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Veröffentlicht am 14.01.2025

Turbulent

Finsteres Herz
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Die zwölfjährige Sarah befindet sich mit den Kriminalkommissaren Lona Mendt und Frank Elling und zwei weiteren Personen in einem Sicheren Haus. Noch bevor Sarah vernommen werden kann, werden die beiden ...

Die zwölfjährige Sarah befindet sich mit den Kriminalkommissaren Lona Mendt und Frank Elling und zwei weiteren Personen in einem Sicheren Haus. Noch bevor Sarah vernommen werden kann, werden die beiden Ermittler angeschossen, das Mädchen verschwindet spurlos. Als Maja Kaminski und Hagen Dudek übernehmen, sehen sie sich Mord und Menschenhandel gegenüber.

Obwohl die Handlung anfangs verworren und undurchschaubar scheint, entwickelt sich rasch ein Sog, welcher den Leser gefangen nimmt und kaum mehr loslässt. Rasche Perspektiv- und Schauplatzwechsel lassen trotz der knapp fünfhundert Seiten keine Langeweile aufkommen, mit heftigen Szenen wie Schusswechseln und Menschen-, insbesondere Kinderhandel muss man zurechtkommen. Auch die Zeitenwechsel sorgen für größtmögliche Spannung, verlangen immer wieder genaues Hinsehen beim Lesen, um nicht die Figuren durcheinanderzubringen. Ein gewitzter Kniff des Staatsanwaltes ist notwendig, um die polizeilichen Ermittlungen nicht zu gefährden und bringt dem Krimi zusätzliche Pluspunkte. Oft genug geht es rasant und turbulent dahin, bis zum Ende weiß man nicht genau, wer aus welchem Antrieb handelt. Der exzellente Schreibstil mit ordentlichen Haupt- und Nebensätzen und realistischen Dialogen fügt sich in die Tatsache, dass dieser komplexe Krimi keine Wünsche offen lässt.

Eine gut durchdachte Handlung, die von Rostock bis nach Sofia führt und dem Leser kaum eine Atempause gönnt, bis er den letzten Satz erreicht hat samt einem tollen Ermittlerteam, das mit nur wenigen persönlichen Details durchwegs logisch vorgeht und damit ein würdiges Ende präsentiert. Klare Leseempfehlung!



Veröffentlicht am 12.01.2025

Auf Schiene

In einem Zug
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Der bekannte Schriftsteller Eduard Brünhofer muss rasch sein neues Werk auf Schiene bringen, um dem Vorschuss vom Verlag gerecht zu werden. Hierfür begibt er sich in einen Zug von Wien-Hütteldorf Richtung ...

Der bekannte Schriftsteller Eduard Brünhofer muss rasch sein neues Werk auf Schiene bringen, um dem Vorschuss vom Verlag gerecht zu werden. Hierfür begibt er sich in einen Zug von Wien-Hütteldorf Richtung München Hauptbahnhof – und trifft auf „eine Frau frühen mittleren Alters“ (kindle, Pos. 35). Obwohl er ungerne spricht, wird er in einen Dialog verstrickt, den wir im Folgenden lesen dürfen.

Eine gesamte Zugfahrt lang, nämlich von Wien nach München, zeigt Catrin Meyr Interesse an ihrem zufälligen Reisebegleiter, der ihr im Viererabteil schräg gegenüber sitzt. Mit einer spannenden Verquickung aus Gespräch mit Meyr und eigenen Gedanken Brünhofers versetzt Glattauer den Leser in die Lage des Beobachters und Zuhörers einer spannenden Bahngeschichte, die unglaublich gut unterhält, obwohl sie so einfach gestrickt ist – oder auch gerade deswegen. Humorvoll, selbstironisch, ein wenig autobiografisch (?) kommt dieses Bahngeplänkel daher und zaubert auch dem Leser da und dort ein Schmunzeln ins Gesicht. Heitere Momente, nachdenkliche Sätze, persönliche, ja fast aufdringliche Fragen lassen diese Reise kurzweilig dahingleiten, mitunter einen Stopp einlegen in manch einer Station wie Amstetten oder Attnang-Puchheim und nach kurzen Dehnübungen die beiden Hauptfiguren und gleichsam den Leser weiterreisen bis zum erquickenden Zielbahnhof, der noch für eine besondere Überraschung gut ist.

Dieses schmale, aber umso vergnüglichere Büchlein ist nicht nur Stationsführer von da nach dort, nein, die Reise mit zwei, mitunter auch drei Gästen im Viererabteil ist auch für den Leser eine erbauenden und erquickliche Reise zum Geheimnis von glücklichen Langzeitbeziehungen – oder gibt es etwa gar kein Geheimnis? Leseempfehlung!


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Veröffentlicht am 11.01.2025

Scandic Moments

In Liebe, Helsinki
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Annikki und Birger verbindet eine Jugendliebe, bis Anniki ihre politische Karriere voranstellt und Birger und Helsinki in Richtung Brüssel verlässt, Fünfzehn Jahre später, mit 33, begegnen die beiden einander ...

Annikki und Birger verbindet eine Jugendliebe, bis Anniki ihre politische Karriere voranstellt und Birger und Helsinki in Richtung Brüssel verlässt, Fünfzehn Jahre später, mit 33, begegnen die beiden einander bei einem Klassentreffen wieder und merken, dass sie immer noch tiefe Gefühle füreinander hegen. Aber zu viele Gründe sprechen gegen eine (neue) Beziehung oder gibt es doch noch eine kleine Chance?

