln!? Dafür hat sie sich ihren früheren Schwarm Ollie ausgesucht, der damit zu kämpfen hat, im Schatten seines erfolgreichen Bruders zu stehen und dessen Familie für alte Traditionen nichts übrig hat. Und ausgerechnet dieser Junge muss Francine erst darauf aufmerksam machen, was sie da für einen Blödsinn plant? Und dass sie endlich auch mal an sich denken, nicht so stocksteif sein soll?
Interessant fand ich die eingewobenen familiären Hintergründe, welche man dadurch erfährt, dass Ollie durch Francine sich nach und nach für die chinesisch-vietnamesische Geschichte seiner Vorfahren interessiert. Davon abgesehen fehlte mir gleich zu Beginn die Spannung, da fesselte mich nichts. Das Sezieren eines Tieres im Unterricht, was auch recht früh im Buch kommt, hat mich sogar regelrecht abgestoßen. Die Romanze an sich war ganz nett, dieser ganze Fake-Gedanke, um jemanden in dessen veralteten Ansichten auch noch zu unterstützen, empfand ich leider als falsches Signal und überhaupt nicht amüsant.
Schade ist übrigens, dass die deutschen Ausgaben nicht die englischen Cover erhalten, die sind deutlich sympathischer.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2024

Cosy Crime auf dem Campingplatz

Mord im Himmelreich
0

Bei Cosy Crime dachte ich bisher automatisch an britische Teatime, dass es mich auch auf einen Campingplatz zu einer Tasse Kaffee verschlagen kann, wollte ich mal ausprobieren. Hier ist es Björn Kupernikus, ...

Bei Cosy Crime dachte ich bisher automatisch an britische Teatime, dass es mich auch auf einen Campingplatz zu einer Tasse Kaffee verschlagen kann, wollte ich mal ausprobieren. Hier ist es Björn Kupernikus, ehemaliger Schauspieler und Kaffeeliebhaber, der kurz nach seiner Ankunft auf dem Campingplatz Himmelreich eine Leiche aus dem Wasser fischt, Hündin inklusive. Lange hat er sich auf seine Rolle als TV-Kommissar vorbereitet, jetzt hat er die Chance zu glänzen. An seiner Seite und nicht minder pfiffig die exzentrische Künstlerin Annabelle Schäfer, welche in der angrenzenden Ortschaft lebt. Und so ermitteln die beiden zwischen Ruderclub und Sommerfest, treffen auf eine selbsternannte Bürgerwehr ebenso wie auf übereifrige Jounalistinnen, Fernsehteams und Stand up Paddler und sind der Polizei stets eine Wurstzipfel-Länge voraus.
Der Krimi ist tatsächlich eher gemächlich gehalten mit einer Prise Humor und lässt sich locker herunterlesen. Kupernikus war mir als Person jedoch ein wenig zu letztes Jahrhundert, auch Annabelle war mir manches mal etwas zu anstrengend. Auf den sich wiederholenden Wortwitz mit dem Namen des Hauptermittlers Fass hätt ich gut verzichten können, das war mir einfach zu flach. Manches mal hat mir der Pfiff gefehlt, einige Charaktere bedienten sich doch arg der Klischee-Kiste. Dadurch blieb der gesamte Krimi doch sehr auf Distanz, so wirklich im Geschehen drin war ich leider nicht und das hat mir gefehlt. Das war weder wirklich Krimi noch weder wirklich Cosy, zum richtigen Mitermitteln ebenso wie zum Wohlfühlen mir zu wenig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2024

Gute Idee, mir fehlte schnell die Spannung

Villa Obscura
0

Die erfolgreiche Fotografin Constanze Eschede führt ein exklusives Fotostudio in einer alten Villa am Brocken. In dieses lädt sie zur großen Halloween-Party und öffnet hierfür auch ihren Kostümfundus für ...

Die erfolgreiche Fotografin Constanze Eschede führt ein exklusives Fotostudio in einer alten Villa am Brocken. In dieses lädt sie zur großen Halloween-Party und öffnet hierfür auch ihren Kostümfundus für einige Gäste. Die Party ist ein voller Erfolg, die Stimmung auf ihrem Höhepunkt, als plötzlich die Gäste zum Aufbruch genötigt werden. Alle Gäste bis auf sechs Jugendliche, die fortan von zwei Maskierten festgehalten und auf aussergewöhnliche Weise gefoltert werden. Mit welchem Ziel? Und warum hat die Gastgeberin Constanze sich auf ihrer eigenen Party nicht blicken lassen?
Die Handlung ist abwechslungsreich gestaltet, die Perspektiven wechseln zwischen den Personen, ohne allzu schnell zuviel zu verraten. Dabei stehen die Geiseln in unterscheidlichem Verhältnis zur Gastgeberin wie z. B. ein Model oder ein angehender Fotograf. Dass nicht alle gut auf Constanze zu sprechen sind kristallisiert sich nach und nach heraus. Trotzdem darf lange gerätselt werden, warum ausgerechnet diese sechs Jugendlichen gefangen gehalten werden und warum.
Nebenbei der Dynamik zwischen den Jugendlichen finden noch einige wichtige Themen Erwähnung, welche mehr oder minder in die Gesamtproblematik hineinspielen. Ab einem bestimmten Twist verschob sich der Fokus und mich konnte die Handlung nicht mehr so recht packen, das mögen andere LeserInnen anders empfinden. Vor allem wohl auch, weil mir gewisse Sympathien abhanden gingen und ich den lebensgefährlichen Einsatz der Beteiligten nicht mehr nachvollziehen konnte. Ganz davon abgesehen, dass die gesamte Aktion doch sehr an den Haaren herbeigezogen war. So wunderte ich mich gleich zu Beginn schon, dass die Gäste sich alle so leicht aus der Villa komplementieren ließen, obwohl die Party noch voll im Gange war. Und eine gewisse Entdeckung am Schluss samt weiterem Verlauf war mir dann auch zuviel des Guten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere