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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2025

Innige Frauenfreundschaft

Wir sehen uns wieder am Meer
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Eines Tages erhält Juni einen Anruf, der sie über das Schicksal der Freundinnen ihrer Großmutter Tekla in Kenntnis setzt. Im Jahr 1944 arbeitet die junge Krankenschwester Birgit im kalten Norden Norwegens, ...

Eines Tages erhält Juni einen Anruf, der sie über das Schicksal der Freundinnen ihrer Großmutter Tekla in Kenntnis setzt. Im Jahr 1944 arbeitet die junge Krankenschwester Birgit im kalten Norden Norwegens, als sie der 16-jähiren ukrainischen Zwangsarbeiterin Nadia begegnet. Das junge Mädchen muss in einer Fischfabrik Zwangsarbeit leisten. Birgit schließt sich dem Widerstand an und gerät dadurch in Lebensgefahr. Aber auch nach Ende des Krieges gerät sie zwischen die Fronten.

Das Cover passt perfekt zum Titel des Buches und versprüht Lebensfreude.
Mit ihrem Roman „Wir sehen uns wieder am Meer“ legt Trude Teige ihren dritten, perfekt recherchierten Roman vor. Nachdem in ihren bisherigen Romanen Junis Großmutter Tekla sowie ihr Großvater Konrad im Mittelpunkt standen, prägen nun die Freundinnen Teklas die Erzählung.
Die Autorin beschreibt anhand ihrer Protagonistin Birgit die Entschlossenheit und den Mut norwegischer Frauen und Männer, der deutschen Besatzungsmacht Widerstand zu leisten. Der Roman vermittelt an diesen Stellen politisches Hintergrundwissen. Da ist auch Freundin Annelise, die sich freiwillig in den Dienst der Deutschen begibt und erst nach dem Krieg zur Besinnung kommt. Am Beispiel von Nadia wird die Grausamkeit der Nationalsozialisten deutlich, die unter unwürdigen Bedingungen und mit Gewalt Menschen zur Zwangsarbeit verpflichteten. Nach dem Krieg begibt sich Birgit auf der Suche nach ihrer großen Liebe in Moskau in Gefahr. Erneut hat Trude Teige starke, eindrucksvolle Charaktere geschaffen.
Das dritte Buch der Autorin reicht aus meiner Sicht aber nicht völlig an ihre vorhergehenden Romane heran. Erst ziemlich zum Ende des Romans ist Spannung entstanden. Die Figur der Birgit blieb zum Anfang eher oberflächlich. Es war aber berührend zu lesen, wie die Freundschaft der Frauen allen Widrigkeiten standhielt. Ich vergebe für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.05.2025

Vermisste Kinder

Der Kindersuchdienst (Kindersuchdienst 1)
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Im Jahr 1955 arbeiten Annegret und Charlotte beim Kindersuchdienst des Deutschen Roten Kreuzes in Hamburg. Die Frauen können unterschiedlicher nicht sein. Während Charlotte aus wohlhabenden Verhältnissen ...

Im Jahr 1955 arbeiten Annegret und Charlotte beim Kindersuchdienst des Deutschen Roten Kreuzes in Hamburg. Die Frauen können unterschiedlicher nicht sein. Während Charlotte aus wohlhabenden Verhältnissen kommt, führt Annegret ein sehr einfaches Leben. Beide hüten zudem ein Geheimnis, das niemand erfahren darf. Die beiden Frauen arbeiten bald mit aller Kraft gemeinsam daran, die Eltern von Waisenkindern zu finden. Dabei stehen ihnen verschiedene Personen im Wege.

