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Veröffentlicht am 06.01.2025

Nette kurze Geschichte, gespickt mit Lebensweisheiten und einer fast unerwarteten Wendung zum Schluss

Tee auf Windsor Castle
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Der Zufall will es, dass sich Kate bei einer Führung auf Windsor Castle verläuft und in der Teeküche einer netten alten Dame landet. Betty, wie sich selbst vorstellt, serviert erst einmal eine Tasse Tee. ...

Der Zufall will es, dass sich Kate bei einer Führung auf Windsor Castle verläuft und in der Teeküche einer netten alten Dame landet. Betty, wie sich selbst vorstellt, serviert erst einmal eine Tasse Tee. Die beiden kommen ins Gespräch, die Stunden fließen nur so dahin. Und da sich die beiden ungleichen Frauen so sympathisch sind, verbringen sie noch einige Zeit miteinander.
Gespickt mit allerlei Lebensweisheiten der betagten Betty, ist diese Geschichte ein netter Zeitvertreib und erinnert irgendwie an „Das Cafe am Rande der Welt“ – nur eben auf britisch.
Die Aufmachung des Buches ist wunderhübsch. Ich kann es mir als nettes Gastgeschenk für Fans der Royals vorstellen. Das Buchregal wertet es mit seiner Goldprägung jedenfalls sehr auf.
Unterm Strich ist dieser Roman eine nette Geschichte, aber dennoch nicht so hinreißend, wie ich erwartet hätte.
Und Spoilerwarnung:
Das Zitat auf dem hinteren Buchdeckel fällt unter „Spoiler“ und ist in meinen Augen leider unangemessen.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Authentischer Bericht einer lange missverstandenen jungen Frau

Strong Female Character
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„Strong Female Character“ ist die authentische und aufrichtige Autobiografie der schottischen Stand-up-Comedienne, Podcasterin und Schriftstellerin Fern Brady.

Fern bekam erst mit 34 Jahren ihre offizielle ...

„Strong Female Character“ ist die authentische und aufrichtige Autobiografie der schottischen Stand-up-Comedienne, Podcasterin und Schriftstellerin Fern Brady.

Fern bekam erst mit 34 Jahren ihre offizielle Diagnose als Asperger-Autistin. Ihr Leben bis dahin war geprägt von Gewalt und Gewaltausbrüchen, von Ablehnung und Unverständnis.

Sie rechnet in diesem Buch mit ihrer eigenen Vergangenheit ab und klärt dabei schonungslos über die inneren Mechanismen von Asperger-Autismus auf. Das kann für Menschen, die sich nicht im Autismus-Spektrum bewegen, äußerst abstoßend wirken.
Sicher ist, dass dieses Buch polarisieren wird – ebenso wie Autisten polarisieren, weil es in der Bevölkerung noch zu wenig Verständnis dafür gibt.

Für nicht diagnostizierte Menschen, hier vor allem Frauen, dürfte dieses Buch jedoch ein Befreiungsschlag sein. Fern spricht aus, was man „nicht laut sagt“.
Nicht diagnostizierte Menschen lehnen sich selbst oft für ihre Verhalten- und Denkmuster ab, weil sie vom Außen oft Ablehnung und Unverständnis für ihr Wesen erfahren haben – und weil sie sich oft selbst nicht verstehen. Hier allerdings könnte der ein oder andere endlich ein gewisses Verständnis für sich selbst entdecken und den Mut finden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ein extrem persönliches, aufrichtiges Buch - lesenswert!

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Geschichten aus dem Alten Leipzig

Die Lungenschwimmprobe
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2018 stieß Tore Renberg, einer der erfolgreichsten Schriftsteller Norwegens, durch Zufall auf Johannes Schreyer und die Lungenschwimmprobe. Sein Interesse war geweckt. Fast sechs Jahre recherchierte er ...

2018 stieß Tore Renberg, einer der erfolgreichsten Schriftsteller Norwegens, durch Zufall auf Johannes Schreyer und die Lungenschwimmprobe. Sein Interesse war geweckt. Fast sechs Jahre recherchierte er fortan für den vorliegenden Roman, der ein wichtiges Zeitzeugnis mitteldeutscher Geschichte darstellt.

