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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2025

kurz vor dem Gewitter

Bevor es geschah
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Der Roman ist sprachlich sehr gut geschrieben, sodass man als Leser*in das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein. Man wird langsam an die Charaktere herangeführt, erfährt über ihre zwischenmenschlichen ...

Der Roman ist sprachlich sehr gut geschrieben, sodass man als Leser*in das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein. Man wird langsam an die Charaktere herangeführt, erfährt über ihre zwischenmenschlichen Konflikte und bekommt schon sehr schnell ein Gespür dafür, dass das geplante Barbecue aus dem Ruder laufen wird. Die Grundstimmung ist angespannt und unheilvoll, wie kurz vor einem Gewitter. Es haben sich viele ungesagte, ungeklärte Vorwürfe aufgestaut, die dann geballt an die Oberfläche müssen. Mit dem Ende habe ich in dieser Weise nicht gerechnet, dies hat mich überrascht, ohne, dass ich jetzt an dieser Stelle mehr verraten möchte.

Veröffentlicht am 13.01.2025

Gedankenkarrussel

Drei Tage im Juni
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Der Roman beschreibt Alltagssituationen aus der Sicht von Gail und Max, einem geschiedenen Ehepaar, dass sich anlässlich der Hochzeitsfeier ihrer Tochter für drei Tage wieder sieht und notgedrungen zusammenwohnen ...

Der Roman beschreibt Alltagssituationen aus der Sicht von Gail und Max, einem geschiedenen Ehepaar, dass sich anlässlich der Hochzeitsfeier ihrer Tochter für drei Tage wieder sieht und notgedrungen zusammenwohnen muss. Ich finde die Gedanken von Gail humorvoll und nachdenklich zugleich. Sie entwickelt in jeder Situation Szenarien, was sein könne, wer sich was denken könnte, und macht sich viele Gedanken zu allen Themenbereichen. Dies betrifft auch ihre Vergangenheit und ihre Zukunft. Wenn Gail mal mit dem Gedankenkarussell beginnt, kommt sie so schnell nicht mehr heraus. Für mich waren diese Gedankenspiralen amüsant zu lesen, aber ich konnte sie zum Großteil auch aus ihrer Sichtweise nachvollziehen. Max ist eher ruhig und pragmatisch und nimmt Situationen wie sie kommen.
Am Ende haben sich einige Situationen noch aufgelöst, aber viele angesprochenen Themen blieben weiterhin unbehandelt, was mir nicht so gut gefällt. So hätte ich gerne gewusst, ob der Bräutigam kurz vor der Hochzeit untreu war oder nicht, denn diese Vermutungen haben einen nicht unbeachtlichen Teil der Überlegungen ausgemacht. Die Antwort bleibt allerdings offen.

Veröffentlicht am 13.01.2025

rückwärtsgehen

Zitronen
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Das erste Kapitel war sehr verwirrend geschrieben, sprunghaft und voller Andeutungen, sodass ich mich beim Lesen erst einfinden musste, aber das Gefühl hatte, durch das Tempo und die Sprünge mir nicht ...

Das erste Kapitel war sehr verwirrend geschrieben, sprunghaft und voller Andeutungen, sodass ich mich beim Lesen erst einfinden musste, aber das Gefühl hatte, durch das Tempo und die Sprünge mir nicht die Zeit dafür nehmen zu können. Dies finde ich schade, da ich somit in die Geschichte hineingestolpert bin. Auch das Thema rund um die Apfelbäume war für mich zu präsent im Vordergrund. Danach wurden die Erzählungen stringenter und nachvollziehbar für mich. Manche Äußerungen und Erlebnisse sind dramatisch und wie angekündigt, der Sprachstil sprachgewaltig, sodass man als Leser*in häufig den Atem anhalten und in sich gehen muss. August wächst in einer völlig zerrütteten Familie auf, seine Mutter leidet am Münchhausen-Stellvertretersyndrom und somit verbringt August seine halbe Kindheit krank bzw. krankgemacht. In seiner Zeit als junger Erwachsener ist er bindungsunfähig, sodass auch seine Ehe schnell in die Brüche geht. Am Ende werden viele Dinge aus der Vergangenheit aufgeklärt und die Situation spitzt sich zu, mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Veröffentlicht am 06.01.2025

ein Wochenende eskaliert

Das Wochenende
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Vier Familie inklusive Kinder unterschiedlichen Alters treffen bei der Einweihungsparty des neu errichteten Campingplatzes zur Einweihung der Glamping Homes aufeinander. Ein Teil der Erwachsenen kennt ...