Die Romane von Antonia Blum, welche die „Kinderklinik Weißensee“ zum Inhalt haben, habe ich sehr gerne gelesen. Mit dem Kindersuchdienst stellt die Autorin wiederum die Schwächsten der Gesellschaft, die Kinder, in den Mittelpunkt ihrer Erzählung. Bereits das schön gestaltete Cover, das perfekt zum Titel des Buches passt, lädt zum Lesen ein. Antonia Blum schildert spannend und sehr emotional die Arbeit des Kindersuchdienstes. Kinder und ihre Eltern wieder zusammenzuführen, ist für Charlotte und Annegret eine Herzensangelegenheit. Im Zeitalter von Internet ist es nicht mehr vorstellbar und dennoch interessant zu lesen, wie mühselig und zeitaufwendig es für die beiden Frauen war, anhand von Karteikarten zu arbeiten.
Die Autorin hat zudem ein stimmiges Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse dieser Zeit gezeichnet. Veraltete Denkstrukturen über Frauen und ihren Platz in der Gesellschaft und im Arbeitsleben, für die der Abteilungsleiter Jochen Krüger steht, waren selbst 1955 noch nicht überwunden. Charlotte und Annegret sind authentische und sympathische Protagonistinnen, die sich beständig durch ihre Arbeit beim Kindersuchdienst weiter entwickeln. Auch wenn Antonia Blum für meinen Geschmack etwas viele Zufälle in ihre Erzählung eingefügt hat, ist ihr doch dank des flüssigen Erzählstils ein lesenswerter Roman gelungen. Ich vergebe für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 04.03.2025

Ein Haus auf Amrum

Der Duft von Kuchen und Meer
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Die Überraschung ist für Konditorin Maren perfekt – Oma Undine schenkt ihr ein Haus auf Amrum. Davon hat die alleinerziehende Maren noch nie etwas gehört und reist spontan mit ihrer sechsjährigen Tochter ...

Die Überraschung ist für Konditorin Maren perfekt – Oma Undine schenkt ihr ein Haus auf Amrum. Davon hat die alleinerziehende Maren noch nie etwas gehört und reist spontan mit ihrer sechsjährigen Tochter Leni auf die Nordseeinsel. Die beiden sind von dem inseltypischen Reetdachhaus sofort angetan. Hinzu kommt allerdings die neue Verwandtschaft, die weniger begeistert ist. Können Maren und Leni alle von sich überzeugen? Darüber hinaus lernt Maren einen anderen Inselbewohner kennen.

Bereits das anziehend gestaltete Cover weckt Leselust. Es handelt sich um meinen ersten Roman, den ich von Anne Barns gelesen habe. Die Autorin überzeugt durch eine angenehme Erzählweise. Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Erzählung spielt in zwei Zeitebenen. Neben den Ereignissen in der Gegenwart erfolgen Rückblenden auf das Jahr 1946 und die nachfolgenden Jahre, als die junge Frau Hedwig auf Amrum ankommt. Das hat für Abwechslung und Spannung gesorgt, wovon ich sehr angetan war.
Gerne habe ich Maren und Leni auf ihrem Streifzug über die schöne Insel begleitet. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Beziehung Marens zur Inselverwandtschaft, nachdem Oma Undine schwierige Verhältnisse angekündigt hat. Mit viel Charme lösen die beiden auch dieses Problem und decken ein Familiengeheimnis auf. Starke Frauen haben mehrere Generationen der Familie geprägt, wobei mich vor allem Hedwig überzeugt hat. Nette Charaktere und viel Lokalkolorit, ich vergebe für dieses Buch vier Sterne.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 08.01.2025

Die letzten Jahre von Ginsterburg

Ginsterburg
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Ginsterburg, eine kleine deutsche Stadt in den Jahren 1935 bis 1945. Für die dort lebenden Menschen hat sich ein neuer, der neuen Zeit angemessener Alltag eingestellt. Der Junge Lothar Sieber hat von ...

Ginsterburg, eine kleine deutsche Stadt in den Jahren 1935 bis 1945. Für die dort lebenden Menschen hat sich ein neuer, der neuen Zeit angemessener Alltag eingestellt. Der Junge Lothar Sieber hat von klein auf vom Fliegen geträumt und kommt seinem Ziel immer näher. Dafür muss er zunächst in die Hitlerjugend eintreten. Seine Mutter Merle, Buchhändlerin, hätte sich etwas anderes für ihren Sohn gewünscht. Sie ist mit dem Feuilletonisten der Ginsterburger Zeitung, Eugen von Wieland, befreundet. Beide stehen der neuen Zeit skeptisch gegenüber. Während andere Einwohner diese Zeit zu ihrem Gunsten nutzen. Dazu zählen vor allem der Blumenhändler Gürckel, der zum Kreisleiter aufsteigt sowie der Arzt Hansemann, der sich der SS anschließt.

