Kommt nicht an den Vorgänger heran
Jenseits des OzeansInhalt:
Wir sind zurück auf der Insel Marsyas, auf der Arthur Parnassus mit seiner grossen Liebe Linus Baker ein gemütliches und sicheres Zuhause für sechs magisch begabte Kinder geschaffen hat und auf ...
Inhalt:
Wir sind zurück auf der Insel Marsyas, auf der Arthur Parnassus mit seiner grossen Liebe Linus Baker ein gemütliches und sicheres Zuhause für sechs magisch begabte Kinder geschaffen hat und auf der sich bald noch ein junger Yeti einfinden wird. Doch der Frieden währt nicht lange an, die BBMM - die Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger - hat es auf ein ganz bestimmtes Kind abgesehen und schickt eine furchtlose Inspekteurin auf die Insel, welche für viel Furore sorgt und Arthurs Familie alles abverlangt.
Meine Meinung:
Es ist mir sehr schwer gefallen, dieses Buch zu lesen und es ist mir noch schwerer gefallen, Worte für eine Rezension zu finden. Der Vorgängerband "Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" hat mir vor bald vier Jahren zauberhafte, berührende, ja sogar richtiggehend überwältigende Lesestunden geschenkt und sich für immer einen Platz in meinem Herzen erobert und ich bin Aleshanee vom Blog Weltenwanderer immer noch dankbar für ihre Empfehlung. Die Magie und Liebe, welche ich in diesem wunderbar erzählten Buch gefunden habe, habe ich auch in "Jenseits des Ozeans" erwartet, aber nach einem vielversprechenden Start begann die Geschichte, sich wie Kaugummi zu ziehen. Die Dialoge, welche im ersten Band nur so vor Weisheit gestrotzt und mich zum Lachen und Weinen gebracht haben, wirken im Folgeband gestelzt. Arthur spricht, als würde er von einem Kalenderblatt zitieren oder eine Gesprächs-Checkliste abarbeiten. Ganz ehrlich: ich frage mich, ob dies auch an der Übersetzung liegen mag? Die stammte im ersten Band schliesslich von Charlotte Lungstrass-Kapfer und es kann natürlich immer sein, dass mir ihre Erzähsprache einfach besser gefallen hat?
Einmal mehr gelingt es Klune aber, gegen den Hass anzuschreiben und für Liebe, Vielfalt und Offenheit zu plädieren. Seine Figuren sind queer und straight, liebenswert und anstrengend, neugierig, altklug, wissbegierig, einfühlsam und frech. Sie sind einfach bunt wie das Leben und die Liebe selbst und haben mich immer wieder mit der Geschichte versöhnt.
Leider habe ich zwar nicht ganz so viel aus dem Alltag der magischen Kinder erfahren, wie das wünschenswert gewesen wäre. Warum durfte ich Chauncy nie bei seiner Arbeit begleiten? Und was macht eigentlich Theodore den ganzen Tag? Sal hat allerdings eine wunderbare Entwicklung durchgemacht und steht immer mehr für sich ein. Dies hat mir sehr gut gefallen.
Das Ende strotzte nur so vor Superlativen und ist zwar fast ein wenig zuviel des Guten, mir persönlich hat die maximale Dröhnung an Gefühlen und Handlung auf den letzten hundert Seiten aber gefallen, endlich hat die Geschichte nämlich wieder Fahrt aufgenommen.
Fazit:
Dieser Folgeband ist für mich leider einfach nicht ganz rund geworden. Vieles wirkt zu gewollt, konstruiert, gestelzt und in die Länge gezogen und ich habe vor allem die Unbeschwertheit und die Magie des ersten Bandes vermisst. Dennoch hat mir das Buch immer mal wieder schöne, unterhaltsame und ans Herz gehende Lesemomente geschenkt. Kann man lesen, muss man aber definitiv nicht.