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Veröffentlicht am 14.02.2025

Spannend und ungewöhnlich

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Die Geschichte spielt auf einer kleinen abgelegenen Insel im Mittelmeer, die als einziges Gebiet nicht von dem schwarzen Nebel eingehüllt worden ist, der vor 90 Jahren alles Leben auf der Erde vernichtet ...

Die Geschichte spielt auf einer kleinen abgelegenen Insel im Mittelmeer, die als einziges Gebiet nicht von dem schwarzen Nebel eingehüllt worden ist, der vor 90 Jahren alles Leben auf der Erde vernichtet hat.
Die 122 Einwohner des Dorfes leben friedlich und freundlich miteinander, bringen sich in die Gemeinschaft ein und hinterfragen die strengen Regeln nicht, die den Tagesablauf bestimmen. Niema, eine der drei WissenschaftlerInnen, die alles überwachen und für Sicherheit sorgen, wird eines Morgens brutal getötet gefunden. Wenn der Mord nicht aufgeklärt wird, fährt das Sicherheitssystem der Insel runter und der tödliche Nebel kann dann auch die Insel ergreifen. Es bleiben 107 Stunden.
Die neugierige, unangepasste Emory aus dem Dorf wird mit der Aufklärung beauftragt und sieht sich einer kaum zu lösenden Aufgabe gegenüber, denn abgesehen vom Zeitdruck haben auch alle Bewohner keinerlei Erinnerungen an die vergangene Nacht.

Erzählt wird aus der Perspektive einer KI namens Abi, die mit allen Bewohnern in Verbindung steht, sie liest deren Gedanken und kommuniziert mit ihnen. Manchmal nimmt Abi überraschend die Ich-Perspektive ein, das erinnerte mich wieder daran, wer hier eigentlich der Erzähler ist, ich finde das vom Autor sehr geschickt gemacht.

Stuart Turton schreibt lebendig, bildhaft und atmosphärisch. Ich kann mir alles gut vorstellen, wozu auch das Personenverzeichnis und eine Zeichnung des Dorfes beitragen. Der einfallsreiche Weltenbau ist sehr gelungen, alles wird detailliert und glaubhaft beschrieben. Nahbar und vielschichtig werden die Charaktere durch die Kommunikation miteinander.

In dieser Geschichte ist nichts, wie es scheint, das fängt schon beim auf den ersten Blick idyllischen Cover in sanften Farben an, wären da nicht das leere Ruderboot und am oberen Rand die schwarzen Nebelschwaden.
Die Spannung steigt stetig an und ich habe mit Emory gerätselt, was genau in besagter Nacht passiert ist. Erst zum Schluss ergeben alle Puzzleteile ein vollständiges Bild.

Stuart Turton stellt in 'Der letzte Mord am Ende der Welt' die Frage, was das Menschsein ausmacht und unterhält mit einer spannenden und wohl durchdachten Geschichte mit überraschenden Wendungen. Er hat einen überzeugenden genreübergreifenden Roman geschrieben, gleichzeitig Krimi, Dystopie und Science Fiction.

Der Autor ist ausgesprochen vielseitig und hat bisher ganz unterschiedliche Bücher geschrieben, ich freue mich auf sein nächstes und kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Fein beobachtet, eindringlich und beeindruckend geschrieben

Halbe Leben
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'Halbe Leben' beginnt mit Klaras tödlichem Sturz und ich frage mich, wie es dazu kam, gab es eine Entwicklung, die hier einen Schlusspunkt findet, war das etwas anderes als ein Unfall?
In Rückblenden erfahre ...

