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Veröffentlicht am 07.01.2025

Liebe, Trauer, Verwicklungen, unerwartete Wendungen - beste Unterhaltung

Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen
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Dora Heldt hat mit ihrem neuen Familienroman ein Panorama gezeichnet, das dem Hörer dieses Hörbuchs lange in Erinnerung bleiben wird. Die geniale Sprecherin Vera Telz gibt in Die Familienangelegenheiten ...

Dora Heldt hat mit ihrem neuen Familienroman ein Panorama gezeichnet, das dem Hörer dieses Hörbuchs lange in Erinnerung bleiben wird. Die geniale Sprecherin Vera Telz gibt in Die Familienangelegenheiten der Johanne Johansen eine Paradeleistung, jede Figur im Familienverbund bekommt nicht nur Stimme, sondern auch Charakter verliehen. Allein die Vorstellung, dass eine KI-Stimme sie ersetzen würde, ist wirklich nicht erfreulich.
Das Hörbuch taucht ein in die Hamburger Reederfamilie Johansen und damit einen wahren Pool an unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Johanne Johansen ist "nur" die Nichte des Besitzers Friedrich, aber sie ist nicht nur titelgebend, sondern tatsächlich auch die Hauptperson. Um sie herum sind die anderen Akteure versammelt, ihre Cousine Luise, deren Ehemann Tilo-Alexander, Tochter Emma, Sohn bzw. Stiefsohn Hagen auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Hausangestellte und Freundin Edda, deren Tochter Paula und Enkeltochter Frieda. Im Zentrum der Machtspiele war einmal Friedrich Johansen, das Oberhaupt von Familie und Reederei, im Buch jedoch ist er bereits alt und krank, sein Schwiegersohn und der Enkel Hagen führen die Reederei, aber leider bergab.
Wie Johanne, die zu Beginn der Handlung gerade hocherhobenen Hauptes in Rente geht, sich dem Niedergang der Reederei entgegenstemmt, wer ihr dabei hilft, wer ihr Steine in den Weg legt, all das liest und hört sich überaus vergnüglich über rund 13 Stunden. Dass sich in diesen Stunden auch ein paar Längen verstecken, habe ich auf Grund der amüsanten Schreib- und Erzählweise gut weggesteckt.
Fazit: Wer einmal so richtig in den Familienangelegenheiten einer noch nicht ganz verarmten Hamburger Familien kramen möchte, ist hier genau richtig. Einfach gute Unterhaltung, mit Herz, Schmerz und sogar mit ein bisschen krimineller Energie.
Gute 4 Sterne

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Unerwartete Wendungen

NordOstAngst (Flensburg-Krimi)
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Nele Bruuns Serie der Küstenkrimis wird mit diesem schon sechsten Band fortgesetzt. Ich kenne bisher keine Bücher der Autorin und bin völlig unvoreingenommen und gespannt an dieses Buch gegangen.

Gewohnt ...

Nele Bruuns Serie der Küstenkrimis wird mit diesem schon sechsten Band fortgesetzt. Ich kenne bisher keine Bücher der Autorin und bin völlig unvoreingenommen und gespannt an dieses Buch gegangen.

Gewohnt norddeutsch geht es erst einmal los und ein eigentlich mit Renovierungsarbeiten am Theater Flensburg beauftragter Mitarbeiter schlägt völlig außer Kontrolle die Wand zu einem Hohlraum im Garderobentrakt ein. Sein Übermut bzw. Unmut wird gebremst, als er im Inneren eine skelettierte Leiche erblickt. Die offenbar in der Serie schon bekannten Kommissare Anne Anders und Hendryk Larsson übernehmen den Fall. Die Identifizierung des Skeletts ging mir ein bisschen zu schnell und mühelos, aber mit dem Ergebnis können die beiden ja gut arbeiten. Ein Cold Case, der nicht nur die Aufmerksamkeit der Kriminalpolizei auf sich zieht.