Die fünfzehnjährige Gutsbesitzer-Tochter Anna Voigt gebiert ein totes Kind. Es ist das Jahr 1681 und die Zeichen stehen schlecht für unverheiratete Frauen, die tote Kinder zur Welt bringen – noch dazu im stillen Kämmerlein.
Der Vorfall bleibt nicht unbemerkt und gewinnt schnell an Brisanz. Es braucht einen erfahrenen Doktor, der den Leichnam untersucht und die abscheuliche Kindsmörderin überführt. Johannes Schreyer aus Zeitz nimmt sich dieses Falles an und wagt, was bisher kaum einer vor ihm gewagt hat – er führt eine Lungenschwimmprobe durch und weist damit nach, dass Annas Kind tot zur Welt kam.
Doch das 17. Jahrhundert ist düster – die Hexenverfolgungen fanden gerade erst ein jähes Ende und der Femizid war nach wie vor präsent, der Zeitgeist intolerant. Dieses medizinische Experiment, von dem der belesene Doktor Schreyer erst kürzlich erfahren hat und das selbst in Fachkreisen noch gänzlich unbekannt ist, findet wenig Anklang bei der Obrigkeit.
Zur Verteidigung der jungen Voigtin braucht es einen ambitionierten Anwalt - Christian Thomasius aus Leipzig. Was auf den ersten Blick wie ein klarer Fall erscheinen mag, wird sich über Jahre hinziehen und den Zorn der Obrigkeit entfesseln.

„Die Lungenschwimmprobe“ ist harte Kost – sie verlangt ihren Leserinnen und Lesern einiges an Geduld ab – doch die wird belohnt.
Renberg scheint sich im Verlauf des Buches in Belanglosigkeiten zu verirren, doch nach etwa 200 Seiten wird deutlich, wie akribisch er für diese Geschichte recherchiert hat und dass er mit seinen Ausführlichkeiten eben nicht nur einen historischen Roman zum Fall Anna Voigt vorlegt, sondern viel mehr ein unglaublich wichtiges und interessantes Zeitdokument des barocken Leipzig. Kenner der Stadt werden schon alleine schon wegen der ausführlichen Beschreibungen ihnen wohlbekannter Orte der Innenstadt ihre helle Freude haben.
Man geht aus diesem Buch zweifellos klüger hervor, mit einem völlig neuen Blick auf die Welt.

Eine wertvolle Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Hohe Erwartungen leider nicht erfüllt

52 wilde Fermente
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"52 wilde Fermente" sticht aus dem reichen Bücherangebot über Fermentation vor allem wegen der angepriesenen 52 Jahreszeiten heraus. Jede Woche eine neue Wildpflanze entdecken und ihren Nutzen kennenlernen ...

"52 wilde Fermente" sticht aus dem reichen Bücherangebot über Fermentation vor allem wegen der angepriesenen 52 Jahreszeiten heraus. Jede Woche eine neue Wildpflanze entdecken und ihren Nutzen kennenlernen - welch reizvolles Versprechen!

Auf den ersten Blick macht das Buch einen fantastischen Eindruck. Tolle Bilder, nicht allzu überladene Seiten und die hochwertige Aufmachung des Buches sprechen durch und durch für die Wertigkeit den Kosmos-Verlags.

Die ersten 100 Seiten von "52 wilde Fermente" beschäftigen sich mit den Grundkenntnissen über Fermentation. Es geht maßgeblich um verschiedene Fermentationsmethoden und den für den Menschen gesundheitlichen Nutzen fermentiereter Nahrungsmittel. Alles in allem fühlt man sich als Fermentations-Neuling sehr gut aufgehoben.

Doch mit den aufgeführten Rezepten nimmt die Wertigkeit des Buches jedoch schlagartig ab.
Zweifelsohne lassen sich kreative Rezepte entdecken, doch denen fehlt leider der Feinschliff. So werden die Pflanzen zwar grob beschrieben (Erkennungsmerkmale, Standort usw.), eine zusätzliche Abbildung der jeweiligen Pflanze gleich neben dem Rezept wäre wünschenswert gewesen. Alle genannten Pflanzen sind ab S. 214 abgebildet - was man als gestalterisch unglücklich bezeichnen könnte.

