Cover-Bild Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Argon
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Liebe und Beziehungen
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 14.11.2024
  • ISBN: 9783839821732
Martina Hefter

Hey guten Morgen, wie geht es dir?

Roman | Deutscher Buchpreis 2024
Inka Löwendorf (Sprecher)

Deutscher Buchpreis 2024

Hey guten Morgen, wie geht es dir  ist ein tiefgehendes Hörbuch, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.

Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet.

Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.

Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin . Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt? Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2025

Schlaflose Nächte

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Das Hörbuch Hey, guten Morgen, wie geht es dir? von Martina Hefter hat mich überrascht und begeistert. Es ist kein typisches Hörbuch, sondern eher eine Mischung aus Alltagsbeobachtungen, Gedanken und Poesie, ...

Das Hörbuch Hey, guten Morgen, wie geht es dir? von Martina Hefter hat mich überrascht und begeistert. Es ist kein typisches Hörbuch, sondern eher eine Mischung aus Alltagsbeobachtungen, Gedanken und Poesie, die mich oft zum Nachdenken gebracht hat. Die Protagonistin Juno ist eine Tänzerin (Balett), sie hat einen pflegebedürftigen Mann und ihr Leben ist alles andere als einfach. Nachts, wenn sie nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Hier kann sie so sein, wie sie es will und sagen und schreiben, was sie will. Juno flüchtet vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern. Mit einem bleibt sie aber länger im Kontakt. Die Sprecherin liest die Texte mit einer besonderen Ruhe und Klarheit. Das hat mir geholfen, mich voll auf die Worte zu konzentrieren und die kleinen, oft unscheinbaren Details im Leben zu erkennen, die Martina Hefter so wunderbar beschreibt. Es ist, als ob sie alltägliche Situationen in etwas Magisches verwandelt. Die Themen des Hörbuchs sind vielfältig – von den kleinen Momenten am Morgen bis zu den großen Fragen, die man sich manchmal stellt. Alles wird in einer einfachen, direkten Sprache erzählt, die leicht zu verstehen ist, aber trotzdem tief berührt. Ich konnte mich in vielen ihrer Gedanken wiederfinden, und das hat das Zuhören zu etwas sehr Persönlichem gemacht. Was ich besonders mochte, war die Leichtigkeit, mit der Martina Hefter ernste und schöne Themen verbindet. Sie spricht über das Leben, über Beziehungen und über das, was uns alle bewegt, ohne dabei zu schwer zu wirken. Das Hörbuch hat eine positive und nachdenkliche Atmosphäre, die mir sehr gut gefallen hat. Die Autorin schafft es, mit einfachen Worten tiefe Gedanken zu vermitteln. Es ist ein Hörbuch, das man am besten in Ruhe genießt.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Eine leise, berührende Einladung zum Hinschauen

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Meine Meinung und Inhalt

"Hey guten Morgen, wie geht es dir?" hatte mich sofort angesprochen.

Martina Hefter gelingt es, in ihrem Roman genau diese kleinen, oft übersehenen Momente des Lebens einzufangen ...

Meine Meinung und Inhalt

"Hey guten Morgen, wie geht es dir?" hatte mich sofort angesprochen.

Martina Hefter gelingt es, in ihrem Roman genau diese kleinen, oft übersehenen Momente des Lebens einzufangen und mit großer Sensibilität zu erzählen. Die Figuren sind für mich sehr nahbar und echt, mit ihren Unsicherheiten, Hoffnungen und kleinen Alltagskämpfen.

Besonders beeindruckt hat mich die Interpretation von Inka Löwendorf. Ihre ruhige, warme Stimme macht das Hörbuch zu einem sehr persönlichen Erlebnis. Dadurch fühlte ich mich richtig eingeladen, mich auf die Geschichte einzulassen und die Emotionen der Charaktere tief zu spüren.

Das Buch lädt mich ein, langsamer zu werden, genauer hinzuhören und den Blick aufs Wesentliche zu richten – gerade in einer hektischen Zeit ist das für mich ein Geschenk. Es ist kein Buch voller Action, sondern ein leiser Begleiter, der mich zum Nachdenken und Fühlen gebracht hat.

Für mich ist "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" eine wunderbar sanfte Erinnerung daran, wie wertvoll echte Begegnungen und ehrliche Fragen sind. Es hat mich bewegt und bleibt lange im Kopf.


Inhalt

Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.

Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt?

Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.