Dass dann nach 39 Jahren doch noch immer der Mörder sein Unwesen treibt, denkt man ja nach dem nicht so aufregenden Beginn tatsächlich nicht. Erst nach zwei weiteren Ermordeten lichtet sich der Nebel nach einem überraschenden Detail, das die Kommissare auf die richtige Spur bringt.

Der Krimi ist unterhaltsam und leichtgängig geschrieben, ein guter Regionalkrimi. Da auch Rückblicke auf vorherige Bände der Reihe eingeflochten werden, ist das ja ein Grund, einmal nach den ersten fünf Büchern Ausschau zu halten. Sehr dankbar bin ich der Autorin, dass sie mir gegenderte und geschlechtergerechte Sprache erspart hat. Dafür gab es dann ein rasantes Ende.

Ich beziehe mich hier auf das E-Book.

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Veröffentlicht am 26.12.2024

Der perfekte Wohlfühlort

Ein Ohrensessel, zwölf Fragen und eine Reise zu dir selbst
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Das kleine Buch hat mir gefallen, es hat mir einige verschüttete Gedanken hervorgeholt und es hat mich bestärkt in meinem Lebensmotto, aus jeder noch so unerfreulichen Situation das Beste herauszuholen. ...

Das kleine Buch hat mir gefallen, es hat mir einige verschüttete Gedanken hervorgeholt und es hat mich bestärkt in meinem Lebensmotto, aus jeder noch so unerfreulichen Situation das Beste herauszuholen. Mit 70 hat man per se schon jede Menge Reife, Tabula rasa muss es für mich nicht unbedingt sein.

Eine Frau beginnt, sich mit sich selbst und ihrem ersehnten Wohlfühlort zu beschäftigen. Die Suche nach diesem ist immer auch eine Suche nach sich selbst. Im Buch ist es der Weg des Ohrensessels, der nur über das Finden eines inneren Ruhepols im Leben dieser Frau den richtigen Platz findet.

Unterteilt in 12 Kapitel und 12 Fragen an sich selbst bzw. für den Leser, bringt das Buch eine Ruhe und Klarheit, die einem im wilden Alltag manchmal fehlt.

Ein Zitat aus diesem Buch, das genau meinen Nerv trifft: "Um die wirklich wichtigen Ziele zu erreichen brauchst Du Geduld und Durchhaltevermögen." Beides hatte ich mein Leben lang, meistens hat es geholfen.

Cover und Typografie sind sehr ansprechend, einzig die kleine Schrift war etwas herausfordernd. Die grüne Auszeichnungsfarbe und die kleinen Illustrationen sind emotionale Unterstützung und Hoffnung zugleich.

Fazit: Das Buch bringt nicht nur Ruhe in das Dasein der namenlosen Protagonistin, es hinterlässt auch ein wohliges und ruhiges Gefühl im mental gestärkten Leser.

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Veröffentlicht am 19.12.2024

Gruselige Ereignisse

Eisiges Glas
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Nach STILLE FALLE jetzt EISIGES GLAS, Andreas de la Motte scheint einen Narren an den Urban Explorers gefressen zu haben. Wieder machen sich zwei auf, um unerforschtes Terrain unerlaubt zu betreten. Ich ...

Nach STILLE FALLE jetzt EISIGES GLAS, Andreas de la Motte scheint einen Narren an den Urban Explorers gefressen zu haben. Wieder machen sich zwei auf, um unerforschtes Terrain unerlaubt zu betreten. Ich sage es vorsichtig: es bekommt ihnen nicht gut. Mehr will ich nicht verraten.
Leo Asker, die Kommissarin für hoffnungslose Fälle, ist in ihrem Kellerbüro nun nicht mehr provisorisch sondern hat den Chefposten ganz regulär inne. Auch ihr Preppervater Per ist wieder mit von der Party und ihr Jugendfreund Martin Hill auch.
Ich war von diesem zweiten Buch nicht mehr ganz so begeistert wie vom ersten, aber der Autor gibt sein Bestes, dass sich einem auch hier wieder die Nackenhaare aufstellen. Der Schreibstil ist gut, man liest das Buch schnell und flüssig, es ist spannend und wie gesagt, sehr gruselig (für mich jedenfalls).
Fazit: Gute Unterhaltung, Nervenkitzel und eine 1A-Resilienzübung.

