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Veröffentlicht am 12.06.2025

Eine Geduldsprobe

Die Schrecken der anderen
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Dieses Buch macht es einem nicht leicht. Der Erzählstil ist ganz wunderbar, plastisch, mit feinem Humor und originellen Bildern. Nur wenn man dann auf Seite 100 noch immer nach der Handlung sucht, die ...

Dieses Buch macht es einem nicht leicht. Der Erzählstil ist ganz wunderbar, plastisch, mit feinem Humor und originellen Bildern. Nur wenn man dann auf Seite 100 noch immer nach der Handlung sucht, die sich in allerlei Schlenkern versteckt, dann nagt es schon am Geduldsfaden.

Es wurde eine Leiche im Eis gefunden, die da eigentlich gar nicht sein kann. Der menschenscheue Archivar Schibig wird beauftragt, den Fundort zu bewachen und dann direkt von Rosa, der Alten, die am Ufer in einem Wohnwagen lebt, rekrutiert. Die Alte will wissen, was passiert ist, denn der Tod ist auch immer ein Anfang, der Anfang einer Geschichte.

Dann ist da noch Kern, der Ehe-und Augenprobleme hat. Er ist erfolgreicher Geschäftsmann, aber seine steinalte, bettlägerige Mutter tyrannisiert ihn immer noch. Ein bisschen schräg ist hier jeder. Seine Frau will ein Kind und keine Kreide fressen. Das ist ihr wichtig und das kann gar nicht oft genug betont werden.

Ich war beim Lesen hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Verzweiflung.

„Schibigs Brust wird eng, die kugeligen Alveolen blähen sich auf, die Lungenbläschen füllen sich mit Eisluft und drücken den Sauerstoff voller Eifer in die Blutkapillaren. Der Körper hat zu tun, der Körper kommt kaum hinterher, der Körper tut sein Bestes.“

So etwas ist eine grandios beschriebene Verfolgungsjagd, ambitioniert aber wirklich bewundernswert. Nur folgt danach eine ganze Seite über einen gedeckten Güterzug, die Eisenschlage, woher und wohin, mit Sprühschrift, wie damals im Krieg… eine ganze Seite plastische Beschreibung für die schlichte Tatsache: Ein Zug fährt durch. Nicht nur das. Es tut noch nicht einmal was zur Sache, ob da gerade ein Güterzug fährt oder nicht.

Dieses Buch ist im Grunde ein Krimi, der mehr will und es dabei übertreibt. Meine anfängliche Begeisterung hat sehr bald nachgelassen. Nach etwa der Hälfte war es für mich nur noch eine Geduldsprobe.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Total verrückt

Stadt der Hunde
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Es ist nahezu unmöglich, etwas über dieses Buch zu schreiben ohne zu spoilern. Da ist ein legendärer Gehirnchirurg, der seit 10 Jahren seine verschollene Tochter sucht, aber in Grunde tut das gar nicht ...

Es ist nahezu unmöglich, etwas über dieses Buch zu schreiben ohne zu spoilern. Da ist ein legendärer Gehirnchirurg, der seit 10 Jahren seine verschollene Tochter sucht, aber in Grunde tut das gar nicht viel zur Sache. Dieses Buch ist total verrückt.

Jaap Hollander ist wieder in Israel, wie jedes Jahr, als er aus heiterem Himmel gebeten wird, eine arabische Prinzessin zu operieren, die einen schrecklichen Hirntumor hat. Niemand außer Jaap ist dazu in der Lage, Geld spielt keine Rolle. Und mit ausreichend Geld könnte Jaap doch nochmal die Negev Wüste durchsieben. Vielleicht finden sich nach 10 Jahren doch noch Spuren. Kann ja sein.

Wir erfahren viel über Jaaps Leben, insbesondere sein Liebesleben, bei dem blaue Pillen eine entscheidende Rolle spielen, immerhin ist er Rentner und kommt noch immer an keiner Frau vorbei. Sein Gedächtnis ist nicht immer das Beste.