'Halbe Leben' beginnt mit Klaras tödlichem Sturz und ich frage mich, wie es dazu kam, gab es eine Entwicklung, die hier einen Schlusspunkt findet, war das etwas anderes als ein Unfall?
In Rückblenden erfahre ich, wie Paulína als Pflegekraft aus der Slowakei engagiert wurde, um sich um Klaras nach einem Schlaganfall oft orientierungslose und verwirrte Mutter Irene zu kümmern, die wie Paulína im Haus der Familie ein Zimmer bewohnt. Paulína erweist sich schnell als kompetente Betreuerin und willkommene Hilfe in Klaras und Jakobs Haushalt. Jakob ist leidenschaftlicher Fotograf und nicht berufstätig, Klara um so engagierter bei der Arbeit als Architektin, im Büro und auf Baustellen fühlt sie sich mehr zu Hause und wertgeschätzt als daheim.
Paulína ist der Meinung, sie würde von ihren heranwachsenden Söhnen Andrej und Riso nicht mehr gebraucht und lässt sich daher für jeweils zweiwöchige Pflegeeinsätze ins Ausland vermitteln und die Kinder in der Obhut der Schwiegermutter, doch es entsteht zunehmend eine Entfremdung nicht nur zu den Kindern, sondern sogar zur eigenen Wohnung. Gleichzeitig bleibt ihr das Leben in Österreich fremd und sie traut sich nicht, zusätzliche Aufgaben im Haushalt abzulehnen, um die Jakob und Klara sie bitten und die großzügig extra bezahlt werden. Bei aller Freundlichkeit und Einbindung in das Familienleben bleibt das Machtverhältnis zwischen Arbeitgeber und Angestellter jederzeit bestehen. Viele kleine Missachtungen Paulínas als Mensch lassen einen Riss im Verhältnis der drei entstehen und Klara ist feinfühlig genug, das zu bemerken.
In Paulína und Irene kann ich mich gut hineinversetzen, in Klara sehr viel weniger.

Susanne Gregor schreibt klar, ruhig, aber eindringlich. Einfühlsam und realistisch beschreibt sie Pflegesituationen und den Alltag in der österreichischen Familie ohne zu werten. Neben Klaras und Paulínas Perspektiven gibt es auch Irenes, Jakobs und Risos Sicht auf Paulína. Die Figurenzeichnung ist glaubwürdig, die Charaktere sind lebendig und haben Tiefe, besonders die Frauenfiguren. Hier hat mir gefallen, dass ich auch über ihre jeweilige prägende Familiensituation in der Kindheit erfahre.

Mich hat 'Halbe Leben' sehr beeindruckt und meinen Respekt für die Frauen, die ihr Leben zwischen Zuhause und der Arbeit im Ausland aufteilen, noch vergrößert. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Elektrisierende Geschichte, großartig erzählt

Wackelkontakt
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Das Cover von Wolf Haas' neustem Roman ist anstrengend für die Augen, aber passt perfekt zu Titel und Geschichte.
Während Trauerredner und passionierter Puzzlefan Franz Escher auf den Elektriker wartet, ...

Das Cover von Wolf Haas' neustem Roman ist anstrengend für die Augen, aber passt perfekt zu Titel und Geschichte.
Während Trauerredner und passionierter Puzzlefan Franz Escher auf den Elektriker wartet, der einen Wackelkontakt reparieren soll, liest er ein Buch über Elio Russo, einen Mafioso, der in der Haft auf den Beginn seines Zeugenschutzprogramms wartet und zum Deutsch lernen ein Buch liest über Franz Escher, der auf den Elektriker wartet.

Wann immer einer der beiden Protagonisten zum Buch greift, wechselt die Erzählperspektive unvermittelt, mit Leichtigkeit erzählt Wolf Haas von einigen Tagen im Leben des grüblerischen, kontaktscheuen Franz Escher und von zwei Jahrzehnten des Elio Rosso, der sich als Marko Steiner tatkräftig und kreativ ein Leben aufbaut. Die beiden Geschichten haben erst nur Berührungspunkte und verweben sich dann umeinander. So wie Franz Escher Fakten nur als Grundlage für eine mögliche Version eines Leben betrachtet, über das er als Trauerredner spricht, bringt auch Wolf Haas Realitäten auf eine Metaebene und erzählt so eine Geschichte, wie ich sie noch nicht gelesen habe.
Am Ende finden alle Puzzleteil ihren Platz, aber das Buch beschäftigt mich auch nach Beenden weiter.

'Wackelkontakt' ist angenehm zu lesen, die Figurenzeichnung ist gelungen, selbst die Nebencharaktere sind glaubhaft und die Protagonisten haben Tiefe. Wolf Haas schreibt auf den Punkt, auch humorvoll, mit Sprachwitz und Spitzen in verschiedene Richtungen und verblüfft mit zwei Erzählebenen, die mit unerwarteten Wendungen überraschen, mitunter skurril sind und immer spannender werden. Mich hat der Roman bestens unterhalten und ich kann ihn uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Mitreißender fünfter Band um die phantastische Bücherwelt

Das Buch der verbotenen Träume
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Dawn, die im Winterhalbjahr in der Bücherei von Keswick arbeitet, kann seit dem Tod ihres Lebensgefährten Henry vor drei Jahren nicht mehr lesen, war das Lesen doch ihre große gemeinsame Leidenschaft gewesen. ...

