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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2025

Idee gut, aber leider doch sehr fokussiert auf die Leistungen von Männern

Guinness World Records für Erstleser - Die besten Rekorde für Erstleser
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Guinness World Records – Die besten Rekorde für Erstleser von Ravensburger enthält Informationen zu Rekorden in verschiedenen Kategorien (Fahrzeuge, Haustiere, Weltraum, Wilde Tiere, Sport, Dinosaurier). ...

Guinness World Records – Die besten Rekorde für Erstleser von Ravensburger enthält Informationen zu Rekorden in verschiedenen Kategorien (Fahrzeuge, Haustiere, Weltraum, Wilde Tiere, Sport, Dinosaurier). Die Informationstexte werden durch zahlreiche Bilder und Grafiken unterstützt, was das Leseverstehen für Erstleser erleichtert. Ich persönlich finde die Mischung auf manchen Seiten doch etwas wild und überwältigend und kann mir vorstellen, dass es auch Kinder gibt, die sich davon abschrecken lassen.
Die unterschiedlichen Kategorien machen das Buch für viele verschiedene Leser:innen interessant, wobei der Fokus doch sehr auf actionreichen, wilden Bereichen liegt. Ravensburger versucht sehr, hier keine Genderstereotype walten zu lassen (was ich ihnen prinzipiell erst einmal positiv anrechne), aber so ganz gelingt es noch nicht. Auch wenn das Cover in „neutralem“ Grün gehalten ist, sind die Inhalte doch sehr männerdominiert. So werden Frauen als Rekordhalterinnen zwar durchaus erwähnt, aber es finden sich deutlich (!) weniger Fotos bei den Einträgen zu Frauen und auch nicht in allen Kategorien tauchen beide Geschlechter auf (natürlich ist das nicht überall möglich, es gab halt nunmal nur einen ersten Menschen im All). Dass die absoluten Werte bei Männern in der Leichtathletik z.B. höher liegen als bei den Frauen führt dann dazu, dass auch nur diese erwähnt werden. Bei der Kategorie „Meiste Goldmedaillen“ steht in Klammern „(Männer)“ dahinter, einen Eintrag für die Frauen sucht man allerdings vergeblich. Ich würde mich wirklich freuen, wenn wir bereits bei Kinderbüchern auf eine ausgewogene Repräsentation achten würden.
Zum Schluss mag ich noch erwähnen, dass die Rätselseiten, die an jedes Kapitel anschließen, eine tolle Idee sind, um die Kinder zu motivieren, gründlich zu lesen und das Gelesene auch zu behalten. Davon gerne mehr.
Insgesamt 3,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.01.2025

Für Fans von Inception oder Jacques Lacan

Wackelkontakt
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Wackelkontakt von Wolf Haas fällt als allererstes durch das außergewöhnliche Cover auf. Ich konnte das Buch nicht länger anschauen, ohne dass mir schwindlig wurde und das passt ganz gut zum Inhalt ...