Über die Autorin

Martina Hefter lebt als Autorin und Performerin in Leipzig. Ihre Texte bewegen sich zwischen Gedicht, szenischen Schreibformen und Roman. Viele ihrer Texte setzt sie in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen szenisch um. Sie veröffentlichte drei Romane und – im kookbooks-Verlag Berlin – fünf Gedichtbände. Für ihren letzten Roman, »Hey guten Morgen, wie geht es dir?«, erhielt sie 2024 den Deutschen Buchpreis.

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Mythische Namen und irdische Probleme

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Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ erzählt die Geschichte von Juno, einer Tänzerin und Performance-Künstlerin Anfang 50. Sie pflegt ihren schwerkranken Mann Jupiter, seines Zeichens ...

Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ erzählt die Geschichte von Juno, einer Tänzerin und Performance-Künstlerin Anfang 50. Sie pflegt ihren schwerkranken Mann Jupiter, seines Zeichens Schriftsteller. Ihre finanzielle Situation ist wie bei vielen Kulturschaffenden prekär, Geld fließt nur unregelmäßig, sie kommen mehr schlecht als recht über die Runden. Jupiters Bewegungsradius ist mehr oder weniger auf ihre heruntergekommene Altbauwohnung in Leipzig beschränkt, während Juno einen großen Bewegungsdrang hat – sie verbringt ihre Zeit mit Dehnungs-und Kraftübungen, Ballettstunden, etc.
Ihre schlaflosen Nächte verbringt sie im Internet, chattet mit sogenannten Love-Scammern, jungen Männern, oft aus afrikanischen Ländern, die mit falschen Identitäten liebesbedürftigen Europäerinnen Zuneigung vorheucheln und versuchen, ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen.
Juno macht sich einen Spaß daraus, auf diese Scammer einzugehen, um so für einige Stunden ihrem Alltag zu entfliehen und sich eine Art von Freiheit zu schaffen, die ihr im realen Leben versagt ist. Sie irritiert die Love-Scammer so lange durch abstruse und verlogene Antworten bis diese sie blocken und abtauchen. Doch dann trifft sie auf Benu, einen jungen Mann aus Nigeria, der auch nach seiner Enttarnung den Kontakt aufrechterhält. Es entwickelt sich ein Zwiegespräch zwischen den beiden, sie wechseln zu WhatsApp und Videotelefonaten. Ihrem Mann Jupiter erzählt sie nichts von Benu.

Viel passiert in diesem Roman nicht, es ist eher ein Mix aus Alltagsbeobachtungen und Gedanken, flüssig geschrieben, in einer ruhigen, unaufgeregten Erzählweise, gleichzeitig aber auch fantasievoll und poetisch. Das Thema Mythologie nimmt einen gewissen Raum ein, ich kann damit wenig anfangen, beschäftige mich nicht mit Sternbildern, habe auch Lars von Triers Film „Melancholia“ nicht gesehen. Abgesehen davon deckt die Geschichte allerdings viele große Themen ab von Liebe, Misstrauen, Einsamkeit, Ausbeutung Ausgrenzung, der schwierige, weil nicht barrierefreie Alltag von Kranken und Beeinträchtigten bis hin zu Altersdiskriminierung, bietet also reichlich Stoff zum Nachdenken.

Nach wie vor bin ich eher ein Fan des geschriebenen Wortes, bei Hörbüchern schweifen meine Gedanken viel schneller ab und die Konzentration verliert sich. Das war hier allerdings dank der ruhigen und klaren Sprechweise von Inka Löwenberg nicht der Fall.
Ob der Roman den Buchpreis 2024 verdient hat oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, mir hat die Geschichte jedenfalls gut gefallen und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Ein nüchternes, kunstvolles und vielschichtiges Buch

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Zum Hörbuch: Inka Löwendorf ist keine schlechte Sprecherin, aber in Bezug auf Stimmfarbe und -varianz nicht meine liebste. Vor allem bei den Chatverläufen wurde mir nicht immer ganz klar, wer gerade schreibt. ...

Zum Hörbuch: Inka Löwendorf ist keine schlechte Sprecherin, aber in Bezug auf Stimmfarbe und -varianz nicht meine liebste. Vor allem bei den Chatverläufen wurde mir nicht immer ganz klar, wer gerade schreibt. Grundsätzlich fand ich den Text als Hörbuch aber gut umgesetzt.

Zum Buch selbst: Ehrlicherweise war ich zu Beginn eine ganze Weile lang nicht sicher, wohin dieses Buch eigentlich führen möchte. Martina Hefter hat hier ein Werk geschaffen, das vor allem durch Komplexität geprägt ist. Dahinter verschwinden manchmal die Emotionen der Figuren, nichtsdestotrotz halte ich es für ein großes Talent, die Welt in ihrer Vielschichtigkeit abbilden zu können.

