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Veröffentlicht am 22.01.2025

Krakau während der deutschen Besatzung

Die Schwestern von Krakau
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Mit „Die Schwestern von Krakau“ hat Bettina Storks einen historischen Roman vorgelegt, der die Jahre 1941 bis 1943 in Krakau während der deutschen Besatzung wiedergibt.

Der Prolog führt uns ins Jahr ...

Mit „Die Schwestern von Krakau“ hat Bettina Storks einen historischen Roman vorgelegt, der die Jahre 1941 bis 1943 in Krakau während der deutschen Besatzung wiedergibt.

Der Prolog führt uns ins Jahr 1943, wir gehen direkt hinein nach Krakau zu Gusta Dawidson Draenger in ihre Gefängniszelle. Ihr Tarnname ist Justyna, sie ist aktives Mitglied von Akiba, einer jüdischen Widerstandsgruppe während der deutschen Besatzung.

Danach führt uns der Weg nach Paris, wir schreiben das Jahr 2017. Bettina Storks verbindet das historische Geschehen mit der fiktiven Geschichte um die deutschstämmige Familie Wagner. Das Schicksal der beiden Schwestern Lilo und Helene steht im Mittelpunkt, erzählt wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen mit Orts- und Zeitangaben, sodass man jederzeit weiß, wo man sich gerade befindet.

Nun, Édiths Vater Simon lebte in Paris, er erliegt mit 77 einem plötzlichen Herztod. Einige Monate zuvor hat er sie gebeten, zu ihm zu kommen, denn er wollte Wichtiges mit ihr besprechen. Das Gespräch, das zunächst nicht eilig schien, ist nicht mehr zustande gekommen. Nun sieht Édith sich in Simons Arbeitszimmer um und entdeckt dabei Notizen und eine Telefonnummer mit Stuttgarter Vorwahl, die zu einer Apotheke Wagner in Fellbach führt. „Was weiß Adi?“ steht auf einem Zettel. Adi ist Simons ältere Schwester, aber was soll sie wissen? Édiths Neugier ist geweckt und so ruft sie diese Nummer an, Tatjana meldet sich, sie ist bei ihrer Mutter Dora zu Besuch. Wie sich herausstellt, sind Édith und Tatjana miteinander verwandt, ihre Großmütter waren Schwestern. „Meine Großmutter Lilo und ihre Schwester Helene wuchsen als sogenannte Volksdeutsche im polnischen Krakau auf.“ Und so kommt es, dass Tatjana kurzerhand nach Krakau reist mit dem Ziel, mehr über ihre Familie zu erfahren. Édith versucht derweilen, in Paris bei ihrer Tante Adi mehr über die Vergangenheit herauszufinden, was sich allerdings als schier unmöglich erweist, da Adi keinerlei Erinnerungen zu haben scheint.

Der historische Teil umfasst die Jahre 1941 bis 1943 im von den Deutschen besetzten Krakau. Dabei lesen wir von den Gräueltaten der Nazis und deren Umgang mit den polnischen Bürgern, gehen direkt ins jüdische Ghetto, erfahren von den Widerstandskämpfern und deren mutigen Helfern und von den Deportationen der Juden. Die historischen Figuren findet man nochmal gut beschrieben am Ende des Buches, es sind sowohl Widerstandskämpfer als auch so einige der brutalen SS-Gruppenführer. Auch sind die wichtigsten historischen Ereignisse angeführt, was zusätzlich zum besseren Verständnis beiträgt und die wichtigsten Mitglieder der fiktiven Familie Wagner in Krakau, Fellbach bei Stuttgart und Paris finden sich am Buchanfang.

Es ist das Schweigen, das die Kriegsgeneration prägt. Auch bei den „Schwestern v on Krakau“ ist es nicht anders. Die junge Lilo bleibt in Krakau, sie war stets die Vernünftige, während ihre jüngere Schwester Helene es daheim nicht mehr aushält und sich klammheimlich nach Paris absetzt. Ihre Spur jedoch verliert sich, denn auch im fernen Frankreich sind es die Nazis, die viel Elend hinterlassen.