Wackelkontakt von Wolf Haas fällt als allererstes durch das außergewöhnliche Cover auf. Ich konnte das Buch nicht länger anschauen, ohne dass mir schwindlig wurde und das passt ganz gut zum Inhalt der Geschichte (dazu später mehr). Wenn man den Schutzumschlag abnimmt, gibt es auch eine kleine Überraschung auf dem Cover (so etwas gefällt mir ja immer sehr gut). Optisch also schon einmal sehr gelungen.
Und dann zum Inhalt. Das Buch hätte wirklich richtig gut sein können. Aber wann kommt es endlich bei Autoren an, dass es nicht cool ist, Frauen zu objektifizieren? Auch nicht literarisch. Und vor allem nicht, wenn die Stellen absolut nichts zur Geschichte beitragen und man sie, wenn man sie schon nicht umschreiben möchte, auch einfach weglassen könnte. Und ja, wenn die Brüste einer Frau als „ihre nicht zu übersehenden Vorzüge“ beschrieben werden, ist das objektifizierend. Und auch literarisch nicht gerade originell, ganz ehrlich.
Abgesehen davon ist es ein Buch, das man ganz wunderbar mit einem Seminar zum Thema postmoderne Literatur lesen kann. Es wirkt fast ein bisschen so, als hätte Wolf Haas eine Liste gehabt mit Aspekten, die diese Literatur ausmachen (können), und hätte sich dann ans Werk gemacht. Und das mag jetzt so klingen, als wäre das negativ, aber so meine ich das gar nicht. Ich hatte großen Spaß dabei, die verschiedenen Aspekte zu entdecken, miteinander in Verbindung zu setzen, Hypothesen aufzustellen und einfach mal wieder so richtig theoretisch in die Analyse zu gehen. Wir begegnen unter anderem Lacan, Derrida, oder de Saussure und ich freue mich ja jedes Mal über ein Wiedersehen mit diesen Franzosen.
Aber keine Sorge, der Roman funktioniert auch ganz prima ohne all das und man braucht absolut kein Vorwissen. Es geht viel um Sprache und (die Auflösung von) Bedeutung, das Infragestellen von Wahrheiten, den Wegfall von Kausalzusammenhängen, Fragmentierung, Zufall. Und eben auch um eine abgefahren absurde Geschichte, die trotz aller Unmöglichkeit doch irgendwie plausibel wirkt, wenn man sich darauf einlässt.
Die Idee, dass eine Figur einen Roman liest, in dem sie selbst vorkommt, ist so neu nicht. Ich erinnere mich an Austers Travels in the Scriptorium, bei dem das bereits in Ansätzen vorhanden ist. Und es gibt sicher viele weitere. Aber es ist hier gut gemacht. Und das bringt mich auch zum Anfang meiner Rezension zurück: wenn man versucht, die Ebenen der Geschichte genau aufzudröseln, kann es sein, dass einem schwindelig wird. Es ist ein bisschen Inception und viel willing suspension of disbelief, also die Bereitschaft der Lesenden, nicht alles zu hinterfragen, und einfach mal etwas hinzunehmen.
Ich finde es jetzt schwierig, den Roman neutral zu bewerten, da mich Misogynie einfach richtig nervt und ich es leid bin, dass es so oft einfach hingenommen und ignoriert wird und dadurch einfach kein Umdenken stattfindet. Die Story an sich hat mich schon gefesselt und ich habe das Buch innerhalb eines Tages gelesen, weil ich immer wissen wollte, wie es weiter geht. Aber ich habe mich halt auch immer wieder aufgeregt. Und das finde ich umso schlimmer bei Büchern, die ich so gerne uneingeschränkt gemocht hätte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2024

Auftakt in neue Fantasyreihe für Kinder mit Luft nach oben

Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! (Retter der Drachen 1)
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3,5/5 Sternen
Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! von Annett Stütze und Britta Vorbach, und illustriert von Stefanie Klaßen, ist der Auftakt in diese neue Serie für Kinder ab sieben ...

3,5/5 Sternen
Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! von Annett Stütze und Britta Vorbach, und illustriert von Stefanie Klaßen, ist der Auftakt in diese neue Serie für Kinder ab sieben Jahren. Gedacht ist es als Erstlesebuch, wobei ich es meinem Sohn vorgelesen habe (er ist allerdings erst fünf). Ich würde sagen, die Erstlesenden müssen schon relativ gut motiviert sein, denn es ist ein eher langes Buch.
Zum Inhalt: Lea muss mit ihrer Familie umziehen, und an ihrem ersten Tag in Drachenfels erhält sie von der Fee Nebula ein Drachenei. Natürlich schlüpft daraus relativ bald ein kleiner Drache, der sie an ihrem ersten Tag in die neue Schule heimlich begleitet. Von nun erleben wir mit den beiden diverse lustige/kuriose Situationen, und wir erfahren ein bisschen über die Hintergründe: ein böser Drache hat die Macht im Drachenreich an sich gerissen, und so brauchen die Drachen nun die Hilfe der Menschen. Das war es dann im Großen und Ganzen aber auch schon an Informationen und hier hätte ich mir wirklich mehr Unterbau gewünscht. Da das ganze als Serie ausgelegt ist, erfahren wir selbst am Ende des Buches vieles noch nicht und ich kann mir vorstellen, dass es manche Leser:innen vielleicht etwas frustriert zurücklässt, vor allem, wenn sie sich mühsam durch das Buch gekämpft haben.
Meinem Sohn hat es dennoch sehr gut gefallen und auch die wunderbaren Illustrationen haben für Begeisterung gesorgt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir das nächste Buch noch lesen werden und dann schauen, ob wir die Reihe weiter verfolgen oder nicht – je nachdem, wie gut die Ausarbeitung der Fantasy-Elemente ist. Hier ist definitiv noch ein bisschen Luft nach oben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.12.2024