Vier Familie inklusive Kinder unterschiedlichen Alters treffen bei der Einweihungsparty des neu errichteten Campingplatzes zur Einweihung der Glamping Homes aufeinander. Ein Teil der Erwachsenen kennt sich schon seit der Jugendzeit, die Neuzugänge sind noch deutliche Außenseiterinnen. Bei dieser Konstellation, gepaart mit dem aufziehenden Unwetter, ist das Chaos schon vorprogrammiert. Bei einem alkohollastigen Abend am Lagerfeuer werden alte Geschichten aufgewärmt und Geheimnisse ausgeplaudert, die besser unter Verschluss geblieben wären.
Eine besondere, wenn auch traurige Sonderstellung unter den Kindern, hat Kip, der Adoptivsohn von Annie und Max, der durch traumatisierende Erlebnisse durch seine Eltern und zahlreiche Pflegeeltern, die ihn auch nicht gut behandelt haben, schon viele Schicksalsschläge einstecken musste. Auch mit ihm eskaliert eine zu Beginn harmlose Situation und die Gruppe wird in zwei Parteien gespalten.
Bis zu diesem Zeitpunkt konnte man noch von einem Roman ausgehen, ab dann wird es heftig und die Situationen eskalieren zunehmend.
Spannend finde ich, dass gewisse Situationen nur angedeutet wurden oder Namen nicht genannt wurden, wie zum Beispiel, das Mädchen, das im Krankenhaus liegt, das nicht namentlich genannt wurde. Hier konnte man als Leser
in mitraten und ich lag einige Male falsch mit meiner Vermutung.
Das Wochenende hat rückblickend für einige der anwesenden Personen große Veränderungen mit sich gebracht, teilweise im negativen Sinne, es hat allerdings auch ein paar positive Nebeneffekte. So hat sich Scarlett charakterlich weiterentwickelt und ist nicht mehr so oberflächlich und Kit erhält endlich die psychologische Unterstützung, die er dringend benötigt und wird sich hoffentlich auch auf seiner neuen Schule wohl fühlen.
So hätte sich wohl niemand das Glamping-Wochenende vorgestellt. Ich bin überrascht über die zahlreichen Wendungen und dann auch über die dahinterliegenden Motive, die schon einige Jahre in die Vergangenheit hineinreichen. Wenn Menschen verletzt werden, handeln sie oft impulsiv oder unüberlegt grausam, das hat die Geschichte auch deutlich gezeigt.

Veröffentlicht am 05.01.2025

Kreuzfahrt mal anders

Kein Land in Sicht
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Der Krimi startet mitten im Geschehen, auf hoher See auf einem Kreuzfahrtschiff. Als Leser*in wird man, gleich wie auch Kommissarin Sarah Peters, sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen und muss sich ...

Der Krimi startet mitten im Geschehen, auf hoher See auf einem Kreuzfahrtschiff. Als Leser*in wird man, gleich wie auch Kommissarin Sarah Peters, sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen und muss sich inhaltlich erst mal orientieren. Als Charakter finde ich Sarah abwechslungsreich und authentisch, vor allem in Kombination mit ihrer Kabinenkollegin Annette hat sie mir sehr gut gefallen. Ihr Kollege Michael ist zu Beginn wenig präsent und dann auch schon wieder weggesperrt, mit ihm konnte ich leider nicht so schnell eine Beziehung herstellen.
Die Geschehnisse am Kreuzfahrtschiff sind dramatisch, es erfolgt Organhandel mit Kindern im großen Stil. Das Undercover-Team versucht die Drahtzieher zu finden und begibt sich selbst in große Gefahr. Interessant ist, dass Sarah nach ihrem Gedächtnisverlust durch vermutlich K.O.-Tropfen nicht weiß, wer sie selbst ist und wie sie auf das Schiff gekommen ist, erst mit der Zeit kehrt ihre Erinnerung zurück.
Der Krimi hat einen Schreibstill, der durch Humor und Leichtigkeit fasziniert, obwohl die Situationen teilweise grausam und gar nicht ohne sind. Erst am Ende stellt sich eine gewisse Schwere und Trauer ein, die dann leider auch traurige Gewissheit wird.