Vorliegend handelt es sich um mein erstes Buch, das ich von Arno Frank lese. Der Autor hat die Handlung seines Romans in der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg angesiedelt. Die Erzählung umfasst den Zeitraum 1935 bis 1945 und stellt ganz normale Einwohner vor, die sich unter dem NS-Regime unterschiedlich entwickeln. Da ist der Feuilletonist Eugen, der sich mit dem neuen Regime nicht anfreunden kann, jedoch aus Angst schweigt. Ebenso die Buchhändlerin Merle, die sich um Sohn Lothar sorgt. Beide versuchen menschlich zu bleiben. Der Blumenhändler Gürckel nutzt die Gunst der Stunde für sich, ebenso der Arzt Hansemann. Nicht zu vergessen die Wahrsagerin Zola und die Zirkusleute, alles Roma, deren tragisches Schicksal ebenso vorbestimmt ist wie jenes des jüdischen Zeitungsverlegers Landauer.
Arno Frank hat die historischen Ereignisse anhand spannender Charaktere emotional aufgearbeitet. Ihm ist ein Roman voller Dichter vor düsterem politischem Hintergrund gelungen. Der Autor punktet mit einer überwiegend behutsamen und doch eindringlichen Wortwahl. In die Erzählung kommt schnell Bewegung, die Perspektiven wechseln aus meiner Sicht etwas zu schnell. Auch das Ende fand ich nicht sehr stimmig. Ich vergebe für diesen Roman vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2025

Die letzten Jahre von Ginsterburg

Ginsterburg
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Ginsterburg, eine kleine deutsche Stadt in den Jahren 1935 bis 1945. Für die dort lebenden Menschen hat sich ein neuer, der neuen Zeit angemessener Alltag eingestellt. Der Junge Lothar Sieber hat von klein ...

Ginsterburg, eine kleine deutsche Stadt in den Jahren 1935 bis 1945. Für die dort lebenden Menschen hat sich ein neuer, der neuen Zeit angemessener Alltag eingestellt. Der Junge Lothar Sieber hat von klein auf vom Fliegen geträumt und kommt seinem Ziel immer näher. Dafür muss er zunächst in die Hitlerjugend eintreten. Seine Mutter Merle, Buchhändlerin, hätte sich etwas anderes für ihren Sohn gewünscht. Sie ist mit dem Feuilletonisten der Ginsterburger Zeitung, Eugen von Wieland, befreundet. Beide stehen der neuen Zeit skeptisch gegenüber. Während andere Einwohner diese Zeit zu ihrem Gunsten nutzen. Dazu zählen vor allem der Blumenhändler Gürckel, der zum Kreisleiter aufsteigt sowie der Arzt Hansemann, der sich der SS anschließt.

Vorliegend handelt es sich um mein erstes Buch, das ich von Arno Frank lese. Der Autor hat die Handlung seines Romans in der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg angesiedelt. Die Erzählung umfasst den Zeitraum 1935 bis 1945 und stellt ganz normale Einwohner vor, die sich unter dem NS-Regime unterschiedlich entwickeln. Da ist der Feuilletonist Eugen, der sich mit dem neuen Regime nicht anfreunden kann, jedoch aus Angst schweigt. Ebenso die Buchhändlerin Merle, die sich um Sohn Lothar sorgt. Beide versuchen menschlich zu bleiben. Der Blumenhändler Gürckel nutzt die Gunst der Stunde für sich, ebenso der Arzt Hansemann. Nicht zu vergessen die Wahrsagerin Zola und die Zirkusleute, alles Roma, deren tragisches Schicksal ebenso vorbestimmt ist wie jenes des jüdischen Zeitungsverlegers Landauer.
Arno Frank hat die historischen Ereignisse anhand spannender Charaktere emotional aufgearbeitet. Ihm ist ein Roman voller Dichter vor düsterem politischem Hintergrund gelungen. Der Autor punktet mit einer überwiegend behutsamen und doch eindringlichen Wortwahl. In die Erzählung kommt schnell Bewegung, die Perspektiven wechseln aus meiner Sicht etwas zu schnell. Auch das Ende fand ich nicht sehr stimmig. Ich vergebe für diesen Roman vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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