Sehr interessant, aber anders als der Klappentext vermuten lässt

Die Lungenschwimmprobe
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Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg, übersetzt aus dem Norwegischen von Karoline Hippe und Ina Kronenberger, behandelt das Schicksal der Anna Voigt, einer jungen Frau, die bezichtigt wurde, ihr Kind ...

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg, übersetzt aus dem Norwegischen von Karoline Hippe und Ina Kronenberger, behandelt das Schicksal der Anna Voigt, einer jungen Frau, die bezichtigt wurde, ihr Kind nach der Geburt umgebracht zu haben.
Es wird in relativ langen Kapiteln erzählt, die jeweils die Perspektive unterschiedlicher am Prozess beteiligter Personen fokussieren. Wir erfahren viel über die damaligen Gesetze (v.a. über die Carolina), die das gottesfürchtige und misogyne Weltbild widerspiegelten und darüber, wie schwierig es war, mit Logik und Argumenten dagegen anzukämpfen. Ab und zu empfand ich es als etwas langatmig und repetitiv, letztendlich hat das aber die Leselust nicht getrübt und ich bin durch die 700 Seiten innerhalb weniger Tage geflogen.

Sehr interessant fand ich die Erzählhaltung, denn der Erzähler präsentiert sich auf der einen Seite als allwissend (bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. im zweiten Buch), lässt aber an einigen Stellen auch seine Unzuverlässigkeit durchblicken, wenn er beispielsweise von Vermutungen spricht. Er präsentiert sich außerhalb des Geschehens und verweist auf die Forschungslage, verwendet aber die damals übliche Sprache (inklusive sehr verschachtelter Satzgefüge mit mehreren Einschüben, was sich jedoch nach ein paar Kapiteln relativ flüssig lesen ließ). Diese Gegensätze erzeugen eine gewisse Spannung, die sehr subtil wirkt, und für mich typisch für gute historische Romane ist. Man fragt sich beim Lesen, wo genau die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion verläuft, und passt die eigenen Erwartungen immer wieder neu an. Auch gibt es anekdotische Kapitel, in denen der Autor den Entstehungsprozess kommentiert.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Ausdauer und Genauigkeit, mit der der Autor recherchiert hat, erwähnen. Am Ende des Buches findet sich ein QR-Code, mit dem man ein Dokument herunterladen kann, in dem sich ein Register sämtlicher historischer Personen findet, die im Roman vorkommen, inklusive teils ausführlicher Beschreibungen. Zusätzlich enthält es eine umfangreiche Übersicht der Sekundärliteratur und Abbildungen (wie Zeichnungen und Karten), mithilfe derer man sich die Originalschauplätze noch besser vorstellen kann. Natürlich braucht es das nicht unbedingt, ich fand es bei diesem Roman jedoch sehr aufschlussreich. Ich hätte mich gefreut, dafür nicht extra das Handy zur Hand nehmen zu müssen und bei Erwähnung eines neuen Namens einmal schnell hinten im Buch nachschauen zu können, aber ich kann auch verstehen, dass das Buch dann noch um einiges dicker geworden wäre.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die bereits erwähnte Sprache für einige Leser:innen ein Grund sein könnte, das Buch zur Seite zu legen. Viele Latinismen oder gar gleich lateinische Passagen, viele gestelzte, gekünstelte Konstruktionen und ausschweifende Monologe, die sich an der Rhetorik des siebzehnten Jahrhunderts orientieren, sorgen für einen sehr eigenwilligen Stil. Auch schwingt bei den Herren der gehobenen Berufsstände (ob nun Juristen, Theologen oder Mediziner) eine gewisse Arroganz mit, die nicht immer sympathisch ist. Ich fand es schade, dass die männlichen Sichtweisen so viel Raum einnehmen und Anna vergleichsweise wenig zu Wort kommt bzw. wir wenig aus ihrer Perspektive erzählt bekommen. Das mag die damaligen Verhältnisse repräsentieren, muss in aktueller Literatur ja aber nicht unbedingt so reproduziert werden.

