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Der gefrorene FlussDieser Roman beruht auf wahren Begebenheiten, entnommen aus dem Tagebuch der Hebamme Martha Ballard, die die Autorin in diese fiktive Geschichte eingebettet hat. In einem Nachwort erläutert die Autorin ...
Dieser Roman beruht auf wahren Begebenheiten, entnommen aus dem Tagebuch der Hebamme Martha Ballard, die die Autorin in diese fiktive Geschichte eingebettet hat. In einem Nachwort erläutert die Autorin ihre Recherche und trennt Tatsachen von Fiktionen.
Martha Ballard war eine beeindruckende Frau, die sich liebevoll und engagiert ihren Aufgaben als Hebamme gewidmet hat und die beherzt gegen Ungerechtigkeiten eingetreten ist. Sie war ihrer Zeit voraus hinsichtlich ihrer Bildung, ihres Gerechtigkeitssinns und dem Mut für etwas einzustehen, das sie als richtig empfand.
Martha soll einen Leichnam untersuchen, der aus dem zugefrorenen Fluss geborgen wurde. Sie stellt schlimme Verletzungen fest, die der Mann erlitten hat, bevor er aufgehängt wurde, bis der Tod eintrat. Sie gibt Mord als Todesursache an. Der Tote hatte einen zweifelhaften Ruf und war Angeklagter in einem Vergewaltigungsprozess. Der neue Arzt im Ort verfügt über wenig Erfahrung und Praxis, er hat aber studiert und ist ein Mann. Als er einen Unfall als Todesursache angibt, hat sein Wort mehr Gewicht. Martha macht sich unbeliebt, als sie ihre Meinung ins Protokoll aufnehmen lässt. Der Richter, der für diesen Fall zuständig ist, ist gleichzeitig Mitangeklagter im Falle der Vergewaltigung. Eine prekäre Situation.
Die Autorin lässt den Ort und ihre Bewohner, natürlich im Besonderen Martha und ihre Familie, lebendig werden. Es wird ein genaues Bild der Lebensumstände gezeichnet. Jeden Abend macht Martha einen Tagebucheintrag, der den Tag nochmals zusammenfasst. Wir lernen neben ihren Kindern und ihrem Mann auch zahlreiche Frauen kennen, die Martha betreut, u.a. das Vergewaltigungsopfer. Aber auch andere Hebammen, der Arzt, ein Geschäftsmann und Dorfbewohner haben wichtige Rollen. Der Fall der Vergewaltigung wird ebenso wie der Todesfall an höhere Gerichte weitergereicht, so dass man einiges über die Gerichtsbarkeit der Zeit erfährt. Auch gegen Martha Sohn wird in dem Mordfall Anklage erhoben. Sie ist daher bestrebt die Geschehnisse aufzuklären. Zudem wird das Leben im Dorf von Intrigen um Land überschattet.
Die Geschichte ist ein historischer Roman in dem einige Handlungsstränge einem Krimi gleichkommen, ein unterhaltsamer Mix. Die Schilderung der Zeit und der Lebensumstände steht im Vordergrund und ist gut gelungen. Das harte und oft ungerechte Leben wird von der Natur geprägt und von Männern bestimmt, die Frauen haben kaum Rechte. Die Handlung verläuft teilweise sehr ruhig, aber über die atmosphärischen Schilderungen und die interessanten Figuren ist es interessant, einige Spannungsspitzen setzen Akzente.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Übersetzung schien mir an einigen Stellen nicht ganz gelungen und durch ein paar Wiederholungen gab es ein zwei Längen, das ist aber gelitten auf hohem Niveau. Wer gerne historische Roman bzw. historische Krimis liest kann hier bedenkenlos zugreifen.