Und während man sich noch fragt, worum es hier denn nun eigentlich geht, taucht ein sprechender Hund auf und die Geschichte dreht vollends durch. Ja, es gibt noch eine Überraschung und einen Erklärungsversuch, gut möglich, dass das Ganze Tiefen hat, die mir entgangen sind, nur kann ich damit leider nichts anfangen.

Für mich hatte dieses Buch einen gewissen Unterhaltungswert, der im letzten Drittel im Chaos unterging.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Grausiges Spektakel in hübscher Sprache

Das Buch Anderswo
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Ich wusste nicht, was BRZRKR -Comics sind und habe das Stichwort in der Buchbeschreibung gar nicht beachtet. Aber wahrscheinlich ist das ein guter Anhaltspunkt, ob man für dieses Buch geeignet ist, meine ...

Ich wusste nicht, was BRZRKR -Comics sind und habe das Stichwort in der Buchbeschreibung gar nicht beachtet. Aber wahrscheinlich ist das ein guter Anhaltspunkt, ob man für dieses Buch geeignet ist, meine Welt ist es definitiv nicht.

Den Anfang habe ich drei Mal gehört und dann beschlossen, dass ich einfach weiterhöre, ohne zu verstehen, worum es geht. Man landet mitten im Gemetzel zwischen Trümmern und Körperteilen und da ist der Mann und der Andere, tot oder verletzt, oder war er tot und ist es nicht mehr? Es ist schrecklich in nahezu jeder Hinsicht. Der Erzählstil ist sehr geschliffen, alles andere ein Chaos.
So geht es dann weiter. Irgendwie geht es um Unute, der unsterblich ist, der schon Jahrtausende auf der Welt ist, gelegentlich in einen Berserkerrausch verfällt und alles niedermetzelt, was ihm begegnet. Eine obskure Organisation möchte ihn erforschen, vernichten, als Waffe benutzen oder ein wenig von allem. Und über die Jahrtausende hinweg verfolgt ihn ein unsterblicher Hirscheber, ein Schwein, mit dem man dann direkt noch Tierversuche anstellen kann, wenn man es erwischt. Das ist alles so absurd und blutig wie es klingt, wenn auch hübsch erzählt. In Rückblenden erfährt man ein wenig aus Unutes Vergangenheit, zum Gesamtverständnis trägt das aber wenig bei.

Dieses Hörbuch ist schön erzählt und wird von wechselnden Sprechern toll gelesen, leider habe ich so gut wie gar nichts verstanden. Für mich war es ein grausiges Spektakel mit viel Blut, undurchsichtiger Mystik, undurchsichtigen Machenschaften und einem Kampfschwein. Es dauert 14 Stunden und 12 Minuten.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Pädagogisch wertvoll

Wie man einen Bammel auf Hosentaschengröße schrumpft
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Kinder lieben fantasievolle Geschichten, Abenteuer, Rätsel, Spaß und das auch gerne mit etwas Spannung gewürzt. All das findet man in diesem Buch nicht. Im Grunde ist es ein Kinderbuch für Erwachsene, ...

Kinder lieben fantasievolle Geschichten, Abenteuer, Rätsel, Spaß und das auch gerne mit etwas Spannung gewürzt. All das findet man in diesem Buch nicht. Im Grunde ist es ein Kinderbuch für Erwachsene, das planvoll in gut verdaulichen Dosen pädagogisch wertvolle Botschaften anbringt.