Bereits die Protagonistin des Romans, aus deren Perspektive die Geschichte geschrieben ist, vereint verschiedene Blickwinkel auf sich. Sie ist schon etwas älter und versucht die Kontrolle über ihr Leben wiederzuerlangen, in welchem sie aufgrund ihres Altes weniger Aufträge als Performancetänzerin bekommt. Gleichzeitig pflegt sie aber auch ihren Mann Jupiter und legt Love-Scammer im Internet herein, von denen sie regelmäßig Anfragen erhält. Im Verlauf der Handlung macht sich Juno über viele Dinge Gedanken. Darunter zählen der eigene Rassismus sowie die persönlichen Privilegien, aber eben auch das eigene Leid aufgrund altersdiskriminierender und ableistischer Strukturen.

Ein wichtiges und innovatives Element ist die WhatsApp-Bekanntschaft zu ihrem ehemaligen (?) Love-Scammer Benu, der in Nigeria lebt und sich (scheinbar) zu erkennen gibt, nachdem Juno ihn bezüglich des Love-Scammings konfrontiert. Zwischen den beiden entsteht irgendetwas, klar definiert wird es wird jedoch nicht. Und das ist auch ein wiederkehrendes Muster des Buches: Um Vieles wird sich Gedanken gemacht, aber wenig konkret ausgesprochen. So ist auch das Ende ein wenig irritierend, eigentlich bleibt alles zur eigenen Interpretation offen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, wenngleich mensch sich auch bewusst sein sollte, dass es hier vor allem um Alltägliches geht und weniger um eine besondere Dramaturgie. Das hat durchaus seinen Reiz, ist aber vielleicht nicht für alle Menschen oder Lebenslagen das Richtige. Die Sprache ist nüchtern und phasenweise kunstvoll, letzteres für mich aber in einem akzeptablen Maß (ich mag das nämlich oft nicht). Besonders loben möchte ich aber wirklich die Komplexität der Figuren, welche mich selbst zum Nachdenken gebracht hat.

Menschen sind vielschichtig, ganz viel ist nicht, wie es scheint. Das hat Martina Hefter hier interessant und durchaus unterhaltsam umgesetzt, ohne sich selbst klar zu positionieren.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Juno ist online

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Jedes Jahr löst die Verleihung des Deutschen Buchpreises bei vielen Leserinnen und Lesern zunächst Skepsis aus. Auch Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ fällt in diese Kategorie ...