Es war nicht mein erstes Buch von Bettina Storks und wird auch nicht mein letztes sein. Ich schätze ihre hervorragende Recherche, sie ist ganz nah an den geschichtlichen Ereignissen, verknüpft sie geschickt mit den fiktiven Elementen und präsentiert eine homogene, gut lesbare Geschichte, die mich tief berührt hat und mir das Gefühl gibt, ein Stück weit mehr von der leider so unrühmlichen deutschen Geschichte zu wissen. Nie mehr – ich hoffe, dass auch dieser Roman dazu beiträgt, nie zu vergessen.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Odins Geist

Racheritual
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Neues von Ethan Cross – da muss ich dabei sein, eh klar. Von Francis Ackerman jun. kann ich sowieso nie genug bekommen, da will ich natürlich auch seine neuen Charaktere unbedingt kennenlernen.

Also: ...

Neues von Ethan Cross – da muss ich dabei sein, eh klar. Von Francis Ackerman jun. kann ich sowieso nie genug bekommen, da will ich natürlich auch seine neuen Charaktere unbedingt kennenlernen.

Also: Baxter Kincaid jagt den Ravenkiller. Gleich mal werde ich in die Welt des Steinar Hagen eingeführt, der sich als Anführer der Odin Society der nordischen Mythologie verschrieben hat. Seine Berserker - Blutjäger oder auch Raben - ritzen ihren Opfern post mortem Rabensymbole auf die Stirn. Sie verstehen dies als Ehrerweisung Odins. Steinars Gegenspieler Baxter hat einst dazu beigetragen, ihn hinter Schloss und Riegel zu bringen. Den Polizeidienst hat er quittiert, als dabei sein Partner fast ums Leben gekommen wäre. Und nun, neun Jahre danach, beginnt das gefährliche Spiel von vorn.

Baxter arbeitet mit Corin Campell zusammen. Sie wird leicht unterschätzt, ist sie doch eher klein und schmächtig. Und doch ist sie zäh und schnell, sie beherrscht gefühlt jede Kampfart, sie nimmt es locker mit jedem durchtrainierten Riesen auf. Mit Captain Natalie Ferrara, Chefin des Morddezernats, einer bildhübsche Latina, war Baxter einst liiert. Beruflich kreuzen sich ihre Wege immer mal wieder, sie ist seine bevorzugte Verbindung zur Polizei. Auch mischt Special Agent Isadora Davis vom FBI hier mit und auch begegnen wir Baxters ehemaligen Partner Terry wieder, der nach seiner Nahtoderfahrung als Priester seine Erfüllung gefunden hat.

In drei Teilen entfaltet Ethan Cross sein „Racheritual“. Gleich mal sind wir den dunklen Verbrechen mit den Ritualmorden sehr nahe. Er führt seine Leser ein in die krude Welt des Ravenkillers, lässt tief in die Gedanken und Taten der „Kulturenthusiasten“ mit ihrem Glauben an den nordischen Spuk blicken. Wilde Gestalten, unterschiedliche Kriegertypen, treiben ihr Unwesen und Baxter ist sich sicher, dass Hagen und seine Berserker hinter den Morden stecken. Dabei ist unerheblich, ob Steinar Hagen inhaftiert ist, denn er ist auch über die Gefängnismauern hinweg mächtig und einflussreich.

Im Gegensatz zu Ackerman ist Baxter beinahe handzahm, aber nur beinahe. Er ist ein ganz anderer Typ, er weiß seine Gegner zu nehmen, stellt denen so manch unvorhersehbare Falle. Mit Corin an seiner Seite sind die beiden ein unschlagbares Team, sie sind clever, agieren raffiniert und vorausschauend, sie ergänzen sich vortrefflich, auch wenn sie so einiges einstecken müssen. Vor allen die kleine, agile Corin sollte keiner unterschätzen. Dabei geht es hart zur Sache, die Morde ziehen sich durchs Buch, sie sind grausam, sie sind blutig, sie sind nichts für zarte Gemüter. Beide Seiten – die Guten und die Bösen – sind gut beschrieben. Gelegentlich vermischen sie sich, es ist und bleibt durchweg spannend und nervenaufreibend. Die Story hat mich von Anfang an gepackt und mich bis zum Schluss nicht aus ihren Fängen gelassen, erst dann wieder konnte ich durchatmen.