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Veröffentlicht am 18.12.2024

Wer eine verrückte Mutter hat, leidet nie an Langeweile

Man kann auch in die Höhe fallen
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Nach dem Roman Alle Toten fliegen hoch ist es erst das zweite Buch, das ich vom Autor lese. Bei allen anderen, die ja immer hoch gelobt wurden in der Presse und anderen Medien, hatte ich zunehmend die ...

Nach dem Roman Alle Toten fliegen hoch ist es erst das zweite Buch, das ich vom Autor lese. Bei allen anderen, die ja immer hoch gelobt wurden in der Presse und anderen Medien, hatte ich zunehmend die Befürchtung, dass mir die Texte zu nahe gehen würden, mich zu traurig machen könnten. Nun also ein zweiter Versuch mit Meyerhoffs neuem Roman. Und ich wurde nicht enttäuscht, obwohl es so einige Stellen gab, die mir etwas an der Seele fraßen, fühlte ich mich mit dem Buch doch recht wohl. Ganz besonders die Beziehung Mutter – Sohn nahm mir bisweilen den Atem, mal vor Lachen, mal vor Staunen oder Entsetzen, aber immer mit einem ironischen Lächeln. So hat Meyerhoff es geschrieben und ich habe es so empfunden. Die total „verrückte“ (ich schreibe das lieber in Anführungszeichen, nicht dass ich falsch verstanden werde) Mutter ist ein echtes Unikum. So einen trockenen Humor und so eine geschärfte Zunge kann man sich eigentlich nicht ausdenken, da muss ein Mensch Modell gestanden haben.
Dass Meyerhoff auch selbst etwas wunderlich sein kann in seinen Erzählungen vom Hier und Jetzt, darauf muss man gefasst sein. Seine Frau und seine Kinder erscheinen beinahe ein wenig abgebrüht, wenn der Vater völlig derangiert aus Wien kommt und plötzlich seinen hässlichen orangen Koffer als gestohlen melden will. Aber das muss man selbst lesen, wie das ausgeht. Dass die Familie bisweilen bis an die Grenzen von seinen egozentrischen Anwandlungen gereizt wird, ist nicht verwunderlich. Vielleicht ist da bei seiner Frau auch ein Aufatmen, dass er mal eine Weile außer Sichtweite weilt.
Meyerhoff schreibt bisweilen sehr pointiert, die Anekdoten reihen sich aneinander wie die Perlen einer Kette. Dass die Geschichten über die Theatererlebnisse nicht so kurz und treffend sind, hat mich bisweilen etwas gestört. Egal, ob nach der Wende im Ostberliner Maxim Gorki Theater (ja, es schreibt sich ohne Bindestriche, das war schon in der DDR so) oder in Ulm oder Bielefeld, man braucht da etwas Geduld. Auch wenn sich Meyerhoff gern selbst im Spiegel der unsäglichen Ereignisse betrachtet, kann er eine gewisse Selbstverliebtheit schlecht verbergen. Seine pragmatische Mutter reißt so manches Mal das Ruder herum. Etwas gekürzt und auf den Punkt gebracht, dann hätte ich mich noch mehr amüsiert.
Meyerhoff jedenfalls versucht den Spagat von Wien nach Berlin mit einem längeren Aufenthalt bei seiner Mutter in der Nähe der Ostsee erträglicher zu machen. Seine Erlebnisse und Gedanken und die Hoffnung auf ein neues Buch legen den Grundstein für dieses, welches man ruhig lesen sollte. Es verbergen sich jede Menge Lebensweisheiten und Anekdoten darin, es ist unterhaltsam und macht nachdenklich. Danke dafür, Herr Meyerhoff.

MankannauchindieHöhefallen

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