Aufgrund des Titels und des Klappentextes hatte ich erwartet, mehr Fokus auf der Lungenschwimmprobe, dem wissenschaftlichen medizinischen Prozess und den Bemühungen der Aufklärung zu finden. Tatsächlich geht es allerdings sehr viel um die Darstellung der Gesellschaft und die Innenwelt der Protagonisten.

Insgesamt war das ein sehr unterhaltsamer und interessanter Roman, den ich trotz der vielen Seiten sehr schnell gelesen habe, auch wenn er nicht unbedingt das fokussiert, was ich mir erhofft hatte. Bei der Bewertung mit Sternen tue ich mich gerade etwas schwer, denn hier spielen besonders viele Kriterien eine Rolle, die sehr unterschiedlich ausfallen. Ich denke, 3,5 passt insgesamt ganz gut; ein Buch, das ich ganz gerne gelesen habe, aber doch die ein oder andere kleine Schwäche hat.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Urban Fantasy mit kleineren Schwächen

Jewel & Blade, Band 1: Die Wächter von Knightsbridge (Knisternde New-Adult-Romantasy von der SPIEGEL-Bestseller-Autorin von "Silver & Poison")
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3,5 Sterne
Jewel & Blade von Anne Lück ist eine Urban Fantasy, die sich um die Artussage dreht. Die Zielgruppe ist vermutlich YA, also junge Erwachsene, wobei ich sie eher ein bisschen darunter ...

3,5 Sterne
Jewel & Blade von Anne Lück ist eine Urban Fantasy, die sich um die Artussage dreht. Die Zielgruppe ist vermutlich YA, also junge Erwachsene, wobei ich sie eher ein bisschen darunter ansetzen würde, vielleicht bei älteren Teenagern.
Grundsätzlich geht es darum, dass die Protagonistin Harper herausfindet, dass sie magische Kräfte hat, die mit Schmuckstücken aus der Artuszeit zusammenhängen. Sie folgt Archer nach London, wo dieser sie in die geheime Gesellschaft der Erben der Mitglieder der Tafelrunde einführt. Natürlich läuft hier nicht alles rund, und es gibt Intrigen, Verbrechen, Quests und noch einiges mehr, um die Spannung hoch zu halten. Anfangs gelingt dies der Autorin auch recht gut, sodass ich schnell in die Geschichte gefunden habe und auch wissen wollte, wie es weitergeht. Leider wird es zur Mitte hin etwas langatmig und auch vorhersehbar, bevor die Geschichte dann zum Ende hin wieder Fahrt aufnimmt.
Bei den Figuren ist mir aufgefallen, dass die Protagonistin zwar durchaus recht lebendig beschrieben wird, aber insgesamt so viele Personen auftauchen, dass einige davon doch sehr blass bleiben. Leider trifft dies auch in gewissem Maß auf die Männer in ihrem Leben zu: sowohl Lark als auch Archer wirken auf mich nicht so richtig rund und ich kann noch nicht wirklich nachvollziehen, wo die Anziehung herkommt. Meine Lieblingsfigur war definitiv die Cousine Ada, die hoffentlich auch im zweiten Teil weiter an Harpers Seite bleibt.
Auch wenn mir nicht alles gefallen hat (ich muss allerdings auch zugeben, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre und daher vielleicht auch andere Erwartungen hatte), glaube ich schon, dass ich den zweiten Teil lesen werde, denn die Geschichte hat mich schon insoweit gefesselt, dass ich wissen möchte, wie sie ausgeht.

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