Und nun heißt es warten, lange warten auf das „Racheblut“. Wer auch immer im nächsten Buch auftaucht, vielleicht sogar jemand, der vermeintlich in den ewigen Jagdgründen weilt – Ethan Cross traue ich alles zu. So viel jedoch weiß ich: „Racheritual“ ist die perfekte Einführung in die Baxter-Kincaid-Reihe – ich lechze nach mehr.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Tolles Buch - eine Geschichte, die Funken sprüht

Wackelkontakt
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Wolf Haas erzählt Geschichten. Nicht eine, nein. Er berichtet von Franz Escher, dem Trauerredner, dessen Steckdose einen Wackelkontakt hat. Und er schreibt über Elio Russo, der im Zeugenschutzprogramm ...

Wolf Haas erzählt Geschichten. Nicht eine, nein. Er berichtet von Franz Escher, dem Trauerredner, dessen Steckdose einen Wackelkontakt hat. Und er schreibt über Elio Russo, der im Zeugenschutzprogramm eine andere Identität annimmt. Diese beiden Erzählungen werden zu einer einzigen, einer einzigartigen Vision, die ohne Kapitel auskommt, die sich ineinander verschlingen, die eins werden. Wie kommt es dazu?

Nun, Franz Escher wartet auf den Elektriker und um sich die Zeit bis zu seinem Eintreffen zu vertreiben, liest er ein Buch. Auch Elio Russo liest. Während er von Escher und seinem Warten auf den Elektriker liest, liest Escher von Russo. Vom Gefängnis, von seiner Entlassung und von seiner neuen Identität. Je weiter sie lesen, desto mehr nähern sie sich an.

Die doch sehr eigenwillige Konstruktion dieses Buches ist so abgefahren wie in sich stimmig, zumindest wird mir dies klar, je weiter ich lese. Gut, ich nehme das Buch nicht ständig zur Hand, um ein paar Seiten zu lesen wie es unsere Protagonisten tun. Nein, mich treibt es voran, ich will mehr wissen, bin gespannt auf das, was zum Schluss wohl kommen mag. Haas platziert jedes Wort, jeden Satz genau, zerfasert dabei alles, vermengt es in- und miteinander. Dies alles ist gut gewürzt mit einer gehörigen Prise Humor, der zuweilen ganz schön schwarz daherkommt. Das Ende dann hat mich nochmal total verblüfft. Wolf Haas´ Erzählkunst sprüht Funken. „Wackelkontakt“ ist meisterhaft in Szene gesetzt - ein Leseabenteuer der ganz besonderen Art.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Fesselnder historischer Roman

Die Tochter der Drachenkrone
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Die Fürstentochter Gwenllian war schon als 12jährige sehr reif für ihr Alter. Mit ihr sind wir in Wales, wir sind im Jahre 1197. Es geht wesentlich rauer zu als in der heutigen Zeit, der ewige Kampf um ...

Die Fürstentochter Gwenllian war schon als 12jährige sehr reif für ihr Alter. Mit ihr sind wir in Wales, wir sind im Jahre 1197. Es geht wesentlich rauer zu als in der heutigen Zeit, der ewige Kampf um Macht und Unabhängigkeit entzweit Familien - Gwenllian bekommt dies auch von ihren rivalisierenden Brüdern zu spüren. Und natürlich gilt auch für sie, den strategisch richtigen Partner zu ehelichen. Schon hier ist ihr eigener Wille und ihr klarer Verstand sichtbar, sie reift zu einer klugen Frau heran.

Sabrina Qunaj lässt aus Gwenllians Sicht ihr historisches Epos entstehen. Die Männer sind eher auf dem Schlachtfeld zu finden, währenddessen die Frauen – in unserem Fall Gwenllian – die Geschicke auf der heimischen Burg lenken. Kriege, Intrigen, Feindseligkeiten sind alltäglich und so manches Mal gerät auch Gwenllian zwischen die Fronten.