Da ist Elli, die immer alles mit ihrem besten Freund Jaro (Jaroslaw,

Migrationshintergrund) zusammen macht (

FREUNDSCHAFT durch dick und dünn). Sie lebt mit ihren beiden Müttern (

LGBTQ-Verweis) in einem Mehrfamilienhaus (

Nachbarschaftshilfe). Ihr Vater wohnt nur ein paar Straßen weiter (

glückliche Patchworkfamilie) Die beiden möchten sich ihren Ängsten stellen, damit sie bei der Klassenfahrt nicht dumm dastehen (

Mutmachen

Außenseiter

Selbsthilfe) Sie versuchen es als Projekt zu betrachten: Weg mit dem Bammel (benutzen Jugendliche heute eigentlich noch dieses Wort?) (

Jugendforscht

Selbstoptimierung

Selbsbewusstsein fördern).
Damit ich nicht alles von der eh sparsamen Handlung verrate, kommen jetzt nur noch die Hashtags:

Tierliebe

Katzenrettung

Mama bekommt ein Baby

große Schwester

neue Freunde

ehrlich währt am Längsten

Fehler zugeben können…

Das alles ist verfasst in einer munter putzigen Sprache, die kleinen Kindern sicher Spaß macht, aber die sind hier nicht die Zielgruppe. Ich nehme an, 10jährige langweilen sich mit diesem Buch genau wie ich. Mit so einem Buch lernen Kinder, dass Lesen mühsam und langweilig ist, dabei sollten sie doch gerade in dem Alter den Spaß am Lesen entdecken dürfen.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

Fragwürdiger Geistermix

Unmöglicher Abschied
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Ich habe schon einige Bücher von Han Kang gelesen und weiß, die sind alle etwas fordernd. Mit diesem hier konnte ich leider gar nichts anfangen.

Da ist eine Frau, der es nicht gut geht. Gyeongha hat einen ...

Ich habe schon einige Bücher von Han Kang gelesen und weiß, die sind alle etwas fordernd. Mit diesem hier konnte ich leider gar nichts anfangen.

Da ist eine Frau, der es nicht gut geht. Gyeongha hat einen ganzen Haufen Probleme und Migräne obendrein. Kein Wunder, wenn man da depressiv wird. Ihr Leiden wird plastisch und einfühlsam beschrieben, allein die Hintergründe dafür bleiben schwammig. Ich stelle fest, dass blankes Leid ohne Erklärung nicht sehr mitreißt. Ich hätte gerne mit ihr gelitten, aber ich möchte auch die Geschichte dazu.

Dann bekommt Gyeongha einen Anruf von ihrer Freundin Inseon. Inseon liegt im Krankenhaus und braucht jemanden, der ihren Vogel füttert. Auch das wird eindringlich beschrieben. Es ist für Gyeongha qualvoll, sich aufzuraffen, der Weg ist weit, das Haus von Inseon abgelegen und dazu kommt noch ein Schneesturm. Dass sie diese Reise überlebt grenzt an ein Wunder. Vielleicht hat sie auch nicht überlebt, diese Möglichkeit besteht auch. Gyeonghas Leiden lässt sie öfter mal ins Delirium fallen, sie hat Alpträume und dazu kommen auch noch Geistererscheinungen. Sieht sie wirklich Geister oder hat sie Wahnvorstellungen? Man weiß es nicht genau. Es ist eigentlich auch egal, weil sich dieses Buch im Grunde gar nicht um diese beiden Frauen dreht, wie man dann feststellen kann.

An diesem Ort haben grausame Massaker stattgefunden. Inseons Familie musste viel erleiden und das ist wohl die eigentliche Geschichte, die uns das Buch erzählen möchte. Nur tut es das sprunghaft und so ausführlich, dass selbst die grausigsten Vorkommnisse an einem vorbeirauschen. Man weiß auch oft nicht, von wem aus Inseons Familie denn gerade die Rede ist.

Dieses Buch ist ein einziger Alptraum, in dem Gegenwart und Vergangenheit zu lebendigem Grauen verschmelzen und ich sehe durchaus die Intention und den künstlerischen Anspruch, nur lesen wollte ich das nicht. Der historische Teil hätte interessant und anrührend sein können, berührt aber nicht, wenn man die Figuren nicht wirklich kennenlernt. Und der Gegenwartsteil ist am Ende eigentlich überflüssig, wirkt mehr wie ein dramatisch aufgebauschtes Gerüst, das der historischen Geschichte einen fragwürdigen künstlerischen Rahmen gibt.

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