Dawn, die im Winterhalbjahr in der Bücherei von Keswick arbeitet, kann seit dem Tod ihres Lebensgefährten Henry vor drei Jahren nicht mehr lesen, war das Lesen doch ihre große gemeinsame Leidenschaft gewesen. Ein gefundenes Buch scheint ihre tiefe Traurigkeit überwinden zu können, es übt eine große Anziehung auf Dawn aus und lässt sie überwältigend realistisch von Henry träumen, nachdem sie darin gelesen hat. Dass sie ausgerechnet mit diesem Buch aus ihrer Leseflaute herausfindet, setzt eine ungeahnte Entwicklung in Gang, die Dawn nach London in Mrs. Gateways Buchhandlung führt und in eine geheimnisvolle Welt der Bücher.

Erzählt wird aus Dawns Ich-Perspektive, so dass ich ihre Gedanken und Gefühle teile und mit ihr staune über die Begegnung mit Buchfiguren aus Klassikern, die teils so sind wie ich sie mir vorstelle, teils aber auch überraschen. Es macht Spaß, wie Mary E. Garner die Buchfiguren fantasievoll und dennoch glaubwürdig agieren lässt. Die Protagonisten sind vielschichtige Charaktere und entwickeln sich im Lauf der Geschichte, sie bewähren sich in gefährlichen Situationen, wachsen aneinander und miteinander, fördern und unterstützen sich. Die feine Figurenzeichnung der Autorin hat mir sehr gefallen. Mary E. Garner schreibt klar und lebendig, mit Humor, einfühlsam und warmherzig und schafft neben ganz bezaubernden auch furchteinflößende Figuren, die Gänsehaut machen.

Ich hatte als Neueinsteigerin in die Reihe keinerlei Verständnisprobleme. Die Geschichte ist so aufgebaut, dass sie mich von Beginn an mitgenommen hat, sowohl Gefühle als auch Überlegungen konnte ich nachvollziehen, die mitunter auch poetischen Gedanken haben mich berührt.
'Das Buch der verbotenen Träume' ist von Beginn an und durchgehend spannend und gipfelt in einem fulminanten, mitreißend beschriebenen Finale. Es bleiben am Ende keine Fragen offen. Mir hat dieser Urban Fantasy Roman, der unsere Gegenwart mit der phantastischen Bücherwelt so gelungen verbindet, außerordentlich gut gefallen und mich bestens unterhalten.

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  • Fantasy
Veröffentlicht am 31.12.2024

Spannend und sehr unterhaltsam

Der Auftrag der Zauberer
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Egilmar, ein Krieger, und Mena, eine Abenteurerin, suchen unabhängig voneinander im Auftrag ihrer jeweiligen Meister ein Artefakt und reisen gemeinsam, nachdem Mena Egilmar in der trockenen Steppe vor ...

Egilmar, ein Krieger, und Mena, eine Abenteurerin, suchen unabhängig voneinander im Auftrag ihrer jeweiligen Meister ein Artefakt und reisen gemeinsam, nachdem Mena Egilmar in der trockenen Steppe vor dem Verdursten bewahrt hat. Trotz des anfänglichen Misstrauens ergänzen sich die beiden völlig unterschiedlichen Reisenden, ihre Diskussionen lassen sie über den Tellerrand hinausschauen und andere Standpunkte verstehen oder zumindest tolerieren, während sie gemeinsam gefährliche Situationen meistern und Feinde überwinden müssen. Die Erzählperspektive wechselt zwischen den beiden Protagonisten, die ich immer mehr kennenlerne, besonders Mena hat mich fasziniert.
Mich hat die spannende Geschichte um Toleranz und Verständnis einerseits und ausufernde Rivalität und sinnlosen Neid andererseits sehr gut unterhalten, wie auch der lebendige, bildhafte Schreibstil mit seinem Humor mir gut gefallen hat.

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