Die wunderbare Heike Warmuth hat das Hörbuch über 16 Stunden und 20 Minuten eingesprochen, sie hat mich mit ihrer ausdrucksstarken Stimme sofort für diesen historischen Roman eingenommen. Schon öfter habe ich ihrem perfekten Vortrag gelauscht und auch hier merkt man, wie sie jeder einzelnen Figur ihre ganz individuelle Note verleiht. So war es ein Leichtes, die diversen Charaktere allein von der Stimmlage auseinanderzuhalten und sich ganz auf das Geschehen einzulassen.

Der Auftakt des großen historischen Epos vor atemberaubender walisischer Kulisse ist gelungen, sodass ich einem weiteren (Hör)Buch gespannt entgegensehe.

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Veröffentlicht am 31.12.2024

Liberantas – eine fremde, eine faszinierende Welt

Liberantas
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Elainy ist mit ihrem Leben schlichtweg überfordert. Man könnte auch sagen, sie bekommt nichts auf die Reihe. Nun, sie lässt eine weitere Therapiesitzung über sich ergehen, jedoch sitzt sie einer Vertretung ...

Elainy ist mit ihrem Leben schlichtweg überfordert. Man könnte auch sagen, sie bekommt nichts auf die Reihe. Nun, sie lässt eine weitere Therapiesitzung über sich ergehen, jedoch sitzt sie einer Vertretung gegenüber – er stellt sich ihr als Kian Michaels vor…

…und Elainy findet sich in einer ihr fremden Welt wieder. Was sie zurücklässt, sind ihre Eltern und auch Deven, ihr Freund. Ihren toxischen Freund, von dem sie aber irgendwie nicht loszukommen scheint.

Ich war neugierig auf das Buch, hätte aber nicht gedacht, dass es mich so fasziniert. Das Glossar am Ende verrät schon so einiges von dieser fremden Welt fernab der Erde, in der Liebe verboten ist. Der erste Schock ist kaum verdaut, kommen so einige Geschöpfe zum Vorschein wie etwa Libercats, die unseren Katzen ähnlich sind, nur dass sie Flügel besitzen. Gefühle wie Einsamkeit, Wut, Verzweiflung, aber auch Glück, Angst und Trauer nähern sich immer dann an, wenn die hier lebenden Geschöpfe dies ausstrahlen. Auch leben hier die Confidos, die den Weg weisen sollen. Dann gibt es noch die Anima und die Inanis – Menschen, die hier leben. All diese Wesen und noch so einige mehr haben hier ihren Lebensraum und nun mischt auch Elainy mit, sie ist nach wie vor ein Avis, ein Mensch, der wieder zurück kann. In Awan, einem Inanis, hat Elainy einen ganz besonderen Beschützer, der sie am liebsten sofort in ihre Welt zurückschicken würde. Und doch scheint ein Band zwischen ihnen zu sein, das sie beide mehr und mehr in Gefahr bringt.

Nie hätte ich gedacht, dass ich so gut und sofort in diese Geschichte eintauchen kann. Es wird alles super beschrieben und wenn doch etwas nicht so ganz klar ist, ist das Glossar eine große Hilfe, wenngleich ich diese Gedächtnisstütze bald nicht mehr benötige, denn ich habe alle und alles verinnerlicht, bin ganz tief drin. Liberantas ist ein Paradies, so kommt es mir vor. All die Gerüche, die Instensität der Farben, die Früchte zum Greifen nah, die nach mehr schmecken - nur zu gerne hätte ich davon probiert, denn allein schon die Beschreibung lässt ahnen, dass man hier mit allen Sinnen genießt.

Es sind aber auch die tiefgründigen Gedanken, die dieses Buch zu etwas Besonderem manchen. Schon die Kapitelüberschriften machen dies klar, der Text dazu stimmt nachdenklich. Den Schreibstil von Larissa Braun mag ich sehr, sie hat mich oftmals schmunzeln lassen und wie schon erwähnt, hätte ich es nie für möglich gehalten, dass mich ein Fantasy-Buch dermaßen fesselt und in mir den Wunsch erweckt, weiterzulesen. Und die gute Nachricht – es geht weiter.

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