Einige Wildpflanzen haben giftige Doppelgänger, deren Verzehr dringend zu vermeiden ist - hier fehlen entsprechende Warnhinweise zur Verwechslungsgefahr. Auch Allergiker werden vergeblich nach entsprechenden Warnhinweisen suchen. Etliche der genannten Wildkräuter können Symptome auslösen, die man auf den ersten Blick nicht als allergische Reaktion erkennt. (z.B. Hagebutte, Brennnessel, Hasel).

Summa summarum leider ein Buch, das gut zur hippen, auf Selbstoptimierung ausgelegte Lifestyle-Mentalität passt. Schön sieht’s aus, zu empfehlen ist es nicht.
Schade!

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Potential verschenkt

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Das Romandebüt der amerikanischen Sportlerin Sarah Crouch wird von vielen Seiten hochgelobt – Grund genug, einen näheren Blick auf ihr Werk zu wagen.

„Middletide – Was die Gezeiten verbergen“ beginnt ...

Das Romandebüt der amerikanischen Sportlerin Sarah Crouch wird von vielen Seiten hochgelobt – Grund genug, einen näheren Blick auf ihr Werk zu wagen.

„Middletide – Was die Gezeiten verbergen“ beginnt in den 90-er Jahren. Zwei Angler entdecken in einer versteckten Bucht die junge Ärztin Erin, die sich offensichtlich suizidiert hat. Ein Abschiedsbrief lässt vermuten, dass Erin den Verlust ihrer kleinen Tochter nicht mehr ertragen konnte. Doch schnell gibt es Ungereimtheiten und bereits am nächsten Tag steht fest: Erin wurde ermordet. Wer ist der Täter? Und welches Motiv hatte er?
Etwa zwanzig Jahre zuvor in derselben Bucht:
Nakita und Elijah, zwei junge Liebende, geben sich ein Versprechen. Doch nur einer von beiden hält sich daran. Welche Rolle spielt diese Jugendliebe, die dort zerbrach, wo einundzwanzig Jahre später Erins Leben endete?

Die Geschichte wird fortlaufend auf diesen beiden Zeitebenen erzählt, die im Abstand von etwa zwanzig Jahren beginnen und gegen Ende des Buches zusammenlaufen.
Trotz Crouchs malerischem Schreibstil verliert sie sich immer wieder in Details, denen es an Relevanz mangelt. Dafür platziert sie signifikante Indizien so ungeschickt in der Handlung, dass spätestens in der Mitte des Buches ersichtlich wird, worauf das Ganze hinausläuft. An anderen Stellen wird leider viel Potential der Handlung verschenkt.
Insgesamt ist das vorliegende Buch ein wilder Mix aus Crouchs Ideen und zwei sehr bekannten Büchern, deren Titel den Inhalt von „Middletide“ verraten würde.

Irritierend ist rückblickend der Hinweis der Autorin – ganz am Anfang des Buches - dass es sich bei beschriebenem indigenen Reservat um Fiktion handelt. Irritierend deshalb, weil das Leben in besagtem Reservat kaum Relevanz für den vorliegenden Roman hat. Hier geht es wohl grundsätzlich um die in den letzten Jahren tabuisierte kulturelle Aneignung. Es lässt sich konstatieren, dass auch andere Leserinnen und Leser von diesem Hinweis ein wenig irritiert sind. Die Platzierung dieser Information darf also überdacht werden - sie impliziert, wonach man als Leserin oder Leser vergeblich sucht. Obendrein ist in der englischsprachigen Originalausgabe kein Hinweis dieser Art auf den ersten Seiten zu finden.

Das Cover des Buches ist schön, aber im Gegensatz zum amerikanischen Original ohne Bezug zur Handlung des Buches. Die Übersetzung ist stellenweise leider etwas holprig.

Unterm Strich ist „Middletide – Was die Gezeiten verbergen“ ganz nett zu lesen, aber lange nicht so herausragend, wie es angekündigt wurde.

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