Viele schöne nordische Momente dürfen wir in diesem ersten Band der Reihe „In Liebe, Europa“ in vollen Zügen genießen. Glitzernde Schneeflocken und skandinavische Kälte treffen auf verborgene Sehnsüchte und heiße Küsse – die dienen aber allein der Abwehr von aufdringlichen Journalisten, oder nicht? Eine Politikerin als Hauptfigur und ein Hotelerbe wider Willen stehen im Zentrum der erfrischenden Geschichte, in der – laut Nachwort – auch etliches an realen Vorbildern steckt. Umso verständlicher ist es, dass die Handlung absolut glaubwürdig beim Leser ankommt. Interessante Themenbereiche rund um Wahlen und Verleumdungen begegnen liebevoll gestalteten Szenen zwischen Geschwisterliebe und Eheversprechen. Warmherzig und empathisch schildert Madita Tietgen das Geschehen und lässt ihre Figuren dabei bis hin zu kleinen Nebenrollen höchst lebendig werden. So nimmt es nicht wunder, dass man schnell gefangengenommen wird von den Zeilen der Autorin und sich kaum loseisen kann von der Frage, ob Annikki und Birger wieder Vertrauen zueinander aufbauen können. Wird es ihnen gelingen, eine Brücke von Helsinki nach Brüssel zu schlagen oder kommt ohnehin alles ganz anders?

In Liebe, Helsinki – berührend, lebensnah und mit einem wohldosierten Schuss an Romantik. Eine wunderbare Geschichte, die ich nur wärmstens weiterempfehlen kann. Ich bin schon gespannt, welche Stadt und welche Personen die nächste Folge prägen.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Allein

Die Tochter des Roten Hauses
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Nachdem sich Annes Mann zu Tode gesoffen hat und der Mönch Laurin aus dem Kloster Laach vertrieben worden ist, ziehen die beiden durch das Eifelland. Wir schreiben das Jahr 1803, die Franzosen belagern ...

Nachdem sich Annes Mann zu Tode gesoffen hat und der Mönch Laurin aus dem Kloster Laach vertrieben worden ist, ziehen die beiden durch das Eifelland. Wir schreiben das Jahr 1803, die Franzosen belagern das linke Rheinufer, wir begegnen dem berüchtigten Johannes Bückler, alias Schinderhannes, der begabten Schriftstellerin Sophie von La Roche, Großmutter von Clemens von Brentano und weiteren historisch verbürgten Personen, während wir Anne begleiten auf ihrem steinigen Weg, den sie häufig allein bewältigen muss.

Eingebettet in einen so einfachen wie raffinierten Rahmen erfahren wir als Leser die aufreibende Geschichte einer mittlerweile gut vierzigjährigen Frau, die sich in einer rauen, von Männern dominierten Welt durchsetzen muss. Als ihr Begleiter, der Mönch, ermordet wird, sinnt sie auf Rache, aber kann sie dies mit ihrem Innersten vereinbaren?

In drei große Abschnitte gegliedert, stellt Natalie Hallward Annes Geschichte dar und beleuchtet treffend und bestens recherchiert die gesellschaftspolitische Lage in der Hocheifel. Ohne je dozierend daherzukommen, fließt viel Zeitgeschichtliches ins Geschehen mit ein und ermöglicht Einblicke ins Leben des beginnenden 19. Jahrhunderts. Anfangs hätte ich mir eine straffere Handlung gewünscht, die Ereignisse werden erst im Laufe der Zeit spannender und aufwühlender. Andererseits überzeugen gerade die Ruhe und Detailgenauigkeit im Schreibstil, sodass die Jahre mit Anne überaus authentisch und glaubwürdig erscheinen. Die zarte Liebesromanze am Rande passt gut dazu, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, im Gegenteil, streicht sie Annes Dilemma noch deutlicher hervor.

Ein Roman, welcher durch gezielte Recherche punktet und ohne gefühlsduseliges Beiwerk die Realität beim Namen nennt. Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 01.01.2025

Marienkapelle

Stumme Knochen
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Unter dem Fundament einer kleinen Marienkapelle in Kanadas Bergen werden menschliche Überreste gefunden. Handelt es sich bei dem Skelett um Annalise Jansen, die vor mehr als fünfzig Jahren spurlos verschwunden ...

Unter dem Fundament einer kleinen Marienkapelle in Kanadas Bergen werden menschliche Überreste gefunden. Handelt es sich bei dem Skelett um Annalise Jansen, die vor mehr als fünfzig Jahren spurlos verschwunden ist? Und was sagen die Mitglieder aus ihrer ehemaligen Clique zu dem Fund? Spannende Fragen, allerlei Theorien – welche Geschichte erzählen die verbliebenen Knochen? Detective Jane Munro und Anthropologin Ella Quinn ermitteln.

Loreth Anne White erzählt diesen Thriller aus unterschiedlichen Blickwinkeln, lässt Ermittler und Angehörige zu Wort kommen und gibt auch dem Freundeskreis aus den 1960er-Jahren eine Stimme. Die Atmosphäre in den Bergen und am dunklen See ist gekonnt eingefangen, um eine düstere Stimmung zu schaffen und die Verdachtsmomente auf unterschiedlichste Personen zu lenken, plausible Motive gibt es ebenfalls. Das Erzähltempo ist hoch, die Handlung abwechslungsreich und fesselnd. Dazwischen spielt auch Janes persönliches Trauma eine Rolle, der Lebensgefährte von Detective Muro gilt nämlich seit etlichen Monaten als vermisst. Langsam wird aufgedröselt, was am Tag von Annalises Verschwinden passiert ist, ungeahnte Wendungen steigern die Spannung und führen zu einer anderen – logischen – Auflösung als erwartet.

Ein Thriller ohne rohe, blutige Gewalt, der aber dennoch – besonders am Ende – unter die Haut geht und für beste Lesestunden sorgt. Empfehlung!

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