Jedes Jahr löst die Verleihung des Deutschen Buchpreises bei vielen Leserinnen und Lesern zunächst Skepsis aus. Auch Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ fällt in diese Kategorie – ein Werk, das thematisch und methodisch auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Doch bei genauerer Betrachtung offenbart es eine tiefere, nachdenklich stimmende Ebene, die sich den Lesern erst nach und nach erschließt.
Ohne die Nominierung für den Buchpreis wäre das Buch wahrscheinlich an einem breiten Publikum vorbeigegangen. Das Thema, in das Martina Hefter ihre Leser mitnimmt, wirkt auf den ersten Blick wenig einladend: Es geht um Love-Scamming, eine Art des Internetbetrugs, bei dem Männer versuchen, Frauen durch gefälschte romantische Absichten auszunehmen. Die Hauptfigur Juno, eine Performance-Künstlerin, fällt jedoch nicht auf diese Maschen herein. Stattdessen nutzt sie die anonymen Chatgespräche als Spiel, eine Art Bühnenauftritt in einem digitalen Raum. Hier kann sie Rollen annehmen, sich inszenieren und eine Art Kontrolle ausüben, die ihr im Alltag oft verwehrt bleibt.
Juno entspricht nicht dem typischen Opferbild, das oft mit Love-Scamming verbunden wird. Sie ist weder naiv noch verzweifelt auf der Suche nach Liebe. Im Gegenteil: Ihr Leben erscheint auf den ersten Blick stabil. Sie ist nicht reich, kommt jedoch mit ihrer sparsamen Lebensweise gut zurecht. Sie betreibt regelmäßig Sport, hat Ambitionen im Ballett und führt ein künstlerisch bereicherndes, wenn auch nicht erfolgreiches Leben. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich, dass der Alltag sie stark fordert. Die Pflege ihres Ehemannes, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, zehrt an ihrer Energie. Sie ist ständig unterwegs, gehetzt von einem Termin zum nächsten. Diese Überforderung, die sich schon seit längerem schleichend in ihrem Leben eingeschlichen hat, mag für viele Leser nachvollziehbar sein – sie ist keine Ausnahme, sondern ein Abbild der Realität vieler Menschen.
Doch warum lässt sich Juno, die weder verzweifelt noch mittellos erscheint, auf dieses Internetspiel ein? Martina Hefter nähert sich dieser Frage in kleinen, unaufdringlichen Schritten. Ist es einfach ein Zeitvertreib? Oder steckt eine tiefere Sehnsucht dahinter? Juno scheint sich selbst einzureden, dass sie die Männer durchschaut. Doch immer wieder lässt der Text erahnen, dass auch in ihr eine gewisse Hoffnung aufkeimt: Vielleicht sind die Dinge am Ende doch anders, als sie scheinen. Diese Ambivalenz macht die Figur so vielschichtig – Juno ist stark und verletzlich, kontrolliert und suchend zugleich.
Interessant ist auch, wie Hefter Junos Leben abbildet. Es gibt kaum Dialoge oder intensive menschliche Interaktionen. Der Text wirkt nüchtern und fast kalt, was den monotonen Alltag der Protagonistin treffend widerspiegelt. Doch gerade diese nüchterne Erzählweise erlaubt es Hefter, tief in Junos Gefühlswelt einzudringen. Die Handlung schreitet kaum voran, die Geschichte scheint auf der Stelle zu treten – eine literarische Reflexion von Junos stagnierendem Alltag. Und doch entsteht dabei keine Langeweile. Vielmehr schafft es die Autorin, die Leser in die scheinbare Leere von Junos Leben hineinzuziehen, die gleichzeitig voller leiser Konflikte und emotionaler Nuancen ist.
Ein wiederkehrendes Motiv des Romans ist Junos Fähigkeit, Rollen zu spielen – beruflich wie privat. Als Performance-Künstlerin ist sie es gewohnt, sich zu inszenieren, und im Internet kann sie diese Fähigkeit voll ausleben. Doch das Leben ist kein Drehbuch, und so stößt sie immer wieder an ihre Grenzen. In einer Szene am Ende des Romans wird sie Zeugin, wie Jugendliche gegen die Scheibe einer Bahn spucken, in der sie sitzt. Diese willkürliche Aggression überfordert sie, und sie bleibt passiv. Gleichzeitig zeigt der Roman auch ihre Stärke: So hindert sie einen Zug minutenlang an der Abfahrt, um sicherzustellen, dass der Rollstuhl ihres Mannes eingeladen wird. Diese Ambivalenz – zwischen Stärke und Hilflosigkeit, Kontrolle und Ohnmacht – macht Juno zu einer faszinierenden, vielschichtigen Figur.
Der Roman stellt immer wieder die Frage, was Juno wirklich antreibt. Ist es Liebe, die sie im Internet sucht? Oder einfach nur eine Flucht aus dem monotonen Alltag? Vielleicht ist es auch etwas Dunkleres: eine Sehnsucht nach dem Ende. Der wiederkehrende Verweis auf Lars von Triers Film „Melancholia“, in dem die Erde durch einen Kometen zerstört wird, legt nahe, dass Juno sich von der Vorstellung eines absoluten Endes angezogen fühlt. Diese morbide Faszination verleiht dem Roman eine zusätzliche Tiefendimension und öffnet Raum für Interpretationen.
„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ ist kein Buch, das durch große Dramatik oder tiefschürfende Konflikte besticht. Vielmehr lebt es von seiner ruhigen, unaufgeregten Erzählweise, die die Leser schrittweise in Junos Welt zieht. Der Text ist leicht zugänglich, aber keineswegs oberflächlich. Hefter hat es geschafft, eine ungewöhnliche Protagonistin zu schaffen, die auch skeptische Leser für sich einnehmen kann.
Doch trotz aller Qualitäten bleibt die Frage, ob dieses Buch den Ansprüchen des Deutschen Buchpreises gerecht wird. Die Thematik ist sperrig, die Erzählweise monoton, und die Tiefe erreicht nicht die Intensität, die man von einem preisgekrönten Roman erwarten könnte. Es ist ein stimmiges, nachdenkliches Werk, das sicherlich seine Leser finden wird – doch ein Meilenstein der deutschsprachigen Literatur ist es nicht. Dennoch bleibt es ein ungewöhnliches literarisches Projekt, das nachhallt und zeigt, wie vielseitig moderne Literatur sein kann.

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